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Politik, Gesellschaftskritik
Buch Leseprobe Corona Helau!, Stefan Burek
Stefan Burek

Corona Helau!


Deutschland in der Corona-Krise

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Leseprobe aus \"Deutschland in der Corona-Krise: Corona Helau!\" (Juni 2020):


 


Bereits nach kurzer Dauer des Lockdowns begannen die Maßnahmen Wirkung zu zeigen. Binnen etwas mehr als zwei Monaten schien das Ausbreitungsgeschehen soweit eingedämmt, dass man zumindest von begrenzter Kontrolle sprechen konnte. Was war geschehen? Es gab keine Medikamente, keine Impfung, keine Wundermittel – und doch dämmten wir die Pandemie in Deutschland deutlich ein. Tatsächlich kann man nahezu alle getroffenen Maßnahmen auf nur drei Punkte reduzieren, nämlich:


1. Die möglichst weitgehende Reduzierung von Kontakten


2. Das Einhalten von Abstand im öffentlichen Bereich


3. Das Tragen von Schutzmasken

Praktisch jede Maßnahme, die flächendeckend in Kraft trat, bezog sich auf einen dieser drei sehr einfachen Punkte. Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht im Personen-Nahverkehr und beim Einkaufen, Verbot von Großveranstaltungen, Einreisebeschränkungen, Abstandsregelungen und Zugangsbeschränkungen in Supermärkten und Geschäften – alles was wir taten, fußte nur auf verschiedenen Umsetzungen derselben drei Schutzmaßnahmen. Diese einfachen Maßnahmen zeigten eine derart durchschlagende Wirkung, dass fast überall die Einschränkungen, die die Wirtschaft betrafen, weitgehend wieder aufgehoben werden konnten. Unsere Statistiken änderten sich von über 6.000 auf teilweise unter 400 erfasste Infektionsfälle pro Tag. Geschäfte konnten unter Einhaltung von Hygienekonzepten wieder öffnen, Menschen wieder zur Arbeit gehen und ihren Lebensunterhalt verdienen.

Leider haben weder Politiker noch Wissenschaftler einen guten Instinkt für Einfachheit. Es scheint so, als fühlten Sie sich irgendwie unwohl, wenn die Dinge nicht kompliziert sind. Der nüchterne Betrachter jedoch erkennt auf den ersten Blick: Es ist einfach. Während der Großteil der Bevölkerung motiviert an die Sache heranging, änderte sich in einigen Bereichen allerdings wenig an dem nachlässigen Umgang mit der Corona-Epidemie.

Das wird zum Beispiel deutlich, wenn wir uns die Infektionszahlen nach Meldedatum auf dem „Dashboard“ des RKI ansehen. Das sollten Sie unbedingt tun. Sie werden eine extreme Wellenbewegung erkennen. Hoch, runter, hoch, runter – kann es sein, dass sich das Virus in solchen Schüben verbreitet? Eher nicht. Die Erklärung ist viel einfacher: Wochenenden. Ein Virus kennt keine Grenzen, ein Virus kennt keine freien Tage. Aber wir. Wochenende hat natürlich Vorrang vor Katastrophenschutz. Freitag Nachmittag – wir zählen dann am Montag weiter, es wird ja auf ein paar Tage nicht ankommen – bei lebenswichtigen Informationen für die Bekämpfung der Epidemie. Im Ernst? Spät kam die Idee, einen 7-Tage-Reproduktionswert zu berechnen. Dieser sei weniger schwankungsanfällig, wurde stolz verkündet. Stillschweigend wurde damit die Peinlichkeit relativiert, dass die meisten Statistiken, die wir während der Corona-Krise vorgelegt bekommen, als eine Mischung aus der Abbildung des Infektionsgeschehens und der Urlaubs- und Abwesenheitsstatistik der Meldebehörden zu betrachten sind. Und das in der größten Krise unseres Landes in der Nachkriegszeit. Im Grunde genommen war unter diesen Bedingungen alles andere eine 7-Tages-Betrachtung überhaupt nicht verwertbar. Sie halten das für Schlamperei? Das kommt darauf an, wo man seine Prioritäten sieht.

