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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe inter mundos, Christoph Bizer-Neff (Herausgeber)
Christoph Bizer-Neff (Herausgeber)

inter mundos


Geschichten zwischen den Welten

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Der Paladin in der schwarzen Plattenrüstung wartete auf den Sonnenaufgang. Er trug den Namen Hymanthus und diente dem geheimnisvollen Gott Vordak Nachtschwinge. Über diesen Gott war dem gemeinen Volk nicht viel bekannt, seine Priesterschaft hielt sich im Verborgenen und selbst die Barden wussten nur wenig über deren Riten und Gebräuche zu berichten.


Der Himmel am Horizont färbte sich bereits violett. Ein leichter Wind wehte aus dem Norden und spielte mit den pechschwarzen Haaren des Mannes und dem Umhang aus blutrotem Samt, der fast bis zum Boden reichte. Den Helm in Form eines Fledermauskopfes hielt der Paladin in seiner Hand.


Auf seinem Schild und dem Waffenrock prangte das Wappen des Königreichs Nordend, ein sich aufbäumendes weißes Einhorn auf rotem Grund. In seinem Gürtel steckte ein Kriegshammer. Die Waffe war aus einem Metallbrocken geschmiedet worden, der einst mit einem feurigen Schweif vom Himmel gefallen war.


Hymanthus Blick richtete sich nach Osten. Etwa zwei Meilen entfernt ragten die Konturen einer Burg in die Höhe. Ornagh war die letzte Festung des Verräters Haelrod, dem Herzog der Kaldenmark. Haelrod hatte versucht seinem eigenen Oheim, König Marvon, die Krone zu entreißen, war aber mit seiner Rebellion gescheitert.


Hymanthus beobachtete, wie auf den mit Zinnen bewehrten Laufgängen die Wachtfeuer erloschen und immer mehr Verteidiger ihre Plätze einnahmen.


Unbeweglich stand der schwarze Paladin da, wie ein Standbild aus einer schrecklichen, längst vergangenen Zeit. Ein Krieger trat auf ihn zu. Vingard, der Hauptmann der Bogenschützen, räusperte sich.


   "Ihr seht furchterregend aus, Herr. Die Männer mutmaßen schon, ihr Anführer versuche, die feindliche Burg alleine mit der Kraft seines Willens niederzuringen."


Hymanthus legte eine Hand auf den Kopf seines Streithammers.


   "Heute, am dritten Tag der Belagerung, wird sie fallen", knurrte er. "König Marvon hat uns noch für diese Stunde magische Unterstützung zugesagt."


Hymanthus warf einen abwartenden Blick in den heller werdenden Himmel. Obwohl es Frühling war und die ersten Blumen längst erblüht waren, fielen plötzlich Schneeflocken. Dann brauste Wind auf und wirbelte die Flocken durcheinander. Schemenhaft wurde eine Gestalt sichtbar, die langsam mit ausgebreiteten Armen zu Boden schwebte. Ein Raunen ging durch das Heer des Paladins.


Es war Anivael, eine Zauberin und Vertraute des Königs. Die Elfin mit dem schmalen, fast kindlich wirkenden Gesicht und den spitz zulaufenden Ohren, die von den langen schwarzen Haaren mit silbernen Spitzen fast verborgen wurden, trug eine weiße Robe, einen schmalen Stirnreif und über der Brust ein Amulett mit einem tiefblauen Edelstein. Bewaffnet war sie nur mit einem Dolch, der an zwei Perlenketten an ihrem Hüftgürtel hing.


Hymanthus verneigte sich.


   "Seid gegrüßt, edle Anivael."


Die Elfin sah zu ihm auf. Ihre blauen Augen wirkten so kalt, wie die Zauber, die sie zu wirken pflegte. Als Elementarzauberin der Luft war sie die Herrscherin über die Mächte des Windes, der Kälte und des Eises.


Die Stimme der Zauberin war freundlich, doch trotz der frühlingshaften Temperaturen dieses Morgens bildeten sich kleine Wölkchen aus ihrem Atem.


   "Seid auch mir gegrüßt, Hymanthus, Nachtschwinge."


Einen Moment verengten sich die Augen des Paladins. Obwohl er seit Jahren in König Marvons Diensten stand und Anivael häufig begegnet war, hatte er sich noch immer nicht daran gewöhnt, dass die Elfin seinen Namen mit dem Beinamen seines Gottes ergänzte. Nachtschwinge. Bei den Göttern, dachte Hymanthus, die Anwesenheit der Elfe lässt mich frösteln.


Fast so, als habe sie seine Gedanken gelesen, lächelte Anivael ihn spöttisch an.


