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> Belletristik > Joshua - Die Liebe Gottes
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Belletristik
Buch Leseprobe Joshua - Die Liebe Gottes, Stephan Rossmann
Stephan Rossmann

Joshua - Die Liebe Gottes


Ein Glaubensbekenntnis

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ie ersten Einschläge verfehlen ihr Ziel. Hinterhältige Dinger, die in einer breiten Front niedergehen. Wälder, Wiesen und Felder verschwinden in dieser grau explodierenden Masse, die sich auf uns zubewegt, die wir nicht aufhalten können. Die uns vernichten wird. Maschinengewehrfeuer, herzzerreißende Schreie überlebe ich die erste und zweite Welle schwerer Artillerie, knie nieder, falte meine Hände und bete zum Allmächtigen, während meine Kameraden Gott verfluchen, seine Existenz bezweifeln, obwohl er gerade hier, inmitten von Blut, Tod und Zerstörung allgegenwärtig ist. Die Infanterie greift an. Der Feind kommt näher, wird sichtbar. Tatsächlich sind es Menschen, die uns so etwas antun. Ich greife mir einen Spaten, hole aus und warte, dicht an die Grabenwand gepresst. Zum Totschlag bereit, beäuge ich kritisch eine Handgranate, die seelenruhig in meinen Graben kullert, direkt neben meinen Füßen liegen bleibt und mich mit ihrer hässlichen Visage frech angrinst. Sie singt: „Ich bin klein und du gemein, Ich will dein schlimmster Albtraum sein. Ein Riss, ein Loch, im tiefen Graben, Zum Morden bin ich Stahl geworden!“ Kurz bevor das fiese Miststück explodiert, zwinkert es mir zu, und … Die Augen weit aufgerissen, steh ich senkrecht im Bett, reib mir den Krieg aus dem Gesicht. Irgendjemand muss mich ordentlich hassen, dass er mir solche Träume schickt. Ich lass mich zurück ins Bett fallen, schnapp mir das abgestandene Bier und zünd eine Zigarette an. Hier sollte mal wieder aufgeräumt werden, ist mein erster klarer Gedanke. Schon wahr, die letzten Monate ließ ich mich gehen, kam nicht hoch und lag faul rum. Läuft halt nicht wie geplant und viel geplant hab ich nicht. Eher so Hirngespinste, nach dem Motto: Was wäre, wenn ich den Arsch hochkriege? Ich schnapp mir den Laptop, richte mich auf und klick den Kriegsfilm weg. Die anderen Taps will ich auch schließen, da poppt rechts unten ein kleines Fenster auf: SIE HABEN EINE NEUE FICKANFRAGE ERHALTEN! Eine neue Fickanfrage? Ich hab noch nie eine Fickanfrage erhalten. Wo kommt jetzt die Fickanfrage her? Und wer kommt überhaupt in den Genuss glaubhafter Fickanfragen? Stierkämpfer könnt ich mir vorstellen. Dichter, Drogendealer, Helden, der ein oder andere Fußballer. Obwohl, die haben es nicht verdient. Nein, bei mir wird nicht angefragt und wenn ich Anfrage wird’s peinlich. Aline Bökelberg-Hartschleifer, der Ur-Schlamm aller Fickanfragen. Mein Herz für ihr flüchtiges Vergnügen. Wie konnte ich widerstehen? Mag sein, sie brach mein Herzen, haute ernstgemeinte Gefühle übers Ohr, trieb meine naive Seele in den Wahnsinn. Gelangweilt hat sie mich nicht. Nach ihr kamen der große Frust, eine unendliche Leere und jetzt diese Fickanfrage. Dabei wollte ich mich einfach nur lang machen, „Im Westen nichts Neues“ über dieses halblegale Streaming-Portal anschauen, dabei bin ich wohl eingeschlafen. NUR 3 KILOMETER FAHRT UM SIE ZU FICKEN! Woher weiß die Fickanfrage wo ich wohne? Wahrscheinlich steckt sie mit dieser neugierigen Suchmaschine unter einer Decke. Weiter steht dort, dass sie unbedingt noch heute Nacht gefickt werden MUSS! Warum auch nicht? Die würde ich ordentlich durchnudeln. Den Zauberstab würd ich präsentieren, meine Anakonda, die unersättliche Fleischpeitsche. Dieses Luder zeigt aber auch, was Gott ihr mit auf den Weg gab. Nicht zu wenig, soviel ist klar. Da wurde bestimmt mit einem Bildbearbeitungsprogramm getrickst. So perfekte Brüste kriegt Mutter Natur nicht gebacken. ANZEIGEN ODER ABLEHNEN? Schwierig, wenn man die Wahl hat und wer hat die schon? In unserer WG spielt die Musik nebenan, auf voller Lautstärke, die ganze Nacht hindurch. „Mein Zimmer schmeckt nach Liebe“, offenbarte sich mein Mitbewohner, als ich ihm klarmachen wollte, dass dieser penetrante Sperma- und Schweißgeruch unerträglich sei. Die Schnauze gestrichen voll, ließ ich Luft ab, worauf er ohne mit der Wimper zu zucken diesen Spruch brachte. Keine Spur von Anstand, schlechtem Gewissen oder so. Was der wegvögelt - die Crème de la Crème. Neulich verführte er dieses anbetungswürdige Promigeschöpf auf seinem ach so tollen Sofa, womit er mal wieder