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Kriegstagebuch 1914 - 1918


Ernst Ritter von Brunner

von Michael Bellmann

zeitzeugen
ISBN13-Nummer:
9783839182307
Ausstattung:
320 Seiten, 44 S/W - Abbildungen
Preis:
22.95 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
BoD Norderstedt
Kontakt zum Autor oder Verlag:
dermichl@gmx.de
Leseprobe

5.10.1914 Früh im Morgengrauen Angriff der französischen Infanterie (Zuaven) auf unsere Schützengräben. Gegner kam bis auf 60 m heran und wurde dann erst, da nebliges Wetter war, als Feind erkannt. Durch kolossales Feuer wird Angriff blutig abgewiesen. Dann treffen Meldungen ein, dass starke feindliche Infanterieabteilungen anscheinend unseren rechten Flügel umgehen wollen. Bald jedoch macht sich rechts das Vorgehen der Kampfgruppe Hurt bemerkbar. Jedenfalls trifft sehr bald die Nachricht ein, dass Gegner auf der ganzen Linie im Zurückgehen begriffen sei. Gegen Mittag wird auf persönliches Eingreifen des kommandierenden Generals hin, das Vorgehen gegen den Gegner fortgesetzt. Hierbei überschreiten des Schlachtfelds. Furchtbarer Anblick. Die Zuaven, 2 m lange Kerls, zu hunderten, manche direkt bei brennenden Strohhaufen liegend, gebraten. Einen verwundeten französischen Offizier gesprochen, der deutscher (Elsaß – Lothringer) ist und der um Hilfe bat, die ihm sofort zugesichert wurde. Kaum waren die geschlossenen Abteilungen etwas weiter vorgegangen, als kolossales feindliches Shrapnelfeuer losbrach. Ausweichen nach rechts. Mannschaft bleibt gut geschlossen beisammen. 13. RIR wendet sich gegen Gegner in Thelus, 10. RIR setzt Marsch auf Neuville (St. Vaast) fort. I/R 10 kommt am Hang östlich Neuville in feindliches Artilleriefeuer und bleibt, in vorzüglicher Ruhe, unbeweglich liegen. Ich setze, auch nachdem das Artilleriefeuer, welches uns einige Verluste zugefügt hat aufhört, den Weitermarsch nicht fort, da sonst sofort der Eisenhagel wieder losgebrochen wäre. 6.30 Uhr trifft Mitteilung ein, dass wir als Divisionsreserve nach Souchez zu rücken hätten. Abends 8.00 Uhr treffen wir dort ein. In einer „Estaminel“ (Bierkneipe) wird von dem Besitzer in williger Weise unentgeltlich Bier an die Mannschaft abgegeben. Mein Nasenbluten wiederholt sich sehr stark. Nachts 9.00 Uhr wird ins Quartier nach Ablain (St.Nazaire) gerückt. Ich Ortskommandant. Im westlichen Teil von Ablain steckt der Gegner. 6.10.1914 Früh 5.00 Uhr Abmarsch von Ablain zur Bereitstellung als Divisionsreserve am Südausgang von Souchez. Wiederholtes Nasenbluten. Etwa 9.00 Uhr Abmarsch von hier nach Neuville, da wieder der Brigade Samhaber zugeteilt. Der Marsch derselben vom Nebel begünstigt, da sonst wohl feindliches Artilleriefeuer. Nur zwei Shrapnelle erhalten wir. Sofort in einen Hohlweg, der uns dann ohne weitere Störung nach Neuville und Le Targette westlich Neuville führt. Bald nach dem Eintreffen hier kommt Meldung, dass feindliche Infanterie und Artillerie von Arras her im Anmarsch sei. Ich hatte in Stellvertretung des Regiments-Kommandeurs die Anordnungen zu treffen. I/R10 stellt sich westlich Le Targette bereit und schiebt eine Kompagnie an den südlichen Teil dieses Ortes vor, II/R10 östlich La Targette. Maschinengewehrkompagnie Südausgang von Neuville. Kaum hatte ich meine Anordnungen getroffen und wollte diese dem Regimentsführer auseinandersetzen, als ich abermals furchtbares Nasenbluten bekam. Der Regimentsarzt machte eine Behandlung und ersuchte mich, einige Tage die Ruhe zu pflegen, damit das geplatzte Blutgefäß sich wieder schließen könne. Ich begab mich daher nachmittags zum Verbandplatz in der Kirche von Neuville. Gegen Abend ging feindliches Artilleriefeuer auf die Kirche. Ein Shrapnel schlug durch die Kirchentür, verletzte Dr. Rappelmeyer am kleinen Finger und riss mir vier Löcher in den Mantel. Gleich danach fuhr eine Granate in das Kirchengewölbe und schlug die Hälfte desselben herunter. Ich blieb zwar ganz ruhig - ich glaube, die Nerven sind zu sehr abgestumpft - aber es war doch grauenhaft, als mit gewaltigem Getöse Schutt und Steine auf die Verwundeten herabfielen. Getötet oder verletzt wurde aber dadurch niemand. Die Verwundeten wurden in ein anderes Gebäude gebracht, wo ich auch solange blieb, bis Oberleutnant Langheinrich, unser Verpflegungsoffizier, kam, der mich dann auf einem unserer Feldräder nachts 1.00 Uhr mit nach Vimy nahm, wo ich einige Tage die Ruhe zu pflegen hoffe...

