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> Ratgeber > Achterbahn zum ersten Milchzahn
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Ratgeberbücher
Buch Leseprobe Achterbahn zum ersten Milchzahn, Thomas Scholtyssek
Thomas Scholtyssek

Achterbahn zum ersten Milchzahn


Vater werden- mein Abenteuer mit Happyend

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Kapitelauszug:


WIR SIND SCHWANGER


 


Ich würde nicht sagen, daß bei uns schon die sogenannte


„biologische Uhr" laut tickte, aber zumindest surrte sie leise


im Hintergrund. In unserem doch ziemlich großen Bekanntenkreis


hörte man immer öfter von - zumindest für uns -


überraschenden Schwangerschaften bzw. sah die Resultate


dann später auf den nächsten Feierlichkeiten, die immer öfter


anstatt abends bei einem schönen Cocktail am Nachmittag


bei einer Tasse Kaffee stattfanden. Irgendwie kam man sich


kinderlos so langsam wie der letzte Mohikaner vor. Ausnahmen


gab bzw. gibt es natürlich bis heute. Da wären die Paare,


die zwar unbedingt Nachwuchs haben möchten, aber bei denen


es leider nicht klappt. Dann wären da die Karrieretypen,


die für das Kinderzeugen und für Kinder angeblich einfach


keine Zeit finden. Und letztendlich gibt es dann noch die typischen


Singles in unserem Bekanntenkreis, die mit ihrem


„Junggesellendasein" offiziell völlig zufrieden sind und bei


denen schon eine etwas „längere" Beziehungsbindung über


vier Wochen schlimme Panikattacken auslöst.


Uns konnte man schätzungsweise irgendwo zwischen alldem


einstufen, obwohl wir mittlerweile kurz vor unserem


fünften Hochzeitstag standen.


Meine Oma sagt immer: „Kinder, wie die Zeit vergeht",


und recht hat sie. Hätte ich damals ein Resümee über die


vergangenen Jahre ziehen sollen, so hätte ich sagen können:


 


Wir führen ein unauffälliges, zufriedenes Leben. Beide haben


wir einen sicheren Arbeitsplatz, verdienen ausreichend,


um uns zumindest dreimal pro Jahr einen netten Urlaub zu


gönnen, und leben in einem abbezahlten Einfamilienhaus


ohne sonstige Schulden. Des weiteren haben wir einen großen,


netten Freundeskreis sowie beide unsere Hobbys und


immer was um die Ohren. Alles in allem leben wir relativ


sorgenfrei vor uns hin. Wenn man aber ehrlich zu sich selbst


ist, haben wir bisher lediglich von Urlaub zu Urlaub gelebt.


Das sind unbestritten unsere Lebens-Highlights, die sicherlich


irgendwann aufgrund der „Macht der Gewohnheit"


langweilig werden könnten.


Wir waren gerade wieder im Urlaub, diesmal in Griechenland


auf der schönen Insel Rhodos, als meine Frau Nicole


zu mir am Strand sagte: „Irgendwie gleicht ein Urlaub


dem anderen, findest du nicht? Egal, wohin wir fahren. Eigentlich


könnte sich doch etwas in unserem Leben ändern."


Sie sprach mir damit aus der Seele. Wie recht sie doch hatte.


Auch mich überkam in letzter Zeit immer öfter das Gefühl,


daß es neben meinen beruflichen Verpflichtungen meine


einzige Aufgabe war, den übernächsten Urlaub zu planen,


zumeist bevor der nächste Urlaub vor der Tür stand. Das


begann damit, daß wir beide im Dezember bei unserem


Arbeitgeber schon einmal vorab den Jahresurlaub für das


kommende Jahr benennen sollten. Äußerst mühsam, wenn


man sich im Dezember, inklusive der damit verbundenen


weihnachtlichen Gefühle, mit seinen Sommerurlauben,


zumeist für die Monate Juni und September, beschäftigen


soll.


