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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Nowhere Girl, Melina Charokopaki
Melina Charokopaki

Nowhere Girl



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Kapitel 1


 


All those lonely nights


Now it′s time to jump


There′s no end in sight


Until you hit the bump


No need for you to walk that road


When thy will be done


  - SoulJahm, Why Do You Run


 


Das Mondlicht glitzerte auf dem See und die Schilfhalme bogen sich im Wind, doch in dieser Nacht hatte ich keinen Sinn für Romantik. Mit verweinten Augen und einem Taschentuch in der Hand stand ich an dem kleinen See in der Nähe von London und stellte den Sinn des Lebens in Frage. Mir hätte kalt sein sollen, doch ich spürte nichts außer die klaffende Leere in mir, die sich seit Billys Tod in mir eingenistet hatte. Obwohl es mir sonst nie an Gesellschaft mangelte, fühlte ich mich einsam.


Ein Bild drängte sich in mein Bewusstsein. Blumen vor seinem Spind, Beileidskarten auf meiner Kommode und dann zwischendurch immer wieder Anrufe von besorgten Freunden und Verwandten, die gehört hatten, was passiert war. All das sollte Trost spenden und doch fühlte es sich mehr wie eine höhnische Erinnerung an Billys Tod an. Was wisst ihr schon, dachte ich.


“Was wisst ihr schon?” Mein verzweifelter Schrei verhallte in der schwarzen Leere. Das nächste Haus war Meilen entfernt. Niemand hörte mich, niemand nahm meinen Schmerz war. Ganz allein, unbeachtet vom Rest der Welt, stand ich da. Wer war mir jetzt noch geblieben da er fort war? Die einzige Person, die mich wirklich verstanden hatte. Die Person, mit der ich stundenlang über Gott und die Welt hatte reden können, der ich mich anvertraut und meine Selbstzweifel gestanden hatte. Wer war ich nun? Ein Mädchen in der Masse, beliebt bei allen und doch gekannt von keinem.


Ich spürte, wie mir die Tränen wieder in die Augen stiegen, als ich meinen Blick über das unbelebte Wasser schweifen ließ. Ich trat etwas näher, schaute in seine unendlich scheinenden Tiefen. Es war so verlockend. Ein Schritt trennte mich noch vor... vor was eigentlich? Vor der Erlösung? Vielleicht. Vielleicht würde ich von meinen Qualen befreit werden. Aber was hätte ich dann davon? Ich würde es schließlich nicht mehr spüren können. Ich würde niemals spüren, wie die Einsamkeit wich. Die Erleichterung würde mir verborgen bleiben. Das einzige, was blieb, war unendliche Trauer für noch mehr Menschen. Meine Eltern. Meine Familie. Und ich wusste jetzt wie sich das anfühlte. Schlimm genug, um es nicht meinen Eltern zumuten zu wollen. Niemand hatte diesen Schmerz verdient. Am schlimmsten war es für diejenigen, die zurück blieben. Diejenigen, die ein Leben weiterzuleben hatten. Ohne ihn.


Für den Bruchteil einer Sekunde glaubte ich, einen silbernen Schimmer auf der Wasseroberfläche zu entdecken, ganz anders als der Schimmer des Mondlichts. Vermutlich war es bloße Einbildung gewesen. Ich wurde langsam verrückt vor Trauer. Doch dann sah ich es wieder. Langsam breitete es sich aus, kam näher, verstärkte sich. Fasziniert starrte ich auf den silbernen Schimmer. Er war von einer überirdischen Schönheit und ich war mir nun sicher, dass es nicht der Mond gewesen sein konnte. Wie in Trance streckte ich meine Hand danach aus. Ich spürte ein Kribbeln in meinen Fingerspitzen, das sich schließlich in meinem Körper ausbreitetet und ein flaues Gefühl im Magen hinterließ. Plötzlich färbten sich die Ränder meines Sichtfelds schwarz und das letzte, was ich spürte, bevor mich ein starker Sog packte, war die allumfassende Leere in mir.


