Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Zeitzeugen > Hugo Wietholz - Diakon des Rauhen Hauses
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Bücher Zeitzeugen
Buch Leseprobe Hugo Wietholz - Diakon des Rauhen Hauses, Hugo Wietholz
Hugo Wietholz

Hugo Wietholz - Diakon des Rauhen Hauses


Autobiographie - Band 13 in der gelben Zeitzeugenbuchreihe

Bewertung:
(325)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
2653
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
Direktbezug bei Jürgen Ruszkowski, Nagelshof 25 (Hobökentwiete 44/32 )%2
Drucken Empfehlen
Inhalt: Vorwort des Herausgebers Kindheit Kriegszeit 1. Weltkrieg CVJM Esplanade Klempner-Lehrzeit: 1924-1927 Concordia-Pfadfinder Hitlers Machtergreifung Die Deutschen Christen und die Bekennende Kirche Diakonenausbildung im Rauhen Haus Kriegsdienst im 2. Weltkrieg Heirat Gefangenschaft 19. September 1947: wieder im Rauhen Haus 1. Oktober 1947: Martinsgemeinde Horn Wiederaufbau – handwerklicher Einsatz Beginn der Jugendarbeit 15. März 1948: Diakonenexamen Freie Christliche Pfadfinder der Martinsgemeinde Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz Frankreichfahrt 1955 Italienfahrt 1956 Bötersheim Horn 1964 Fahrender Mittagstisch Lapplandfahrt 1966 Wiegersen Hedeper Herzinfarkt Aktiver Ruhestand Namensregister Diakone Namensregister Theologen Im Internet: http://rauheshausbruder.klack.org/seite3.html http://rauheshausbruder.klack.org/seite4.html http://rauheshausbruder.klack.org/seite11.html http://rauheshausbruder.klack.org/seite5.html http://rauheshausbruder.klack.org/seite12.html Leseproben: ...In unserer Straße lernte ich einen Jungen, Kurt Beisinger, kennen. Wir freundeten uns an und spielten zusammen, bauten hinten in seinem Garten eine Erdhöhle und hatten so unser Vergnügen. Eines Tages erzählte er mir, er sei in einer Jungengruppe in der Esplanade 12, im dortigen CVJM. Da ginge es toll her, Geschichten würden erzählt, Brettspiele gebe es und zum Schluss würde eine Andacht gehalten. Der Leiter, Herr Bock, wäre ein prima Mann. Nun, ich sollte doch einmal mitkommen und mir das ansehen, es wäre ein schönes Haus, sogar mit einer Turnhalle. Ich habe meine Mutter dann bedrängelt, bis ich mit Kurt den weiten Weg in die Innenstadt machen durfte. Das Vereinshaus war ein großes Gebäude, als Eingang eine große Doppeltür mit einem gekachelten Flur, der nach hinten zur Turnhalle und zu einem großen Saal führte. An den Tischen saßen Jungen in unserem Alter und spielten Brettspiele. Außerdem standen in dem Zimmer ein Bücherschrank und ein Klavier. Wir wurden von dem Leiter sehr herzlich begrüßt und konnten erst mal spielen. Später wurden die Spiele eingesammelt, und der Leiter erzählte eine spannende Geschichte, von der wurde für später eine Fortsetzung angekündigt. Zum Schluss wurde eine Andacht gehalten. Das Thema war die Sturmstillung. Noch heute, nach fast 70 Jahren klingt mir das Lied im Ohr: „Mächtig tobt des Sturmes Brausen, um ein kleines Schiff, Jesus kommt, um uns zu erretten, er führt dich nach Haus.