 


„Ja, stimmt, sehe ich genauso", antwortete ich. Irgendwie


komisch, da arbeitet man Monat für Monat, um sich wieder


einen dieser regelmäßigen - nicht ganz günstigen - Urlaube


leisten zu können, und nun liegt man hier am schönen


Sandstrand von Rhodos, hat ein super Hotel mit Meerblick,


Sonne satt, „all inclusive", und ist trotzdem - nennen wir


es - leicht unzufrieden.


Bisher war es immer so, daß ich Pärchen mit Kindern im Urlaub


wirklich bemitleidet habe. Augenscheinlich waren sie


ständig leicht angespannt und damit beschäftigt, ihre Kinder


bei Laune zu halten, damit sie nicht quengelig wurden


oder irgend etwas anfaßten, was sie nicht anfassen sollten.


Toller Urlaub. Jetzt ertappte ich mich plötzlich dabei, wie ich


aufmerksam einen Vater beobachtete, der mit seinem kleinen


Sohn eine Sandburg baute und dabei völlig begeistert aussah.


„Komisch, du wirst alt", dachte ich, „und das mit deinen


‚noch jugendlichen‘ 38 Jahren."


Gut, heutzutage werden Paare immer später Eltern, aber


bisher kamen wir uns, ehrlich gesagt, immer noch „zu jung"


für das Projekt „Eltern" vor. Biologisch gesehen war meine


Frau 34 und ich 38, aber wir fühlten uns natürlich wie höchstens


Anfang 20. Klar, es gab immer wieder Situationen, in


denen man sich wunderte, daß zum Beispiel ein Jugendlicher


einen auf einmal „siezte", aber irgendwie verdrängte


man solche Vorkommnisse umgehend erfolgreich.


„Vielleicht sollten wir es einfach mit einem Baby versuchen",


sagte meine Frau. Vor noch gut ein paar Jahren,


hätte mich so ein Satz, überspitzt gesprochen, bestimmt in


die Sahara getrieben.  Nun aber war ich ziemlich entspannt,


was mich selbst verblüffte. Die Vorstellung, vielleicht doch


irgendwann mit einem Kind, am besten noch dem eigenen,


ebenfalls am Strand zu sitzen und Sandburgen zu bauen,


gefiel mir ganz gut. „Klar, laß es uns versuchen, man weiß


ja auch nicht, ob es kurzfristig klappt oder ob wir das überhaupt


hinbekommen, ich bin gespannt", antwortete ich, ohne


meine plötzlich sehr positive Grundeinstellung völlig zu offenbaren.


In der gleichen Woche lernten wir im Hotel zwei miteinander


verwandte Ehepaare kennen, alle vier Anfang 50, somit älter


als wir und natürlich glückliche Eltern erwachsener Kinder.


Da sich bei „all inclusive" im Laufe eines Urlaubs, spätestens


nach dem zweiten Cocktail, das eine oder andere persönlichere


Gespräch ergibt, kamen wir zu später Stunde an der


Bar sitzend auch auf die sogenannte „K-Frage" zu sprechen.


„Wollt ihr gar keine Kinder haben? Sie sind so süß, wenn


sie klein sind", fragte Magda forsch, ganz passend zu ihrer


direkten Art, während ihr Mann die Augen verdrehte, was


eindeutig nicht am Alkohol lag. „Das Alter dafür hättet ihr


ja. Wir warten übrigens gerade darauf, Großeltern zu werden",


und ihr Mann verdrehte wieder seine Augen, diesmal


in die andere Richtung. Ich glaube, wir machten in dem Moment


sicherlich einen ziemlich erstaunten Gesichtsausdruck,


hatten wir uns bei dem sensiblen Thema doch gerade erst


auf eine Zielrichtung geeinigt. „Ja, generell sind wir nicht


abgeneigt, werden wir demnächst in Angriff nehmen", antwortete


ich relativ cool.


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