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Passagier auf Frachtschiffen, Oldtimern und Fähren


von Jörn Hinrich Laue

zeitzeugen
ISBN10-Nummer:
3937413138
ISBN13-Nummer:
9783937413136
Ausstattung:
kartoniert - reich sw bebildert - 236 Seiten
Preis:
12,00 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Kontakt zum Autor oder Verlag:
JuergenRuszkowski[at]gmx.de
Leseprobe
Inhalt: Vorwort des Herausgebers Maritimer Lebenslauf des Autors: Herkunft, Schiffsjungenschule, Matrosenausbildung Schifffahrtskaufmann Tätigkeiten in der Schifffahrtsbranche Schiffsreisen MS „NYLAND“ – Ostseereise für Leute mit wenig Zeit „SeaCat“ - Mit Highspeed über den englischen Kanal ROYAL MAIL - mit dem Postdampfer nach Scilly MS „HORNCLIFF“ – Mit dem Bananendampfer in die Karibik MS „CAP BLANCO“ – Container-Frachtschiffreise MS „CAP BLANCO“ – Das Schiff und unsere ersten Eindrücke MS „CAP BLANCO“ – Hamburg - Europa-Kontinent MS „CAP BLANCO“ – Atlantik MS „CAP BLANCO“ – Karibik MS „CAP BLANCO“ – Panama-Kanal MS „CAP BLANCO“ – Südamerika-Westküste Neuseeland Unterwegs begegnet: Bergungsschlepper „ARCTIC“ Kia ora! – Willkommen an Bord von „ARAHURA“ Begegnung mit dem Königsalbatros TSS „EARNSLAW“ - Dampferreise auf dem Lake Wakatipu MV „MILFORD HAVEN“ – Durch Neuseelands Fjordlandschaft Australien Eine Insel namens „Rattennest“ Die Raddampfer vom River Murray Verzeichnis maritimer Fachwörter 9 Seiten Verzeichnis erwähnter Schiffe 14 Seiten Im Internet unter: http://freenet-homepage.de/seamanstory/band22.htm Leseprobe: Seefahrt auf der „NYLAND“ erleben Frachtschiffreise für Leute mit wenig Zeit Wie schon das Informationsblatt der Reederei zeigt: Dieses Schiff ist das Richtige für kurz entschlossene Menschen mit wenig Zeit - eine Reise mit dem Feederschiff für eine Woche in die Ostsee. Feederschiffe sind die Arbeitstiere unter den Schiffen. Ausgangspunkt und Abgangshafen ist Hamburg. Wie schon der Namen sagt: to feeder = füttern. Diese Feederschiffe füttern die großen Containerschiffe mit Ladung, die für größere Containerschiffe in den kleineren Häfen nicht direkt erreichbar ist. So werden im gesamten baltischen Bereich Container verteilt, zusammengetragen und gesammelt, um dann in Hamburg oder Bremerhaven auf die großen Schiffe nach Übersee umgeladen zu werden. Solch ein Arbeitstier ist die NYLAND (und deren baugleiches Schwesterschiff MV „VÄRMLAND“), das 1995 auf der Sietas-Werft in Hamburg-Neuenfelde zu Wasser ging. Speziell für dieses Fahrtgebiet konzipiert, verfügt die NYLAND über ein vollautomatisches Abdeckungssystem mit Faltdeckelluken, welches das schnellstmögliche Be- und Entladen des Schiffes gestattet. Ebenso wie große Überseecontainerschiffe verfügen Feederschiffe über ein Ballastwassertanksystem, das es erlaubt, teilweise mehr Container an Deck zu transportieren als im Laderaum. Während unserer Reise konnten wir oft verfolgen, wie die Laderäume mehrfach hydraulisch geöffnet und wieder verschlossen wurden. Mit jedem Hub, man spricht bei Containerbewegungen von „Moves“, neigte sich das Schiff von einer zur anderen Seite. Je nach Gewicht des Containers bewegte sich das Schiff ständig, im Gegensatz zur Behauptung im Reedereiprospekt, das Schiff liege im Hafen ruhig. Zeit, darüber nachzudenken, wie weit sich das Schiff neigt, hatten wir nicht, denn gleich nach Ankunft an Bord begrüßte uns der sympathische Kapitän Marquardt und betraute uns mit der Aufgabe, die geladenen und gelöschten Container mit dazugehörigen Nummern auf einem weißen Bogen Papier festzuhalten. Aber der Reihe nach. Feederschiffe hetzt man in Hamburg kreuz und quer durch den Hafen, vier oder fünf Lade- und Löschplätze sind keine Seltenheit, und so waren wir unmittel-bar vor Verlassen unseres Hauses über Telefon ständig mit der Schiffsleitung in Kontakt. Die Frage war: Wo sollen wir denn nun an Bord kommen, am