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SCHWEIGEGELD


Gewaltsame Todesfälle von Kindern und Jugendl

von Michael Dullau

zeitzeugen
ISBN13-Nummer:
B07R7XXHDS
Ausstattung:
E-Book und Taschenbuch, 164 Seiten
Preis:
3.99 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Stiftungsverlag
Klappentext

Ein Ehepaar versucht, Ende der 40er Jahre mit ihrer 11-jährigen Tochter über die Demarkationslinie zu fliehen, – als sie ein Kornfeld durchqueren, fallen plötzlich Schüsse. Ein 10-jähriger Junge folgt seinem großen Bruder heimlich über den zugefrorenen Goldensee, – er hat das westliche Ufer fast erreicht, da holt ihn eine Karabinerkugel ein. Ein 15-Jähriger will mit drei Freunden die Elbe durchschwimmen, – sie werden von Grenzsoldaten entdeckt und gnadenlos unter Feuer genommen. Beamte des westdeutschen Grenzzolldienstes hören zwei Detonationen im Minengürtel der DDR – und müssen mit ansehen, wie ein Mensch »verglüht«.

Ein junges Paar aus der DDR, die Frau ist erst 16 Jahre alt, versucht über die Grenze in die Bundesrepublik zu flüchten, – als Grenzsoldaten das Feuer auf sie eröffnen, kommt es zur Katastrophe. Ein 15-Jähriger will mit einem Freund nahe des beliebten Ferienortes Benneckenstein im Harz über die Grenze fliehen, – sie werden entdeckt und erbarmungslos beschossen Ein 17-Jähriger will gemeinsam mit zwei Freunden im Nordharz über die Grenze flüchten, – sie laufen ohne jede Ahnung in die mörderischen DDR-Selbstschussanlagen.

Sieben Todesfälle von Kindern und Jugendlichen im ehemaligen Grenzgebiet der DDR zur BRD hat der Autor für sein neues Buch recherchiert und erzählt. Jedem Todesfall ist zudem eine Nachbemerkung angefügt, die u.a. die Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei bzw. der ZERV dokumentiert, ebenso ein Todesfall-Protokoll mit allen relevanten Daten und Fakten.

Eine Chronik der Todesfälle in der Zeit von 1949 bis 1989 sowie Zahlen und Fakten zum DDR-Grenzregime ergänzen das Buch.

Rezension

»Die Geschichten vom Tod junger Menschen gehören zum Grausamsten, was über die einstige Grenze zu erzählen ist.«

Deutsches Kuratorium zur Förderung von Wissenschaft, Bildung und Kultur e. V.

Leseprobe

4 | DAS VERBRECHEN

 

»Die Minenfelder waren ordnungsgemäß ausgeschildert.«
Generaloberst Klaus-Dieter Baumgarten, Chef der DDR-Grenztruppen

 

Eine gewaltige Detonation erschütterte das Grenzgebiet im Nordharz, unweit der Straße von Tanne (Sachsen-Anhalt) nach Braunlage (Niedersachsen).

Der junge Zollwachtmeister, der erst vor wenigen Wochen seinen Dienst an der Grenze beim westdeutschen Grenzzolldienst (GZD) aufgenommen hatte, fuhr erschrocken zusammen. Fragend sah er zu seinem Kollegen, einem lang gedienten Zollassistenten im GZD.

»Daran wirst du dich gewönnen müssen, mein Junge«, sagte der Zollassistent. »Im Osten gehen ständig Minen hoch, und diese Dinger haben richtig Sprengkraft.«

»Von Flüchtlingen ausgelöst?«, fragte der Zollwachtmeister.

»Nicht immer«, antwortete der Zollassistent. »Oft ist es auch Wild, das in die Minenfelder läuft. Ich habe schon ganze Wildschweinrotten gesehen, die im Minengürtel der DDR in die Luft gesprengt wurden. Eine verdammte Sauerei, sage ich dir.«

Kaum hatte er zu Ende gesprochen, erschütterte eine zweite Detonation das Grenzgebiet.

Der junge Zollwachtmeister zuckte wieder zusammen.

»Was war das?!«, rief er. »Noch eine Fehlauslösung?«

»Möglich«, antwortete der Zollassistent nachdenklich und blickte angespannt Richtung Osten.

Die Stille nach einer solchen Detonation war beklemmend.

»Aber zwei Fehlauslösungen, so kurz hintereinander«, fuhr er fort, »das kommt nicht so oft vor. – Wir gehen näher ran und sehen nach, was passiert ist.«

Die beiden Zollbeamten liefen in die Richtung, aus der sie die Detonationen gehört hatten. Nachdem sie ein kleines Waldstück umgangen hatten, sahen sie auch schon eine schwarze Rauchsäule über den Minenfeldern der DDR aufsteigen.

Sie gingen hinter einem Strauch in Deckung, rund 80 Meter von der Grenzlinie entfernt. Der Zollassistent nahm sein Fernglas und begann, systematisch das Gelände um die Rauchfahne abzusuchen. Er musste nicht lange suchen. Im Zentrum der Rauchsäule lag ein Baumstamm, vielleicht zwei Meter lang.

Der Stamm qualmte und glühte in der Mitte.

Doch was war das?

Der Zollassistent stellte sein Fernglas schärfer. Aber nein!, dachte er. Das ist gar kein Baumstamm!

Der Zollassistent drehte noch einmal an dem Schärfrädchen seines Fernglases, sah wieder durch, stellte nochmals nach und blickte wieder hindurch.

»Mein Gott!«, rief er. »Das gibt es doch nicht!«