“ Ohne zu wissen, was diese Einführung für mein Leben bedeuten sollte, gingen wir beide, Kurt und ich, seit 1923 immer wieder in den Verein... Nun, am Sonntag ging ich dann den Weg zu den Colonaden. Im Heim traf ich eine muntere Schar von jungen Leuten. Es wurde gespielt, erzählt und von Wanderungen berichtet, die schon stattgefunden hatten oder noch geplant wur-den. Dann setzten wir uns rund ums Klavier und Hermann Schmidt begleitete die Fahrtenlieder, die wir aus voller Kehle sangen. Zum Schluss wurde uns Gottes Wort ausgelegt und mit in die Woche gegeben. Mir gefielen diese Sonntagsstunden sehr, und ich löste mich langsam von der Klicke aus der Knauerstraße. Bald fand ich Freunde, die in der Frickestraße in Eppendorf wohnten. Es waren drei Brüder, der Hermann wurde mein besonderer Freund. Wir holten uns am Sonntag gegenseitig ab und marschierten zum CVJM... Eines Sonntags wurde angekündigt, wir treffen uns am nächsten Sonnabend mit Übernachtungsgepäck, es geht zur Heideburg, einem Heim des Nordbundes. Es sollte eine Nachtwanderung gemacht werden. Am Sonnabend ging es dann mit der Bahn bis Harburg und dann mit der Straßenbahn bis zur „Goldenen Wiege“. Das war die Endstation an den Schwarzen Bergen. Es war schon dunkel geworden, die Gruppe musste dicht beieinander bleiben, damit keiner verloren ging. Hans Bock mit seinen Helfern führte uns plötzlich vom Weg ab, quer durchs Gelände. Wir mussten eine ausgewaschene Sandrinne durchklettern. Auf Hän-den und Füßen ging es durch dies Hindernis. Nach einer guten Stunde waren wir am Eingang zur Heideburg angelangt. Jetzt musste noch ein Berg genommen werden, denn die Heideburg lag hoch oben. Der Hausvater gab uns den Schlüssel zur Holzbaracke, die seitwärts im Wald lag. Es war ein großer Raum mit Doppelstockbetten. Die Bettsäcke waren mit Stroh gefüllt, zum Zudecken gab es zwei Wolldecken. Nach der anstrengenden Wanderung schliefen wir bald ein. Morgens ging es früh raus, Frühsport im Wald und dann im Wasch-raum mit kaltem Wasser frisch gemacht. Im Haupthaus wurde dann gefrühstückt. Beim Hausvater konnte man für 15 Pfennige einen Becher Heidetrank erstehen. Der Tag hatte ein volles Programm, Andacht, Waldspiele usw. Nachmittags ging es durch den Wald wieder zur Goldenen Wiege und von dort nach Hause. Zu Hause konnte ich dann meine Erlebnisse spannend erzählen. Es war ja meine erste Nachtwanderung. In der Firma ging der Betrieb abwechslungsreich weiter. Die Heideburg sollte in meinem Leben noch eine große Rolle spielen. Der CVJM ließ dort verschiedene Tagungen abhalten. Da war einmal eine mit dem Missionsdirektor Freytag. Er machte uns schon damals klar, dass es einmal heißen würde, Afrika den Afrikanern, Asien den Asiaten. Eines Tages lud mich unser Jugendleiter Hans Bock zur Bibelstunde ein, die je-den Dienstagabend stattfand. Wie dort Gottes Wort erklärt wurde, so hatte ich es noch nicht erlebt. Nach einigen Wochen meinte Hans Bock zu mir: „Komm doch am Sonnabendabend zu einem Gebetskreis.“ In dieser Gemeinschaft er-lebte ich dann, ganz ungewollt und doch sehr bewusst, wie mir das Wort Gottes bis in die Seele drang. Glauben heißt ja, im Gewissen überwunden werden, durch Sein Wort, so dass man nicht anders konnte, als den eigenen Willen in Seinen Willen zu legen, im Vertrauen, Gehorsam und in Treue. Das Wort aus dem Psalm 42, V. 2, wo es heißt: „Meine Seele dürstet nach Gott“, wurde mir wichtig und sollte erst später zum Durchbruch kommen. ...Also, der besagte 6.5.1940 kam heran, abends um 18.00 Uhr musste ich mich stellen, und Lisa brachte mich ans Kasernentor. Punkt 18.00 Uhr überschritt ich die Grenze vom Zivilisten zum Soldaten. Es war ein tränenreicher Abschied, aber ich war ja in Hamburg und Ausgang würde es ja wohl auch geben... Eines Tages wurde mir im Lager gesagt, aus Hamburg käme ein