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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Nasimul, Jonathan Hönes
Jonathan Hönes

Nasimul


Das Bündnis von Ost und West

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Nasimul


 


 


Das Bündnis von Ost und West


 


Nasimul Das Bündnis von Ost und West Vor langer Zeit, in einem fernen Land erhoben sich sieben Königreiche. In Harmonie und Frieden vereint lebten die Ost sowie die West Königreiche, in dem Land, das sie Nasimul nannten, zusammen. Bis die Menschen, das am meist verbreitete Volk rachsüchtig und kriegerisch wurde. Und so kam es zum Krieg. Das in der Mitte liegende Westland Sigmul grenzte sich gegen den eisigen Norden und die Hazam Wüste ab, wie sogleich das Ost Land Xiang, mit seinen hohen Gebirgsketten und Schluchten, sich ebenfalls gegen die südliche Wüste stellte. Somit kam es, dass der Süden sich zu einem Bund zusammenschloss, der gegen die Kriege des Nordens rebellierte. Doch es war zwecklos, der Norden war zu stark. Aus der Verzweiflung flehten die Wüstenschamanen die Götter an und erhielten die Prophezeiung des magischen Kampfdreiecks. Es hieß, drei Krieger, ein Nahkämpfer, ein Fernkämpfer und ein Magier sollten sich erheben und der Welt wieder Frieden und Ausgeglichenheit bringen. Jahrzehntelang warteten die Schamanen, doch bis heute wurde die Prophezeiung noch nicht erfüllt.


 


 


Der Krieg beginnt


 


Die Hauptstadt von Xiang, Fu Ta war an diesem Morgen in helles Sonnenlicht getränkt, denn der Winter war vorüber und der Frühling brach an. Die hohen Stadttore der Stadt waren überfüllt mit Händlern und Reisbauern, die aus den Bergen und Tälern kamen und in der Stadt ein und ausgingen. Womöglich kauften die Bauern Güter für ihre Ernten und geschäftliche Händler waren gekommen um Waren aus dem fernen Westen zu verkaufen. Durch den großen Zug am Tor, den die Stadtwachen hindurchließen, bemerkte niemand wie sich zwei Gestalten unbemerkt und versteckt in einem Warenwagen, der von einem Esel gezogen wurde in die Stadt schmuggelten. „Sie finden uns garantiert nie hier“, sagte eine der Gestalten. Sie hieß Lin war sechszehn Jahre alt, und ein Straßenkind, das ihre Eltern schon vor langer Zeit verloren hatte. Sie hatte schwarze, verwuschelte Haare und ein zerlumptes Kleid an. „Wenn die Stadtwachen die Töpfe nicht prüfen, müsste es klappen“, sagte die andere Gestalt. Das war Lee, der auf einen Berg von Reistöpfen zeigte, die genau wie die beiden unter einer Decke steckten. Lee war siebzehn hatte ebenfalls schwarze Haare, wie die meisten Menschen im Osten, die er unter einem traditionellem Strohhut zu einer Hochsteckfrisur zusammengeflochten hatte. Er trug einen edlen Mantel aus rotschwarzer Seide und an seiner Hüfte hing ein Goldenes Drachenschwert. Was Lin nicht wusste, Lee war ein Prinz, der Sohn des Kaisers von Xiang. Doch Lee wollte nie ein Prinz sein. Sein Vater und er verstanden sich nicht, deswegen brach Lee ein oder zweimal die Woche aus und traf sich mit Lin. Sie war seit langer Zeit seine einzige Freundin. Er hatte sie kennengelernt als er wieder einmal, damals noch allein, durch die Straßen lief und sie versucht hatte ihn zu bestehlen. Seit diesem Tag waren sie Freunde. „Ja geschafft!“ sagte Lin. Sie hatten es unter der Decke des Warenwagens in die Stadt geschafft. Offenbar hatten die Wachen heute nicht so viel Lust jeden Wagen zu prüfen. „Komm!“ sagte sie. Lin und Lee sprangen hinter dem Stadttor vom Wagen und rannten durch die steinernen Gassen der Stadt. Sie liefen vorbei an Schmieden und Handwerkern, an Markständen und Obsthändlern und zwängten sich in eine enge Gasse. Lin rannte voraus, doch plötzlich fiel sie hin. Lee bremste ab um nicht über sie zu stolpern. „Hey was macht ihr hier?“ Ein alter Mann, saß an einer Mauer gelehnt in der Gasse. Er hatte schiefe Zähne und strecke einen langen Stab so aus, dass jeder der unaufmerksam durch die Gasse lief, darüber stolpern würde. Lin lag keuchend am Boden. Als sie zögernd aufstand, begutachtete der Mann ihre zerlumpte Kleidung. „Ich glaub ihr seid zwei kleine Taschendiebe die die Stadtwachen noch nicht bestraft haben.“ Sagte er undeutlich. Er packte Lin am Arm und zog sie zu sich her. Lee zückte rasch sein Schwert. „Aha ist das etwa auch geklaut?“ Fragte der Alte. „Lass sie los“ Sagte Lee warnend. „Große Worte für so einen kleinen Mann, ich glaub ich werde dir eine Lektion erteilen.“ Der alte Mann warf Lin zu Boden, die mit einem erschrockenen Schrei auf den staubigen Boden fiel. „Hey ihr da, was ist hier los?“ Lee drehte den Kopf zur Seite. Eine Gruppe Stadtwachen breitete sich in der Gasse aus und betrachtete das Geschehen. Sie alle trugen schwarze Harnische, einen Helm und hielten lange Speere in ihren Händen. „Die… die zwei Diebe haben mich angegriffen und wollten mein Geld stehlen“, keuchte und spuckte der alte Mann, während er auf Lin und Lee zeigte. Als hätte man ihn in den Bauch geschlagen hustete er. „Festnehmen!“ Schrie der Anführer der Wachen. Ein Augenblick der Unachtsamkeit, in dem Lee sein Schwert gegen die Wachen erhob, die daraufhin gebannt stehen blieben, nutze Lin um weg zu laufen. Sie rannte auf eine grobe Steinwand zu, die sie mit Leichtigkeit hinauf kletterte. Lee kletterte mit der Gewandtheit eines Affen hinterher, hoch auf die Stadtmauer. Oben angekommen, erschien aber auch schon das nächste Problem. Einige Wachen, schwarz gekleidet und maskiert standen vor ihnen. Soviel Lee wusste, töteten sie alles was hier oben, außer ihnen selbst war. „Lauf!“ Schrie Lee. Lin und Lee stürmten die Mauer entlang, bis sie auf ein nahe gelegenes Haus sprangen, die schwarz maskierten Krieger kamen ihnen mit mehreren akrobatischen Sprüngen hinterher. Eine lange Flucht über mehrere Hausdächer, Türme und Leitern zog sich über die ganze Stadt. Lee schaute immer wieder hinter sich. Die schwarzgekleideten Wachen wurden von Dach zu Dach weniger. Lin und Lee sprangen auf einen Dachgarten der eine Sackgasse bildete. Einer der Wachen hatte es geschafft sie zu verfolgen. „Wir haben nur eine Chance.“ Sagte Lin und sah zu einem Dach das mindestens zwei Meter von ihnen entfernt war. „Na dann los!“ Sagte Lee. Er rannte als erster auf die Kante des Daches zu und sprang. Im Flug blieb er mit den Finger an der Kante des Schaufeldaches hängen und zog sich hoch. Lin die noch auf dem anderen Dach stand machte sich bereit zum Sprung. Doch sie war nicht schnell genug, um dem schwarz gekleideten Wachmann, der auf Lin’s Dach sprang zu entkommen. Er packte sie mit festem Griff. Lin versuchte sich zu wehren und die Hände des Wachmannes weg zu ziehen, doch es gelang ihr nicht. Sie strauchelten herum auf die Kante des Daches zu. Lee blieb fast das Herz stehen, als Wachmann weiter an Lin zog. Lee schaute für einen kurzen Augenblick tief in Lins schwarze Augen, die vor Schmerzenstränen nass waren. Der Wachmann stolperte, sein Fuß stand nun im Leeren. Er ruderte mit seinem freien Arm, durch die Luft, aber dennoch kippte er nach hinten und zog Lin mit sich in die Tiefe. Stunden so kam es Lee vor stand er noch auf dem Dach und blickte hinunter in die staubigen Gassen. Lin und der Wachmann waren verschwunden. Es sah aus als wäre nichts gewesen. Die Händler und Arbeiter liefen dicht gedrängt durch die Gassen und schienen offenbar nichts bemerkt zu haben.


