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> Zeitzeugen > 36 Jahre als Schiffskoch durch die Welt
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Buch Leseprobe 36 Jahre als Schiffskoch durch die Welt, Ernst Richter
Ernst Richter

36 Jahre als Schiffskoch durch die Welt



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Inhalt:

Vorwort des Herausgebers

Der Beginn
Heimat ade

Es wird ernst
Heimweh
Zeit der Entscheidung
Eine neue Heimat
Immer noch Neues
Ostfriesland ruft

Es ruft das Wasser
Emden, endgültige Entscheidung
Endlich ein Schiff
Arbeit und Leben auf der „ILSE SCHULTE“
Endlich hinaus in Richtung Kanada
Durchhalten!
Schlachter-Kochsmaat
Ziel ist Rio
Südamerika - Zuckerhut
Alles hat einmal ein Ende
Neues Schiff – neues Glück: „MARY NÜBEL“
Hurrah! - Hamburg
Viele Häfen – viele Menschen
Immer noch lernen
Wieder von Europa nach Südamerika
Zucker kann rutschig sein - Kohle ist schwarz!
Kohle und Koks in Körben
Urlaub oder einfach nur Heimweh?
Wohin? Was war jetzt meine Heimat?
Wieder neue Kenntnisse
auf "HENRIETTE WILHELMINE SCHULTE"
Und das war Brasilien?
Weihnachten auf See
Schon wieder Wabana
Schon wieder eine Erzreise
Brasilien ruft schon wieder
Wünsche nach mehr Verantwortung - Kümo "JÖRG"
Neues Schiff - und gleich auslaufen - „FRITZ THYSSEN“
Zwei Reisen nach Pepel - dann Narvik
Emden, immer mehr ein Stück Heimat
Reise bis an Russlands Grenze
Wieder mal Schlechtwetter
Wieder ab in die Wärme
Frischer Fisch
Jetzt ist es aber gut!
Das dritte Schiff von Schulte & Bruns: "ERIKA SCHULTE"
Zahnschmerz auf See
Unter Monrovia-Flagge
Auf nach Venezuela, Ziel ist Port Ordaz
Erneut Vitoria, Brasilien, in die warme Gegend
Abstecher nach Berlin
MS "SEECLIPPER" Reederei Müller, Bremen
Wo Reiche Urlaub machten: Mallorca
Geschafft!
Erst mal ausgedehnten Urlaub
Wieder alles im grünen Bereich
Rodeo und Steak
Wieder normaler Trott
Nordamerika / Große Seen
Wieder "daheim"
Wieder auf die MARY
Dart-Spiel auf See und Jazz in New Orleans
Erst mal Urlaub, dann MS „ARENBERG“
Auf nach Südamerika, Argentinien ruft!
Neapel und kein Ende
Ein Novum für mich - Proviant mit Lkw aus der Heimat
Noch einmal Phosphat
30 Tage nur auf See
Wieder eine lange Seereise
Murmansk, kalt und dunkel
Fast vier Wochen Löschzeit für 15.000 Tonnen Mais
Langer Urlaub in Emden
Die See ruft wieder: "ORTRUD MÜLLER"
Nur mal Urlaubsvertretung auf einem Kümo -
"HILLERDINE WESSELS"
Soll dies das Ende sein?
Wieder Urlaubsvertretung – auf "PETER WESSELS"
Ortsverzeichnis (mit angelaufenen Häfen)
Seemannssprache
Verzeichnis der erwähnten Schiffe
Leserreaktionen zu den „Seemannsschicksalen“
Buchempfehlungen Seemannsschicksale – Adressen

insgesamt 236 Seiten

Im Internet unter:
http://freenet-homepage.de/seamanstory/band17.htm

Leseprobe:
Endlich ein Schiff!

Eines Tages, etwa nach 14 Tagen des Wartens, kam endlich der große Moment. Mir wurde auf der Heuerstelle ein Schiff angeboten, allerdings sollte ich am Anfang nicht gleich als Kochsmaat gemustert werden, sondern zunächst als Messejunge, was mir, ehrlich gesagt, völlig egal war. Hauptsache, mein Traum ging in Erfüllung!

Die Heuer war recht klein, aber das Schiff war groß, auch wenn es noch mal zwei Tage dauern sollte, bis es endlich am 24. Juli 1960 in die große Seeschleuse in Emden einlief.

Ich war überwältigt von der Größe des Schiffes und hatte ein nicht zu beschreibendes Glücksgefühl in mir, dass ich auf so einem großen Schiff arbeiten durfte.

Die "ILSE SCHULTE" war mit Eisenerz aus Westafrika gekommen und sollte hier die gesamte Ladung löschen.

Als nach dem Festmachen die Behördenvertreter von Zoll, Hafenärztlichem Dienst, Wasserschutz- und Grenzschutzpolizei an Bord gegangen waren, konnten die abmusternden Leute von Bord und mehrere neue Besatzungsmitglieder (ich eingeschlossen) endlich an Bord gehen. Ich schritt das erste Mal die Gangway hoch.

Als ich so das erste Mal oben an Deck stand, war es für mich, als wenn ich zwischen Himmel und Erde wäre.

Ich wusste zwar noch nicht, wohin meine erste Reise gehen würde, aber nachdem mir meine Kammer gezeigt worden war und ich meine Siebensachen einräumen konnte, erfuhr ich es schnell.

Meine Koje war übrigens die obere mit den Maßen 2 m x 0,65 m. Mit mir bewohnte noch ein Kamerad diese Kammer, die außer den beiden Kojen nur noch einen Tisch, einen Doppelspind und eine etwas längere Sitzbank neben einem Waschbecken hatte. Die Kojen waren übrigens mit Kojengardinen ausgestattet, so dass man wirklich ganz abgeschieden schlafen konnte.