Während Wissenschaftler dennoch über die zweite Nachkommastelle von R-Werten sinnierten, die Medien Stunden und Stunden Statements von denen transportierten, deren Prognosen jedes Mal falsch waren und Politiker sich in der Verkomplizierung der Krise ergingen und auf Kosten der Transparenz und der Allgemeinheit parteipolitische Scharmützel austrugen, war die ganze Wahrheit in ihrer beinahe unerträglichen Einfachheit für jeden ersichtlich. Wie dem auch sei – die beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 wirkten. Und damit war auch auf einen Blick klar, wie wir es geschafft hatten, von einer Handvoll Infektionsfälle weit in den sechsstelligen Bereich hinein zu stolpern. Es war die Tatenlosigkeit des Krisenmanagements der ersten Phase, in dem wochenlang lang keine dieser Maßnahmen umgesetzt, schlimmer noch: Von solchen Maßnahmen regelmäßig abgeraten und aktiv gegen diese Maßnahmen entschieden wurde. Wir können sehen, dass die Kontrolle des Ausbreitungsgeschehens von nichts mehr abhängt, als von der konsequenten Beachtung dieser einfachen Vorkehrungen im Zusammenspiel. Nichts davon setzte unser Gesundheitsministerium um, rein gar nichts. So effektiv der Einsatz dieser Maßnahmen sich zeigte, so effektiv war auch das grob fahrlässige Versäumnis, sie nicht zu beschließen. Diese Fehlentscheidungen brachten – und das ist anhand des Verlaufes zweifelsfrei nachvollziehbar – ein Ausbreitungsgeschehen in Gang, das den Lockdown in dieser Form überhaupt erst erforderlich machte.

Nun werden einige einwenden, das hätte doch niemand ahnen können, schließlich sei diese Situation doch etwas vollkommen Neues gewesen. Um das unmissverständlich klarzustellen: Solche Einwände sind glatt gelogen. Als die Krise nach dem Karneval Fahrt aufnahm, wurde von vielen Seiten angeraten, Großveranstaltungen sofort zu unterbinden, ebenfalls wurde die Frage von Schutzmasken öffentlich diskutiert. Nicht genug, dass zunächst nichts davon umgesetzt wurde, nein, unser Bundesgesundheitsminister, das RKI und weitere, insbesondere vom Bundesgesundheitsministerium vorgestellte Experten lehnten diese Maßnahmen ganz konkret ab, zogen sie ins Lächerliche und rieten aktiv der Bevölkerung von diesen Vorsichtsmaßnahmen ab. Dem Bürger wurde konkret geraten, die wichtigsten Sicherheitsvorkehrungen nicht zu treffen. Sie finden diese Darstellung übertrieben? Hier ein paar ganz konkrete Beispiele.

Betrachten wir dazu eine unter anderem auf dem Facebook-Profil von Jens Spahn verbreitete Videobotschaft des Bundesministeriums für Gesundheit vom 03. März. Zu Wort kommt Frau Prof. Dr. Petra Gastmeier, Direktorin am Institut für Hygiene und Umweltmedizin an der Charité in Berlin zum Thema: „Wie kann ich mich vor dem Coronavirus schützen?“ In dieser Position sollte man eine zuverlässige Expertise zum Thema Schutzmasken bzw. Mund-Nasen-Schutz abgeben können, sollte man meinen. Und so lautet auch eine der eingeblendeten Fragen: „Brauche ich jetzt einen Mundschutz?“ Zitat aus der Videobotschaft: „Einen Mundschutz zu tragen macht nur Sinn für die Mitarbeiter im Gesundheitswesen, weil die haben ja den engen Kontakt zu den Patienten und müssen sich schützen und es macht auch Sinn, dass ein Patient, der selbst erkrankt ist, eine Maske trägt, wenn er zum Beispiel vom Ort A zum Ort B laufen muss. Es macht keinen Sinn für nicht infizierte Patienten oder Personen in der Bevölkerung, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Da hat sich keinerlei Vorteil in Studien für gezeigt.“

