Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern

zurück zum Buch

95 ROZ E10


auf Dienstreise

von Matthias Wermter

wirtschaft_buecher
Ausstattung:
340 Seiten
Preis:
19.90 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Brombeere
Kontakt zum Autor oder Verlag:
mwermter@gmx.de
Leseprobe

Instandhaltung von Blockheizkraftwerke März 2017 ... Es war der übergroße kaufmännische Leiter, der mit seinem handgenähten blauen Tweet meine ganze Aufmerksamkeit erhalten sollte. Seine Weise, mir die alltäglichen Dinge zu erklären, war bemerkenswert. Eine mittelständische Firma inmitten der grünen Landwirtschaft Niedersachsens, die sich auf die Wartung und Reparatur von Verbrennungsmotoren bis 10.000 PS spezialisiert hatte, war Jahre auf der Suche nach Gewinn und Rentabilität. Interessanterweise wusste dieser Kaufmann immer, wo sich welche Fehler in welcher Art und Umfang bei welchen Mitarbeitern befanden. Ein Blick in die Büros entschärfte die Situation und erhellte den vorliegenden Fall. Wie die Eichhörnchen saßen die lieben Leute völlig ahnungslos nebeneinander. Nicht wenige der fleißigen Anwesenden wussten nicht viel um die Profitabilität der Firma. Sie tappten schon immer im Dunkeln. Ich denke, die Probleme, warum seit Jahren keine vernünftigen Gewinne erwirtschaftet wurden und damit auch kaum Steuern zu zahlen waren, lagen direkt in den geführten Bereichen meines Gesprächspartners. Das Unternehmenscontrolling, die Produkt-Kalkulation und der EDV-Bereich, eben jene im Einfluss des allwissenden kaufmännischen Leiters, sollten meiner Meinung nach stark in Organisation, Aufgaben und Verantwortung verändert werden. Ja, ich denke, hier kann vieles zum Besseren geändert werden, denn es ist sehr hilfreich zu wissen, dass das Reparaturgeschäft ein stabiles und saisonunabhängiges Geschäft und immer ertragreich ist. Die technisch bedingten kurzen Fertigungs-, Reparatur- oder Durchflusszeiten garantieren Klarheiten. Die Quartalsergebnisse werden kaum schwanken, was sie aber taten. Jeder Monat ist ein Abbild von Jahresgewinn, Betriebsrentabilität und Fertigungsproduktivität, sowie Vorschauen, Szenarioanalysen und Trendentwicklungen, doch die Firma und ihre Beteiligungen waren nicht in einer Konzernstruktur organisiert. Gerade bei nur 400 Beschäftigten hätte sich das Niederlassungsmodell angeboten und nicht die wilden GmbH Gründungen. Dieses Vorgehen nimmt man gern, um die Gewinn- und Geldströme durch Hin- und Herschieben bei internen Verrechnungen zu verschleiern. Ich denke, dass heute keiner mehr weiß, wo welcher Ertrag entsteht. Das Reparaturgeschäft ist immer profitabel. Die Kalkulation und der Prozess der Berechnung sind relativ einfach, aber sollten in dem Beispiel ebenso zu hinterfragen sein, da sie die Quelle des Plangewinns sind, doch dieser verharrte bei um die Null. Ein vertiefter Blick in die gelebte interne Berichterstattung würde noch viel mehr offenbaren. Im Reparaturgeschäft bei Industrieanlagen gibt es meistens Kosten-plus-Gewinn Bestellungen und selten Pauschalpreise. Allein das garantiert stabile Gewinne. Aber was war die Realität? Sehr schwankende Gewinne um die Null Euro EBT. Manchmal Minus, manchmal Plus. So genau wusste das keiner. Hier merkt man eine äußerst schwache Buchhaltungsdisziplin ohne große Verantwortung, viel Chaos in den Abläufen und eine schlecht geführte interne