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Kinderbücher
Buch Leseprobe Das Weihnachtswunder, Marion Wittrowski
Marion Wittrowski

Das Weihnachtswunder



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Was für ein Anblick, das Schloss thront wie angewachsen auf dem Burgfelsen, ein Bild wie von einem Zuckerbäcker gemacht. Alles ist mit Schnee bedeckt, die Landschaft sieht aus, als ob sie jemand mit Puderzucker bestreut hat. Die ersten Sonnenstrahlen hüllen das Schloss in ein Meer von Farben. Es wirkt so mächtig, als ob es die Sonne für sich ganz allein in Anspruch nehmen will. Alles wirkt so friedlich, so einladend und romantisch. Die Pöllatschlucht unter der Marienbrücke ist von Eis überzogen und wirkt wie aus einem Märchen. Man erwartet regelrecht Elfen oder Feen, die an der Felswand ihre Spielchen treiben.Richard schüttelt den Kopf: „Hier stehe ich nun auf der Brücke, wie jeden Tag seit 30 Jahren, und stets gehen mir diese Gedanken durch den Kopf."Richard, ein recht staatlicher Mann in den Fünfzigern, steht versonnen auf der Marienbrücke. Sein schon graues Haar und der ebenso ergraute Bart glänzen wie Silberfäden in der Sonne. Sein Blick ruht auf dem Schloss: „Nirgendwo anders auf der Welt möchte ich lieber sein als hier", denkt er bei sich und ein zufriedenes Lächeln huscht über sein noch immer gebräuntes Gesicht.Richard ist der Verwalter in dem 1886 von König Ludwig II. erbauten Schloss Neuschwanstein. Zusammen mit seiner Frau Resi bewohnt er eine große Wohnung in der Kemenate, dem dreigeschossigen Bau zwischen Innenhof und Schlucht. Dort befindet sich auch sein Büro, von wo aus er alle kleinen und großen Probleme mühelos beseitigt.Resi, eine etwas rundliche kleine Frau, sorgt sich um jeden einzelnen der vielen Helfer, die sich um das Schloss kümmern. Da gibt es die Führer, in der Hochsaison sind es so um die zwanzig, jetzt im Winter reichen zehn. Die Besucherzahl liegt im Dezember täglich etwa bei 4000 Menschen, die durch das Schloss geführt werden möchten. Dann gibt es noch die Reinigungstruppe, viele Frauen und Männer aus den umliegenden Orten wie Schwangau und Füssen, die die Spuren der Touristen beseitigen müssen. Dann noch zwei Handwerker, die kleine Reparaturen erledigen. Franz ein älterer Herr um die sechzig, lag Resi besonders am Herzen. Seine Frau war vor einem Jahr gestorben und er schien das nicht überwinden zu können. Franz überwachte die 15 Monitore, die in einem kleinen Raum neben dem Büro standen. Von da aus konnte er jedes Zimmer im Schloss überwachen. Resi versorgte ihn jeden Tag mit Mittagessen und einer halben Stunde Zeit um sich Geschichten von seiner Frau anzuhören. Für die anderen aus der Truppe backte sie Kuchen oder Kekse. Und auch von ihnen hörte sie sich die Sorgen oder Wochenenderlebnisse an. Resi hat für jeden ein offenes Ohr und das wird gerne von allen in Anspruch genommen.Obwohl Resi zwei Köpfe kleiner als ihr Mann Richard ist, begegnet man ihr mit demselben Respekt. Mit ihrer resoluten Art, diesen immer freundlich dreinblickenden braunen Augen und den kleinen Grübchen auf ihren Wangen, zieht sie jeden sofort in ihren Bann. Die dunkelbraunen Haare mit den einzelnen silbernen Strähnen, geflochten zu einem dicken Zopf, und der rosigen Gesichtsfarbe geben den Anschein, Resi sei ein Landmadl. Die meisten jedoch denken Resi hat das Herz auf dem rechten Fleck. Sie ist überaus intelligent und weiß genau, was sie will. Damit haben sie wohl Recht.Richard verlässt die Marienbrücke mit einem kleinen Seufzer. Obwohl es im Dezember hier oben bitterkalt ist, macht er jeden Morgen um 6 Uhr seine Runde. Zuerst wird der obere, dann der untere Schlosshof in Augenschein genommen. Dann geht es weiter durch den zinnengekrönten Torbau. Der Rundgang endet stets an der etwa 600 Meter entfernten Marienbrücke, von wo aus man einen einmaligen Blick auf das Schloss hat.Hier verweilt Richard und dankt Gott