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Belletristik
Buch Leseprobe Am Rand, Pia Bächtold
Pia Bächtold

Am Rand



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Halim
Eines Tages kam ein braun gebrannter Herr zu mir in den Stall. In Englisch fragte er mich: „Bist Du Lana?" Mit sanften Augen sah ich ihn an. „Ja, kann ich etwas für sie tun?" Etwas hektisch meinte er:„Ja, ich habe einen Hengst in Frankreich gekauft, er ist World Champion." Ich schluckte. „Wäre es ihnen möglich, ihn hier einzustellen? Er muss sich von der Show erholen, bis er in die Emirate fliegen kann." Meine Augen wurden gross. „In die Emirate?" Verschmitzt meinte er:„Ja da ist mein zu Hause. Ich zahle ihnen, was sie wollen. Er soll alles haben, was er braucht, egal was es kostet." Verdutzt schaute ich ihn an.„Ist das ihr Ernst?" Etwas angespannt meinte er:„Ja, das ist es. Werden sie es tun?" Ich überlegte, ob ich noch eine Box frei hatte. „Ja gut, wann kommt der Hengst? "Er schaute in seinen Kalender. „Nächste Woche." Etwas neugierig fragte ich Ihn:„Woher wissen sie, dass ich hier bin?" Etwas in Eile meinte er:„Ich habe so meine Quellen." Als ich Ihn so anschaute, war er sehr nervös. „Ich mache ihm die Doppelbox fertig." Die Zeit verging und ein LKW aus Frankreich tauchte auf. „Ist das der Schneeeulen Hof?" Wollte der Fahrer des LKW`s wissen. „Ja." erwiderte ich im kurzen Ton. „Wir haben ein Pferd hier, dass wir hier abliefern sollen." Meinte der Beifahrer. „Ja, das stimmt." bestätigte ich. „Zeichnen sie bitte gegen?" Als ich die Boxentür öffnete, nickte ich mit dem Kopf..„Ja, natürlich." Die Fahrer waren sehr in Eile.„In welche Box soll er?" Kurz überlegend, meinte Lana:„In die Doppelbox im Hengststall." Verdutzt schauten die Fahrer sich an:„Ist das ihr Ernst?" Lana wunderte sich: „Ja, warum?" Mit hoch erhobenen Kopf meinte der eine LKW Fahrer;„Das ist ein Verbrecher." Lana sagte ruhig; „Laden sie ihn erst einmal aus, dann sehn wir weiter." Etwas aufgebracht meinte der andere Fahrer:„Das geht nicht. Einfach ausladen." Lana zog die Augenbrauen zusammen:„Wieso?" Fachmännisch meinte der Fahrer:„Wir müssen den LKW so nah als möglich an die Box bringen." Verdutzt schaute Lana die Fahrer an:„Wieso?" Wollte Sie wissen.„Sagten wir doch, er ist ein Verbrecher." Nach dem Gepolter im LKW zu urteilen, musste es mehr als nur ein Hengst sei. „Wie viel Tiere haben Sie geladen?" Leise meinte der andere der beiden Fahrer:„Nur Ihn." Lanas Augen wurden gross. „Den ganzen LKW nur für Ihn?" Kopfschüttelnd meinte der Fahrer:„Ja, das ging nicht anders." Lana zuckte mit den Schultern und wurde stutzig, „Naja, dann machen sie ihren Job." Eine laute Stimme ertönte:„Der andere Hengst muss raus." Lana nahm Sam und parkte ihn im Hauptstall. Die Herren von der Spedition zogen sich Jacken und Handschuhe an. „Bitte alles weg von hier." Der Eine stieg in den LKW um die Rampe zu öffnen. Der Andere befestigte zwei Longen, die bis zur Box reichten. Lana hörte einen Hengst, der mindestens drei Meter groß sein musste. Steigend, Zähnefletschend, um sich schlagend kam er vom LKW. Lana schluckte:„Na prost Mahlzeit." In der Box führte er sich auf wie ein Irrer, ging die Wände hoch, biss in die Gitter, seine Augen aufgerissen und rot unterlaufen, es war ein Hengst weißer als der Schnee. Stockmass 152 cm, mit einem Behang bis zum Boden. Lana erschrak:„Du armer Kerl, was haben sie denn mit Dir gemacht?" Der eine Spediteur meinte: "World Champion Halim, rein Ägyptisch. Dürfen wir ihnen einen guten Rat geben?" Lana nickte:„Wenn sie möchten." Der andere Fahrer schmunzelte:„Immer Jacke und Handschuhe. Nie alleine führen, immer doppelt, viel Spaß, auf Wiedersehen." Skeptisch stand Lana vor der Box. Er ging gegen Sie, das Gitter trennte die Beiden. „Irgendetwas stimmt hier nicht." Lana rief Meike, ihren Tierarzt an. „Kannst Du gleich mal vorbei schauen?" „Ich habe einen Notfall, der braucht etwas zur Beruhigung." Die Tierärztin meinte:„Lana, ich habe eine Kolik zu behandeln. Es wird noch eine Stunde dauern. Bitte nicht füttern, Heu und Stroh schon." Lana rümpfte die Nase.