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Bücher Zeitzeugen
Buch Leseprobe Seemannsschicksale unter Segeln, Jürgen Ruszkowski - Herausgeber
Jürgen Ruszkowski - Herausgeber

Seemannsschicksale unter Segeln


Die Seefahrt unserer Urgroßväter - Band 4 in der gelben maritimen Reihe

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Um 1860 unter Segeln um die Welt Alfred Tetens - http://freenet-homepage.de/seamanstory/tetens1.htm Abenteuer in der Südsee Alfred Tetens - http://freenet-homepage.de/seamanstory/tetens2.htm Unter Segeln von Blankenese nach China Hans Meyer Auf Seglern und Dampfern um 1890 Arnold Otte - http://freenet-homepage.de/seamanstory/otte_arnold.htm Im Dienste Graf Luckners 1927 unter Segeln auf Viermastschoner VATERLAND Walter Heinrich Giermann Seemännische Umgangssprache und Fachausdrücke http://freenet-homepage.de/seamanstory/band4.htm Leseprobe: Die Reise war bislang ohne jede Störung verlaufen. Wind und Wetter zeigten sich so überaus liebenswürdig und ruhig, dass Neptun eine Einförmigkeit befürchtete und uns in einer tiefdunklen, pechschwarzen Nacht ziemlich unsanft daran erinnerte, dass wir nicht das glatte Parkett eines englischen Saales, sondern nur ganz einfache Schiffsplanken unter den Füßen hätten. Wir waren in die Nähe von Mauritius gekommen, als der heftige Orkan gegen uns hereinbrach und gleich beim ersten An-lauf unser Groß- und Kreuzmast mit einer Leichtigkeit in die sturmgepeitschten rasenden Meereswogen geschleudert wurden, als ob es keine zentnerschwere Masse, sondern nur ein gewöhnliches Streichhölzchen gewesen wäre. Donnernd und heulend sang das Meer sein Sturmlied. Das stark belastete Schiff arbeitete und rollte in dieser fürchterlich erregten Wassermasse so schwer, dass, nachdem die Masten mit einem nervenerschütternden Gekrach über Bord gegangen waren, kein Tau mehr hielt. Die stärksten Befestigungsmittel, armdicke Trossen und Ketten, zerrissen wie baumwollene Fäden. Mit der zunehmenden Heftigkeit des Orkans wurde unser schwer heimgesuchter PALMERSTON immer unruhiger, so dass wir uns nur mit der größten Anstrengung der über Bord flutenden Sturzseen erwehren konnten. Trotz der unverkennbaren Gefahr, in welcher sich Schiff und Ladung befand, war es uns unmöglich, etwas Entscheidendes für ihre Rettung zu tun. Wir mussten uns damit begnügen, einige losgerissene Gegenstände zu bergen, besonders aber die über Bord hängenden Stengen zu entfernen, die noch vermittels der Takellage am Schiffe befestigt waren und sehr leicht den Untergang desselben herbeiführen konnten, und die Taue zu kappen. Die ganze Nacht verging mit dieser mühsamen, höchst gefahrvollen Anstrengung. Wer von den Wellen über Bord geschleudert oder von herabstürzenden Gegenständen getroffen wurde, war dem sicheren Tode verfallen. Trotz dieser wenig verlockenden Aussicht arbeitete jeder mit einem unermüdlichen Eifer, und als das lang ersehnte Tageslicht zu dämmern begann, schien auch die äußerste Gefahr verschwunden. Die trübe Morgensonne beschien das entsetzliche, dem Seemann ins Herz schneidende Zerstörungswerk des Sturmes. Welch’ trauriger An-blick bot sich dem Auge dar! Das schöne imposante Schiff, welches noch vor wenigen Stunden mit seinen schlank emporragenden Masten die Meereswogen spielend durchschnitten, lag jetzt wie ein Adler, dem eine tückische Kugel die Schwingen zerschmettert, ohnmächtig danieder. Dank der unausgesetzten Anstrengung der ganzen Mannschaft war das Missgeschick, das uns betroffen, noch sehr gnädig abgelaufen... ...Kap Hoorn ist bei allen Seeleuten wegen seiner durchgängig stürmischen Witterung sehr berüchtigt. Namentlich haben die von Europa ausgehenden Schiffe mit den beim Kap Hoorn vorherrschenden westlichen Stürmen schwere Kämpfe zu bestehen und sind öfters gezwungen, drei bis vier Wochen auf der Höhe des Kaps herumzukreuzen, ehe