   "Heute werdet Ihr Rache nehmen können, Nachtschwinge."


   "Viele Monde habe ich darauf gewartet", entgegnete er grimmig.


Für einen Moment wurde das Gesicht der Elfe zu dem Antlitz der Frau, die er geliebt hatte, ohne ihr diese Liebe je zu gestehen. Doch nun war sie tot, verbrannt wie alle anderen Priester des Vordak - Tempels in Wasi, der Hauptstadt des Königreichs Nordend. Der Tempel hatte dem König die Treue gehalten und nicht den Verräter Herzog Haelrod unterstützt.


Dafür hatte der Herzog ihn bis auf die Grundmauern niederbrennen lassen.


Hymanthus deutete auf Vingard.


   "Sind Eure Bogenschützen bereit?"


Der Hauptmann hatte die ganze Zeit über die Zauberin misstrauisch gemustert.


   "Meine Männer sind bereit, Herr."


Hymanthus ballte seine gepanzerten Handschuhe zu Fäusten.


   "Dann vergesst nicht, der Herzog gehört mir, er soll durch meine Hand sterben."


Vingard nickte und ging dann zurück zu den Bogenschützen, die neben den Schwertkämpfern lagerten. Hymanthus musterte seine Truppen. Es waren Männer mit entschlossenen Gesichtern, die den Krieg hier und jetzt beenden wollten, um zu ihren Frauen und Kindern zurückkehren zu können. Sie trugen stählerne Helme, Lederrüstungen, Waffenröcke mit dem Wappen des Königs sowie Schwert und Schild. Die Bogenschützen waren mit Langbögen aus Eschenholz und langen Dolchen bewaffnet.


   "Bleibt an meiner Seite", raunte Hymanthus der Zauberin zu.


Diese warf ihm einen spöttischen Blick zu.


   "Wie Ihr es wünscht, Nachtschwinge."


Ihre Stimme klang gereizt, in ihren Augen glomm Ungeduld.


Hymanthus zog seinen Kriegshammer aus dem Gürtel und deutete damit auf die Burg. Die Morgensonne spiegelte sich auf dem kobaltblauen Metall.


   "Männer, Krieger des wahren Königs Marvon, ihr habt bisher tapfer gekämpft, nun bringt es zu Ende."


Er gab Vingard das vereinbarte Zeichen und dieser rückte mit fünf Dutzend Bogenschützen vor. Anivael schloss die Augen und rezitierte eine Zauberformel.


Nebel stieg aus dem Boden vor den Schützen und hüllte sie ein. In seinem Schutz bewegten sie sich immer weiter auf die Burg zu.


Etwa dreihundert Ellen vor der Burgmauer nahmen sie Aufstellung und hoben ihre Bögen. Als sie ihre Pfeile abschossen und sich ein erster Pfeilhagel auf die Verteidiger herab senkte, löste sich der Nebel um sie herum auf. Sofort erwiderten die Männer des Herzogs den Beschuss und mancher Angreifer stürzte getroffen zu Boden.


Hymanthus hatte sich unterdessen an die Spitze des restlichen Fußvolks gestellt.


Es waren gut vierhundert Recken, die zusätzlich zu ihren Waffen lange Sturmleitern trugen.


Neben ihm standen die Zauberin, der Fahnenträger und ein Krieger mit einer Fanfare.


Hymanthus schlug mehrmals mit dem Streithammer gegen die Schildkante und alle Augen richteten sich auf ihn. Er hob die Waffe in die Luft.


   "Vorwärts Männer, zum Angriff, für König Marvon, Tod den Verrätern!"


Er gab ein Zeichen und aus der Fanfare erscholl das Angriffssignal.


Sofort setzten sich die Krieger in Bewegung. Als sie noch eine halbe Meile von der Burg entfernt waren, fingen sie an zu laufen.


Die Bogenschützen hinter den Zinnen der Burg suchten sich neue Ziele. Ein Pfeilhagel mähte die vorderen Reihen von Hymanthus Kriegern nahezu nieder. Der Fahnenträger neben ihm wurde ins Auge getroffen und stürzte tot zu Boden. Der Mann hinter ihm fing die Fahne auf und schwenkte sie. Das weiße Einhorn auf rotem Grund schien in der Luft zu tanzen.


Anivael schlug ihre Hände zusammen und dicke Hagelkörner stürzten auf die Verteidiger herab, der Beschuss ließ merklich nach.


Dann kamen die Angreifer zum Burggraben. Er war mit dunklem Wasser gefüllt auf dem allerlei Grünzeug trieb.


