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Reiseberichte
Buch Leseprobe Letztens mit Uschi in Guatemala, Simon Krebs
Simon Krebs

Letztens mit Uschi in Guatemala


7 sehr freie Kapitel - Ein Reisebericht

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Leseprobe


Letztens mit Uschi in Guatemala


Simon Krebs


 


...


800 Millionen Kaffeebäume gibt es in Guatemala. Mir hat nur eine frische Tasse Kaffee und der Blick auf den wundervoll, mystischen Atitlán-See gereicht, um mich nun wirklich in Richtung Entspannung zu lenken.


Ich sitze gerade auf dem Balkon des Utz Rajil Hotels im unromantischen Licht einer Energiesparlampe. Die in einen Topf gesetzte Palme leuchtet besonders grün vor dem Blick ins schwarze Nichts der Nacht. Ab und zu laufen ein paar Touristen an mir vorbei, zielstrebig zu ihren Hostels, Hotels, Eco Lodges und sonstigen Übergangs-Vier-Wänden. Tuk Tuks tuckern durch die gleichen Kopfsteinpflastergassen, ähnliche Zweitakter, wie man sie aus Indien und Thailand kennt. Der Nachbarhund bellt, es ist die erste Beschwerde eines Tieres, die ich hier in Guatemala wahrnehme. Ich bin natürlich auf klassischen Touristenpfaden unterwegs - so zumindest der Plan - aber die Straßenköter hier bisher sind ganz freundlich, tiefenentspannte Kumpanen. Wie der Herr, so's Gescherr, sagt man. Es trifft absolut zu. Am vierten Tag meines Guatemala-Besuchs kann ich noch keinerlei negative Äußerungen über die Menschen tätigen. Sie sind so ruhig. Die mit Reisegästen konfrontierten Guatemalteken wirken erstmal tendenziell ehrlich und herzlich. Echt wirken sie. Man wird weder von Geschrei, noch von Aggressionen gestört. Angenehm, wirklich angenehm.


Lance und Donna hatten recht. Die zwei sind ein Künstlerehepaar wie aus dem Buche. Sie aus dem rauen, windigen Chicago, er aus der sogenannten Music City, USA, die sich so viel Musik aus der Umgebung zu eigen machte und diese Federn alle auf dem Nashville- Hut trägt. Das weiß Lance, er ist ein kreativer Aufsauger und Donna, aus sehr gutem Haus, fand das immer beeindruckend. Angekommen an einem Wendepunkt in beider Leben ließen sie eines Tages die Vereinigten Staaten von Amerika zurück, um in einem lila angestrichenen, alten, klapprigen Mercedes-Wohnmobil die Fußgängerzonen Europas und manchmal die der großen, weiten Welt mit tiefem, urigen Blues zu bespielen. Sie sollten noch so viel erleben.


Im Grunde Stoff für ein eigenes Buch. Die zwei waren einen Tick enttäuscht, dass ich damals ihren Rat nicht befolgte. Im zarten Alter von 19 reiste ich nämlich wochenlang durch Mexico anstatt in der Berufsschule mehr über Bonellfederkerne, Leder- und Holzarten zu lernen.


„Go all the way down thru and make it to Guatemala! People are even more friendly there and it is even cheaper than Mexico!“


Damals hing ich zwei Wochen in dem damals noch ruhigen Puerto Escondido herum und verbrachte meine Zeit mit einem christlich gesinnten Schweden aus Uppsala, der unbedingt die ortsansässige Ananas-Hamburger-Verkäuferin ehelichen wollte und mit einer Wienerin, deren Macker ein ziemlich unangenehmes, arrogantes Burschenschaftsmitglied war.


Mein Musikerkollege Bob Style, eigentlich Countrysänger, aber nun seit vielen Jahren Kreuzfahrtmusiker mit gefühlten 85 besuchten Ländern und Inselgebieten auf dem Konto, schwärmte auch immer von Guatemala. Der hat viel gesehen, der muss es doch wissen!


Und dann war da doch noch der Messe-Guatemalteke! Ich habe mal für meinen Freund Rolando aus dem Schweizer Tessin auf der Düsseldorfer Drupa-Messe gearbeitet. Meine Erfahrungen als Entertainer und meine Globetrotter-Historie machten mich zum idealen Kandidaten für so eine Art „Sunny Boy“am Messestand, der mit anderen Geschäftsmännern von Welt in einen positiven Erstkontakt tritt. Als zusätzliche Munition hatte ich die Macht über den mit kaltem Menabrea-Bier gefüllten Kühlschrank und die mechanische Berkel, eine Schinkenschneidemaschine, vergleichbar mit der Qualität eines Rolls Royce.