jeden Tag dafür, dass er eine wunderbare Frau und ein einmaliges zu Hause hat. Der Kaffeeduft steigt ihm schon in die Nase, als er zur Tür herein kommt. Resi hatte wie jeden Morgen den Frühstückstisch gedeckt. Es gibt frische Semmeln, Rührei und gebratenen Speck. Ein sehr deftiges Frühstück um diese Uhrzeit aber Resi besteht darauf, dass erst ordentlich gegessen wird, bevor man in den Tag startet.Richard zieht den dicken mit Fell ausgeschlagenen Mantel aus und legte ihn über einen Stuhl, dann reibt er seine eiskalten Finger an der Kaffeekanne um sie zu wärmen. „Oh Richard, du hast wieder deinen Mantel einfach über den Stuhl geworfen. Was soll das? Wir haben eine Garderobe, da kannst du ihn aufhängen. Und Handschuhe hattest du auch wieder nicht an". „Ist schon gut, Resi. Morgen nehme ich die Handschuhe mit, damit du zufrieden bist", beruhigte Richard sie.„Du sollst das nicht für mich tun, sondern wegen deinem Rheuma. Heute Abend kannst du die Finger wieder nicht bewegen und dann geht das Gejammer los", erwiderte Resi.Richard goss sich eine Tasse Kaffee ein und beschloss nicht weiter auf das Thema einzugehen. Sie hatte ja Recht, aber das musste man ja nicht zugeben.An diesem Morgen war Weihnachten das Thema, denn beiden war es nicht vergönnt eigene Kinder zu haben. Deshalb kümmern sie sich jedes Jahr zu Weihnachten um die Kinder aus der Umgebung, die Waisen und Obdachlosen. „Richard, es sind nur noch fünf Tage bis Heiligabend und du hast immer noch nicht den Baum geholt. Würdest du das bitte heute noch erledigen?", erinnerte sie Richard an seine Aufgabe.„Ich mach das schon noch, aber erst heute Abend. Heute haben wir einige Touristengruppen aus Japan und Amerika. Da werden wieder viele Plakate von Ludwig gebraucht und die muss ich noch auspacken. Außerdem ist ein Führer krank geworden, den werde ich wohl ersetzen müssen. Aber dann hole ich den Baum", klärte Richard sie auf.Jedes Jahr am Heiligabend wurden zehn Kinder eingeladen, um ihnen ein wenig Geborgenheit und Liebe zu schenken.Auch für dieses Jahr ist eine Feier geplant. Resi backt schon seit Tagen Kekse, organisiert im Dorf Decken, warme Kleidung und Spielzeug für die Kinder. Alles wird liebevoll eingepackt und unter den Baum gelegt, wenn er denn endlich da ist. In diesem Jahr kommen nur Kinder, die kein Zuhause haben und mit ihren Eltern im Freien übernachten. „Es ist so eisig, da brauchen wir besonders warme Sachen für die Kinder", überlegte Resi laut.Er nickte nur mit dem Kopf, steckte sich den letzten Bissen in den Mund und zog seine Jacke an. Um 10 Uhr kommen die ersten Touristengruppen, da muss alles fertig sein. „Sein" Schloss sollte sauber und ordentlich sein und im Glanz von einst erstrahlen. Er musste die Arbeiten beaufsichtigen, damit auch nicht geschlampt wurde. Über 1 Million Besucher gingen jährlich durch das Schloss. Bei so einer Flut von Füßen musste besonders gründlich sauber gemacht werden, damit nicht der Glanz und Glamour von einst verblasst. Richard ging durch die Zimmer, schaute in alle Ecken und überprüfte die Böden. Heute war alles in bester Ordnung. Er beschloss seinen Mantel zu holen und runter zum Wendeplatz zu gehen. Der Wendeplatz war die Endstation für die Kutschwagen, die die Touristen so nah wie möglich an das Schloss heran brachten. Wolfgang der Pächter von dem dort gelegenen Kiosk, war Richards Freund und er freute sich immer über einen Besuch des Verwalters. Als Richard in die Wohnung kam um seinen Mantel zu holen, hörte er Resi sprechen. Oh schnell weg, sie telefoniert schon wieder mit irgendwelchen Leuten um Spenden zu bekommen. Wenn sie ihn erwischte, konnte er erst einmal wieder ins Dorf runter fahren und die Sachen abholen. Dazu hatte er nun gerade wirklich keine Lust. Schnell den Mantel geschnappt und nichts wie raus. Auf der Treppe, draußen vor dem Kemenatenbau, zog er erst den Mantel über, dann machte er sich auf den Weg zu Wolfgang.Der freute sich Richard zu sehen. „Der Kaffee ist gleich fertig, setz dich schon mal", forderte er seinen Besuch auf. Wolfgang war immer sehr früh da um die Zeitungen einzusortieren, sauber zu machen und neue Ware einzuräumen. Aber er nahm sich stets die Zeit für ein Schwätzchen, wenn Richard kam.Bei einer Tasse heißen dampfenden Kaffee fragte Wolfgang dann auch nach dem Stand der Dinge für den Heiligabend.