 


Weit entfernt auf der anderen Seite der Weltkarte, im hohen Norden, brach jetzt die Dämmerung an. Schnee fiel vom Himmel und bedeckte die Dächer des ohnehin schon verschneiten Dorfes, das die Bewohner Björk nannten. Die hellen Lichter und Lagerfeuer, die die Menschen nicht nur zum Sehen brauchten, ließen in der dunklen Nacht die Berge hell erleuchten. Der Schnee auf ihnen funkelte und ließ sie magisch erscheinen. Die in Fell und Pelz gehüllten Männer und Frauen löschten ihre Lagerfeuer, die in Nähe ihrer Häuser standen und gingen hinein ins Warme. Die Nächte waren immer eisig im Dorf, doch früher gab es genug Holz, um auch nachts die Wärme der Lagerfeuer zu genießen. Viele der alten Männer redeten im Dorf über die gute, alte Zeit, als es noch kein Krieg gab und viele Händler und Kaufleute immer mal wieder in den Norden kamen und ihre Waren tauschten oder verkauften. Doch nun war es anders. Der Nördliche Teil des Königreiches Sigmul besetzte die Pässe die durch die hohen Schneeberge ins Landesinnere führten. Seit mehreren Jahrzehnten war kein Händler mehr in den Norden gekommen und auch anscheinend kein Bewohner mehr hinaus. Das letzte Lagerfeuer erlosch. Björn, einer der Großjäger war der letzte, der noch draußen war. Er nahm sein gekochtes Wolfsfleisch vom Lagerfeuer und stiefelte durch den Schnee zu seiner Holzhütte die er selbst aus Fichtenholz gebaut hatte. Vor kurzem war er mit den anderen Jägern aus dem Tal von einer langtägigen Jagt zurückgekommen. Nun war die Beute aufgeteilt und er konnte endlich nach Hause. Björn öffnete die Tür und trat in sein hell erleuchtetes Haus. Er sah sich um. Es war noch alles am gleichen Platz wie vorher. Die Trophäen vieler verschiedener Tierarten hingen noch an ihren Plätzen an der Wand und in den Regalen waren die Trinkhörner und Holzlöffel noch da wo sie sein sollten. Als Björn bemerkte dass niemand seine Anwesenheit wahr nahm rief er. „Bin wieder da!“ Seine brummende Stimme hallte durchs Haus. Schnell hing er seinen Langbogen und seine Streitaxt an die Wandhalterung, denn er hörte schon das Fußgetrappel seiner jüngsten Tochter Yara. „Vater, Vater du bist wieder da!“ Kreischte sie mit piepsender Stimme, um sich sogleich auf ihren Vater zu stürzen. Björn war wie fast alle Nordmänner groß und kräftig, daher war es für ihn kein Problem seine sechsjährige Tochter in die Arme zu nehmen. Yara hatte rote, lange Haare die in einem geflochtenen Zopf endeten und ein sommersprossiges Gesicht. Ins Eingangszimmer kamen nun auch Björns andere zwei Kinder, sein Sohn der vierzehnjährige Rilkar und seine erwachsene Tochter Erika. Anders als die zwei Mädchen hatte Rilkar blonde Haare, dafür war er aber recht groß. Erika hatte rote lange Haare, die sie offen trug und ein hübsches Gesicht. Ein besonderes Merkmal an ihr waren ihre eisblauen Augen, die jedem auffielen. Anders als die anderen Mädchen im Dorf war sie nicht zu mager gebaut und für eine Frau recht groß. „Was hast du diesmal gejagt?“ Fragte Yara aufgeregt, mit zuckersüßer Stimme. „Nur einige Wölfe Yara…“, sagte Björn. Er sprach mit trauriger Stimme weiter. „Aber den armen Baldan und sein Bruder Rican hat’s erwischt, als wir in einer Trollhöhle unser Lager aufschlugen.“ „Ein Troll?“, sagten die Kinder im Chor. „Ja ein recht kleiner allerdings“, sagte Björn. „Hat uns einfach so in der Nacht überrascht, trampelte als erstes Rican platt und als wir ihn dann sahen tötete er Baldan. Arme Ena ihre einzigen Söhne sind tot.“ „Habt ihr ihn denn dann erledigt?“ Fragte Rilkar. „Ja allerdings.“ Lachte Björn. „Wir Fernkämpfer haben ihn mit Pfeilen abgelenkt und euer Onkel Darik, stieß ihm einen Speer in den Hinterkopf. Das war eine Glanzleistung, wenn man überlegt das die meisten Trolle um die fünf Meter groß sind.“ Er lachte. „Und was habt ihr so getrieben als ich weg war?“ „Ich hab gelernt wie man ein Feuer macht, Rilkar hat es mir gezeigt“, sagte Yara strahlend. „So, das ist gut, und ihr beiden? Hast du für die nächste Jagt geübt Rilkar? Du weißt bei der nächsten Jagt bist du volljährig und musst als Mann mitkommen“, sagte Björn streng. „Ja, na klar.“ Sagte Rilkar nicht ganz überzeugend. Um vom Thema abzulenken sprach er etwas anderes an. „Aber weißt du was? Erika hat während deiner Abwesenheit im Hinterhof heimlich Bogenschießen geübt.“ Erika warf ihrem Bruder einen bösen Blick zu. „Erika…“ Sagte Björn. „Warum machst du nur solche Sachen. Such dir lieber einen guten Mann der dir viele Kinder schenkt und bei dem du gut aufgehoben bist… So ist das nun einmal.“ Fügte Björn hinzu als Erika schon den Mund aufmachte um etwas zu sagen. „Mir sind die Traditionen unseres Volkes aber egal, ich will Jägerin werden.“ Erwiderte sie schließlich. Björn sagte nichts, er wusste sie würde nicht nachgeben. Schon immer war Erika anders als die anderen Mädchen, die Holz und Beeren sammelten um den hübschen jungen Kriegern zu gefallen. Doch Erika liebte die Wildnis, die schönen Schneewälder und Höhlen, in denen sich jede Menge verschiedener Kreaturen tummelten. Björn grummelte noch ein paar Worte, dann begab er sich in Richtung seines Schlafzimmers und schloss die Tür hinter sich. Erika schaute ihren Bruder an. „Vielen Dank Rilkar.