„Alles klar, bis dann." Es hatten sich einige Einsteller vor der Tür postiert. Lana sagte:„Bitte, er braucht Ruhe." Sie machte die Tür zu. „Lana, das ist ein Monster." Lana schaute zu Boden:„Aber nein, er ist nur ein Araber." „Lana, der ist gefährlich." Beruhigend meinte Lana: „Aber nein, er ist nur ein Hengst." Wie aufgescheuchte Hühner gackerten die Einsteller:„Der darf aber nicht raus." Leicht zornig meinte Lana:„Würdet ihr euch beruhigen, ich mach das schon." Im Stillen sagte Lana zu sich: „Na, da hast Du Dir was Schönes eingebrockt." Die Zeit schien still zu stehen und die Stunde fühlte sich an wie ein Jahr. Endlich kam Meike der Tierarzt. Lana öffnete die Stalltür. „Lana, um Gottes Willen, was ist das denn?" Das Erste Mal, sah Lana ihre Tierärztin mit aufgerissenen Augen. „Darf ich vorstellen Meike, Worldchampion aus Frankreich, im Besitz von einem Scheich. Kosten 1000000.-Dollar, 3 jährig. Er bekommt alles, was er braucht, egal was es kostet. Rechnung an diese Adresse." Meike sagte: „Es ist mir egal, was das ist. Er ist hochgradig gedoped." Lana`s Augen wurden gross. „Waaas?" Meike sagte:„Ruf den Besitzer an, das ist was Größeres." Lana holte das Telefon und telefonierte. Meike erklärte ihm, was Sache ist. „Ist ihnen bekannt, dass das gegen die Vorschriften ist?" Meinte Meike der Tierarzt. „Nein, ich habe ihn hinterher gekauft. Kann man ihn reparieren?" Meike musste lachen. „Das kann ich Ihnen nicht versprechen, sie können froh sein, dass er hier ist." „Bitte tun sie ihr möglichstes, ich brauche ihn für meine Zucht." „Ist er versichert?" „Ja." „Können wir Blut nehmen?" „Ja, was auch immer, aber macht ihn gesund." „Das kann ich nicht garantieren, es kann sein, dass das Nervensystem angegriffen ist. Wie lang ist er schon in diesem Zustand?" „Ich kenne ihn so seit vier Wochen, was vorher war, weiß ich nicht. Ich dachte, Elitehengste müssten so sein." „Machen sie sich keine Sorgen, wir werden alles Menschenmögliche tun." „Lana, Du weißt, was wir hier haben?" „Nein, nicht genau, aber Du wirst es mir sicher erklären." „Wenn wir Pech haben, ist das Zentralenervensystem angegriffen, dann hilft nur eins." „Was?" „Einschläfern." „Oh, nein." „Er hat vier Wochen." „Um Gottes Willen." „Was heißt das für mich?" „Er weiss nicht, was er tut, also pass auf." „Was meinst Du?" „Er darf die erste Woche nicht raus. Er sieht Dich nicht als Mensch. Er greift alles an. Egal wer ihm das angetan hat, der müsste hinter Gitter. Keine fremden Personen im Stall, ausser Du und ich. Keine anderen Tiere in diesem Stall." „Meike, ist es wirklich so schlimm?" „Ich befürchte ja. Ich habe schon viel in meiner Laufbahn gesehn, aber so etwas noch nicht. Er ist lebensgefährlich. Ich muss in meine Praxis, wir brauchen hier ein spezielles Medikament." „Gut, ich warte." „Du kannst schon mal Mash machen, aber ohne Deine üblichen Rüben." „Naja, Du kennst mich halt schon." „Ja, zu genau. Also ohne Rüben, aber mit dem üblichen, das tut ihm gut." „Na wenigstens das." Lana stapfte ins Haupthaus und setzte Wasser auf. Ich ging in den Stall und holte mein Kräutermash. Im Eimer rührte ich den Brei an und liess ihn ziehen. Meike sagte: „Keine Extras." „Also keine Extras." Gerne verwöhnte ich meine Tiere mit frisch geriebenen Möhren und Honig zusätzlich, wenn sie krank waren, das mochten sie so gerne, aber