Pastor Wegeleben vom Rauhen Haus. Er sollte mit dem Flugzeug kommen, ob ich ihn wohl abholen würde. Also hin zum Inselflugplatz, gerade war die alte JU gelandet, und der Pastor entstieg dem Flugzeug. Wir machten uns bekannt und gingen zum Lager, wo Pastor Wegeleben später vor der Lagergemeinschaft einen Vortrag über das Rauhe Haus hielt. Er berichtete über die Ausbildung von jungen Männern für den Diakonenberuf in der Kirche. Von den Ausführungen des Redners und dem Prospekt über die Diakonenanstalt war ich ganz angetan, und später kam dann der Entschluss, mich im Büro des Rauhen Hauses zu melden... Ich schrieb einen Lebenslauf für die Anmeldung im Rauhen Haus und hatte ein Gespräch mit Tilman Frieß, über die beruflichen Möglichkeiten eines Diakons. Er meinte, ich könne auch Beamter werden. Ich aber wollte eine Ausbildung als Gemeindediakon machen und nicht zum Beamten... Zu Ostern erfüllte sich mein Wunsch, ins Seminar DW II - Diakonsklasse zu kommen. Am ersten Schultag hatte ich gleich eine Auseinandersetzung mit zwei Dozenten: Sie fragten, warum ich kein Abzeichen der Partei trüge. Zwei Stunden lang versuchte man, uns vom Nationalsozialismus zu überzeugen. Unsere Antwort vor ca. 12 Schülern: "Wir sind in der bekennenden Kirche." Dies schlug natürlich wie eine Bombe ein. Eine Dozentin wollte uns klarmachen, dass es ums Rauhe Haus gehe. Wir säßen alle in einem Boot! Wir aber nicht! Daraus ergab sich eine Unstimmigkeit unter den Schüler-Brüdern. Ältere wollten austreten. Wir verabredeten am Nachmittag im Blohmspark ein geheimes Treffen, denn im Rauhen Haus waren wir uns nicht sicher genug. Viele der älteren Brüder gehörten ja verschiedenen Parteiorganisationen an. Im Park kam dann eine Aussprache zustande. Manche wollten austreten und nach Moritzburg gehen, was dann auch geschah. Mein Entschluss galt für alle anderen: Durch Weggehen ändern wir nichts. Aushalten, auch unter schwierigen Bedingungen. Es wird die Stunde kommen, wo es wieder anders werden wird... Am 26. März 1945 musste ich zur Kaserne und dort Zeug und einen Tornister abholen, den ich noch später nach dem Krieg auf unseren Auslandsfahrten gut gebrauchen konnte. Erst einmal aber musste ich mich am 27.3.1945 auf der Frontleitstelle am Hauptbahnhof melden, um zum weiteren Einsatz geschickt zu werden. Der Obergefreite dort händigte mir den Dienstausweis mit Fahrkarte aus. Im Haus schauten wir uns den Ausweis genauer an, und da stand ein Ort drauf, den wir auf der Landkarte im Osten fanden, also an der russischen Front. "Nein. Niemals!", lautete unser Ausruf. Also wieder hin zur Frontleitstelle und dem Obergefreiten klar gemacht, dass ich zu meiner alten Einheit nach Altenkirchen will, was im Westen liegt und nicht im Osten. Der Obergefreite sagte mir: „Auf Deine Verantwortung gehe ich zum Alten und lass den Schein ändern.“ Und nun geschah etwas, was beim Militär eigentlich unmöglich war: ein Wunder. Er kam nach einer Weile mit einem neuen Schein heraus, auf dem Altenkirchen stand. Wir aber, Lisa und ich, zogen froh von dannen und genossen den letzten Urlaubstag. Am nächsten Tag fuhr meine Frau noch bis Stelle mit, und dann kam der tränen-reiche Abschied. Mit Verspätung kamen wir in Lehrte an, um später noch, aus-gerechnet bei Hannover, in einen Fliegerangriff zu geraten. Immerhin ging die Fahrt dann über Elze Richtung Wilhelmshöhe. Aber so weit kam ich nicht mehr, denn die Fahrgäste warnten mich, die Strecke