„Na du weißt doch, wie jedes Jahr regiert bei uns im Haus das Chaos, wenn es wieder mal soweit ist. Resi hängt ständig am Telefon, backt was das Zeug hält und kommandiert mich rum. Hol die Lebensmittel, denk an den Weihnachtsbaum, eine Lichterkette ist kaputt, besorg die Getränke und so weiter", gab Richard belustigt Auskunft.„Wenn ich Zeit habe, bedauere ich dich du armer Kerl", machte Wolfgang sich über seinen Freund lustig.„Ich finde das toll was Resi jedes Jahr auf die Beine stellt. Übrigens, ich habe auch einige Kartons hier, die kannst du nachher mitnehmen. Ich spendiere in diesem Jahr Süßigkeiten, Papiertaschen und Geschenkpapier. Außerdem habe ich noch zwei Kisten Spezi besorgt. Die bringe ich aber heute Abend selber zu euch hoch. Wenn du Resi gleich siehst, kannst du ihr das schon mal sagen, dann kann sie die Dinge von ihrer Liste streichen", bat Wolfgang mit einem breiten Lächeln.„Du bist ein wahrer Freund, halst mir noch mehr Arbeit auf, aber in Ordnung ich werde es ausrichten", witzelte Richard.„Kommst du auch Heiligabend, oder hast du wieder eine neue Freundin?", fragte Richard vorsichtig nach. Wolfgang, Anfang fünfzig, sehr flott aussehend, mit lockigen vollen braunen Haaren und einer athletischen Figur, war noch nie verheiratet. Irgendwie schaffte er es immer wieder sich an die jungen Aushilfskräfte, die über den Sommer eingestellt wurden, heran zu machen. Manchmal hielt so eine Liebelei auch bis in das nächste Jahr hinein, dann kam er Weihnachten nicht zu Richard und Resi.„Ich bin in diesem Jahr solo, aber ich bin bei einem alten Schulfreund in München.In diesem Jahr komme ich nicht zu euch", erwiderte Wolfgang.„Was ist los Wolfgang? War in diesem Jahr keine Herzdame dabei? Du wirst doch nicht alt, oder?", spöttelte Richard.„Quatsch, ich und alt! Es war einfach keine dabei bei der es gefunkt hätte", rechtfertigte Wolfgang sich sofort.Die beiden scherzten noch eine Weile, dann verließ Richard den Kiosk wieder und verschwand in Richtung Schloss. Schnell noch einmal bei Resi reinschauen und dann wurde geöffnet. Im Winter war das Schloss nur bis 16 Uhr geöffnet. Das gab etwas mehr Freiraum für größere Arbeiten oder das Privatleben.Resi telefonierte gerade mit dem Supermarkt in Füssen um Essen und Süßigkeiten zu organisieren. Richard schenkte sich noch eine Tasse Kaffee ein, während er darauf wartete, dass seine Frau den Hörer auflegte.„Stell dir vor, in diesem Jahr bekommen wir so viele Spenden, dass wir die Eltern der Kinder auch einladen können." Resi war total aus dem Häuschen. In diesem Jahr ist es besonders kalt und sie wollte auch den Erwachsenen einen warmen gemütlichen Abend bieten. Und Resi schaffte immer was sie sich vornahm. „Wenn du so weiter machst, haben wir demnächst das ganze Schloss voller Menschen. Du kannst nicht alle Streuner dieser Welt beherbergen", gab Richard zu bedenken.„Nein, das kann ich nicht aber so viele wie nur möglich. Schau doch einmal raus, Richard, es ist eisig da draußen und nun fängt es auch noch an zu schneien. Kannst du dir vorstellen, wie sehr diese armen Menschen jetzt leiden, wie sie frieren und keinerlei Freude empfinden? Wie sie versuchen ihre Kinder vor der Kälte zu schützen und das noch mit knurrendem Magen? Ich muss das einfach machen, verstehst du das Richard?"„Ist ja schon gut, Resi. Reg dich nicht auf, es war gedankenlos von mir. Natürlich werden wir so viele Menschen wie es geht an diesem Tag glücklich machen.

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