Burchard-Kai, Eurogate, Unikai oder CTA-Container-Terminal in Altenwerder? Über eine zwölfstellige Telefonnummer waren wir schon jetzt wie durch eine Nabelschnur mit dem Schiff verbunden. Einsteigen sollten wir am Unikai, heute nur noch Umschlagsanlage für Leercontainer. Von der Entfernung her lag dieser Ort für uns am günstigsten, und wir platzten auch nicht gerade um die Mittagszeit an Bord. Da waren wir nun - endlich! Schon von der Brückennock aus begrüßte uns Kapitän Marquardt und bat uns auf die Brücke. Sieben Stockwerke im Treppenhaus schon gleich zu Beginn. Man sollte doch weniger rauchen, dachte ich während des Aufstieges. Alles war gepflegt. Die philippinische Crew transportierte unser Gepäck in die Kammer, und nach kurzer herzlicher Begrüßung war schon der zweite Satz: „Klar vorn und achtern!“ - Wir legten ab, um zu verholen. Es begann ei-ne große „Hafenrundfahrt“ zu drei weit auseinander liegenden Containerterminals - hier 20 Boxen laden, dort 50 Bewegungen und am letzten Ladeplatz nochmals 14 Container laden. Feederschiffe werden auf Zeitcharterbasis beschäftigt, meist über Monate. Dies bedeutet, der Reeder bekommt sein Geld für einen Zeitraum von - bis, egal wie viele Anlaufstellen man hat. Anders als bei einem Reisecharterabschluss, bei dem von Tagesraten ausgegangen wird. Nachdem wir uns ausgiebig auf der Brücke umgesehen hatten - die Seekarte auf dem Kartentisch lag wohl nur noch zu Dekorationszwecken dort -, erklärte uns Kapitän Marquardt „sein“ Schiff: Alles „Hightech“, zwei Außenfahrstände, elektronische Seekarte, GPS (Global Position System), Radar, Monitore und Computer. Ein richtiges Holzpaddel (Ruderrad) suchte man vergebens. Vertrauen brachten wir zunächst nur seiner Person und der pausenlos laufenden Kaffeemaschine entgegen. Letztere hätten wir auch noch bedienen können, sonst nichts. Der Steuermann übernahm nach dem Ablegen die Wache, und für uns ging der Weg jetzt erstmal nach unten. Drei Stunden waren wir nun schon an Bord. Unsere Kammer sahen wir nur im Vorbeigehen. Noch nicht eine Minute hatten wir darin verbracht. Obwohl klein, doch sehr gemütlich eingerichtet: Sofa, eigenes Bad, Toilette, alles „picobello“ sauber. So kamen wir dann in der Messe an, hatten immer Mühe, dem Kapitän zu folgen. Alles war ordentlich und zweckmäßig eingerichtet. Die Frage, wo denn die Schiffsleitung sitze, erübrigte sich, denn es gab nur einen Tisch. Sogleich wurden wir dem Koch vorgestellt, einem Filipino, (wie auch der Rest der Crew), einem kleinen Mann mit einem freundlichem Wesen, der, wie wir später feststellen konnten, ein Meister seines Faches war. Die Bitte des Kapitäns, den Koch nicht zu loben, verwirrte im ersten Augenblick. Wir fragten nach und baten um Aufklärung. Die Antwort machte uns zunächst sprachlos: „Wenn man den Koch lobt, gibt es jeden Tag das gleiche Essen.“ Das war klar und deutlich. Unsere Sympathie ihm gegenüber brachten wir zum Ausdruck, indem wir nach jeder Mahlzeit unser Geschirr in der Kombüse abgaben, denn für die Backschaft war er natürlich auch zuständig. Eine Frage blieb offen: Woher weiß ein philippinischer Koch, wie man Eisbein mit Sauerkraut kocht? - Übrigens sehr lecker! Müde vom Treppensteigen, gerade noch Blankenese, Schulau und Lühe erlebt, zogen wir uns in unsere Kammer zurück. Das Passieren der Schleusenkammer in Brunsbüttel nahmen wir nur durch ein kurzes Rucken wahr. Es folgte die achtstündige Passage des Kiel-Kanals. Zum Frühstück waren wir schon in der Kieler Förde. Die immer wiederkehrenden Pfannkuchen und Eier mit Speck lief man sich im Treppenhaus ab, ein Fitnessraum war nicht von Nöten. Wählte man den Gang über die Außentreppe, kam dies einer Frischluftbetankung gleich. Beim morgendlichen Besuch auf der Brücke wurden wir wieder mit einem freundlichen „Guten Morgen“ in Empfang genommen, wieder vom Kapitän. Die wenigen Stunden