Bestelllogistik. Ja, die Entnahmen, die Arbeit und die Auslieferungen wurden suboptimal von unfähigen Führungskräften organisiert. Dieses gewünschte Arbeiten auf Sicht bei Bodennebel und nach engen Terminen bremste die gesamte Firma aus und war sicher der Anlass, intelligente und aufbaufähige Mitarbeiter aus der Firma zu drängen. Hier wurde ein Unsinn in Reinform täglich zelebriert und nicht nur geduldet, sondern absichtlich gezielt aufgebaut, um von den eigenen fachlichen, organisatorischen und menschlichen Schwächen abzulenken. Diese reinen Führungsunzulänglichkeiten sind nicht selten anzutreffen. Erschwerend kam hinzu, dass die EDV als amateurhafte undurchsichtige Parallelorganisation mit komplexen Entscheidungswegen zu ungesund für eine einfache, aber moderne und motivierte Reparaturtruppe war. So ausgebildet die Werker, so intransparent war die EDV und deren Entscheidungsgewalt. Jeder gute Gedanke der Mitarbeiter wurde ausgebremst, nur um nicht eingestehen zu müssen, dass hier intelligente Leute am Werk waren. Diese Schwächen ließen ein sicheres Geschäft höchst instabil erscheinen und schlussendlich auch werden. Sicher könnte man hier von einer dreisten Steuerverkürzung basierend auf Korruption bei rückzahlungswilligen Lieferanten und wirtschaftlich abhängigen Mitarbeitern sprechen, doch es war etwas anderes, was man zum damaligen Zeitpunkt wollte. Diese Firma wollte nur weitere komplexe Erklärungen und wohlklingende Ausreden für die nächste jährliche Betriebsprüfung abschöpfen.  Werkzeugmaschinen in Thüringen April 2017 ... Mitten im Thüringer Wald steht ein hochmoderner Maschinenbauer, der seit den 1970er Jahren eine der modernsten Fertigungsstätten Europas sein Eigen nennt und tatsächlich weltbekannt ist. Diese beschauliche und angenehme Firma hatte moderne Gebäude, neue Maschinen, klimatisierte Fertigungshallen, motivierte und qualifizierte Mitarbeiter, aber eine unerklärliche sehr geringe 2% Umsatzrendite. So, jetzt ist es gut zu wissen, dass sie schlanke Methoden ohne Verschwendung in Materialeinsatz, Wegebenutzung, Fertigungs- und Verwaltungszeit, Menschen und Informationen anwendeten. Mit Lean ist eine Firma, so wie diese, damit rund zehnmal produktiver und profitabler als der normale hart arbeitende Mittelstand. Unglücklicherweise wurde diese schlanke Produktion in Philosophie (sehr wichtig), Theorie und Praxis aber nicht wirklich begriffen. Lean ist keine Software, die man aufspielt! Die Organisation und die Abläufe in der Fertigung waren perfekt, nur der große Einfluss des Alltäglichen war nicht bewusst. Das automatische Kleinteilelager war praktisch und sehr erklärbar lahmgelegt! Die Produktionsabläufe wurden viel zu komplex dargestellt und konnten nicht auf Effizienz überwacht werden! Die mit der Zeit gewachsene Komplexität, auch in der Berichterstattung, bremste vieles gut aus. Der Maschinenbau lebt vom entwickelnden Engineering. Unnütze Aktionen der Verwaltung, allgemeiner Leerlauf und nicht genutzte geistige Kapazitäten gab es reichlich. Das System war in sich zufrieden und gedanklich in der Rente. Die geringe Umsatzrendite störte keinen und wurde somit nicht diskutiert! Innovationen im Design beginnen auch in der Wirtschaftlichkeit! Kleinliche Kosteneinsparungen treffen das größere Genie besonders hart. Die Effizienz der Lean Production begründet Wachstum und Wohlstand, das unnütze