Ein stattlich gekleideter, sehr netter und freundlicher Guatemalteke begeisterte sich an einem Messetag ganz besonders für die Schinkenschneidemaschine statt für die angepriesenen Schneidemaschinen für Druckerzeugnisse. Das „Schneiden“ war halt der Gag. Die hauchdünnen Scheiben des Parmaschinkens in Kombination mit dem Menabrea und ein paar Grissini begeisterten ihn einfach nachhaltig.


Mehrere Tage in Folge besuchte er mich in meiner Verkleidung als Parmaschinkenschneider vom Dienst. Ich bemerkte, wie er vorsichtig eine kleine Bindung zu mir aufbauen wollte. „Mein Vater hat ja auch deutsche Wurzeln!“, flüsterte mir der guatemaltekische Business-Mann zu.


„Wenn er jetzt hier wäre, würde er sich in den Schinken reinsetzen“, führte er fort. „Ok. Ja. Es ist aber kein deutscher Schinken. Es ist Parma. Aus Parma quasi ... aus Italien“, korrigierte ich ihn vorsichtig.


Der Guatemalteke hatte nämlich damit begonnen, und zwar ausführlich, die guten deutschen Schinken zu loben. Und immer wieder baute er seinen Vater mit in seine Ausführungen ein, wie sehr er sich doch erfreuen würde, an dem zarten Schinken, und da man danach ja regelrecht suchen muss in Guatemala. Ich bot ihm an, dass, wenn er nach Messeschluss nach Hause fliegen würde, ich ihm ja eine gekühlte Tupperdose mitgeben könnte. Den Schinken einzuschmuggeln wäre dann aber seine Sache ... Es freute ihn schon mal, dass ich auf seiner Seite zu sein schien. Er hatte aber noch ganz andere Gedanken im Sinn! Einen ganzen Schinken!


Ich versuchte unser Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. Schinken im Flugzeug. Quatsch. So ein Riesending durch den Zoll ... außerdem kostet so ein ganzes Teil ja auch einen Schein! Drei Kilo Parma oder wie? Mit einer Haxe unter'm Arm von Düsseldorf nach Guatemala, nee is´ klar! Rolando schaltete sich nun ein:


„We still have the Drupa-Show for five days, we need the Parma at the Show Booth. I personally ordered all the Parma Ham from Italy and brought it here!“, sagte er mit seinem stark durchdringenden Schweizer Akzent.


Ich sah Rolando an, dass er genauso dachte wie ich. Guatemala? Ist bestimmt voll heiß da. Will der den Schinken überhaupt zahlen? ... kriegt der nie über die Grenze!Ich ratterte auch weiter, hatte mal gehört, dass Guatemala als das Land des ewigen Frühlings betitelt wurde ... trotzdem zu warm. Doofe Idee.


Der weiterhin total freundliche, aber vielleicht etwas stürmische und ehrgeizige Guatemalteke ließ absolut nicht locker.


„Ok, ok the customer is King! Now I also sell Parma Ham to my customers, not only cutting devices or printers!“, schmunzelte und schweizerte der gemütliche Rolando.


Der Guatemalteke strahlte über beide Ohren.


Der hohe Preis ... ich glaube, es waren fast 200 Euro ... interessierte ihn gar nicht.


„Do you want me to bring the Parma Ham to your car?“ fragte ich. „No, I came with a taxi“, antwortete er.


Da dachte ich mir so, wie lustig es wäre, wenn der Geschäftsmann mit dem Riesenschinken im Taxi durch Düsseldorf kurven würde, um dann das Teil auf seinem Hotelzimmer zwischenzulagern.


„Can you bring it to my hotel?“, fragte er dann aber ausgerechnet mich.


Als Nichtautofahrer würde ich dann seinen Schinken wohl mit U-Bahn und Taxi herumtransportieren. Das entsprach jetzt nicht unbedingt meiner Vorstellung.


Es sollte aber genauso kommen. Die Hin- und Herplanerei zwischen Guatemala und der Schweiz hatte die Tatsache, dass ich noch nie einen Führerschein besessen habe, nicht bedacht. Also fuhr ich nach Feierabend auf der Messe im rheinischen Hochsommer mit einem großen, schweren, ganzen Parmaschinken mit der U-Bahn zum Düsseldorfer Hauptbahnhof. Pünktlich wie die Maurer standen der guatemaltekische Business-Man und ein weiterer Schinkenliebhaber in der Abendsonne am Taxistand vor dem Bahnhofsgebäude, in der Hand das Schinkenkuvert, gefüllt mit der Schinkenkohle.


Vor meinem ersten Flug nach Guatemala vor ein paar Tagen - mit dieser Geschichte im Kopf - war mir wieder klar:


Der Guatemalteke nimmt besondere Opfer auf sich, wenn es um Fleisch geht. In diesem Fall hatte der Mann mal eben mehr als ein guatemaltekisches Durchschnittsgehalt dafür rausgehauen!


 


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