Die ersten Eindrücke waren überwältigend, alles war neu für mich und ich wunderte mich über die ganz vortreffliche Sauberkeit, überall, wo ich hinsah. Meiner Meinung nach hatte ein Hotel keine Chance, es dem gleichzutun.

Nach der kurzen Wartezeit in der Schleuse wurde dann das Schiff von zwei Schleppern an seinen Liegeplatz am Südkai bugsiert, wo die Ladung Erz aus Monrovia in Westafrika gelöscht werden sollte.

Ich hatte erst einmal Zeit, mir meine nähere Umgebung anzusehen und sah auch den Kapitän in seiner ganzen stattlichen Größe, Moritz war sein Name. Alle Gänge im Schiff waren äußerst sauber und gepflegt, die Türgriffe, Türschwellen und Bullaugen, die aus Messing waren, glänzten nur so.

Arbeit und Leben

Es vergingen eindrucksvolle Tage in meinem neuen Leben auf einem großen Seeschiff, viele neue Eindrücke, die ich erst einmal verarbeiten musste, stürzten auf mich ein, meine vorerst wichtigsten Arbeiten als Messejunge beschränkten sich auf Abwasch- und Reinigungsarbeiten in der Offiziersmesse, zugleich musste ich noch die Kojen für die Maschinen-Assistenten bauen.

Die ersten Tage vergingen im Hafen von Emden wie im Flug, alle Seeleute waren freundlich und sehr zugänglich, ich fühlte mich sehr wohl auf diesem schönen Frachtschiff ILSE SCHULTE.

Richtige Freude kam auch in mir hoch, als ich das Ziel der nächsten Reise erfuhr, es war Wabana auf Neufundland in Kanada, wieder eine Erzreise, für die anderen Seeleute nichts Besonderes, es gab ihrer Ansicht nach viel Schöneres.

Immer wieder dachte ich, wer im Erzgebirge aus meiner Heimat konnte schon so etwas vorweisen, und wer weiß, was noch alles kommen würde. Seinerzeit sang Freddy seine Lieder von der Seefahrt und St. Pauli, für viele junge und alte Leute verband sich damit immer wieder die große, weite Welt.

Was mir besonders in den ersten Tagen an Bord auffiel, war die hohe Diszipliniertheit aller an Bord und die gute Organisation, außerdem merkte ich sofort, dass Arbeit und Alkohol zwei ganz verschiedene Sachen waren.

Endlich hinaus

Nach ein paar Tagen war die Erzladung im Emder Hafen gelöscht und wir konnten in Richtung Kanada auslaufen, erst jetzt, wo das Schiff leer war, erfasste ich die wahren Ausmaße, hauptsächlich die Höhe. Mein Arbeitsplatz war zwölf Meter über dem Wasser, die Kommandobrücke noch einmal 12 m höher, und weitere Meter ging es in den Mittelmast.

Als wir damals die Emder Seeschleuse verließen, die Ems abwärts in Richtung Nordsee fuhren und die Farbe des Meerwassers immer klarer wurde, musste ich mich des Öfteren immer mal wieder selbst kneifen, um zu merken, dass dies alles Wirklichkeit war, schon diese erste Reise, in der sich vorerst das Wetter zu dieser Jahreszeit von seiner besten Seite zeigte, gestaltete sich als Traumerlebnis.

Die "ILSE SCHULTE" mit ihren 42 Mann Besatzung und acht Passa­gieren (Deutsche Auswanderer nach Kanada) fuhr leise und stolz der neuen Welt entgegen. Wir hatten vor einigen Tagen Emden verlassen und passierten den Englischen Kanal mit Kurs auf Neufundland. Es waren erlebnisvolle Tage und Nächte. Nach genau sieben Tagen kamen die hohen Berge von Neufundland in Sicht, und voller Tatendrang und Freude liefen wir in den Hafen von Wabana ein.

Mein erster Hafen im Ausland war natürlich schon etwas Besonderes für mich. Vorgestellt hatte ich es mir aber ein wenig anders. Es gab hier im Hafen nur eine lange Holzpier, von der Stadt selbst war nichts zu sehen, es war sowieso nur ein größeres Dorf.

Am Liegeplatz kam auf einem unendlich langen Förderband das Erz zum Schiff und wurde auf die einzelnen Laderäume verteilt. Die Ladezeit für 15.000 Tonnen sollte nur etwa 12 Stunden betragen.

Um wenigstens in meinem ersten Hafen etwas von Amerika gesehen zu haben, ging ich, nachdem meine Arbeit verrichtet war, zusammen mit drei Arbeitskollegen kurz an Land und zu Fuß in das Dorf. Es war schon ein schönes Gefühl für mich, obwohl es nur kleine Holzhäuser und wenige Menschen zu sehen gab, aber ich hatte die Zeit, eine allererste Ansichtskarte aus Kanada zu meinen Eltern zu schicken, bei einer Dose Coca Cola habe ich sie damals in einem kleinen Laden geschrieben, dann sind wir vier wieder zu Fuß zurück an Bord gegangen.

Es war der erste Landgang, den ich bei der Seefahrt gemacht hatte, nach ein paar Stunden war auch dies Vergangenheit, denn es ging voll beladen wieder in See, mit Zielhafen Emden.

Als nach der Revierfahrt der Lotse von Bord ging, merkte ich schnell, dass es der Wettergott diesmal nicht ganz so gut mit uns meinte, die Arbeit an Bord war zwar weiterhin aufregend und schön, aber die "ILSE SCHULTE" rollte nur so, aber es war für mich doch ein angenehmes Gefühl, so von der Nordatlantik-Dünung auf und nieder gehoben zu werden...

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