“ Sagte sie. „Vater hat Recht, du bist nun mal ein Mädchen und unsere Tradition verlangt den Weg den du jetzt gehen musst.“ Erika erwiderte nichts, sie war wütend auf Rilkar. Sie stand auf, ging durchs Haus und in den Hinterhof. Es war jetzt dunkel, der Garten grenzte an der Klippe des Berges, auf dem das Dorf stand. Unter einem schneebedeckten Baum sah sie ihren Bogen liegen. Ein schön geschnitztes, gebogenes Holzstück aus dunkler Eiche. Sie nahm ihn in die Hand und betrachtete ihn. Früher als ihre Mutter noch gelebt hatte, hatte sie Erika immer, gegen ihren Vater unterstützt. Doch seitdem sie nicht mehr da war, war alles anders. Erika war gleichzeitig wütend, aber auch neidisch auf Rilkar. Von ihm wurde erwartet dass er Jagen lernte, so wie sie es auch gern tun würde, doch Rilkar war selber zu faul dafür. Sie konnte es nicht fassen dass er dieses Geschenk nicht annahm. Sie seufzte. Langsam wurde es zu dunkel um weiter zu üben. Erika ging ins Haus, legte sich in ihr Bett und dachte nach. Wie konnte sie ihren Vater morgen überzeugen, doch dann wurde ihr Gedankengang durch ein klopfen gestört. Ihr Vater kam langsam ins Zimmer. „Ich hab nachgedacht“, sagte er mit leiser Stimme und setzte sich auf Erika’s Bett. „Wirklich?“ Sagte Erika hoffnungsvoll und setzte ein Lächeln auf. „Ja wirklich“, meinte Björn. Morgen werde ich zum Jarl gehen und ihn darum bitten, dass sein Sohn dich heiraten wird.“ Erikas Lächeln, wich aus ihrem Gesicht so schnell wie es gekommen war. „Was? Nein, ich will niemanden heiraten, und schon gar niemanden den ich nicht einmal kenne“, sie konnte es nicht fassen. „Doch! Diesmal gibt es keine Wiederrede, du wirst nach der Vereinbarung mit dem Jarl, falls er einwilligt seinen Sohn heiraten, das schwör ich bei allen Göttern die wir haben“, sagte Björn sehr bestimmt. Er berührte Erikas Schulter, doch sie zuckte weg und schaute zu Boden. Björn seufzte und ging langsam aus dem Zimmer. Erika war am Boden zerstört. Tränen rannen ihr übers Gesicht. Langes Schweigen brach über sie ein bis… Erika stand auf sie hatte einen Entschluss gefasst. Sie schlich aus ihrem Zimmer durchs Haus. Alles war dunkel, anscheinend schliefen alle schon. Erika ging in den Eingangsbereich des Hauses, nahm vom Kleiderhaken einen weißgrauen Fellmantel, passende Stulpen, Lederhandschuhe und dicke Stiefel. Jetzt da sie nicht mehr gekleidet war wie die anderen Frauen im Dorf, die häufig Kleider trugen, nahm sie ein stahlgraues Einhandschwert, mit einer Hohlkehle von der Wand und band es sich mit einem Ledernen Gürtel um die Hüfte. „Was machst du da?“ Erika drehte sich erschrocken um. Yara stand hinter ihr. „Was machst du hier, du solltest längst im Bett sein.“ Yara war wohl aufgewacht und stand nun vor ihr. „Warum siehst du so komisch aus?“ Fragte sie. „Ich muss kurz jemanden besuchen und ja…. Draußen ist es sehr kalt.“ Log Erika und deutete auf die Fellstulpen an ihren Beinen. „Und wann kommst du wieder?“ Fragte Yara besorgt. Erika ging auf die Knie um Yara direkter anzuschauen. Sie sah ihre Schwester freundlich an. „Ich weiß noch nicht wann ich wieder komme, aber eins kann ich dir sagen, ich werde wieder kommen! Das verspreche ich dir... Und jetzt ab ins Bett.“ Erika gab Yara einen sanften Schubs auf die Schulter und Yara verschwand in ihrem Zimmer. Erika schaute sich noch einmal im Haus um, schlich dann zur Hintertür hinaus, in den Garten, wo sie ihren Bogen und ihre Pfeile, die versteckt unter einer Fichte langen, auf den Rücken schnallte und über den Gartenzaun sprang. Erika schaute ein letztes Mal zu ihrem Haus, kurz zögerte sie, doch dann lief sie aus dem Dorf und verschwand in der Dunkelheit. Viel weiter im Süden ging die Sonne auf und schien auf die weiten Ebenen des Landes. Flüsse ergossen sich aus hohen Bergen und hinterließen ein beeindruckendes Bild der Küste von Sigmul, das auf der Landkarte in der Mitte liegende Königreich. Mit dem kalten Norden von Sigmul, der sich auf weiten Ebenen, die immer schräger hoch in den Norden führten und vielen Nadelwäldern und Küstenregionen, an der die Klippen tief zum Wasser standen. Dem warmen Süden, mit ewigen Pinienwegen, Feldern und Graslandschaften durch die viele Flüsse flossen, die aus dem Westlichen Sumpf entsprangen und dem, ganz im Süden liegenden Gebirge, war es eins der abwechslungsreichsten und größten Königreiche. Das im Südosten liegende Gebirge von Sigmul, war das höchste auf der Welt und auf ihm stand die Stadt Pok. Pok war eine große Stadt auf einem der kegelförmigen Berge. Die weißen Häuser und das ganz oben auf dem Berg stehende Schloss, das oberhalb der Häuser prangte, waren alle, mehr seitlich am Berg angebracht und führten in einer Art Pyramide nach oben. Durch Hängebrücken, die streng bewacht wurden, kam man auf einen in der Nähe stehenden Berg, der dann hinunter ins Tal führte. Die Menschen aus Pok waren hauptsächlich Minenarbeiter und Steinmetze, die tagsüber in die Bergminen gingen und abends die Kneipen in vollen Zügen unterhielten. Doch es gab hier auch den ein oder anderen Zwerg, oder andere merkwürdige Wesen, die aber eher gemieden wurden. Die Menschen verstanden sich nicht besonders gut mit den Zwergen, die als gierig und rechthaberisch galten. „Einem Zwerg könne man nicht