da hielt ich mich an das, was Meike gesagt hatte. Es ging um ein Pferdeleben. Meike mischte die Medikamente unter das Mash. „So, jetzt müssen wir warten." „Warten?" „Ja, dann kommt das Wichtige, Blut nehmen. Es ist wichtig, dass wir das gleich machen, wir brauchen den Nachweis." „Ja, geht das denn?" „Ich hoffe." Nach 15 Minuten liess er den Kopf hängen. „So, Zeit zum Blut nehmen, wir haben fünf Minuten. Na dann, Du weißt wie." Lana öffnete die Boxentür und zog ihm das Halfter über. Meike nahm Blut ab. Ich streichelte ihn über seine Nüstern. „Du armer Kerl. Wir werden es schon schaffen." „So, alles klar. Es geht noch heute nach Hannover ins Labor." „Hannover?" „Ja, zu den Spezialisten. Riegle die Tür doppelt. Bis Morgen." Lana verbrachte Stunden bei ihm in seinem Stall. Meike kam die erste Woche dreimal am Tag mit seiner Medizin. „Maja, ich würde sie Dir gerne da lassen, aber das darf ich nicht." „Ich weiss, ich bin kein Tierarzt, nur ein kleiner Pferdewirt." „Ich weiss, dass ich mich auf Dich verlassen kann. Morgen früh kann ich nicht, da musst Du sie ihm selber geben." „O.K. ich verrats auch nicht." Nach vier Tagen liess das Blutunterlaufene in den Augen nach. Ich war froh. Nicht zu früh freuen, wir sind noch nicht über dem Berg. Der Amtstierarzt kam und nahm das Protokoll auf. „Wie sind sie denn an den gekommen?" „Zufall." „Na den Zufall hätten sie sich sparen können." „Sagen sie so etwas nicht, er macht Fortschritte." Meike kam mit dem Ergebnis von Hannover. „Lana, schau Dir das an, es ist ein Wunder, dass dieses Tier noch lebt. Wie geht es ihm?" „Er macht Fortschritte, aber musstest Du den Amtstierarzt alarmieren?" „Ja Lana, das musste ich, es ist gegen die Vorschriften der Dachorganisation, es ist meldepflichtig. Zudem ist das ein Hengst der nicht nur 20000.-gekostet hat. Vertrau mir, wir wollen keine Scherereien." Ich nannte ihn Halim. Nach einer Woche konnte ich ihn streicheln. Nach zwei Wochen konnte ich ihn putzen. Nach drei Wochen konnte ich ihm die Hufe auskratzen. Blaue Flecke und Bisswunden hatte ich mehr als genug, aber er konnte nichts dafür. Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Rückfälle, viele. Immer wieder. Männer liess er überhaupt nicht an sich ran. Misten machte ich selber, die ersten Wochen nur aufstreuen und das war schon zu viel. Langsam gewöhnte er sich an seine Umgebung und an mich. Meike kam nur noch zweimal die Woche zur Kontrolle. Jeder erklärte mich für verrückt, aber das war mir egal. Ich mochte diesen Hengst und ich glaube, er war dankbar, dass es mich gab. Manchmal kam er und rubbelte an meinem Bauch. Manchmal kam er zähnefletschend auf mich zu, je nach Stimmungslage. Ich war froh, dass ich ihm die grosse Box gegeben hatte, so konnte er sich wenigstens etwas bewegen. Ich rief Meike an und fragte: „Du ich kann untertags schon die Tür auflassen, ein Monat ist rum, meinst Du ich kann mit ihm raus?" „Lana, das ist noch zu früh, in ein paar Tagen. Ich komme dann mit Johann. Wir brauchen da Kraft." „Aber Du weißt doch, er mag keine Männer." „Johann hat Erfahrung mit Hengsten." „Er kennt ihn nicht." „Lana?" „Na, wenn Du meinst." Zwei Tage später stand Johann gut gelaunt auf meinem Hof. „Hallo Lana, Meike hat gesagt, Du brauchst Hilfe?" „Ja, sie meinte, ich brauche bei meinem Patienten Kraft. Er mag aber keine Männer." „Blödsinn." „Na wenn Du meinst. Bitte schön, einmal Halfter und Strick." Johann ging pfeifend in den Stall. Halim legte die Ohren an. Johann öffnete die Boxentür und sagte: „Na men Jung?" Halim drehte sich wie ein Blitz und Johann klebte an der Wand. Ich musste lachen. „Na so wat? Was is dat denn?" Johann, darf ich vorstellen: „Das ist Halim, Worldchampion. Worldchampion in was?"