Kapazitäten freisetzt und diese mit sinnvoller und gewinnbringender Arbeit versorgt. Auch das wurde nie begriffen. Lean kreiert Jobs! Der Personalleiter war dabei völlig unwissend, recht hilflos und ehrlich gesagt etwas zu bubenhaft. Ich glaube, um die Umsatzrentabilität auf sehr angemessene 12% zu erhöhen, sollte nicht am Personal und an den Gemeinkosten gespart werden, sondern die Personalpolitik an sich schlicht vereinfachend korrigiert werden. Es muss ein Entscheidungspapier der einzelnen Tätigkeiten erstellt werden. Sicher, jeder kennt das und viele wissen, dass es Stellenbeschreibungen gibt, doch gibt es das auch in Matrizenform auf einem A0-Blatt? Diese Landkarte der (vom Kunden bezahlten) Kapazität stellt die Vermengungen der produktiven, produktionsunterstützenden, produktionsverwaltenden, vertriebstechnischen und verwaltenden Kräfte der Firma dar. Damit werden Lücken in der Lean Production und auch in der Digitalisierung sichtbar. Ein vollautomatisches Lager ist nun mal nicht teilmechanisiert. Hier sieht man die Hilflosigkeit der Firma auf ihre modernisierten und zukunftsfördernden Prozesse. Eine Endabnahme ist keine Werkstatt, auch wenn sie noch so digitalisiert ist. Das Auslieferungslager ist nicht die Wartehalle dutzender Maschinen, die längst verpackt und unterwegs auf den fremddienstleistenden LKWs quer durch Europa sein sollten (Stichwort: Rollendes Lager). Die emsige Verwaltung hingegen war offensichtlich zu aufgeblasen und mit vielen unnützen Aktionen belastet. Ja, hier wurden 8% Punkte Umsatzrendite, völlig unter dem Radar der operativen Obergesellschaft, verbrannt. Witzigerweise kannte die Firma keine teuren Marketingaktivitäten. Das Produkt verkaufte sich von selbst. Sicher, es gab Forschung und Entwicklungskosten, doch nicht so stark wie in anderen Branchen. Meines Erachtens ist hier jemand einfach nur wild gewachsen und hat Posten besetzt, nur um im Dorf wild zusätzliche Arbeitsplätze anzubieten. Sämtliche Entscheidungsgrundlagen basierten auf familiären Befindlichkeiten, fachlichen Unzulänglichkeiten und menschlichen Abhängigkeiten. Hier möchte ich nicht von Steueroptimierung sprechen, denn es war keine. Es waren eher die Realitäten des Arbeitsmarktes und des eigenen Überlebenswillens, der Aufgaben teilt, nur um keine starken Positionen entstehen zu lassen. Ja, mitten im grünen Wald steht eine hochmoderne Firma und kann seine magere Ergebnissituation, aufgrund mangelnder objektiver Erfahrungen und fehlendem Organisationswissen nicht mehr erklären! Derzeit ist die im Grunde hochprofitable und damit finanzstarke Firma an einen schnellagierenden börsennotierten ausländischen Investor verkauft, in Hoffnung noch effizienter in die Zukunft zu gehen.  Design & Fertigung von Windkraftanlagen März 2016 ... Dieser sehr frühe Fall ist mir ein Anschauungsmodell für die zu umsichtig und übervorsichtig geführte Unternehmung, die sehr abhängig agierend ihre Zukunft in die eigenen unerfahrenen Hände nahm. Eine bizarre Kultur der Angst herrschte beim Management. So draufgängerisch und optimistisch die erfahrenen Leute an der arbeitenden Basis waren, so übervorsichtig agierten die vermögenden Besitzer, strategieerfahrenen Direktoren, studierten Linienmanager und bestens ausgebildeten Teamleiter. Eine Firma, die im hohen Norden der Republik ganz nah an der rauen und bitterkalten Nordsee inmitten