trauen“, verkündeten die Minenarbeiter häufiger abends in den Kneipen. Doch die Menschen in Pok waren auf die Zwerge angewiesen, denn nur ein Zwerg wusste wie man Gold oder Eisen so abbaute das nichts verloren ging, oder wie man ein Schwert unzerbrechlich und scharf genug Schmieden konnte, um damit alles zu durchdringen. Soviel man wusste, konnten nur die Elfen den Zwergen Konkurrenz in der Schmiedekunst machen, doch seit dem Anfang des Krieges, hatte hier niemand mehr einen Elfen gesehen. Da die Zwerge so wichtig für das Königreich waren, hatte der Fürst von Pok, Miluk Rántol, angewiesen jeden Zwerg durch das Stadttor zu lassen. So sprach sich herum, dass mehrere Male Schmuggeleien, auf Seiten der Zwerge stattfanden, die ihre Sackkarren über die große Hängebrücke zum Stadttor, voll mit unerlaubten Gegenständen brachten. Pok galt in Sigmul als die uneinnehmbare Stadt, denn der einzige Weg in die Stadt war ein schmaler Pfad, der über einen Berg und dann auf der Hängebrücke zum Stadttor führte. Es hieß man könne Pok mit nur zweihundert Mann gegen alle sieben Königreiche halten. Der wohl einzige Weg die Stadt einzunehmen war aus der Luft, was aber für Menschen oder Zwerge unmöglich war. Nur für die Avarinsen, große Vogelgeschöpfe mit Schnäbeln, Flügeln und fedrigen Armen und Beinen nicht. Es hieß früher haben sie mit Bogen und Pfeilen, an denen Seile befestigt waren, Menschen gejagt und sie mit in ihre Nester genommen, um ihre Kleinen zu füttern. Doch anscheinend hat kein, heute Lebender, jemals eine Avarinse gesehen, doch schoben die Menschen alle unerklärlichen Dinge und Geschehnisse auf einen Angriff der Avarinsen. Heute Morgen war es wieder so weit. Viele Mägde und Kaufleute hatten sich auf den Markt aufgeregt über die Avarinsen unterhalten. Ein Zwerg behauptete sogar er hätte neulich mit seiner Axt eine in zwei Stücke zerteilt und sie an einen Pfeilmacher verkauft, was ihm aber wohl niemand glauben zu schien. „Hast du das auch schon gehört?“ Fragte eine der Gewürzhändlerinnen. „Die Leute haben immer noch Angst vor ihnen, auch wenn die Angriffe schon ewig her sind“, sagte ein alter Mann. Adian fragte gar nicht nach, bezahlte seinen frisch gekauften Pfeffer und wandte sich von dem Marktstand ab. Er glaubte nicht an einen neuen Angriff der Avarinsen und hielt das alles eher für ein Kindermärchen. Heute Morgen hatte er noch beschlossen für die ganze Woche einzukaufen, doch jetzt waren die Avarinsen wieder das Lieblingsgesprächsthema der Leute und Adian beschloss, nur mit den Kartoffeln, dem Obst und dem Pfeffer zurück zu gehen. Er hatte das Gerede und den Tratsch der Leute satt. In Gedanken verloren ging er über die nächste Hängebrücke und hielt bei einem Brunnen, dessen Wasser, über die Kanäle und Leitungen aus dem Berg floss. Er legte seinen Einkauf ab und nahm einen alten Holzeimer, der am Brunnen stand und füllte ihn mit Wasser. Adian schaute ins klare Nass. „Nicht schon wieder.“ Dachte er. Er tauchte seine Hand in den Brunnen und frisierte sich die Haare, sie waren wieder verstrubbelt, wie fast jeden Morgen. Nachdem Adian sich fertig frisiert hatte betrachtete er sein Spiegelbild. Seine mittellangen Haare saßen jetzt glatt an seinem Kopf und standen nicht mehr in alle Richtungen ab. Er sah seine blauen Augen die deutlich, wegen seiner gebräunten Haut herausstachen. Als Adian sein weißes Hemd zu Recht zerren wollte, hörte er ein Klopfen. Er blickte auf und schaute nach rechts, zu einer Wand an der eine Stadtwache, in einer silberschimmernden Rüstung mit Adlerflügelmustern ein Pergament an eine Wand nagelte. Glücklicherweise konnte Adian lesen, im Gegensatz zu den meisten einfachen Menschen in Sigmul und brauchte somit kein Briefleser zu bezahlen. Sein Vater hatte ihm das Lesen beigebracht, als Adian noch ganz klein war. Adian erinnerte sich zurück an seine Kindheit. Seine Eltern starben beide bei einer Seefahrt nach Xiang, wo sein Vater ein geschäftliches Treffen mit östliche Kalligrafisten hatte, die an seinen Büchern, sehr interessiert waren. Seitdem lebte Adian bei seinem Onkel Balian. Doch auch dieser war seit letztem Herbst auf einer Reise durch die Berge verschwunden. Nun lebte Adian allein, glücklicherweise war er kein Kind mehr und konnte sich sein Geld in einer Bücherhandlung verdienen. Adian liebte es Bücher zu lesen, nicht nur für geschäftliche Zwecke, sondern auch für die Freizeit, denn Bücher konnten so toll und spannend sein, wenn man sie nur richtig verstand und sich in ihre Welt vollkommen fallen ließ. Adian ging auf das Plakat zu und betrachtete die eckig punktierten Buchstaben auf den fein verzierten Strichen. An alle männlichen Bürger der Stadt Pok. Hiermit erteile ich, König Arylan III, dass jeder Bürger zwischen zwanzig und vierzig Jahren zur Armee einberufen wird, um sich auf den Krieg gegen den Osten vorzubereiten. Adian wandte sich ab. Er atmete tief durch. Er war neunzehn und war nur ein einfacher Buchhändler. Er verstand nicht viel vom Kämpfen, oder vom Krieg und hoffte niemals in einem Krieg zu stecken und andere Leben auszulöschen. Vor langer Zeit, in einem fernen Land erhoben sich sieben Königreiche. In Harmonie und Frieden vereint lebten die Ost sowie die West Königreiche, in dem Land, das