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Tierbücher
Buch Leseprobe Tatzenfreu(n)de, Julia Salenz
Julia Salenz

Tatzenfreu(n)de



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E I N S


„Miau, miaauuu. Hallooo, hört mich denn keiner?!“ Das Maunzen wurde immer kläglicher, bis es von einem Scharren und Schnaufen abgelöst wurde. Stinker tat alles, was in ihrer Macht stand, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Krallen ihrer weißen Pfoten kratzten wild und unaufhörlich über den kalten nackten Betonboden. Das kleine rosafarbene Schnäuzchen presste sich fest gegen den harten Widerstand, der sich ihr in den Weg stellte.


Sie war sich so sicher, dass sie aus dieser Richtung gekommen ist! Stinker nahm ihren eigenen Duft, den ihre kleinen Pfötchen hinterlassen hatten, noch deutlich wahr. Aber vergeblich, an dieser Stelle gab es keinen Weg mehr hinaus. Die kleine Katze wurde schlagartig sehr traurig, als ihr dies bewusst wurde. Um sie herum herrschte gespenstige Dunkelheit und sie verstand die Welt nicht mehr. Wo war die Sonne geblieben, die sonst ihr schwarzes Fell wärmte und sie blinzeln ließ? Stinker erinnerte sich nur noch an diesen herrlichen Geruch, der sie von ihrem Zuhause weg, einmal direkt über die Straße geführt hatte. Sie folgte ihm, diesem verführerischen Duft, die Nase dicht am Boden und vergaß dabei alles um sich herum. Vor allem dachte sie in diesem Moment nicht an Socke, diesen naseweisen Kater, der vor wenigen Wochen ungefragt in ihr Zuhause eingezogen war und sie bisher nur genervt hatte. Ewig wollte er spielen oder sie ausgiebig beschnüffeln. Und wenn sie gerade herrlich träumte, tobte er quiekend um sie herum, sodass einer zierlichen Katze wie ihr Angst und Bange wurde. Da galt es nur noch, die Flucht auf den nächstgelegenen Schrank anzutreten, um bei der ungestümen Jagd von Socke auf unsichtbare Mäuse nicht wie ein Brummkreisel über den Boden zu trudeln. Seinetwegen trug sie auch diesen blöden großen rosafarbenen Verband an der Schwanzspitze. Natürlich liebte Stinker es ebenfalls Mäuse zu jagen – sichtbare und unsichtbare – aber sie, die weitaus erfahrenere Jägerin, wusste natürlich, dass Gepolter und Gequieke sogar die taubste Maus verschrecken würde. Wenn Stinker auf Mäusejagd ging, benahm sie sich geduldig und still. Auf lautlosen Sohlen näherte sie sich in Zeitlupentempo, ganz vorsichtig, eine Pfote vor der anderen, auch dem leisesten Rascheln. Dabei versuchte sie selbst, ja kein Geräusch zu verursachen, nur ihr Schwanz zuckte leicht vor Anspannung. Plötzlich und ganz unvermittelt setzte sie dann zu einem gezielten Sprung an, ihr Rücken formte sich dabei zu einem halbrunden Buckel, um auf der vermeintlichen Maus zu landen. Manchmal klappte es, oftmals nicht. Stinker machte das nichts aus und sie startete, wenn ihr gerade danach war, einen neuen Versuch.


Doch all das schien gerade weit weg. Mit kleinen trippelnden Schritten hatte Stinker nach der ausgiebigen Mittagsruhe, die sie täglich in einem Körbchen liegend auf dem Regal verbrachte, die Straße überquert, glücklicherweise nur eine wenig befahrene Sackgasse. Stinker war ursprünglich etwas wütend auf ihren Lieblingsmenschen gewesen. „Stinkie, so geht das nicht, sieh doch was Du angerichtet hast. Ich muss arbeiten und jetzt habe ich erneut diese Fehlermeldung auf dem Bildschirm“, hörte sie noch die Worte im Ohr, als Frauchen plötzlich mit einer Tasse Tee aus der Küche kommend vor dem Schreibtisch gestanden hatte. Energisch war Stinker von der Tastatur des Computers, auf der sie so gerne saß, um ihren Kopf am Bildschirm zu reiben, heruntergehoben und nach draußen vor die Tür gesetzt worden.