des angenehm eigenständigen Friesenvolkes wirkt, war dies ein eher bizarres Erlebnis und verwirrte anfangs sehr. Ich fand es lustig, dass für jede Aufgabe oder Region eine GmbH gegründet worden ist, damit die Gewinne besser gesteuert und damit unterstützt werden konnten. Dieses spezielle Taktieren deutet auf einen sehr stark durchregierenden aber an sich hilflosen und fachfremden Manager hin, den ich leider nie kennenlernte, aber Zeitungsberichte gaben mir später mehr als Recht. Die Frage nach der Optimierung löst zuerst das Bedürfnis nach einer Erklärung aus. Man kann die Controllingabteilung nicht verbessern, wenn die Firma unbekannt ist. Ein gutes Controlling ist ein Abbild einer anständig geführten Unternehmung. Das Prinzip nach Teilung und Herrschaft verwirrt auch mal den Informationsfluss und dessen Qualität. Die große aber an sich recht einfache Fertigung und das umfangreiche aber transparente Servicegeschäft benötigen keine 40 Controller, die sich jeden Tag um die Zahlen, die Gewinne und die Verluste kümmern. Ich denke, trotz der Größe wären fünf Controller völlig ausreichend. Der Konzern bestand nur aus geteilter Größe und nicht aus fertigungsbedingter Komplexität. Die Infos verwässern nur, je mehr sie geteilt werden. Ok, die Infos wurden nicht nur geteilt, sie wurden auch unterschiedlich aufbereitet und nur mit Mühe zusammengehalten. Monatliche Kapitalausgleiche waren nur aufgrund der wilden GmbH-Gründungen notwendig. Man muss schon sehr verwirrt sein, um so viele Controller anzustellen, damit die sehr einfach zu berechnenden Gewinne offensichtlich werden und es ist schwer, etwas wirklich zu optimieren, wenn das nicht gewünscht ist. Wie so oft, sollten die Prozesse aufgezeichnet und die Optimierungspotentiale gefunden werden. Ich denke, wir schicken 35 Controller nach Hause und sehen wie das ERP-System damit hochmodern umgeht. Ich mag die Schocktherapie, da ich den Ablauf gut kenne. Einmal kam die Hauptbuchhalterin und legte ihre Kündigung hin und war weg. Tarifangestellt mit 4 Wochen Kündigungsfrist und Urlaubsanspruch. Uns flog nicht wirklich die Abteilung um die Ohren, doch keiner wusste so richtig, was sie tagsüber so machte, wie das im informell geführten Mittelstand nun mal so ist. Das ist kein Witz, zwei Hauptbuchhalter, zwei Buchhalter und ein Senior Controller (die kennen sich in der Buchhaltung auch mal aus) konnten nur schwer dazu beitragen, doch einen Monat und eine Richtlinienanpassung später lief der Laden wieder. Seht ihr, wenn euch die Zahlen zu wackelig sind, dann liegt das schon am Verlust der Informationsqualität aufgrund des Bearbeitungsprozesses und deshalb sollten wir uns auf die offensichtliche Lösung konzentrieren und einen sauberen Schnitt wagen. Es sind zu viele Controller im Haus und die Verarbeitung der Zahlen ist nicht bekannt und nicht strukturiert oder (sehr schwer umzusetzen) standardisiert und es gibt zu viele Kostenzusetzungen und Gewinnglättungen. In solchen seltenen Momenten fragt man sich, wie das all die Jahre gut gehen konnte? Tat es nie, denn die Gewinne wurden erfunden und überheblich und oberflächlich mit dem Konzernkassenbestand abgeglichen. Es ist schon schwer, diese allgemeine Vorstellung von Buchhaltung und Steuerwesen immer wieder zu beobachten. Ingenieure sehen kaufmännische Vorgänge oft sehr herablassend. Warum können die Leute den Gewinn