Überhaupt darf man an dieser Stelle die Frage aufwerfen, weshalb beim Thema Schutzmasken immer wieder erklärt wurde, deren Wirksamkeit sei nicht erwiesen. Wir sprechen hier wohlgemerkt nicht von der Mondlandung, sondern von einem Hilfsmittel, das Ärzte und medizinisches Personal seit über hundert Jahren verwenden. Gravitationswellen haben wir also durch eine Längenänderung von einem Tausendstel Protonenradius nachgewiesen, aber die Wirkung eines Tuchs vor dem Mund ist nach wie vor ungeklärt. Wir müssen anerkennen, dass wir über Schwarze Löcher scheinbar mehr wissen als über einen Mundschutz für 99 Cent. Es stellt sich die Frage, was wir in den letzten 17 Jahren seit SARS eigentlich getrieben haben. Einige Wochen später erreicht uns die Nachricht, Professor Yuen Kwok-yung aus Hongkong habe die Wirksamkeit von Masken durch einen Versuch mit Hamstern nachgewiesen. Nun, wir hamstern stattdessen Toilettenpapier, so hat eben jeder unterschiedliche Prioritäten.
(\\\\\\\"Deutschland in der Coronakrise: Corona Helau!\\\\\\\" S. 63 - 68)

Dennoch ist es bemerkenswert, wie viel Geld für die Beseitigung der eigenen Fehler mobilisiert werden konnte, während wir permanent einwenden, es sei nicht genügend Geld vorhanden für unser Bildungssystem, Kinderbetreuung oder eine spürbare Anpassung von Sozialleistungen. Wenn wir uns anschauen, welchen Betrag wir nun durch Fahrlässigkeit verloren haben, dann wird klar: Mit einem Investment dieser Größenordnung hätten wir all diese Probleme lösen und die Weichen für blühende Landschaften in unserem Land stellen können. Und von dem, was dabei übrig geblieben wäre, hätten wir jedem einzelnen Bürger noch eine 14-tägige Kreuzfahrt mit der „Diamond Princess“ spendieren können. Rechnen Sie das ruhig einmal nach.
(\\\\\\\"Deutschland in der Coronakrise: Corona Helau!\\\\\\\" S. 94)


 


