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Frontkämpfer Org. ″Stahlhelm″ Band1


Ein (doppeltes) Kriegstagebuch - 1917/1918

von Edgar Rentzsch, Sebastian Lange (Hrsg.)

zeitzeugen
ISBN13-Nummer:
9783739635835
Ausstattung:
eBook, Größe: 1102 KB, 55 Seiten
Preis:
0.99 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Bookrix
Kontakt zum Autor oder Verlag:
s.lange.msh@gmail.com
Leseprobe

1917 Die Briefe lagen jahrzehntelang in Kartons auf dem Oberboden. Marie Paul, geborene Springsguth, wollte nicht, dass andere sie lesen. Wurden darin doch auch Intimitäten zwischen zwei liebenden ausgetauscht. Doch diese Briefe sind auch Zeitdokumente aus schweren Zeiten. Ich verspreche ihr darum ins Grab hinein, dass ich ihren Willen achten werde und die Texte auslasse, die solche Vertraulichkeiten zum Inhalt haben. Nicht vermeiden wird sich lassen, dass von ihnen oder von ihren Anverwandten Dinge ans Licht gebracht werden, die auch manches Negative beinhalten. Eine objektive Schilderung verlangt ein Mindestmaß an Offenheit.   Mit Max Paul und Marie Springsguth haben sich nicht nur zwei junge Menschen gefunden; es treffen sich von nun an auch zwei Familien.   Die Familie Paul lebte in Lommatzsch (Die Stadt Lommatzsch liegt zwischen Meißen, Riesa, Nossen und Döbeln genau im Herzen Sachsens). Der Vater, Karl Otto Paul (geboren 1862, gestorben 1930) war gelernter Sattler, betrieb aber ein Tabakwarengeschäft und einen Buch- und Schreibwarenhandel. Zudem war er Stadtrat in Lommatzsch.   Die Mutter Agnes Henriette geb. Gast (geboren 1870, gestorben 1949) war die Tochter eines Buchbinders und brachte wohl die Mittel für die Gründung der Geschäfte Ihres Mannes mit in die Ehe. Zur Familie gehörten die Kinder Sidonie (geboren 1891, gestorben 1961), immer ledig geblieben. Karl Paul, geboren 1892, gestorben durch Selbstmord zwischen 1913 und 1917. Tochter Dora (geboren 1896, gestorben 1985), gleichfalls immer ledig geblieben.   Dann kam Max Paul, geboren am 18.10.1898, vermisst in Polen seit Januar 1945 und schließlich Kurt (geboren 1903). Kurt fiel am 21.08.1944 bei Compiègne (Frankreich). Vom Sohn Karl Paul liegt allein eine Postkarte vom 21.06.1913 aus New York an seine Schwester Dora vor.     Karl schreibt: „Die herzlichsten Grüße von hier sendet Dir Dein Bruder. Ich fahre morgen wieder zurück und bin dann am 30.06.1913 in Bremerhaven, und den 5.7. von Bremerhaven nach Australien. Kommen Anfang Dezember zurück. Der Papa soll mir doch bitte den Anzug und eine Kiste Zigarren schicken. Grüße bitte alle von mir herzlich. Dein Bruder Karl“     Als Absender ist angegeben: K. Paul, Dampfer Roon, Bremerhaven. Der Sohn Karl reiste also als Seemann in der weiten Welt. Von Karl ist bekannt, dass er sich stark verschuldete und deshalb den Freitod wählte. Er wird in den nachfolgenden Briefwechsel nie erwähnt.   Der Sohn Max stand 1917 in der Ausbildung an dem Lehrerbildungsseminar in Oschatz¹, als er zur Ableistung seiner Militärdienstpflicht als Einjähriger (verkürzte Dienstzeit für Abiturienten) eingezogen wurde. Er kam am 31.10.1917 nach Werdau. Seine Einheit war stationiert im Hotel ″Goldener Löwe″, Markt 31 und im Theater ″Centralhalle″, Kranzbergstr. 3. Einquartiert war er bei Frau Bertha Springsguth, Markt 41 in Werdau.

Klappentext

Der hier dokumentierte Briefwechsel des Soldaten Max Paul und seiner Familie aus den Jahren 1917 - 1922 und 1939 - 1945 ist gleichsam ein doppeltes Kriegstagebuch. Er, Lehrer aus einem kleinen sächsischen Städtchen, beschreibt seinen Soldatenalltag und kommentiert den Kriegsverlauf an allen Fronten. Erstaunlich ist, wie offen er über die militärische Lage und seine Einschätzungen berichtet. Sie, Hausfrau und Mutter von zwei Kindern, schildert die Nöte einer Frau, die plötzlich in die Rolle einer Alleinerziehenden hineingeworfen wird. Hofft sie zuerst auf Luxusmitbringsel aus Frankreich, so bekommt sie mit der Zeit immer stärker den Krieg zu spüren: die ersten Versorgungsengpässe, Not und Kälte. Zitternd erlebt sie die ersten Luftangriffe im Keller - und macht sich schließlich Gedanken über das spätere Zusammenleben nach so langer Zeit selbstständigen Handelns. Manche Fehleinschätzung des Soldaten Paul ruft heute Kopfschütteln hervor, die eine oder andere Aussage und Formulierung mag uns aufstoßen. Doch wer sich mit der Vergangenheit beschäftigt, darf das nicht ausblenden. Diese zum Teil sehr persönlichen Briefe sind ein beeindruckendes zeitgeschichtliches Dokument über die Sorgen und Nöte, das Hoffen und Verzweifeln zweier Menschen, stellvertretend für viele Millionen. Frontkämpfer Organisation ″Stahlhelm″ basiert auf wahren Begebenheiten.

Rezension