„Schau mal, wie schön die Sonne scheint und Socke ist auch schon draußen“, lautete die eindeutige Ansage, jetzt bloß nicht weiter zu stören. Pah, der, dachte Stinker verächtlich. Socke soll mich bloß in Ruhe lassen! Mein Schwanz tut mir immer noch weh! Noch unentschlossen hatte sie deshalb auf der Terrasse gesessen, als von weitem dieser fremde, aber doch interessante Geruch an ihre Nase drang. Die Schmerzen in der Schwanzspitze und den Ärger über den Lieblingsmenschen vergaß sie in diesem Moment völlig.


Urplötzlich hatte sich ein wenig Aufregung in ihr breitgemacht, ein wohliges Gefühl der Neugierde und pure Lebensfreude war in sie hineingeströmt. Ihre rosafarben umwickelte Schwanzspitze bewegte sich am leicht nach unten gebogenen Schwanz aufgeregt hin und her, als sie durch den Garten lief: Zuerst an dem kleinen Teich vorbei, die Goldfische, die bei dem Anblick des Schattens der kleinen Katze schnell in die Tiefe huschten, beachtete sie nicht. Dann übersprang sie zunächst die niedrige Buchsbaumhecke, bevor sie vorsichtig die gepflasterte Straße überquerte. Auch hier bemerkte sie nicht, dass sie aus dem gegenüberliegenden Gebüsch heraus beobachtet wurde. Der Duft, der sie angelockt hatte, zog sich weiter, immer weiter. Vorbei an einem riesigen Tisch, auf dem allerlei Zeugs stand und von dem es plötzlich etwas müffelte. Stinker stoppte kurz, hob den Kopf und schüttelte sich angewidert. „Pfui, woher kommt denn dieser widerliche Geruch?“, murmelte sie vor sich hin. Eilig war sie – mit ihren kurzen Beinen einen kleinen Bogen schlagend – vorbei an vier großen Rädern getippelt und hatte die wohlduftende Fährte wieder aufgenommen. Mit jedem Schritt wurde es dunkler um sie herum und ihr Herz schlug dann doch etwas schneller. „Nur noch ein kleines Stückchen“, beruhigte sie sich selbst. „Nur mal kurz gucken, was hier so herrlich riecht, dann kehre ich wieder um.“ Plötzlich war da dieses dumpfe Geräusch gewesen, ein schepperndes Grollen und schließlich ein quietschendes Poltern. Stinker erschrak und da sie nicht zur Heldin geboren war, schlüpfte sie mit zwei großen Sprüngen unter ein Regal, das gleich neben ihr mit bedenklich vielen Sachen bis unter die Decke vollgestopft stand. Die Sonne verschwand innerhalb von Sekunden und als es völlig dunkel um sie herum wurde, herrschte nur noch diese unheimliche Stille.


„Hier stimmt was nicht!“ Instinktiv war Stinker unter dem Regal hervorgekrochen, der vorher so verlockende Geruch war vergessen. „Jetzt nur noch schnell nach Hause!“ Ein kleines Grummeln im Bauch erinnerte Stinker auch daran, dass sie seit dem Morgen nichts mehr gefressen hatte und mittlerweile war es sicher schon Nachmittag.


Vorsichtig setzte sie eine weiße Pfote vor die andere. Besaß die kleine Katze auf dem Rücken schwarzes Fell, so waren ihr Bauch wie auch ihre Pfoten plüschig weiß. Ihr Gesicht war zur einen Hälfte mit weißem Fell bedeckt und auf der anderen Seite größtenteils schwarz. Lustig sah das aus: Wie eine Maske zog sich das weiße Fell über ihr Gesicht. An der rechten Hinterpfote und am Kinn hatte sich die Natur etwas Besonderes ausgedacht. Ein kreisrunder schwarzer Fleck zierte das weiße Bein und das weiße Kinn. Die schwarzen Ohren waren aufmerksam gespitzt und drehten sich mit den Geräuschen, die nun scheinbar von viel weiter wegkamen als zuvor. Die weißen Schnurrbarthaare vibrierten leicht und ließen sie zielsicher den Weg zurück ertasten. Hier, hier muss es sein, von hier bin ich gekommen, dachte Stinker nun. Doch der Weg war versperrt. Sie machte einige Schritte nach links und einige Schritte nach rechts. Nichts!


