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> Satire > Das Schweigen der Bergziegen
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Bücher Satire
Buch Leseprobe Das Schweigen der Bergziegen, M. K. Ruppert
M. K. Ruppert

Das Schweigen der Bergziegen



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Hörprobe:
Um jeden Preis, Hauptsache billig... Ein großer Grund für den allgemeinen Bildungsnotstand in Italien ist zweifelsfrei das Automobil. Italiener gehen niemals, auch nicht zum Automaten um die Ecke zu Fuß. Und solange Museen, Galerien oder Bildungseinrichtungen sich dem öffentlichen Straßenverkehr entziehen,wird sich daran auch nichts ändern.Man hat sich hierzulande sogar bereits so an den fahrbaren Untersatz gewohnt, dass man nicht selten,wenn man nach dem Weg fragt, Antworten wie ‘etwa 100 Meter auf der linken Seite, zu Fuß vielleicht 200 Meter' bekommt. Autometer kann man einschätzen, Fußmeter nur vom Hören-Sagen irgendwelcher verrückter Touristen, die versuchen dem Verkehrschaos zu Fuß zu begegnen.Das Auto ist Ausdruck persönlichen Seins, oder doch zumindest der Schein davon, was man gerne sein möchte. Es wird nicht selten nur dazu benutzt um vom Punkt A (Zuhause) nach Punkt B (Arbeitstelle) zu gelangen, nicht ohne jedoch davor bei Punkt C (Morgenkaffee beim Bäcker um die Ecke), Punkt D (Zeitungskiosk) und natürlich Punkt E (Fußgängerzonennahe Balz- und Protzzonen) kurz zu halten, um dort in zweiter Spur einen Strafzettel an die Windschutzscheibe geheftet zu bekommen. Eine Zeit lang fuhr ich auch mit Straßenbahn und Bus durch die Stadt, einmal sogar schwarz, was mir ein handgeschriebenes Universalticket für 35 Euro einbrachte... aber das ist wiederum eine andere Geschichte.Wie es überhaupt dazu kam, dass ich zum Busfahrer wurde, muss ich kurz erklären: Letzten März, genaugenommen war es ein Montag Morgen in der Mailänder Rushhour, verabschiedete sich mein alter Benz und sah sich dem Großstadtchaos nicht länger gewachsen. Da alte Mercedesbleche bekanntlich recht schwer an den Randstein zu schieben sind, verwandelte sich die pulsierende Hauptschlagader in ein hupendes Inferno. Normaler Mailänder Alltag also. „Natürlich ein Veronese", schrie ein Alfafahrer mit geübtem Blick aufs Kennzeichen zwischen zwei Dauerhubtönen. Recht hatte er... ein Mailänder Wagen wäre in einer ruhigen Seitenstraße liegen geblieben... nicht jedoch der alte Benz mit VR-Kennzeichen. „Es ist ja schön, dass du hier Urlaub machst", schrie ein grauer Fiat Uno, welcher auch schon bessere Zeiten gesehen haben musste, „aber es gibt Leute die zur Arbeit müssen." Was für ein scharfsinniges und fleißiges Völkchen sind doch diese Mailänder. Ich hätte ja auch später ins Büro fahren können, da hatten sie ganz recht. Später, wenn die Rushhour vorbei ist... so etwa nachts um drei wird's hier unglaublich leer auf den Straßen. Die Autos parken auf Gehsteigen und ich könnte stundenlang auf Kreuzungen stehenbleiben... Allerdings stand ich jetzt mit ganzen 5,20 m Blechburg auf der Kreuzung und stemmte mich gegen das ohne Servounterstützung nur brachial zu bewegende Lenkrad.Die Warnblinkanlage schien noch zu funktionieren und blinkte bereits hektisch.Hektischer jedenfalls als in südlicheren Bundesländern Italiens, wo sie langsam anglimmen und ebenso zaghaft auslöschen.Hier im Norden Italiens flackern die Lämpchen hektisch wie eine zu Boden gefallenen Maschinenpistole. Nach einigen Minuten stand der Wagen am Rand und blockierte nur noch eine Spur. Ich saß im Café und vertrieb mir die Stunde mit übermäßigem Kaffeekonsum, ehe der mittels Handy herbeigerufene Mann vom ACI (ADAC) heranwackelte und neben dem Fahrzeug stehend nickte: „Also der Motor kann's nicht sein... den 8-Zylinder der alten S-Klasse bekommt