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> Reise > Am Ziel vorbei führt auch kein Weg
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Reiseberichte
Buch Leseprobe Am Ziel vorbei führt auch kein Weg, Anna Buchwinkel
Anna Buchwinkel

Am Ziel vorbei führt auch kein Weg



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Der Tag, an dem unsere Geschichte spielt, war heiß. Else stand vor dem Bahnhof einer Kleinstadt, deren Namen sie sich nicht merken konnte, mitten im indischen Staat Goa und schwitzte. Goa war legendär für seine Strände und seine Partys, doch Else war aus einem anderen Grund hier: Kühe. Denn neben Schlagersänger Bernhard Bardensiehl und Eierlikör liebte sie nichts so sehr wie Kühe. Und in Indien lebten nicht nur zweihundertzweiundzwanzig Millionen heilige Kühe, sondern es waren auch viele von ihnen in Not. Als Else das gehört hatte, gab es für sie kein Halten mehr. Und so war ihrem Herzen gefolgt und hatte sich auf den Weg nach Indien gemacht, um ihnen zu helfen.


Nun sollte man meinen, dass es heiligen Kühen in Indien besser geht als ganz der durchschnittlichen Allerweltskuh, schließlich hatte der Staat Rajasthan sogar ein eigenes Ministerium für Kuhwohlfahrt, doch das stimmte so leider nicht. In vielen indischen Staaten war zwar das Schlachten von Kühen gesetzlich verboten, doch das führte leider dazu, dass viele Tiere, die alt, krank, behindert, unfruchtbar oder verletzt waren, sich selbst überlassen wurden. Und nicht nur das: Es gab sogar eine regelrechte Rindfleischmafia, die nachts Kühe von der Straße klaute und in LKWs zu einem der 30.000 illegalen Schlachthöfe oder ins benachbarte Bangladesh brachte, wo sie dann nach all den Torturen doch geschlachtet wurden. Dieser Mafia sollte unbedingt auch noch mal das Handwerk gelegt werden - dafür reicht eine Kurzgeschichte allerdings leider nicht aus. Else jedenfalls wollte fürs Erste den heimatlosen Kühen helfen. Und für die gab es zum Glück Kuhasyle, die sogenannten Goshalas, die oft privat betrieben und von Spendengeldern finanziert wurden. Else fand es als ehemalige Fleischersfrau nur richtig, einen Teil des Geldes, das ihr Ex-Mann mit Kühen verdient und das sie bei der Scheidung bekommen hatte, in die Rettung der Kühe in den Goshalas zu investieren. Und als ihr zu Ohren gekommen war, dass man den Kühen dort zur spirituellen Erbauung sogar Musik vorspielte, hatte sie ihnen neben Geld natürlich auch ein paar Bernhard Bardensiehl CDs eingepackt. Doch sie hatte noch etwas anderes in ihrem Gepäck: ein hochwichtiges und geheimes Päckchen. Und das musste sie hier übergeben, bevor sie sich der Mission „Kuh“ widmen konnte.


Das Päckchen hatte sie von einer netten Frau in Agra bekommen. Else hatte sich dort das Taj Mahal angeschaut, das bekanntlich ja das Monument hingebungsvoller Liebe schlechthin ist, hatte dort den Sonnenaufgang betrachtet und vor lauter Rührung ein paar Tränchen verdrückt. Da hatte sich Frau Pusapati, die dort ihres lieben verstorbenen Ehemannes gedachte, neben sie gesetzt und sie nach einem Taschentuch gefragt. Und während sie sich abwechselnd schnäuzten und die langsam aufgehende Sonne den Marmor in die verschiedensten Schattierungen von tiefem Rosa tauchte, erzählte Else ihr von ihrer Liebe zu Bernhard und zu Kühen. Da nahm Frau Pusapati ihre Hände, sprach von einer Fügung und eröffnete ihr, dass ihre Tochter, die einen Polizisten geheiratet und nach Goa gezogen war, dort gerade ein Goshala für alte, kranke und verletzte Kühe aufbaute. Else war begeistert. Frau Pusapati schlug ihr vor, doch dort vorbeizuschauen und bat sie, ihrer Tochter dann gleich ein äußerst wichtiges Päckchen zu überbringen - die indische Post sei nicht nur unglaublich langsam und es ginge viel verloren, nein, es würden auch noch lauter Gauner und Diebe dort arbeiten. Else hatte zwar nicht alles verstanden, aber da sie immer gerne half, hatte sie natürlich Ja gesagt und so hatte Frau Pusapti ihr zum Abschied - verbunden mit einem Haufen Segenswünschen -das Päckchen in die Hand gedrückt und ihr das Versprechen abgenommen, es bei ihrer Tochter Sundari abzuliefern. Und jetzt sollte Else hier am Bahnhof jemanden treffen, der sie – oder vielmehr das Päckchen – abholen würde.


So stand Else nun in ihrem geblümten Sommerkleid mit einem überdimensionalen Strohhut und ihrem riesigen Koffer im Kuhfleckendesign vor dem Bahnhof, schirmte mit der Hand die gleißende Sonne ab und hielt Ausschau.


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