es ihnen gelingt, dasselbe zu umsegeln und die Westküste zu erreichen. Auch ich hatte mit meiner PERSEVERANCIA, ein 2000-Tons-Schiff, beim Umsegeln des Kap Hoorn mitten im Winter einen sehr schweren Weststurm zu bestehen, so dass ich zur Sicherheit meines zu tief bela-denen Schiffes gezwungen wurde, einen Teil meiner Guano-Ladung über Bord zu werfen. Von einer sehr guten Fracht von £ 4,10 per Ton verlockt, hatte ich so viel Guano geladen, als nur irgend möglich gewesen. Jetzt forderte jener Weststurm gebieterisch seinen Anteil. Das Barometer fing an rasch zu fallen, die Luft wurde dick und bot einen schaurig schönen Anblick. Um den nahenden Sturm auswettern zu können, wurden die kleinen Segel rasch geborgen und alles sicher auf Deck befestigt. Allmählich wuchs der Wind zu einem schweren Sturme heran, die chaotisch aufgewühlte See wurde immer höher, und alsbald lenzte die PERSEVERANCIA mit dicht gerefftem Marssegel und gerefftem Fock vor günstigem Sturme dahin. Heftige Regenböen wechselten mit Schnee und Hagelschauern ab; immer heftiger wurde der Wind, die Sonne versank in Wolken, die Luft verfinsterte sich gegen Abend bis zur tiefen, nur selten gelichteten Dunkelheit. In schreckenerregender Weise türmte sich nunmehr die See hinter dem Schiffe auf, es schien als sei es von hochragenden Wasserbergen, die es im nächsten Moment erdrücken würden, eingeschlossen. Brüllend verfolgte die wild schäumende See das wie ängstlich davoneilende Schiff; immer gieriger drangen die gepeitschten Wogen gegen die Schiffswände, als müssten sie im nächsten Moment das fliehende Opfer verschlingen. Im ununterbrochenen Wechsel wurde das Schiff auf den Gipfel einer langen See emporgehoben und dann pfeilgeschwind ins dräuende gischtsprühende Tal hinabgestürzt. Ergriffen von der Macht dieses grausigen Bildes wagte man kaum rückwärts zu schauen. Mit furchtbarem Donnergebrüll liefen die Seen auf beiden Seiten des Schiffes wetteifernd einher, rollende Wogen ergossen sich, die schwache menschliche Gegenwehr verhöhnend, zischend und brausend über die Schanzkleidung aufs Verdeck. Immer unheimlicher heulte der Wind sein schauriges Lied durch die Masten; stundenlang kämpfte das Schiff gegen die schäumende See. Was ich bei dem schweren Rollen des tief beladenen Schiffes gefürchtet, war eingetreten – ein Leck! Wie ein tödlich verwundetes Wild schleppte sich das Schiff auf dem unheildrohenden Pfade stöhnend vorwärts. Die Mannschaft stand oft bis an den Hals im Wasser, festgebunden bei den Pumpen. Drei Tage und drei Nächte dauerte mit ungeschwächter Kraft diese Gewalt des Sturmes, und während dieser eine Ewigkeit scheinenden Zeit verharrte jeder pflichtgetreu auf seinem Posten. Zwei Mann standen unausgesetzt am Steuerrad, der geringste Fehler beim Steuern musste verhängnisvoll werden. Sobald das Schiff den Brechseen die Breitseite zukehrte, war sein Untergang gewiss. Das Steuern erforderte die größte Kaltblütigkeit und Aufmerksamkeit – es kam alles darauf an, das Schiff recht vor der See zu halten. Unter dem gewaltigen Druck des Sturmes raste das bedrohte Fahrzeug zitternd und ächzend in die undurchsichtigen Dunstmassen hinein. In der dritten stockfinsteren Nacht, als die Wut des Windes unter unausgesetztem Blitzen und Donnern eine schreckenerregende Höhe erreicht, das Brüllen der sprühenden Wogen wahrhaft betäubend wirkte, die weißschäumenden Köpfe der Brechseen magisch beleuchtet auf und nieder tauchten, St. Elmsfeuer auf den Mastspitzen gespensterhaft tanzten, stand ich noch immer auf meinem seit 60 Stunden innegehabten Platze und blickte tief bewegt in das grausige und doch wieder so unendlich erhabene Schauspiel der entfesselten Elemente. Was in solchen unvergesslichen Augenblicken, welche die menschliche Ohnmacht und Winzigkeit klar zeigen, die Seele des Seemannes erfüllt? Vor allem ehrfurchtsvolle Bewunderung