sie Nasimul nannten, zusammen. Bis die Menschen, das am meist verbreitete Volk rachsüchtig und kriegerisch wurde. Und so kam es zum Krieg. Das in der Mitte liegende Westland Sigmul grenzte sich gegen den eisigen Norden und die Hazam Wüste ab, wie sogleich das Ost Land Xiang, mit seinen hohen Gebirgsketten und Schluchten, sich ebenfalls gegen die südliche Wüste stellte. Somit kam es, dass der Süden sich zu einem Bund zusammenschloss, der gegen die Kriege des Nordens rebellierte. Doch es war zwecklos, der Norden war zu stark. Aus der Verzweiflung flehten die Wüstenschamanen die Götter an und erhielten die Prophezeiung des magischen Kampfdreiecks. Es hieß, drei Krieger, ein Nahkämpfer, ein Fernkämpfer und ein Magier sollten sich erheben und der Welt wieder Frieden und Ausgeglichenheit bringen. Jahrzehntelang warteten die Schamanen, doch bis heute wurde die Prophezeiung noch nicht erfüllt. Der Krieg beginnt Die Hauptstadt von Xiang, Fu Ta war an diesem Morgen in helles Sonnenlicht getränkt, denn der Winter war vorüber und der Frühling brach an. Die hohen Stadttore der Stadt waren überfüllt mit Händlern und Reisbauern, die aus den Bergen und Tälern kamen und in der Stadt ein und ausgingen. Womöglich kauften die Bauern Güter für ihre Ernten und geschäftliche Händler waren gekommen um Waren aus dem fernen Westen zu verkaufen. Durch den großen Zug am Tor, den die Stadtwachen hindurchließen, bemerkte niemand wie sich zwei Gestalten unbemerkt und versteckt in einem Warenwagen, der von einem Esel gezogen wurde in die Stadt schmuggelten. „Sie finden uns garantiert nie hier“, sagte eine der Gestalten. Sie hieß Lin war sechszehn Jahre alt, und ein Straßenkind, das ihre Eltern schon vor langer Zeit verloren hatte. Sie hatte schwarze, verwuschelte Haare und ein zerlumptes Kleid an. „Wenn die Stadtwachen die Töpfe nicht prüfen, müsste es klappen“, sagte die andere Gestalt. Das war Lee, der auf einen Berg von Reistöpfen zeigte, die genau wie die beiden unter einer Decke steckten. Lee war siebzehn hatte ebenfalls schwarze Haare, wie die meisten Menschen im Osten, die er unter einem traditionellem Strohhut zu einer Hochsteckfrisur zusammengeflochten hatte. Er trug einen edlen Mantel aus rotschwarzer Seide und an seiner Hüfte hing ein Goldenes Drachenschwert. Was Lin nicht wusste, Lee war ein Prinz, der Sohn des Kaisers von Xiang. Doch Lee wollte nie ein Prinz sein. Sein Vater und er verstanden sich nicht, deswegen brach Lee ein oder zweimal die Woche aus und traf sich mit Lin. Sie war seit langer Zeit seine einzige Freundin. Er hatte sie kennengelernt als er wieder einmal, damals noch allein, durch die Straßen lief und sie versucht hatte ihn zu bestehlen. Seit diesem Tag waren sie Freunde. „Ja geschafft!“ sagte Lin. Sie hatten es unter der Decke des Warenwagens in die Stadt geschafft. Offenbar hatten die Wachen heute nicht so viel Lust jeden Wagen zu prüfen. „Komm!“ sagte sie. Lin und Lee sprangen hinter dem Stadttor vom Wagen und rannten durch die steinernen Gassen der Stadt. Sie liefen vorbei an Schmieden und Handwerkern, an Markständen und Obsthändlern und zwängten sich in eine enge Gasse. Lin rannte voraus, doch plötzlich fiel sie hin. Lee bremste ab um nicht über sie zu stolpern. „Hey was macht ihr hier?“ Ein alter Mann, saß an einer Mauer gelehnt in der Gasse. Er hatte schiefe Zähne und strecke einen langen Stab so aus, dass jeder der unaufmerksam durch die Gasse lief, darüber stolpern würde. Lin lag keuchend am Boden. Als sie zögernd aufstand, begutachtete der Mann ihre zerlumpte Kleidung. „Ich glaub ihr seid zwei kleine Taschendiebe die die Stadtwachen noch nicht bestraft haben.“ Sagte er undeutlich. Er packte Lin am Arm und zog sie zu sich her. Lee zückte rasch sein Schwert. „Aha ist das etwa auch geklaut?“ Fragte der Alte. „Lass sie los“ Sagte Lee warnend. „Große Worte für so einen kleinen Mann, ich glaub ich werde dir eine Lektion erteilen.“ Der alte Mann warf Lin zu Boden, die mit einem erschrockenen Schrei auf den staubigen Boden fiel. „Hey ihr da, was ist hier los?“ Lee drehte den Kopf zur Seite. Eine Gruppe Stadtwachen breitete sich in der Gasse aus und betrachtete das Geschehen. Sie alle trugen schwarze Harnische, einen Helm und hielten lange Speere in ihren Händen. „Die… die zwei Diebe haben mich angegriffen und wollten mein Geld stehlen“, keuchte und spuckte der alte Mann, während er auf Lin und Lee zeigte. Als hätte man ihn in den Bauch geschlagen hustete er. „Festnehmen!“ Schrie der Anführer der Wachen. Ein Augenblick der Unachtsamkeit, in dem Lee sein Schwert gegen die Wachen erhob, die daraufhin gebannt stehen blieben, nutze Lin um weg zu laufen. Sie rannte auf eine grobe Steinwand zu, die sie mit Leichtigkeit hinauf kletterte. Lee kletterte mit der Gewandtheit eines Affen hinterher, hoch auf die Stadtmauer. Oben angekommen, erschien aber auch schon das nächste Problem. Einige Wachen, schwarz gekleidet und maskiert standen vor ihnen. Soviel Lee wusste, töteten sie alles was hier oben, außer ihnen selbst war. „Lauf!