nach Kassel sei gesperrt. Unterwegs stieg ich schleunigst aus und machte mich zu Fuß auf den Weg. Später am Nachmittag erreichte ich das Dorf Zierenberg, um etwas zum Essen zu bekommen und einiges über die Lage zu hören. Es wurde mir gesagt, dass in Richtung Kassel kein Weiterkommen sei. Eine alte Dame hörte von meinem Schicksal und nahm mich mit in ihre Wohnung. Bekam ein schönes Zimmer mit einem Bett. Ihren Namen habe ich mir gemerkt, Fräulein Elsässer, die mir zu Essen gab und am Karfreitag etwas Kuchen auf den Tisch stellte. Zwischendurch war ich oft unterwegs, um zu hören, wie die Lage sei. Von hier war der Bahnverkehr eingestellt, und der Amerikaner war mit seinen Panzerverbänden auf dem Vormarsch. Am Sonnabend kam die alte Dame zu mir und sagte: „Um die Mittagszeit fährt wohl ein Auto mit den letzten Männern nach Hannoversch-Münden.“ Natürlich hatte sie auch Angst, einen deutschen Soldaten versteckt zu haben. Also nahm ich Abschied und habe mich noch sehr bedankt für das Quartier. Dann ging es mit einer Fuhre ab nach Hann.-Münden in die Kaserne. Dort wurden wir schnell zu einer neuen Einheit aufgestellt. Mit einem Unteroffizier und noch einem Mann gehörten wir zur Sanitätsabteilung. Geräte und Medikamente wurden uns mitgegeben. Nach einem Ruhetag setzte sich die Kompanie am nächsten Abend in Bewegung. Unterwegs kam uns eine andere Kompanie entgegen. Die Kameraden lachten uns aus und riefen, ob wir den Krieg noch gewinnen wollten... Hatte dann später, als der Ami doch kam - aber ohne Panzer - einen Schwerverwundeten zu betreuen, der dann von den Amerikanern ins Lazarett gefahren wurde. Später mussten wir alle auf dem freien Platz im Dorf antreten. Erst einmal wurden wir gefilzt und etliche mussten ihre Armbanduhren abgeben. Bei mir wollte auch einer etwas holen. Ich zeigte auf die RK-Armbinde und er ließ dann von mir ab. Nur die Ampullen im Tornister nahm er heraus. Dann kam ein großer LKW, alle wurden auf den Wagen gescheucht, und dabei riss man ihnen das Gepäck vom Rücken. Bei mir hatte man kein Glück, die Armbinde war mein Schutz. Bei Naumburg war erst mal Halt und wir mussten die Nacht im Regen verbringen. Am nächsten Tag ging es weiter. Wir landeten bei Andernach auf einem freien Feld. Hier blieben wir mehrere Tage. Dem Herrn sei Dank, das Wetter blieb schön. Wehe, wenn wir Regen bekommen hätten! ... Unser Zug nahm Richtung auf Frankreich. Wir fuhren durch Laon und wurden in Attichy in der Nähe von Champiegne ausgeladen. Französische Soldaten trieben uns mit Gewehrstößen den Berg hinauf in das Hauptlager. Bevor wir dieses Lager betraten, wurden wir mit DDT ausgiebig gegen Läuse besprüht. Wir kamen in ein großes Zeltlager, von deutschen Kriegsgefangenen vor uns erbaut, wurden in kleine Gruppen eingeteilt und bekamen jeweils ein Zelt zugewiesen. Hier sollten wir nun unsere Tage fristen. Ab und an gab es eine Handvoll Verpflegung... Am 5.9.1947, um 8.00 Uhr, ging es vom Lager los. Wir wurden mit Lkws zum Bahnhof Münster gefahren und dann in Güterwagen verladen. Abends um 19.30 Uhr waren wir in Munsterlager und bezogen die Baracke 105. Am nächsten Tag wurden nochmals die Entlassungspapiere kontrolliert, und dann sollte es hoffentlich weitergehen. Es wurde auch noch von anderen Einsätzen geredet. Am Sonntag, um 9 Uhr, wurden wir auf die Lastwagen verladen und ab ging es in Richtung Hamburg. Am Berliner Tor wurden wir ausgeladen, und jeder musste sehen, wie