Doch wo Chancen sind, ist das Risiko meist nicht weit. Wenn wir aus dem – gemessen an den gemachten Fehlern – bislang noch recht glücklichen Verlauf die falschen Schlüsse ziehen, die Situation unterschätzen und die Zügel schleifen lassen, dann droht uns tatsächlich eine zweite Infektionswelle oder zumindest eine ganze Menge von größeren, wenn auch möglicherweise regional begrenzten Ausbrüchen von COVID-19. Vollkommen vermeiden lassen werden diese sich ohnehin nicht, aber Anzahl und Tragweite können wir maßgeblich beeinflussen. Wir müssen enorm darauf achten, dass wir den Verlauf der Pandemie in Deutschland nicht fehlinterpretieren. Oft höre ich Sätze wie : „Das war doch alles völlig überzogen! Schauen Sie doch, es ist doch gar nichts passiert! Der einzige Schaden ist der durch die Beschränkungen!“ Viele Menschen denken so und nehmen mittlerweile die Vorsichtsmaßnahmen als unverhältnismäßig wahr. Und es besteht die Gefahr, dass aus dieser vollkommen falschen Wahrnehmung Risiken erwachsen, die eine weitere Infektionswelle über unser Land bringen. Eine „Jetzt-erst-recht-Partykultur“, wie sie mancherorts auflodert, ist absolut der perfekte Weg, um eine solche Katastrophe auszulösen. Große Sorgen bereitet mir die Zahl derer, die von Fakten vollkommen unbeirrt und mit tiefer Überzeugung nach wie vor daran glauben, es handele sich um eine Erkrankung, deren Tragweite nicht größer sei als die einer Grippewelle. Aus diesem Verständnis heraus boykottieren etliche Menschen jegliche Vorsichtsmaßnahmen, zeigen sich aggressiv gegenüber Mahnungen zur Vorsicht und gehen bewusst und provokativ besonders hohe Risiken ein. Schon eine geringe Zahl dieser mutwilligen, potentiellen Super-Spreader kann das Fass bereits wieder zum Überlaufen bringen und uns in ein Szenario katapultieren, wie wir es in Italien gesehen haben. Und mit jeder Lockerung, die wir umsetzen, wächst diese Gefahr. Um es mit den Worten des französischen Schriftstellers Charles Baudelaire auszudrücken: „Die schönste List des Teufels ist es, uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt.“ Sowohl die gesundheitlichen als auch die wirtschaftlichen Schäden einer möglichen zweiten Welle könnten die der ersten bei weitem in den Schatten stellen. Wenn wir nun aus unserem Mauseloch kriechen, dürfen wir nicht vergessen, dass die Katze nach wie vor herumschleicht. Die komplette erste Welle ging von mutmaßlich einer Handvoll Infektionsfällen aus. Es gibt keinen vernünftigen Grund zu der Annahme, dass bei einer permanent vierstelligen Anzahl aktiver Infektionsfälle und nach wie vor nur sehr geringer Immunität in der Bevölkerung ein geringeres Risiko bestünde als zu Beginn des ersten großen Ausbruchs, auch wenn die empfundene Wahrnehmung eine andere sein mag. Im Gegenteil, die Ausgangslage ist verglichen mit der Lage vor Beginn der ersten Infektionswelle wesentlich brisanter. Jede Fahrlässigkeit kann weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen, insbesondere, wenn sie uns kollektiv unterläuft. Deshalb ist Wachsamkeit das oberste Gebot. Nicht eine Wachsamkeit, wie sie uns unsere Politik in der ersten Phase dieser Pandemie vorlebte, nicht diese Form von passiver Moderation und fahrlässiger Trägheit. Wenn wir nun glauben, sommerliche Temperaturen allein würden unsere Probleme lösen, dann sieht es schlecht aus für uns. Wenn wir nach Brasilien, Indien oder Saudi-Arabien schauen, dann erkennen wir auf den ersten Blick, dass nicht die Temperaturen vorrangig das Infektionsgeschehen steuern – es sind und bleiben die Anzahl unserer Kontakte und die konsequente Befolgung der Vorsichts- und Hygienemaßnahmen. Auch 32 Grad Celsius helfen nicht dort, wo viele Menschen zu nah auf engem Raum sind. Wenn wir das beherzigen, wird jeder warme Tag eine Hilfe sein. Wenn nicht, erwartet uns alles andere als eine sonnige Zeit. Wer auf Virologen hört, die auf eine Durchseuchung setzen und deshalb die Vorsichtsmaßnahmen für entbehrlich halten, der riskiert viel für sich und für andere. Wir wären der sprichwörtliche Esel auf dem Glatteis. Denn die Gefahr von Zuständen, wie wir sie aus Italien oder Spanien gesehen haben, ist noch längst nicht vom Tisch. Vergessen wir nicht, dass wir auch gegenüber China ziemlich sicher waren, so schlimm könne es bei uns nicht kommen. Wenn wir aber genug Dummheit auf einen Haufen stapeln bis dieser umkippt, ist vieles möglich. Mit jeder weiteren Lockerung in Richtung Normalität bauen wir am Traumschloss der Illusion, die Krise sei überstanden. Dabei müssen wir uns permanent vor Augen führen, dass zumeist nicht ein weggefallenes Risiko der Grund für eine weitere Lockerung ist, sondern lediglich die Angst vor den wirtschaftlichen Konsequenzen, die ohne die Lockerung eintreten würden oder einfach der Wunsch nach der Rückkehr zur Normalität.


(\\\\\\\"Deutschland in der Coronakrise: Corona Helau!\\\\\\\" S. 139 - 141)


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