sämtliche Regeln auf den Kopf stellte. Romeo traf Julia zufällig im Supermarkt. IM SUPERMARKT! Natürlich fragte er nicht nach einer Telefonnummer, einem Termin zum Essen oder dergleichen. Jegliches lernen wir uns kennen ist ihm gänzlich unbekannt. Dieser dreiste Liebesgott karrt die Mädels direkt aufs Sofa - dieses himmlische Sofa. Ein unverschämt bequemes Sofa, muss ich neidvoll anerkennen. Sicher würde ich gleichfalls meine Zeit verschwenden, hätte ich so ein Sofa. Keine zwei Minuten im Haus, fliegt die Türe zu, wildes Gestöhne setzt ein - in meiner Wohnung übrigens. Das Teil ist aber auch bequem. Zwei Dutzend Kissen, die dich gemütlich aufnehmen, eben nicht auffressen und in den Schlaf peitschen. Du liegst danieder, entspannt, voll bei der Sache. Das Paradies auf Erden, mit ihm als Hohepriester. Wenn er will, gibt er dir dieses Gefühl, geliebt zu sein. Er macht dich groß und selbstbewusst. Er versprüht in genau dosierten Einheiten eine gottgegebene Spiritualität, die dich einhüllt, in einen dicken flauschigen Mantel, der dich beschützt, ein Goldenes Vlies. Bei mir ist der Zauber verflogen. Vielleicht weil ich ihn schon zu lange kenne und er bei mir wohnt. Joshua ist mein bester Freund, gar keine Frage. Nur kenne ich mittlerweile die andere Seite der Medaille und die glänzt nicht immer. Joshua hatte also einen echten Star auf dem Sofa. Ein strahlender Himmelskörper, der den Rest Europas um Lichtjahre hinter sich ließ. Wahre Liebe, ohne Lügen. Verknallt war ich in dieses süße Ding, verfolgte ihre Auftritte, Fernsehshows, ausverkaufte Stadien – bis zu jenem Abend. „Oh, mein Gott! Oh, mein Gott! Oh, mein Gott!“ brüllte die blöde Kuh, die ganze Nacht hindurch, während ich kein Auge zudrückte. Um bei der Wahrheit zu bleiben, einzig mit handwerklichem Geschick halte ich mich im Spiel. Eine liebgewonnene Würdelosigkeit, die mich seit meinem letzten regulären Geschlechtsverkehr begleitet, wie der Krawall einen G20-Gipfel. Zuletzt, vor gefühlt 1000 Jahren, kratzte mich eine übertrieben extrovertierte BWL-Studentin kurz vor Feierabend von der Tanzfläche, einfach weil ich das letzte Stück verzehrbares Fleisch in dem Laden war. Ihr Körper war hier und dort, die Tussi mit dem gefärbten Pelz, der leichten Art, dem einladenden Blick. Für sie musste ich nicht lügen, niemanden betrügen, wir waren so frei, ganz ungezwungen. Kein Champagner, kein Pardon. Bereits als Schüler war ich mittelmäßig, nicht übertrieben beliebt, aber auch kein Außenseiter. Ein gewöhnlicher Junge, der von seiner Mutter geliebt wurde, der seine Mutter liebte. Meine Eltern wollten stets das Beste für ihren einzigen Sohn. Judo, Karate, Tischtennis, Radfahren, Schützenverein, Schwimmen, Schach ... kein Verein in unserem Kaff, wo ich mich nicht langweilte. Ich spielte im Freien, gründete Banden, kickte Fußbälle über matschige Äcker und kam mit Anbruch der Dunkelheit nach Hause. Ich beschäftigte mich mit bunten Bausteinen aus Dänemark, verschlang unnützes Wissen über Römer, Griechen und andere ausgestorbene Kulturen. Von klein auf mochte ich keine Veränderung. Warum musste sich etwas ändern, wenn alle zufrieden sind? Natürlich lag ich mit meiner Einschätzung richtig. Es wurde nicht besser, mit der Volljährigkeit ging es bergab. Kennen sie diesen Japaner, den sie dreißig Jahre nach Kriegsende aus dem Dschungel fischten? Dieser unbeugsame Veteran versteckte sich nicht vor seinen Feinden. Er suchte Deckung, vor den Dämonen in seinem Kopf. Unbeirrt kämpfte dieser treue Soldat bis zum bitteren Schluss, wollte einfach nicht begreifen, dass sein Kampf umsonst war. Ein so großes Herz konnte sich nicht ergeben. Er war der letzte Überlebende sinnlos gewordener Träume, Ideale und Versprechungen. Schwer nachzuvollziehen, ohne Zweifel. Falls sie dennoch Antworten suchen, schauen sie hinauf zu den Sternen. Dort erkennen sie nicht etwa die Unendlichkeit des Universums, Gott oder wahre Größe – nur schwarze kalte Nacht, Lichtpunkte aus längst vergangener Zeit, einen Mond, der nie lebte. Unser nächster Begleiter war schon immer tot. Folgerichtig blieb mir gar nichts anderes übrig, als mich neu zu erfinden. Der brave Junge musste sterben, damit der gefeierte Künstler aufersteht. Fortan wollte ich duellierend durch die Straßen ziehen, Frauen verführen und ausschweifende Partys feiern. Insofern lief es gar nicht schlecht. Kaum eine Nacht verging, wo ich nicht besoffen nach Hause kam – nur halt allein.


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