“ Schrie Lee. Lin und Lee stürmten die Mauer entlang, bis sie auf ein nahe gelegenes Haus sprangen, die schwarz maskierten Krieger kamen ihnen mit mehreren akrobatischen Sprüngen hinterher. Eine lange Flucht über mehrere Hausdächer, Türme und Leitern zog sich über die ganze Stadt. Lee schaute immer wieder hinter sich. Die schwarzgekleideten Wachen wurden von Dach zu Dach weniger. Lin und Lee sprangen auf einen Dachgarten der eine Sackgasse bildete. Einer der Wachen hatte es geschafft sie zu verfolgen. „Wir haben nur eine Chance.“ Sagte Lin und sah zu einem Dach das mindestens zwei Meter von ihnen entfernt war. „Na dann los!“ Sagte Lee. Er rannte als erster auf die Kante des Daches zu und sprang. Im Flug blieb er mit den Finger an der Kante des Schaufeldaches hängen und zog sich hoch. Lin die noch auf dem anderen Dach stand machte sich bereit zum Sprung. Doch sie war nicht schnell genug, um dem schwarz gekleideten Wachmann, der auf Lin’s Dach sprang zu entkommen. Er packte sie mit festem Griff. Lin versuchte sich zu wehren und die Hände des Wachmannes weg zu ziehen, doch es gelang ihr nicht. Sie strauchelten herum auf die Kante des Daches zu. Lee blieb fast das Herz stehen, als Wachmann weiter an Lin zog. Lee schaute für einen kurzen Augenblick tief in Lins schwarze Augen, die vor Schmerzenstränen nass waren. Der Wachmann stolperte, sein Fuß stand nun im Leeren. Er ruderte mit seinem freien Arm, durch die Luft, aber dennoch kippte er nach hinten und zog Lin mit sich in die Tiefe. Stunden so kam es Lee vor stand er noch auf dem Dach und blickte hinunter in die staubigen Gassen. Lin und der Wachmann waren verschwunden. Es sah aus als wäre nichts gewesen. Die Händler und Arbeiter liefen dicht gedrängt durch die Gassen und schienen offenbar nichts bemerkt zu haben. Weit entfernt auf der anderen Seite der Weltkarte, im hohen Norden, brach jetzt die Dämmerung an. Schnee fiel vom Himmel und bedeckte die Dächer des ohnehin schon verschneiten Dorfes, das die Bewohner Björk nannten. Die hellen Lichter und Lagerfeuer, die die Menschen nicht nur zum Sehen brauchten, ließen in der dunklen Nacht die Berge hell erleuchten. Der Schnee auf ihnen funkelte und ließ sie magisch erscheinen. Die in Fell und Pelz gehüllten Männer und Frauen löschten ihre Lagerfeuer, die in Nähe ihrer Häuser standen und gingen hinein ins Warme. Die Nächte waren immer eisig im Dorf, doch früher gab es genug Holz, um auch nachts die Wärme der Lagerfeuer zu genießen. Viele der alten Männer redeten im Dorf über die gute, alte Zeit, als es noch kein Krieg gab und viele Händler und Kaufleute immer mal wieder in den Norden kamen und ihre Waren tauschten oder verkauften. Doch nun war es anders. Der Nördliche Teil des Königreiches Sigmul besetzte die Pässe die durch die hohen Schneeberge ins Landesinnere führten. Seit mehreren Jahrzehnten war kein Händler mehr in den Norden gekommen und auch anscheinend kein Bewohner mehr hinaus. Das letzte Lagerfeuer erlosch. Björn, einer der Großjäger war der letzte, der noch draußen war. Er nahm sein gekochtes Wolfsfleisch vom Lagerfeuer und stiefelte durch den Schnee zu seiner Holzhütte die er selbst aus Fichtenholz gebaut hatte. Vor kurzem war er mit den anderen Jägern aus dem Tal von einer langtägigen Jagt zurückgekommen. Nun war die Beute aufgeteilt und er konnte endlich nach Hause. Björn öffnete die Tür und trat in sein hell erleuchtetes Haus. Er sah sich um. Es war noch alles am gleichen Platz wie vorher. Die Trophäen vieler verschiedener Tierarten hingen noch an ihren Plätzen an der Wand und in den Regalen waren die Trinkhörner und Holzlöffel noch da wo sie sein sollten. Als Björn bemerkte dass niemand seine Anwesenheit wahr nahm rief er. „Bin wieder da!“ Seine brummende Stimme hallte durchs Haus. Schnell hing er seinen Langbogen und seine Streitaxt an die Wandhalterung, denn er hörte schon das Fußgetrappel seiner jüngsten Tochter Yara. „Vater, Vater du bist wieder da!“ Kreischte sie mit piepsender Stimme, um sich sogleich auf ihren Vater zu stürzen. Björn war wie fast alle Nordmänner groß und kräftig, daher war es für ihn kein Problem seine sechsjährige Tochter in die Arme zu nehmen. Yara hatte rote, lange Haare die in einem geflochtenen Zopf endeten und ein sommersprossiges Gesicht. Ins Eingangszimmer kamen nun auch Björns andere zwei Kinder, sein Sohn der vierzehnjährige Rilkar und seine erwachsene Tochter Erika. Anders als die zwei Mädchen hatte Rilkar blonde Haare, dafür war er aber recht groß. Erika hatte rote lange Haare, die sie offen trug und ein hübsches Gesicht. Ein besonderes Merkmal an ihr waren ihre eisblauen Augen, die jedem auffielen. Anders als die anderen Mädchen im Dorf war sie nicht zu mager gebaut und für eine Frau recht groß. „Was hast du diesmal gejagt?“ Fragte Yara aufgeregt, mit zuckersüßer Stimme. „Nur einige Wölfe Yara…“, sagte Björn. Er sprach mit trauriger Stimme weiter. „Aber den armen Baldan und sein Bruder Rican hat’s erwischt, als wir in einer Trollhöhle unser Lager aufschlugen.“ „Ein Troll?“, sagten die Kinder im Chor. „Ja ein recht kleiner allerdings“, sagte Björn. „Hat uns einfach so in der Nacht überrascht, trampelte als erstes Rican platt und als wir ihn dann sahen tötete er Baldan. Arme Ena ihre einzigen Söhne sind tot.“ „Habt ihr ihn denn dann erledigt?“ Fragte Rilkar. „Ja allerdings.