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> Zeitzeugen > Barfuß übers Lavafeld
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Bücher Zeitzeugen
Buch Leseprobe Barfuß übers Lavafeld, Maxi Meriana
Maxi Meriana

Barfuß übers Lavafeld



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Es ist Anfang August, die Sonne scheint am wolkenfreien Himmel, ich sitze an meinem Schreibtisch und schaue aus dem Fenster. Draußen tummeln sich die Spatzen in unserer Rosenhecke, es ist lustig anzusehen, wie sie auf den dünnen Zweigen hin und her hüpfen, immer auf der Suche nach einem Leckerbissen. In einigen Wochen werden diese Rosen nochmals aufblühen, vereinzelt schauen schon hier und dort einige Knospen hervor, und die alten Blüten verlieren so nach und nach ihre farbenprächtigen Blütenblätter. Meine Gedanken schweifen ab … nun bin ich also hier, in meinem neuen Zuhause. Noch vor einem Jahr hätte ich nur ungläubig mit dem Kopf geschüttelt, wenn mir jemand erzählt hätte, dass ich meinen Heimatort verlasse. Ich hatte eine schöne helle Wohnung, in der ich mich sehr wohl fühlte, meine beiden jüngeren Kinder lebten noch bei mir bzw. mit in dem Haus, welches meine Mutter im Jahr zuvor für uns kaufte und alles schien sich so nach und nach wieder zu normalisieren. Das Leben bisher zeigte sich vor allem in den letzten Jahren von seiner harten und unbarmherzigen Seite, doch ich gab nicht auf, nein, im Gegenteil. Ich lernte dazu. Ich lernte das Leben so anzunehmen wie es im Augenblick ist, ich lernte auf eigenen Füßen zu stehen und arbeitete hart, um nie wieder in eine Abhängigkeit zu fallen. Doch auch hier hab ich wohl meine Rechnung wieder ohne die Wendungen und Biegungen des Lebens gemacht. Damals dachte ich: So kann es bleiben, diese überschaubare Stabilität tat mir gut. Doch ich spürte kaum, wie ich mich durch die viele Arbeit von der Außenwelt abkapselte und fast nur durch das Medium Internet Freundschaften und Kontakte unterhielt. Doch wie gesagt, es kommt doch immer irgendwie anders … und das ist auch gut so! Was ist geschehen? Manche Passagen aus meinem Leben laufen wie in einem Film vor mir ab. Es wird jetzt Zeit zu akzeptieren und los zu lassen, doch das ist gar nicht so einfach. Immer wieder kommen Gedanken und Gefühle in mir hoch, doch werte ich sie als Zeichen dafür, dass ich nun mitten in einem Prozess stecke, den man „Verarbeiten“ nennt. Seit Mitte letzten Monats wohne ich nun hier in einer ländlichen Umgebung, in einer wunderschönen hellen Wohnung mit Terrasse und Garten, zusammen mit meinem neuen Lebenspartner Andreas. Ich fühle mich schon sehr zu Hause hier, hab ich ja auch Zeit und Muße mich hier einzugewöhnen. Ich kann im Augenblick meiner Nebentätigkeit in Ruhe nachgehen, innerlich endlich zur Ruhe kommen und nun auch mal alles hier niederschreiben, was mir sicherlich in dem Verarbeitungsprozess sehr helfen und mir gut tun wird. Heute kommt meine jüngste Tochter Laura wieder heim. Im Augenblick sitzt sie im Flieger, der in der früh von Toronto aus Richtung Frankfurt gestartet ist. Laura hat mit ihrer Jazzdance Formation „Imagination“ zum zweiten Mal an einer Weltmeisterschaft teilgenommen. Über-morgen beginnt nun auch für sie „der Ernst des Lebens“, dann beginnt sie mit ihrer Ausbildung zur Altenpflegerin, ein harter Job, doch ich weiß, den wird sie meistern! Im Gepäck haben die Mädels einen Pokal und eine Bronzemedaille, sowie zweimal den 6. Platz. Eine beachtliche Leistung! Ich bin sehr stolz auf meine Kleine. Ich sehe sie noch vor mir stehen, vor fast 13 Jahren, sie war 4 Jahre alt, als sie zu mir sagte: „Mama, wenn ich groß bin, dann tanze ich bei Imagination, und wir werden ganz viel Erfolg haben!“. Ist das schon so lange her? Es kommt mir vor als wäre es erst gestern gewesen. Ich höre noch meine Oma sagen: „Maxi, genieße die Zeit wenn die Kinder noch klein sind, sie werden doch so schnell groß!