Boxentür auf, Johann pflatsch. Boxentür wieder auf, Johann wieder pflatsch. „Na Lana, da kann ich Dir nicht helfen." „Dachte ich mir doch." „Und nu?" „Keine Ahnung. Naja, ist halt kein Hannoveraner. Hast de nen Kööm?" „Na klar Johann." „Aber nur einen." „Na klar nur zwei, den ersten und den Letzten, die dazwischen zählen wir nicht." „Ganz nach meinem Geschmack Lana und nichts Meike sagen." „Nö, nö." „Ich dank Dir schön, jetzt muss ich weiter zu Ranks, schade, dass ich nicht helfen konnte." „So und nu Halim? Mit Johann hätteste ruhig gehen können, der ist o.k."

Ich stand vor der Box und sagte: „Na men Jung, dann halt wir Beide." Ich legte ihm den Steiger an, sicher ist sicher. Ich bat Michel die Halle zu sichern und mir Bescheid zu geben, wenn ich mit Halim kommen konnte. „Alles Roger, niemand da, ausser Du und ich." Box auf, Halim raus. Steigen, tänzeln, Bocksprünge. „He Junge, langsam, ich weiss es ist aufregend, aber denk an deinen Muskelkater morgen." Wir kamen gerade bis zur Halle als er explodierte. Er rannte als wenn er abgestochen würde. Nach 15 Minuten war die Luft raus. „Ist er nicht wunderbar Michel?" „Ja, ein Prachtkerl." Ganz normal liefen wir zur Box zurück. Ich fragte Michel: „Bist Du morgen um die gleiche Zeit hier?" „Aber klar." „So, das wäre geschafft." Ich rieb ihn mit Tenselvet ein, um das schlimmste an Muskelkater zu vermeiden. Dieses Spiel machten wir drei Tage, danach beschloss ich, ihn auf die kleine Koppel zu stellen. Er hatte traumhafte Gänge. Langsam gewöhnte er sich an die anderen Pferde, der Alltag kehrte zurück. Meike gab mir grünes Licht. „Er ist in Ordnung. Jetzt kann ich es Dir ja sagen, ich dachte nicht, dass er es schafft." Wir riefen den Besitzer nach vier Wochen an und sagten: „Alles in Ordnung." „Ich werde in ca. zwei Wochen vorbei kommen, um nach ihm zu sehn." Die Zeit verging und die Emirate standen auf dem Hof. „Er ist nicht wieder zu erkennen. Vielen Dank." „Gern geschehen. Ich denke so in acht Wochen kann er in seine neue Heimat. Ich werde ihnen eine Bedienungsanleitung dazu schreiben." Er lachte. „Bei uns hat er eine 20ha Koppel, zudem ist es noch sehr heiss, ich denke da brauchen wir keine Bedienungsanleitung. Nur der Transport war ein Problem, keiner wollte ihn verladen, geschweige denn fliegen." „Das kann ich gut verstehen." Die Zeit verflog und die acht Wochen waren eines der schönsten Momente mit Halim. Er konnte es nicht lassen, mich mindestens einmal am Tag zu zwicken, aber das haben Hengste so an sich. Am Tag des Abflugs brachte ich ihn nach Frankfurt ins Cargo, gut eingepackt und brav liess er sich verladen. Es gab nur noch ein paar Baldriantropfen und er war stabil. Als ich Abschied nehmen musste, wurde mein Herz schwer, aber ich wusste, in seiner neuen Heimat wird es ihm gut gehen.

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