“ Lachte Björn. „Wir Fernkämpfer haben ihn mit Pfeilen abgelenkt und euer Onkel Darik, stieß ihm einen Speer in den Hinterkopf. Das war eine Glanzleistung, wenn man überlegt das die meisten Trolle um die fünf Meter groß sind.“ Er lachte. „Und was habt ihr so getrieben als ich weg war?“ „Ich hab gelernt wie man ein Feuer macht, Rilkar hat es mir gezeigt“, sagte Yara strahlend. „So, das ist gut, und ihr beiden? Hast du für die nächste Jagt geübt Rilkar? Du weißt bei der nächsten Jagt bist du volljährig und musst als Mann mitkommen“, sagte Björn streng. „Ja, na klar.“ Sagte Rilkar nicht ganz überzeugend. Um vom Thema abzulenken sprach er etwas anderes an. „Aber weißt du was? Erika hat während deiner Abwesenheit im Hinterhof heimlich Bogenschießen geübt.“ Erika warf ihrem Bruder einen bösen Blick zu. „Erika…“ Sagte Björn. „Warum machst du nur solche Sachen. Such dir lieber einen guten Mann der dir viele Kinder schenkt und bei dem du gut aufgehoben bist… So ist das nun einmal.“ Fügte Björn hinzu als Erika schon den Mund aufmachte um etwas zu sagen. „Mir sind die Traditionen unseres Volkes aber egal, ich will Jägerin werden.“ Erwiderte sie schließlich. Björn sagte nichts, er wusste sie würde nicht nachgeben. Schon immer war Erika anders als die anderen Mädchen, die Holz und Beeren sammelten um den hübschen jungen Kriegern zu gefallen. Doch Erika liebte die Wildnis, die schönen Schneewälder und Höhlen, in denen sich jede Menge verschiedener Kreaturen tummelten. Björn grummelte noch ein paar Worte, dann begab er sich in Richtung seines Schlafzimmers und schloss die Tür hinter sich. Erika schaute ihren Bruder an. „Vielen Dank Rilkar.“ Sagte sie. „Vater hat Recht, du bist nun mal ein Mädchen und unsere Tradition verlangt den Weg den du jetzt gehen musst.“ Erika erwiderte nichts, sie war wütend auf Rilkar. Sie stand auf, ging durchs Haus und in den Hinterhof. Es war jetzt dunkel, der Garten grenzte an der Klippe des Berges, auf dem das Dorf stand. Unter einem schneebedeckten Baum sah sie ihren Bogen liegen. Ein schön geschnitztes, gebogenes Holzstück aus dunkler Eiche. Sie nahm ihn in die Hand und betrachtete ihn. Früher als ihre Mutter noch gelebt hatte, hatte sie Erika immer, gegen ihren Vater unterstützt. Doch seitdem sie nicht mehr da war, war alles anders. Erika war gleichzeitig wütend, aber auch neidisch auf Rilkar. Von ihm wurde erwartet dass er Jagen lernte, so wie sie es auch gern tun würde, doch Rilkar war selber zu faul dafür. Sie konnte es nicht fassen dass er dieses Geschenk nicht annahm. Sie seufzte. Langsam wurde es zu dunkel um weiter zu üben. Erika ging ins Haus, legte sich in ihr Bett und dachte nach. Wie konnte sie ihren Vater morgen überzeugen, doch dann wurde ihr Gedankengang durch ein klopfen gestört. Ihr Vater kam langsam ins Zimmer. „Ich hab nachgedacht“, sagte er mit leiser Stimme und setzte sich auf Erika’s Bett. „Wirklich?“ Sagte Erika hoffnungsvoll und setzte ein Lächeln auf. „Ja wirklich“, meinte Björn. Morgen werde ich zum Jarl gehen und ihn darum bitten, dass sein Sohn dich heiraten wird.“ Erikas Lächeln, wich aus ihrem Gesicht so schnell wie es gekommen war. „Was? Nein, ich will niemanden heiraten, und schon gar niemanden den ich nicht einmal kenne“, sie konnte es nicht fassen. „Doch! Diesmal gibt es keine Wiederrede, du wirst nach der Vereinbarung mit dem Jarl, falls er einwilligt seinen Sohn heiraten, das schwör ich bei allen Göttern die wir haben“, sagte Björn sehr bestimmt. Er berührte Erikas Schulter, doch sie zuckte weg und schaute zu Boden. Björn seufzte und ging langsam aus dem Zimmer. Erika war am Boden zerstört. Tränen rannen ihr übers Gesicht. Langes Schweigen brach über sie ein bis… Erika stand auf sie hatte einen Entschluss gefasst. Sie schlich aus ihrem Zimmer durchs Haus. Alles war dunkel, anscheinend schliefen alle schon. Erika ging in den Eingangsbereich des Hauses, nahm vom Kleiderhaken einen weißgrauen Fellmantel, passende Stulpen, Lederhandschuhe und dicke Stiefel. Jetzt da sie nicht mehr gekleidet war wie die anderen Frauen im Dorf, die häufig Kleider trugen, nahm sie ein stahlgraues Einhandschwert, mit einer Hohlkehle von der Wand und band es sich mit einem Ledernen Gürtel um die Hüfte. „Was machst du da?“ Erika drehte sich erschrocken um. Yara stand hinter ihr. „Was machst du hier, du solltest längst im Bett sein.“ Yara war wohl aufgewacht und stand nun vor ihr. „Warum siehst du so komisch aus?“ Fragte sie. „Ich muss kurz jemanden besuchen und ja…. Draußen ist es sehr kalt.“ Log Erika und deutete auf die Fellstulpen an ihren Beinen. „Und wann kommst du wieder?“ Fragte Yara besorgt. Erika ging auf die Knie um Yara direkter anzuschauen. Sie sah ihre Schwester freundlich an. „Ich weiß noch nicht wann ich wieder komme, aber eins kann ich dir sagen, ich werde wieder kommen! Das verspreche ich dir... Und jetzt ab ins Bett.“ Erika gab Yara einen sanften Schubs auf die Schulter und Yara verschwand in ihrem Zimmer. Erika schaute sich noch einmal im Haus um, schlich dann zur Hintertür hinaus, in den Garten, wo sie ihren Bogen und ihre Pfeile, die versteckt unter einer Fichte langen, auf den Rücken schnallte und über den Gartenzaun sprang. Erika schaute ein letztes Mal zu ihrem Haus, kurz zögerte sie, doch dann lief sie aus dem Dorf und verschwand in der Dunkelheit.