vor der un-beschreiblichen Majestät des Meeres. – Die Masten und Rahen waren kaum im Stande, den Druck der Segel zu tragen, aber ich durfte letztere nicht kleiner reffen lassen, weil sonst die Fahrt des Schiffes gemindert, die hohen Seen sich von hinten über das Fahrzeug gestürzt und dieses dann in die brausenden Fluten niedergedrückt hätten. Beidrehen konnte ich ebenso wenig, dazu war es zu spät. Das Schiff musste also unter einem verhältnismäßig großen Press von Segeln vor dem Sturm und vor der See dahineilen – dies war die einzige Möglichkeit, um es vom Untergange zu retten. Um nun dem Brechen von Masten und Rahen vorzubeugen, welch’ letztere bereits von dem gewaltigen Druck des Windes wie Flitzbogen gekrümmt waren, hatte ich besonders starke Extra-Brassen, Perdunen und Springtaue verwenden lassen. Meine Leute haben während dieses fürchterlichen Sturmes, der die ganze Kraft des einzelnen Mannes erschöpfte, eine beispiellose Ausdauer bewiesen; zu all den Leiden gesellte sich auch noch ein weiteres. In Folge des Lecks war Seewasser in den Behälter gedrungen, welches das Trinkwasser ungenießbar machte. Den Schrecken des Sturmes folgten die grausigen Qualen des tagelangen Durstes. Schnee und Hagel wurden emsig zusammengefegt, um daraus einige genießbare Tropfen zu gewinnen. Kein Wort kam über die Lippen der schwer geprüften, vor Kälte zitternden, durstgequälten Männer, aber mit der Kraft der Verzweiflung erfüllten sie meine Befehle. – Endlich nach Ablauf des dritten Tages hatten wir Kap Hoorn passiert, der Sturm nahm ab, und nachdem wir den Kurs des Schiffes etwas nördlicher gerichtet, erreichten wir alsbald ruhiges Fahrwasser und besseres Wetter im Schutze des Festlandes und der Falkland-Inseln. Leichter Schein im Osten verkünde-te den Beginn eines neuen Tages, nach wenigen Augenblicken trat die majestätische Sonnenscheibe hervor mit ihrem leuchtenden Gewande, deren goldschimmernde Strahlen in die beruhigten Fluten nieder tauchten. Ein tiefer, erlösender Seufzer entquoll der Brust, das Herz schlug freudig, im andächtigen Sinnen erhob sich der dankbare Blick zum hellstrahlenden Himmelsdome, der liebe Gott hatte uns wieder einmal aus großer Gefahr errettet. Als dann bei anhaltend nördlicher Fahrt starke Regenschauer das sehnsüchtig erwartete Trinkwasser in ausreichendem Maße lieferten, der quälende Durst verscheucht wurde, war auch alles überstandene Leid mit einem Schlage nach alter Seemannsweise vergessen... ...Die PERSEVERANCIA glitt in raschem Fluge ihrem Endziel entgegen. In wenigen Tagen musste ein herzerfreuender Ruf aus dem Mastkorb erschallen. Noch hatte der spähende Blick keinen anderen Ruhepunkt als die Segel der sich in dieser stark frequentierten Fahrstraße kreuzenden Schiffe gefunden und dennoch zog nur der eine Gedanke durch die ergriffene Seele: Land! Land! Wer nach langer, gefahrvoller Fahrt die Macht dieser geheimnisvollen Empfindung kennen gelernt, der wird auch die namenlose Freude, den herzigen Jubel begreiflich finden, mit welchem meine Ortsbestimmung an Bord begrüßt wurde. Von diesem Augenblicke an verstummte plötzlich jede Unterhaltung, als fürchte man das nahe Land wieder zu verscheuchen. Alle Blicke spähten nach dem Leuchtfeuer von Lizard. Da... da flimmerte es vor den erwartungsvollen Blicken. In die vorschriftsmäßige Meldung: „Lizard Feuer gerade voraus!“ mischte sich das erlösende Hurrah der Matrosen. Lange vor Tagesgrauen schlichen die Leute wieder aufs Deck; wer könnte auch in diesem Augenblicke an Ruhe oder gar Schlaf denken? Kaum hatten sich die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne auf die smaragdgrünen Fluten niedergesenkt, da hatte der ermüdete Blick den sehnsuchtsvoll erwarteten Ruhepunkt gefunden. Lizard, das Vorzimmer Europas, wurde mit lautem Jubel passiert. –


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