“, und ich dachte mir: „Wenn sie es doch nur schon wären“. Ich war in meinem Alltag sehr eingespannt, drei Kinder im Alter von 8, 6 und eben 4 Jahren sowie eine 2jährige tempe-ramentvolle Labradorhündin Namens Topsi vom Sternberg, ein Haus, ein Ehemann und diverse Kleinjobs, um etwas Geld in die Familienkasse zu bringen. Ja, und nun sind die Kinder erwachsen, und ich frage mich, wo die Zeit geblieben ist? Meine Oma hatte Recht damals. So vieles hat sich seitdem verändert, so vieles ist anders als erwartet gekommen, so viele Menschen sind nicht mehr da, sondern sind vorausgegangen an einen Ort, an dem es ihnen besser geht als hier. Auch unsere Topsi ist nun schon seit 18 Monaten im Regenbogenland, jedoch höre ich sie noch so manches Mal schnaufen oder prusten. Die Zeit damals, wo ist sie hin? Wo ist das Kinderlachen? Wo ist die Unbeschwertheit? Wo die Freude und wo die Familie? Nichts ist mehr so wie es mal war ... Unsere Jüngste war schon immer eine begeisterte Tänzerin, und für mich war sie immer ein besonderes Kind. Meine beiden älteren Kinder, Julia und Maik, sind auch etwas Besonderes, nur eben auf eine ganz andere Weise. Laura habe ich mir sozusagen „ertrotzt“. Mein Mann wollte immer zwei und ich hätte gerne vier Kinder gehabt. Ich ging in den ersten Jahren voll in meiner Mutterrolle auf, war gerne schwanger und genoss das Gefühl ein kleines Wesen in mir heranwachsen zu spüren. Ich selbst habe zwei ältere Schwestern. Beide 6 bzw. 7 Jahre älter als ich, deshalb habe ich mir immer noch einen Bruder gewünscht, doch bei dem Wunsch blieb es. Mein Mann Jörg, mit dem ich seit meinem 15. Lebensjahr in einer Partnerschaft und späteren Ehe lebte, hatte einen jüngeren Bruder. Er konnte es sich erst nicht vorstellen, mehrere Kinder zu haben. Aus diesem Grund legte ich ihm nahe, dann auch für die Verhütung zu sorgen, da ich nicht mehr willens war, weitere Jahre die Pille zu nehmen. Aber wie es dann so ist, wenn eine kleine Seele auf diese Erde kommen will, wird sie einen Weg finden, und so war es auch bei meiner Laura. Ich wurde wieder schwanger und traute mich anfangs gar nicht, es jemandem anzuvertrauen. Die Reaktionen unserer Eltern verliefen total anders als wir es vermutet hatten. Jörgs Eltern, von denen wir glaubten, dass sie sich freuen würden, waren entsetzt, und meine Eltern, bei denen ich dachte, sie hätten dafür kein Verständnis, reagierten total locker. Mein Vater erfuhr es durch meine Mutter und als er mich anrief sagte er: “Na kleine Mutti!“ und ich antwortete ihm: “Na, großer Vati!“. Nun war ich schon sehr erleichtert. Kalle, so nannten wir meinen Vater liebevoll, sagte zu mir: „Wenn das Kleine nur halb so schön wird wie die anderen und gesund ist, bekommen wir das auch noch groß!“. Er freute sich sehr und fuhr mich auch zu diversen Vorsorgeuntersuchungen zum Frauenarzt, nahm mir die älteren Kinder ab und kümmerte sich, wo er konnte. Rückblickend kann ich sagen, dass er der Ruhepol in unserer Familie war. Unsere Laura kam am 9. September 1991 um 23:50 Uhr zu Welt Sie schrie und schrie die halbe Nacht, entdeckte jedoch später den Schlaf für sich. Wir gingen sogar mit ihr zu Ärzten, weil sie meiner Meinung nach viel zu viel schlief. Unser Hausarzt erklärte, dass ich mir keine Gedanken machen solle, Laura sei kerngesund, aber wehe, wenn dieses Kind erst einmal ausgeschlafen hat. Ja so war es dann auch, immer mitten drin und immer in Aktion, ihre kleinen Füße schon immer in Position. Spielte Musik, zog sie sich am Tisch hoch und drehte im Takt ihren kleinen runden Windelpopo. Sie entwickelte sich in den folgenden Jahren immer mehr zum Papakind und hing an ihrem 2 Jahre älteren Bruder, tat all das, was er auch machte und ging sogar noch weiter. In dieser Zeit bekam sie den Spitznamen Karlotta, den sie nun gar nicht mochte, stampfte so manches mal wütend mit ihren kleinen Füßen auf den Boden, die Hände in die Hüften gestemmt und wollte lieber Karlo, ein Junge, sein. Mein Ehemann Jörg und ich bauten unser Haus immer weiter aus, es war schön, aber es war auch harte Arbeit. Jörg war fleißig, kümmerte sich um die Kinder, war immer sehr höflich und liebenswürdig zu Anderen, sehr hilfsbereit und alles schien sich hervorragend zu entwickeln. Heute frage ich mich, wie es wohl damals schon in ihm ausgesehen haben muss. Er arbeitete hart in einem großen Werk in drei Schichten, die ihm sehr zu schaffen machten, dann waren da noch die Kinder, das Haus, der Alltag, doch er sagte nichts, und so lebten wir, aus heutiger Sicht, mehr oder weniger nebeneinander her.


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