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> Zeitzeugen > Nicht mit zu hassen, mit zu [...]
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Buch Leseprobe Nicht mit zu hassen, mit zu [...], Edith Devries, Ruth Bader
Edith Devries, Ruth Bader

Nicht mit zu hassen, mit zu [...]


Eine jüdische Kindheit [...]

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Nicht mit zu hassen, mit zu lieben bin ich da


Eine jüdische Kindheit zwischen Niederrhein und Theresienstadt


 


Einleitung


Die Geschichte des Konzentrationslagers Theresienstadt ist sehr gut dokumentiert und vielen aus dem Schulunterricht oder aus den Medien bekannt. Theresienstadt galt als ›Vorzeigegetto‹, tatsächlich aber diente es als Durchgangslager für den Weitertransport der Juden in die Vernichtungslager, zumeist nach Auschwitz. Von denen, die nicht weitertransportiert wurden, starben Zehntausende an den Folgen von Hunger und Krankheit. Gemeinsam mit meinen Eltern verbrachte ich drei Jahre meiner Kindheit in Theresienstadt. Weniger als zweihundert von uns deutschen Kindern, manche sagen weniger als einhundert, überlebten das Lager. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte habe ich als Zeitzeugin zahlreiche Schulen besucht und Schülern von meiner schwierigen Kindheit zwischen Niederrhein und Theresienstadt erzählt. Mein Hauptanliegen dabei war es, ihnen nahezubringen, wie wichtig es ist, für Toleranz und Nächstenliebe einzutreten und jeden, egal welcher Hautfarbe, Religion oder Überzeugung, zu respektieren. [...]


Jud Maxe, der Wüstensohn


Mein Vater ging oft zu den Veranstaltungen der Nationalsozialisten, er war ja auch sonst bei allem dabei, und gab lautstark seiner Missbilligung Ausdruck, ganz nach dem Motto, das er mir einige Jahre später in mein Poesiealbum schrieb: »Ein gerades Ziel, ein rechter Weg, und ein entschiedenes Ja und Nein.« In den Versammlungen der Nazis sagte er zu den Versammelten: »Glaubt das nicht, das ist alles Schwindel!« So nahm er als Junggeselle mutig und niemandem verpflichtet den Kampf auf. Er eckte damit natürlich oft an. Als er im Spätsommer 1933 eines Tages beim Billardspiel in der Wirtschaft gegenüber seinem Elternhaus war, wurden von einigen anwesenden jungen Nazis, die nicht aus Weeze kamen, hässliche Bemerkungen gemacht. »Seht den Jüdd, wie der spielt,« riefen sie. Irgendwann war Vater es leid und sagte: »Ich will Ihnen mal was sagen, meine Herren. Die Juden sind durchs rote Meer gekommen und kommen auch durch diese braune Scheiße.« Bald darauf wurden Vater Handschellen angelegt, und er kam ins Zuchthaus Kleve. [...]


Umzug wider Willen


Eines Tages teilte unser Vermieter meinen Eltern mit: »Ich als Nationalsozialist verlange, dass die Juden Devries die Wohnung räumen.« Die Weezer Bevölkerung war zu ihren jüdischen Mitbürgern damals zum größten Teil gut, doch es gab eben auch Mitläufer und Menschen, denen es sozial durch einen Beitritt in die Nazipartei besser ging, insbesondere wenn sie viele Kinder hatten. Das war natürlich eine schwierige Situation für Mutter, und sie hatte wenig Zeit für mich. Sie erzählte später oft, dass unser Vermieter darauf bestand, dass wir die Wohnung noch vollkommen renovierten, bevor wir auszogen. Nach dem Krieg hatte er ein Schuhgeschäft in Weeze. Wir behelligten ihn nie. Mutter sagte damals zu mir: »Kind, das ist schön! Wir ziehen jetzt um. Dann bring mal die Gartenstühlchen rüber zur Renate und zu den anderen Kindern.« [...]


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