 


Dunkelheit. Das war das erste, was ich wahrnahm, als ich die Augen öffnete. Dann beugten sich drei junge Frauen über mich und schenkten mir neugierige Blicke. Ich blinzelte einmal, zweimal, dreimal, doch das Bild verschwand nicht. Ich musste in einem verrückten Traum gefangen sein. Eine relativ kleine braunhaarige Frau streckte mir ihre Hand entgegen. Ich nahm sie und zog mich daran hoch. Staunend nahm ich meine Umgebung in mich auf. Ich befand mich in einer riesige Halle mit dunklen steinernen Wänden und marmornem Boden. Überhaupt alles in dem Raum wirkte düster und... irgendwie verlassen. Es gab große Fenster, allerdings wurden sie von schweren Vorhängen in einem ausgeblichenen, matten rot verdeckt. Beleuchtet wurde der Saal lediglich von den mit Kerzen bestückten Kronleuchtern, die an der Decke angebracht waren. Der Nachklang von längst veraltetem Prunk hing im Raum und die protzigen, goldenen Stuckelemente, mit denen beim Bau nicht gespart worden war, verliehen ihm etwas majestätisches. Dennoch es war kein schöner Ort. Einsamkeit und Trauer waren zum greifen nah und die Luft so dick, dass man sie durchschneiden konnte. Einzig und allein die drei Frauen, die mich so freundlich anlächelten, schienen überhaupt nicht hier hin zu passen. Wo zur Hölle war ich?


Die eine, die mir eben aufgeholfen hatte, trat nun vor. ″Ich bin Gracie, schön dich kennenzulernen!″ Ich versuchte mich ebenfalls an einem Lächeln. ″Scarlett.″


Nun traten auch die anderen näher. ″Ich bin Alexandra”, meldete sich eine blonde, hoch gewachsene Frau. ″Und das ist Ruth”, erklärte sie, während sie auf eine rothaarige junge Frau mit weichen Zügen und karamellfarbenen Augen wies. ″Wir stehen dir jederzeit zur Verfügung, wenn du Fragen hast, oder etwas brauchst. Wir finden gerne Zeit für dich.” Die Art und Weise, in der sie sprach, erinnerte mich an die Freundlichkeit einer Flugbegleiterin und obwohl es der denkbar unpassendste Moment war, musste ich etwas kichern. Ich erntete einen leicht verwirrten Blick von Alexandra, und fluchte innerlich. Das musste die Anspannung sein.


″Oh ja”, bestätigte Gracie, die davon keine Notiz genommen zu haben schien, aufgeregt. ″Endlich mal wieder ein Mädchen. Die davor waren alle so langweilig.″ Was sollte das bedeuten? Die davor? ″Wo bin ich hier überhaupt?”, stellte ich stattdessen die Frage, die mir am meisten zu denken gab. Wie war ich hier hergekommen? Eben noch hatte ich am See gestanden und nun...war ich hier. Es fühlte sich alles zu echt an, um ein Traum zu sein. Hilflos fuhr ich mir über das Gesicht und blickte fragend die drei Frauen an. Gracie beugte sich vor und flüsterte mit verschwörerischem Blick: “Das″, sie wies mit der Hand auf den Raum, ″ist Dantes Palast.” Sie schaute mich an, als müsse ich wissen, was das zu bedeuten hatte. Diese Information verwirrte mich noch mehr und spätestens jetzt hatte ich starke Zweifel an meinem Geisteszustand. Oder… ein anderer Gedanke kam mir in den Sinn und je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr Sinn ergab er. War ich etwa tot? Nein, das konnte nicht sein. Dafür fühlte ich mich zu lebendig. Das konnte es noch nicht sein.


Immer noch skeptisch blickte ich die drei Fremden vor mir an. ”Und wer ist dieser ominöse Dante?″ Ein Räuspern erklang hinter mir. ”Das bin ich.″ Ich drehte mich um, um zu sehen, von wem die plötzliche Männerstimme gekommen war und da stand er. Gekleidet in einen altmodischen schwarzen Frack, ein dunkles Hemd mit einer Reihe goldener Knöpfe und grauen Handschuhen. Die Blässe in seinem Gesicht ließ seine Augen besonders dunkel aussehen, keine Regung in ihnen verriet Gefühle oder Gedanken. Seine schwarzen Haare waren strengt zurückgekämmt und seine Miene war ebenso düster wie der Palast, den er bewohnte, kalt und abschreckend.


″Willkommen in meinem Palast”, sagte er mit samtener Stimme und in einem Ton, der signalisierte, dass ich kein bisschen willkommen war.


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