nicht ordentlich berechnen und besteuern? Warum haben einige Firmen eine allgemeine Fluktuationsrate von unter zwei Jahren, doch der Hauptbuchhalter (auch in weiblich) ist seit über 20 Jahren im Unternehmen? Genau, die harten Zahlen waren dem Strategen nie wirklich wichtig. Lasse nie einen soliden Techniker, der Geld benötigt, an das buchhalterische Zahlenwerk. Es wird immer in einer Lüge enden. Ich mag diese weitverzweigten Firmen nicht, die mal hier einkaufen, mal dort investieren, dann zukaufen, dann abbauen, um wiederum innovativ und zukunftsfähig sein wollen und eigentlich auch sind. Naja, bis die öffentliche Ausschreibung erfunden wurde, dann zeigt sich ganz schnell, dass das wirre Firmengestrüpp doch aufhaltend undurchsichtig ist und die Dienstleistungen nur auf der Basis von Hörensagen kalkuliert wurden. Je komplexer die Fertigung eines einfachen Produktes, je mehr Verwaltung dazwischengeschaltet ist, je mehr wissende und gebildete Geschäftsführer benannt werden, je mehr Macht und Ansehen nötig sind, desto teurer wird es. Wir sehen große Firmen oft als Ergebnisse unermüdlichen Fleißes, und das sind sie auch, doch nur wenige sehen in der Komplexität die Anzeichen eines amateurhaften und unkoordinierten Wachstums. Der Stahl kommt und wird gelagert, wird zugeschnitten, wird geschweißt, wird zusammengebaut, wird lackiert und verpackt. Das Lager wird größer, so wie die Brennschneidanlage, die Schweißeinheiten, die Vorfertigungsfläche, aber keine zusätzliche Fertigungsverwaltung. Wir lesen von internationalen Zukäufen und globalem Prestige und sehen oft nicht, dass das mit überteuerten Produkten und einer ausgelagerten Produktion, möglichst im Ausland zu einem Lohndumping möglich wurde. Ich will nicht jammern, ich habe selbst jahrelang unterbezahlt gewirkt, doch wohin sind die Gewinne geflossen? Ich habe sie nicht, oder doch? Stehle ich das Geld in der Firma durch meine unproduktive Arbeit? Am Ende interessierte der Gewinn aber auch keinen, wichtig war, dass die aktuellen Controlling Prozesse sauber dokumentiert wurden, damit der Monatsabschluss ganze vier Stunden früher erstellt werden konnte.  Tiefseekabel im Projektgeschäft April 2016 ... Schneidig, schlank und rank und sonnengebräunt gefällt der gereiste kaufmännische Leiter. Warum müssen es immer Models sein und warum sind es im Mittelstand nie durchtrainierte Frauen? Vielleicht sind Männer nicht so gierig? Wie auch immer, der Gute hatte in den letzten zehn Jahren ganze acht Firmen gesehen und ist jedes Mal in den Rängen gestiegen. Wer stellt solche Mitarbeiter ein und warum? Was haben diese Leute Besonderes an sich, sodass die Überschuldung von unglaublich vielen 40.000.000 Euro überdecken wird? Man muss schon sehr optimistisch sein, um diese Leute fähig und willig zu nennen, denn sie verlassen zu schnell ihre Arbeitsgeber. Ich mag Vorgesetzte nicht, die weit weg in Nebraska studiert haben, wenn es in jeder größeren Stadt eine anständige Fachhochschule gibt. Der internationalen Betriebswirtschaftslehre fehlt die friesische Bodenständigkeit. Aber kommen wir zum Personal, hier sind Norddeutsche, Holländer und Engländer zu gleichen Anteilen bei natürlich sehr gemischter Kommunikation munter und fröhlich vereint und bereit Großes zu leisten. Die Arbeit hört sich einfacher an, als sie es wirklich ist. Die Projekte dauern oft Jahre und werden sehr