Langsam breitete sich Panik in ihr aus und sie lief unablässig auf und ab. Auch erkundete sie nach einiger Zeit vorsichtig den restlichen Raum, aber da waren kein Spalt und keine Ritze, durch die Licht dringen konnte. Ein großes Tor, was vorher nicht dagewesen war, versperrte Stinker den Rückweg. Ein zarter Lufthauch verriet allerdings, dass es hier einen nun verschlossenen Weg nach draußen geben musste. Ratlos legte sie sich hin, um über ihre Situation nachzudenken und es dauerte nicht lange, bis ihre Augen vor Erschöpfung zufielen. Die letzte halbe Stunde war einfach zu aufregend gewesen.


 


Z W E I


Als Stinker erwachte, lag sie im dichten hohen Gras am Rande einer Sommerwiese. Einige Blütenköpfe wippten federleicht im kaum spürbaren Wind. Ein weißer Schmetterling setzte sich mutig nur einen halben Meter von ihr entfernt auf eine große gelbe Blume, ganz so, als wollte er sie zum Spielen auffordern. Hummeln schwirrten geschäftig durch die Gegend, um genügend Nektar zu sammeln oder einfach nur, um aus jeder Blüte zu kosten. Allerdings hieß die kleine schwarzweiße Katze zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht Stinker, so würden sie ihre späteren Besitzer nennen, sondern wurde bis dato von allen nur Nelly genannt.


Nelly streckte ihre Pfoten genüsslich, zuerst die beiden Vorderpfoten – „uuaaah“ – dann das rechte hintere Bein und anschließend das linke. „Das tat gut.“ Auch ein Gähnen konnte sie nicht unterdrücken. „Wie lange hatte sie hier bloß gelegen?“ Ach ja, jetzt erinnerte sie sich. Sie war morgens, es muss so gegen halb sechs Uhr in der Früh gewesen sein, jedenfalls waren bereits die ersten Strahlen der Sonne erkennbar gewesen, mit ihren beiden Brüdern Max und Shorty vom gemeinsamen Nachtlager im Pferdestall aufgestanden, um ja mit die ersten an den Futternäpfen zu sein. Natürlich hatten sie nicht vergessen Fanny zu begrüßen, das kleine Shetland-Pony, das derzeit als einzige von den Stallbewohnern die Nacht nicht auf der Koppel verbrachte, da es sich am Huf verletzt hatte. „Guten Morgen Fanny, wie geht es dir heute?“ „Guten Morgen ihr drei, vielen Dank mir geht es schon viel besser. Morgen werde ich wohl auch wieder auf die Koppel können“, antwortete die gutgelaunte Fanny, die gerade aus der Raufe etwas Heu zupfte und genüsslich verspeiste, als die drei kleinen Katzen an ihr vorbei liefen. „Oh, wie schön, dann sehen wir uns ja wieder draußen, jetzt müssen wir aber erstmal weiter.“


Die kleine Rasselbande jagte zur Futterstelle, wo bereits sechs gut gefüllte Näpfe auf sie und die drei anderen Reiter-hofkatzen warteten. Glücklicherweise waren die menschlichen Bewohner des Reitstalls ebenfalls Frühaufsteher, die als erstes die Katzen mit Futter versorgten. Als die Rangelei um die besten Plätze zwischen den kleinen Katzen beendet war, kamen gemächlich die älteren Katzen dazu und alle fraßen still und genüsslich. Nur ab und an war ein leises Schmatzen zu hören. Während sich die erwachsenen Katzen nach dem Fressen der Fellpflege widmeten, konnten es die Kleinen kaum abwarten und tobten zu dritt auf dem heimischen Hof umher. Ihre Mutter ermahnte sie noch, sich nicht allzu weit vom Pferdestall zu entfernen.