er weiter kam. Zu Hause landete ich mit meinem Holzkoffer, zum Erstaunen meiner Lieben, ganz plötzlich, verschwieg aber erst einmal meine Entlassung. Beim Kaffeetrinken kam dann die Überraschung: Ich war kein Kriegsgefangener mehr und musste nicht mehr weg. Alles jubelte... Am 19. September 1947 meldete ich mich im zerstörten Rauhen Haus zurück. Haus Tanne war erhalten geblieben. Mit Füßinger hatte ich ein Gespräch. Zu einer Besprechung und zum ersten Unterricht sollte ich am 25.9.1947 im Rauhen Haus erscheinen. Zuerst empfingen mich in einem Zimmer im Haus Tanne Füßinger und Bruder Jahnke und kamen gleich im Gespräch auf die Nazizeit. Im Laufe des Gespräches wurde mir über das, was im Rauhen Haus vorgefallen war, eine Entschuldigung ausgesprochen. Geschichtlich war aber damit nichts zu ändern. Über der Schuld der Brüderschaft kann nur die Vergebung unseres Herrn stehen... Mir wurde dann eröffnet, dass im Rauhen Haus kein Platz für die kommenden Brüder sei, und da ich ja in Horn wohne, morgens von zu Hause aus zum Unter-richt kommen könne. Bei dieser Abmachung blieb es dann auch. Gleichzeitig wurde mir gesagt, ab 1. Oktober könnte ich als Gemeindediakon in der Martinsgemeinde Horn arbeiten und morgens bis mittags am Unterricht im Rauhen Haus teilnehmen... Nachdem am 1. Oktober 1947 mit Pastor Forck mein Einsatz für die Gemeinde abgesprochen war, sah ich mir meine neue Wirkungsstätte erst einmal an. Die Kirche war im Bombenhagel vom tauben Kirchendiener gerettet worden. Eine Brandbombe, die die letzte Kirchenbank anbrannte, hatte er löschen können. Die Kirchenfenster waren alle entzwei und waren mit Drahtglas vernagelt worden. Das Gemeindehaus, das 1939 eingeweiht worden war, stellte sich mir als abgebrannte Ruine dar. Pastor Forck und die Gemeindehelferin wohnten im wiederhergestellten Salemstift, das zu Wohnungen umgestaltet worden war. Das Gemeindehaus sah trostlos aus. Alles, was in den Kellerräumen nicht niet- und nagelfest war, war geräubert worden. Auch das Pfarrhaus war bis auf die Grundmauern heruntergebrannt. Später sollten uns noch die Steine und ein Eisenträger gute Dienste tun. In den Kellerräumen stand Wasser, die Betondecke hatte an vielen Stellen das Wasser durchgelassen. Beim Durchgehen wurden dann im großen Saal Pläne gemacht, wie man diese Ruine wieder für die Gemeindearbeit zugänglich machen könne. Zu dieser Zeit hatte die Post vor dem Gemeindehaus an der Straße gebaut. Zum Bauen brauchte man eine Baunummer. Die Post hatte sie, und wir haben in ihrem Schatten gewirkt. Der Schutt in der Ruine musste planiert werden. Sand und Steine mussten her und was wichtig war, Hilfskräfte. Die Gemeindehelferin, Fräulein Saul, stellte ihre Jungschar zur Verfügung, andere Jugendliche wurden angeworben. Nun konnte unsere Tätigkeit losgehen. Baugeschäft Wehrlich fuhr den Sand heran, und wir organisierten den Zement dazu. Es wurde eifrig planiert, Zement gemischt und der Mörtel wurde sachgemäß aufgetragen, so dass auch das Wasser durch Löcher und Rohre abfließen konnte. Natürlich musste auf den hart gewordenen Zement eine Teerschicht aufgetragen werden. Durch die Mithilfe meines Schwiegervaters, der für Brötchen und Lichtmaterial sorgte, wir legten von der Kirche eine Leitung zur Ruine herüber, so konnten wir auch noch bei Dunkelheit arbeiten...

Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2020 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 4 secs