nicht mal ein Veroneser in Stücke." „Was kann es Ihrer Meinung nach sein? Hoffentlich doch nichts Ernstes." „Bei dem schwülen Wetter würde ich sagen die Lichtmaschine",meinte er schulterzuckend. Ich überließ dem mit Kfz-Chromosomen gespicktem Schraubenschlüsselartisten den Wagenschlüssel und wanderte zur nächsten Straßenbahnhaltestelle. Star Trek Geräusche beim Türoffnen, Gratis-Schleudertrauma beim Anfahren und Abbremsen... Ich liebe öffentliche Verkehrmittel oder die ‘Mezzi Pubblici', wie man hier sagt. Auch ein geduldiger Mensch wie ich wartet nach 3 Tagen ohne Nachricht auf die erhoffte Meldung, dass es dem Patienten gut ginge, oder wenigstens auf dem besten Weg zur Besserung wäre. Ich rief also an und entschuldigte mich nach erfolgtem Anpfiff, dass ich mich schon melde, wo ich doch versprochen hatte auf seinen Anruf zu warten. Die Schimpftirade wider meine Person,meine Mutter und alle Veronesen im allgemeinen verging erstaunlich schnell.Der gute Mann war beschäftigt. Für die schönen Dingen des Lebens blieb ihm einfach zu wenig Zeit. „Sie brauchen gar nicht dauernd anzurufen", schrie er aus dem Hörer, „ich sag's Ihnen schon, wenn er fertig ist." „Wenn ich Sie schon mal dran habe, darf man wissen, was es ist?" Er atmete schwer und murrte „Die Kabel der Lichtmaschine sind ab.. Stop.. vermutlich Marder.. Stop... noch was?" „Wann ungefähr haben Sie Zeit ihn zu..." „Ich habe neue Teile bestellt... ich sag Ihnen dann schon wenn es soweit ist..." „Aber... tuut...tutt...Hallo?" Selbst ein interessantes Geräusch wie ein eingeworfener Hörer ist maximal 30 Sekunden unterhaltsam und so legte ich auf. Ähnliche Gespräche und ähnliche Beschimpfungen folgten während der nächsten Busschaukelwochen. Wäre ich nicht so ein erbärmlicher Feigling, wäre ich noch mal in die Werkstatt gefahren, nachdem er mir den 19er Gabelschlüssel an den Kopf warf. „Der Mann hat eben zu tun", erklärte ich Susanna, die mir notdürftig den Kopf einband. „Was meinst du,wenn ich von der Notaufnahme zurückkomme... die ein zwei Stiche sind ja schnell zu machen, gehen wir drei Häuser weiter zum Gebrauchtwagenhändler und sehen uns nach Ersatz um?" Susanna nörgelte, dass es auf keinen Fall... wir sollten endlich anfangen ein wenig zu sparen.. Im Notfall hätten wir nichts auf der Seite. Recht hatte sie. Ich deklarierte die Situation zum Notfall und ging allein zum Händler. „Buon giorno, amico", begrüßte er mich bereits von weitem, wie eine Weihnachtsgans üblicherweise von der Festgesellschaft begrüßt wird, ehe sie geschlachtet, ausgenommen, und gegrillt wird. „So gut ist der Tag nicht", erklärte ich ihm die Situation, die kaputte Lichtmaschine und ein Not gewordenes und billiges Ersatzfahrzeug.Er genierte sich nicht mir für einen ‘LanciaY' noch vor der offiziellen Einführung der christlichen Zeitrechnung einen Preis von 2 Millionen Lire zu nennen. Eigentlich ist seit ewigen Zeiten der Euro das gängige Zahlungsmittel, aber wenn es ums Handeln geht, wird weiterhin die alte Währung bevorzugt. „Guter Mann", log ich, „der Wagen ist keine 250 Euro wert, Tausend Euro sind zuviel, nur für ein- zwei Tage Ersatzfahrzeug... da fahr ich lieber mit dem Bus." Gewiss, ich pokerte hoch, aber ohne Risiko, keine Chance bei den Gaunern... „Sie sind mir ein Witzbold", schüttelte er den Kopf, „ich mach Ihnen hier einen Selbstkostenpreis, weil ich ja weiß, dass die Cousine einer Schwester meiner Freundin bei Ihnen im selben Häuserblock wohnt und Sie betiteln mich hier als Gauner?" Ich nickt stumm. Sichtlich eingeschüchtert wollte er um 200.000 Lire mit dem Preis... aber nur wegen der Cousinen-Bekanntschaft, nach unten gehen. Ohne die geringste Anspannung erkennen zu lassen, erklärte ich,....

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