Wieder war es die Zauberin, die Rat wusste. Sie blies in ihre Hand und das Wasser des Burggrabens gefror zu einer Eisfläche.


Hymanthus Krieger erreichten die Burg und versuchten mit den Leitern, die Mauern zu erklimmen. Die Männer des Herzogs wehrten sich verzweifelt. Mit Stangen stießen sie die Sturmleitern weg, Pfeile, Steinbrocken und siedendes Öl ergossen sich über die Angreifer.


Hymanthus fing mit seinem Schild einen Pfeil ab der Anivael gegolten hatte.


   "Bringt mich auf die Mauer, Zauberin!"


Die Elfin machte mit ihren Händen eine Geste als würde sie einen unsichtbaren Gegenstand heben und murmelte einen Zauber.


Hymanthus wurde von einem Windstoß erfasst und über die Zinnen hinweg getragen. Sein roter Umhang flatterte im Wind. Dann ließ der Zauber nach und er landete mitten zwischen seinen Feinden. Mit kräftigen Hammerschlägen und Schildhieben verschaffte er sich Platz. Mehr als ein Mann wurde von der Burgmauer gestoßen und stürzte schreiend in die Tiefe.


Unter dem Schutz ihres Anführers kletterten weitere Männer auf die Mauer und bald waren die Verteidiger in der Unterzahl. Doch plötzlich explodierte ein Feuerball und mehrere Königstreue starben in den Flammen.


Hymanthus sah sich um. Auf einem der runden Türme der Burg stand ein Mann mit einer schwarzen Robe, der in einer gewaltigen Feuerlohe zu stehen schien. Er hatte die Arme zum Himmel gereckt und zwischen seinen Händen bildete sich bereits eine zweite Feuerkugel.


Der schwarze Paladin winkte Anivael zu sich, die über der Mauer in der Luft schwebte.


   "Der Herzog hat einen Feuerzauberer in seinem Gefolge. So also haben sie unseren Tempel in Wasi vernichtet. Nun denn, Anivael, ich überlasse ihn Euch."


Bald darauf war der Himmel über der Burg erfüllt von Blitzen und Donner, von Feuerbällen und flammendem Regen. Die beiden Zauberer waren nur zwei undeutliche Schemen in diesem magischen Sturm.


Hymanthus indessen kämpfte sich mit seinen Kriegern weiter ins Innere der Burg vor. Sie eroberten die Burgmauer, einen der Türme, den Burghof und dann drangen sie in das Hauptgebäude ein.


Hymanthus hatte viele Männer erschlagen, Adelige und Gemeine, nicht ein Mal hatte er Gnade gewährt und wer den Paladin in der blutbespritzten Rüstung wüten sah, erwartete auch keine.


Schließlich stand er Herzog Haelrod gegenüber. Dieser hatte sich schützend vor eine Frau mit drei kleinen Kindern gestellt, die dem Geschehen mit entsetzten Gesichtern zusahen. Er trug ebenfalls eine Plattenrüstung und war mit Langschwert und Schild bewaffnet.


Hymanthus rief: "Eure Zeit ist gekommen, Herzog, Ihr steht nun vor Eurem Richter und Henker."


Haelrod trat vor und hob grüßend sein Schwert.


   "Dann soll es so sein, ich bin des Wartens müde."


Mit einem gewaltigen Hieb drang er auf Hymanthus ein. Es wurde ein langer, erbitterter Kampf. Hymanthus wurde an der Schulter verwundet, Haelrod am Oberschenkel. Dann kam der Augenblick, als der Schild des Hymanthus zerbrach und mit seinem Schild verlor der Paladin zwei Finger seiner linken Hand und taumelte zurück. Der Herzog holte weit aus, um seinem Gegner den Todesstoß zu versetzen, da sprang Hymanthus vor und schlug seinerseits mit dem Streithammer zu. Er traf. Die Knochen von Haelrods rechtem Unterarm splitterten und sein Schwert fiel scheppernd zu Boden. Ein weiterer Hieb schlug Haelrod den Helm vom Kopf. Er sank auf die Knie.


Seine geröteten Augen richteten sich flehend auf den Paladin.


   "Seid gnädig, nicht vor meiner Frau und meinen Kindern, Hymanthus!"


Hymanthus warf seinen eigenen Helm zu Boden und sah ihn mitleidslos an. Die Kämpfe um sie herum waren zum Erliegen gekommen und die Überlebenden hatten einen Kreis um sie gebildet. Hymanthus trat hinter den Herzog und hob den Streithammer. Die Waffe glänzte noch immer feucht vom Blut der Erschlagenen.


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