 


Viel weiter im Süden ging die Sonne auf und schien auf die weiten Ebenen des Landes. Flüsse ergossen sich aus hohen Bergen und hinterließen ein beeindruckendes Bild der Küste von Sigmul, das auf der Landkarte in der Mitte liegende Königreich. Mit dem kalten Norden von Sigmul, der sich auf weiten Ebenen, die immer schräger hoch in den Norden führten und vielen Nadelwäldern und Küstenregionen, an der die Klippen tief zum Wasser standen. Dem warmen Süden, mit ewigen Pinienwegen, Feldern und Graslandschaften durch die viele Flüsse flossen, die aus dem Westlichen Sumpf entsprangen und dem, ganz im Süden liegenden Gebirge, war es eins der abwechslungsreichsten und größten Königreiche. Das im Südosten liegende Gebirge von Sigmul, war das höchste auf der Welt und auf ihm stand die Stadt Pok. Pok war eine große Stadt auf einem der kegelförmigen Berge. Die weißen Häuser und das ganz oben auf dem Berg stehende Schloss, das oberhalb der Häuser prangte, waren alle, mehr seitlich am Berg angebracht und führten in einer Art Pyramide nach oben. Durch Hängebrücken, die streng bewacht wurden, kam man auf einen in der Nähe stehenden Berg, der dann hinunter ins Tal führte. Die Menschen aus Pok waren hauptsächlich Minenarbeiter und Steinmetze, die tagsüber in die Bergminen gingen und abends die Kneipen in vollen Zügen unterhielten. Doch es gab hier auch den ein oder anderen Zwerg, oder andere merkwürdige Wesen, die aber eher gemieden wurden. Die Menschen verstanden sich nicht besonders gut mit den Zwergen, die als gierig und rechthaberisch galten. „Einem Zwerg könne man nicht trauen“, verkündeten die Minenarbeiter häufiger abends in den Kneipen. Doch die Menschen in Pok waren auf die Zwerge angewiesen, denn nur ein Zwerg wusste wie man Gold oder Eisen so abbaute das nichts verloren ging, oder wie man ein Schwert unzerbrechlich und scharf genug Schmieden konnte, um damit alles zu durchdringen. Soviel man wusste, konnten nur die Elfen den Zwergen Konkurrenz in der Schmiedekunst machen, doch seit dem Anfang des Krieges, hatte hier niemand mehr einen Elfen gesehen. Da die Zwerge so wichtig für das Königreich waren, hatte der Fürst von Pok, Miluk Rántol, angewiesen jeden Zwerg durch das Stadttor zu lassen. So sprach sich herum, dass mehrere Male Schmuggeleien, auf Seiten der Zwerge stattfanden, die ihre Sackkarren über die große Hängebrücke zum Stadttor, voll mit unerlaubten Gegenständen brachten. Pok galt in Sigmul als die uneinnehmbare Stadt, denn der einzige Weg in die Stadt war ein schmaler Pfad, der über einen Berg und dann auf der Hängebrücke zum Stadttor führte. Es hieß man könne Pok mit nur zweihundert Mann gegen alle sieben Königreiche halten. Der wohl einzige Weg die Stadt einzunehmen war aus der Luft, was aber für Menschen oder Zwerge unmöglich war. Nur für die Avarinsen, große Vogelgeschöpfe mit Schnäbeln, Flügeln und fedrigen Armen und Beinen nicht. Es hieß früher haben sie mit Bogen und Pfeilen, an denen Seile befestigt waren, Menschen gejagt und sie mit in ihre Nester genommen, um ihre Kleinen zu füttern. Doch anscheinend hat kein, heute Lebender, jemals eine Avarinse gesehen, doch schoben die Menschen alle unerklärlichen Dinge und Geschehnisse auf einen Angriff der Avarinsen. Heute Morgen war es wieder so weit. Viele Mägde und Kaufleute hatten sich auf den Markt aufgeregt über die Avarinsen unterhalten. Ein Zwerg behauptete sogar er hätte neulich mit seiner Axt eine in zwei Stücke zerteilt und sie an einen Pfeilmacher verkauft, was ihm aber wohl niemand glauben zu schien. „Hast du das auch schon gehört?“ Fragte eine der Gewürzhändlerinnen. „Die Leute haben immer noch Angst vor ihnen, auch wenn die Angriffe schon ewig her sind“, sagte ein alter Mann. Adian fragte gar nicht nach, bezahlte seinen frisch gekauften Pfeffer und wandte sich von dem Marktstand ab. Er glaubte nicht an einen neuen Angriff der Avarinsen und hielt das alles eher für ein Kindermärchen. Heute Morgen hatte er noch beschlossen für die ganze Woche einzukaufen, doch jetzt waren die Avarinsen wieder das Lieblingsgesprächsthema der Leute und Adian beschloss, nur mit den Kartoffeln, dem Obst und dem Pfeffer zurück zu gehen. Er hatte das Gerede und den Tratsch der Leute satt. In Gedanken verloren ging er über die nächste Hängebrücke und hielt bei einem Brunnen, dessen Wasser, über die Kanäle und Leitungen aus dem Berg floss. Er legte seinen Einkauf ab und nahm einen alten Holzeimer, der am Brunnen stand und füllte ihn mit Wasser. Adian schaute ins klare Nass. „Nicht schon wieder.“ Dachte er. Er tauchte seine Hand in den Brunnen und frisierte sich die Haare, sie waren wieder verstrubbelt, wie fast jeden Morgen. Nachdem Adian sich fertig frisiert hatte betrachtete er sein Spiegelbild. Seine mittellangen Haare saßen jetzt glatt an seinem Kopf und standen nicht mehr in alle Richtungen ab. Er sah seine blauen Augen die deutlich, wegen seiner gebräunten Haut herausstachen. Als Adian sein weißes Hemd zu Recht zerren wollte, hörte er ein Klopfen. Er blickte auf und schaute nach rechts, zu einer Wand an der eine Stadtwache, in einer silberschimmernden Rüstung mit Adlerflügelmustern ein Pergament an eine Wand nagelte. Glücklicherweise konnte Adian lesen, im Gegensatz zu den meisten einfachen Menschen in Sigmul und brauchte somit kein Briefleser zu bezahlen. Sein Vater hatte ihm das Lesen beigebracht, als Adian noch ganz klein war. Adian erinnerte sich zurück an seine Kindheit. Seine Eltern starben beide bei einer Seefahrt nach Xiang, wo sein Vater ein geschäftliches Treffen mit östliche Kalligrafisten hatte, die an seinen Büchern, sehr interessiert waren. Seitdem lebte Adian bei seinem Onkel Balian. Doch auch dieser war seit letztem Herbst auf einer Reise durch die Berge verschwunden. Nun lebte Adian allein, glücklicherweise war er kein Kind mehr und konnte sich sein Geld in einer Bücherhandlung verdienen. Adian liebte es Bücher zu lesen, nicht nur für geschäftliche Zwecke, sondern auch für die Freizeit, denn Bücher konnten so toll und spannend sein, wenn man sie nur richtig verstand und sich in ihre Welt vollkommen fallen ließ. Adian ging auf das Plakat zu und betrachtete die eckig punktierten Buchstaben auf den fein verzierten Strichen. An alle männlichen Bürger der Stadt Pok. Hiermit erteile ich, König Arylan III, dass jeder Bürger zwischen zwanzig und vierzig Jahren zur Armee einberufen wird, um sich auf den Krieg gegen den Osten vorzubereiten. Adian wandte sich ab. Er atmete tief durch. Er war neunzehn und war nur ein einfacher Buchhändler. Er verstand nicht viel vom Kämpfen, oder vom Krieg und hoffte niemals in einem Krieg zu stecken und andere Leben auszulöschen.


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