genau vorbereitet, gut durchgeplant, sauber durchgeführt und immer kundenzufrieden abgeschlossen. Doch warum schaffte diese kleine Firma ganze 40m Überschuldung? Wurde das eigentlich geplant? Im Projektgeschäft wird doch vieles nur zugekauft? Ich denke, hier wird es ziemlich einfach, denn jeder muss beschäftigt werden und jeder will verdienen. Allein die Kommunikation war, abgesehen vom Englischen, Holländischen und Deutschen, viel zu umständlich, zu viel und zu unnötig. Die Hälfte der Zeit wurde in ausführlichen Meetings verbracht. Es war ein Auf und Ab und Hin und Her und alle mochten es, denn es konnte ja sein, dass die noch unbekannten Informationen gerade hier in den unnötigen aber unterhaltsamen Selbstdarstellungen preisgegeben wurden. Ja, es ist unschön, wenn die Berichtswege unklar sind, wenn vieles per „Flurfunk“ weitergegeben wird und die Linienvorgesetzten selber auf der Suche nach erhellendem, intelligentem und erklärendem waren. Eine clever zurückgehaltene Information verlängert schonmal das Teilprojekt des Kollegen und macht dich auch unersetzlich. Wenn du es richtig anstellst, kannst du als Retter in der Not auftrumpfen und bald aufsteigen. Diese Spiele alter Männer habe ich immer abgelehnt, denn es wird auf dich zurückfallen, doch einige haben diese Kunst der Sabotage gelernt und praktizieren sie über Jahrzehnte, bereit dem Gemeinwohl und vor allem sich selbst zu dienen. Wichtig ist dabei, dass das komplexe Projekt sehr lange, möglichst viele und vor allem einen selbst beschäftigt. Ellenlange Ausarbeitungen, langwierige Untersuchungen und dicke Berichte müssen geschrieben, aufgestellt und weitergeleitet werden. Ich hoffe, du weißt, was hier falsch läuft, zwischen alten Männern im Friesenland so nahe an der kalten und rauen Nordsee? Das Projektgeschäft hat den Nachteil, dass diese recht unstet und unplanbar in die Firma kommen und deshalb möchte man nicht in die Unterauslastung geraten, was wiederrum problematisch ist, da es in Stufen abläuft und nicht parallel abgearbeitet werden kann. So, jetzt stellen wir uns vor, dass die Firma ein Sammelbecken vieler zusammengewürfelter und ausgesetzter Projektfreelancer ist, die keiner mehr braucht und die jetzt hier sind und nirgends mehr hinkönnen. Akademisch wenig gebildete aber sehr berufserfahrene Führungskräfte nehmen gern junge und dumme Amöben, Mitarbeiter, die nur eine Sache gut können und bei einer zweiten neuen schon versagen. Das ist ein Problem. Wie willst du diese 40.000.000 Euro Verlustvortrag in der Bilanz ausgleichen? Wie viele Projekte musst du noch durchjagen? Wie viele machen überhaupt Gewinn? Wie viel Ertrag, oder besser Geld, bleibt unterwegs hängen? Wieviel brauchst du? Das Beste wäre, wenn wir die Firma straff umbauen und viele Tätigkeiten einfach auslagern. Diese Leute kennen Freelancing, aber könnten die verbliebenen Führungskräfte diesen Umbau auch intelligent organisieren, abgesehen vom Unwillen? Die Verwaltung ist ein Abbild von dir selbst. Deine Steuervermeidung war nur der Anfang. Deine Korruption begründete nur eine Spirale vom geldwerten Aderlass der Firma und war damit nicht hilfreich. Wieso benötigst du eigentlich das Geld, du hast doch die Gewinnausschüttung? Es ist nicht hilfreich, wenn man zu gierig ist, also lass meinen Job als Controller oder Berater machen und diese traurige Firma zum Besseren umbauen.