Schlaf waren ihm nicht anzusehen. Sechs Stunden Wache, sechs Stunden Ruhe, - Freiwache. Die NYLAND ist ein Zwei-Wachen-Schiff. Trotz des vielen Papierkrams strahlte er bei der Beantwortung aller Fragen seiner Crew, des Chief-Ingenieurs und der nun noch zusätzlich anwesenden Passagiere eine große Ruhe und Besonnenheit aus, und das nach nur vier Stunden Schlaf. Auch Telefonanrufe vom Charterer, Faxe vom Agenten etc. erledigte er routinemäßig. – Bewundernswert! Wir sollten am nächsten Tag in Klaipeda eintreffen, spät abends, so hörten wir. Zum Landgang blieb wohl keine Zeit, es gab nur wenige Bewegungen, und alle Ladung für unser Schiff sei noch nicht da, man wolle die fehlende Ladung dann mit dem nächsten Schiff verladen. Wie vorausgesagt erreichten wir die Ansteuerung Klaipeda, abends kurz vor Dunkelwerden. Landgang war natürlich nicht möglich, zu kurz war der Aufenthalt, denn nachts gegen 1:00 Uhr ging es schon wieder retour, nächster Zielhafen war Gdynia in Polen. Außer stillliegenden alten Fischereifahrzeugen hatten wir nur wenig von Klaipeda gesehen. Dafür hatten wir in Gdynia mehr Glück. Bei unserer Ankunft am nächsten Tag, wieder abends, bescherte uns ein örtlicher Feiertag einen ganzen Liegetag. Gdynia repräsentiert das moderne Polen, ganz anders als Gdansk, vormals Danzig. Diese schöne alte Hansestadt hatte es uns dann auch angetan. Schon am frühen Morgen orderten wir ein Taxi und fuhren nach Danzig. Ein wundervoller Tag mit großartigen Eindrücken bleibt in unserer Erinnerung. Der Taxifahrer war uns den Tag über treu, und so waren wir dann pünktlich zum Abendbrot wieder an Bord zurück. Am nächsten Abend liefen wir wieder aus: Ziel Hamburg, vielleicht auch noch zusätzlich Bremerhaven. Der Charterer, Team-Lines, wolle uns noch rechtzeitig informieren. Diesmal erlebten wir die Kanalpassage Kiel-Brunsbüttel „life“. Der Lotse übernahm das Ruder im Kanal für die erste Teilstrecke bis kurz hinter Rendsburg, dann wurde er durch einen anderen Lotsen, der das Schiff über den zweiten Kanalabschnitt fuhr, abgelöst. Man kannte sich, tauschte Erfahrungen und Neuigkeiten aus, schließlich befuhr man diese künstliche Wasserstraße ja ein-mal pro Woche. Team-Lines hat sich während der Kanalpassage gemeldet: Das Schiff solle sofort nach Hamburg kommen. Die für Bremerhaven bestimmten Leercontainer könnten in das Hamburger Depot verbracht werden. Den Rest wolle man dann nach Bremerhaven „trucken“. In Brunsbüttel, aus der Schleusenkammer auslaufend, ging’s dann „links um die Ecke“ nach Hamburg und nicht nach rechts in Richtung Bremerhaven. So endete unsere Reise am Container-Terminal CTA in Altenwerder, dem modernsten Container-Terminal der Welt. Vor dem Aussteigen haben wir in der Messe noch an einer Filmvorführung teilgenommen, Pflicht für jeden Passagier. Titel: NYLAND im Eis - durch das Packeis nach Finnland. Wie der Schiffsname aussagt, beschäftigte der Charterer dieses mit hoher Eisklasse ausgestattete Schiff zu früheren Zeiten auch in der Schweden- und Finnlandfahrt. Dahin soll dann unsere nächste Reise gehen.
Klappentext
Jörn Hinrich Laue erzählt in diesem Band aus seinem Leben und von seinen Seereisen auf Fähr-, Frachtschiffen und Oldtimern. Er befuhr in den 1960er Jahren als Moses und Junggrad auf Motorschiffen die Nord- und Ostsee sowie das Mittelmeer, kam auch nach Westafrika. Nach der Matrosenprüfung wurde er Reedereikaufmann und Schiffsmakler und war lange Jahre – teils selbständig – in der Schifffahrtsbranche tätig. Heute führt er als Schiffsführer Hafenrundfahrten im Hamburger Hafen durch. Als Passagier unternimmt er seit Jahren kleinere und auch weltweite Reisen auf Frachtschiffen. Er interessiert sich für Fährschiffe und schwimmende Oldtimer. Als maritimer Insider gibt er in diesem Band Reiseberichte und Tipps. Band 22 in der gelben Buchreihe „Zeitzeugen des Alltags“
Rezension