 

12.2.16 Vom Generalkommando wurden Preise für Gefangene ausgesetzt, um festzustellen, ob wir Engländer oder Franzosen gegenüber haben. Nachts gingen infolge dessen mehrere sehr schneidige Patrouillen, welche bis direkt an den feindlichen Graben herankamen und dort französisch sprechen und singen hörten. Ein Patrouillenführer versuchte sogar einen feindlichen Horchposten am Kragen aus seinem Erdloch zu ziehen, wurde aber dabei an der Hand verwundet und musste davon absehen. Jedenfalls scheint eine Ablösung durch Engländer nicht stattgefunden zu haben. Unter Tags schoss die feindliche Artillerie fleißig nach Neuville, in welchem Ort auch mehrere Geschütze verteilt stehen – auf den Feldern ringsum stehen auch Batterien. Manchmal ging es in bedenkliche Nähe unseres Hauses. Einigermaßen ist dasselbe gegen Volltreffer aus leichten Geschützen durch Verstärkung der Wände und Decken durch Sandsäcke, Erdauflage etc. gesichert. Gegen schwere Artillerie hilft dies natürlich nichts. 13.2.1916 Abgesehen von Artilleriefeuer, dass stundenweise einsetzte, ziemlich ruhig. Regen und Sturm. 14.2.1916 Habe früh von 7.00 Uhr bis 10.00 Uhr die vordere Linie im Unterabschnitt IIIa begangen. Die Mannschaft ist immer sehr erfreut, wenn sie höhere Vorgesetzte in vorderster Linie sieht. Beim Abgehen denkt man gar nicht an die Gefahr, dass man von der sehr naheliegenden Infanterie oder der Artillerie, die nicht selten Volltreffer in die Gräben bringt, getroffen werden kann. Nachmittag ziemlich ruhig. In manchen, den Franzosen entrissenen Gräben, die jetzt von uns umgebaut werden sollen, liegen halbverscharrte Leichen, auch in den Brustwehren, dass es unmöglich ist, dort zu arbeiten. Wir müssen deshalb neue Gräben ausheben. Manchmal sehen Füße oder Hände aus der Grabenwand hervor. Wir müssen die Leichen jedenfalls noch bevor es wärmer wird richtig bestatten, ebenso wie die, welche vor und hinter den Gräben schon seit Wochen offen auf dem Feld liegen.