Sie hatten ein tolles Zuhause, gleich über dem Stall befand sich ein großer Heuboden, über und über mit Stroh. Dort war es, selbst wenn es draußen regnete und stürmte, gemütlich warm. Über eine kleine Leiter führte ein Weg hinunter. In den ersten Wochen hatte Nelly anfangs etwas Angst, die weit entfernten Leitersprossen zu verfehlen und zweimal war sie auch tatsächlich abgerutscht. Nachdem sie aber gemerkt hatte, dass sich Katzen beim Fallen automatisch so drehen, dass sie sogar aus größeren Höhen auf den Pfoten landen und ihr Körper die Landung zusätzlich stark abfedert, bekam sie Vertrauen in ihre Kletterkünste. Bei nicht allzu großer Höhe war das Verletzungsrisiko eher gering. Die Hofbesitzer sorgten gut für die Katzen. Als sich damals Tinka, so wurde ihre Mutter von allen nur genannt, auf den Hof schlich, um heimlich auf dem Heuboden über dem Pferdestall ihre Welpen Nelly, Max und Shorty zur Welt zu bringen, hatte sie noch nicht gewusst, ob sie bleiben konnte. Die kleine Familie gesellte sich schließlich zu den beiden Hofkatzen und sie wurden alle freundlich empfangen. Anfangs war Tinka den Menschen gegenüber etwas misstrauisch gewesen, da sie wild geboren wurde und bisher nur ihre Freiheit kannte. Doch die bereits vorhandenen Katzen sowie die gut gefüllten Futternäpfe und die freundlichen Worte der Menschen sorgten für Vertrauen. Im Laufe der Zeit kamen noch viele streichelnde Hände dazu, sodass Tinka und ihre Welpen den Hof nicht mehr verließen. Allerdings schaute von Zeit zu Zeit Humpelkater vorbei, der aufgrund seines Handicaps einer steifen Pfote, welche er sich bei einem Unfall zugezogen hatte, manchmal etwas launisch war. Oftmals spielte er Verstecken mit den kleinen Katzen und sie liebten es, wenn er sie in ihrem vermeintlich sicheren Versteck aufspürte. Mit eng nach hinten anliegenden Ohren sausten sie dann flach geduckt an dem großen stattlichen Kater vorbei, dabei noch schnell ein paar Haken schlagend, um erst bei der nächsten Abbiegung zurückzuschauen, ob der etwas träge Kater die Verfolgung aufgenommen hatte. Meist war er dann nicht mehr zu sehen, denn Humpelkater war schlau: Er kannte den Reiterhof seit Jahren und jedes Loch und jede noch so kleine Abkürzung nutzte er zu seinem Vorteil. Was waren der Schrecken und das Gekreische groß, wenn er wie durch Zauberhand auf einmal wieder vor den jungen Kätzchen auftauchte, gerade als sie meinten im neuen Versteck angekommen ein wenig von dem vorherigen Spurt verschnaufen zu können. Nelly hatte etwas Angst vor Humpelkater und war froh, wenn dieser nicht sie, sondern ihre Brüder verfolgte. Auch heute sahen sie das graubraun getigerte Fell schon von weitem. Bevor die drei Geschwister allerdings Humpelkater sahen, hörten sie ihn bereits seine grummeligen Selbst-gespräche führen: „Murr, mau, mauh, murr“, brabbelte er vor sich hin. „Oh je, Humpelkater hat heute wieder schlechte Laune! Nichts wie weg!“ Ehe sich Nelly versehen konnte, waren ihre beiden Brüder auch schon verschwunden.


In der Tat: Der Kater war übel gelaunt. Als er heute Morgen seinen Napf besucht hatte, um zu frühstücken, war dieser bis auf ein paar winzige Krümel leer gewesen. Da hatte der freche Igel doch schon wieder sein Futter geklaut. Außerdem schmerzte Humpelkater durch die ungleichmäßige Fortbewegung mit der steifen Pfote manchmal der leicht gekrümmte Rücken – so auch heute. Der Tag hatte schlecht begonnen und die drei vorwitzigen Racker, gerade einmal vier Monate alt, sollten ihm jetzt bloß nicht auf der Nase rumtanzen. Nelly schaute sich ratlos um, wo sollte sie bloß hin? Aus den Augenwinkeln sah sie gerade noch Max und Shorty zurück zum Pferdestall rasen und durch das kleine Loch in der Tür, das extra für die Katzen eingesägt worden war, verschwinden. Zu spät, durchfuhr es Nelly. Der griesgrämige Kater hatte sie schon erspäht und verharrte regungslos, das Zucken der weißen Schwanzspitze verriet sein Missbehagen und Nelly ahnte nichts Gutes. Sie hielt die Luft an, aus Angst, ihr Atem könnte sie verraten und zog es vor, langsam im Rückwärtsgang, vorsichtig, ganz vorsichtig – eine Pfote nach der anderen – fast schon im Schneckentempo nach hinten aus der Richtung, aus der sie eben noch gekommen war, davonzuschleichen, um sich dann plötzlich und ohne Vorwarnung umzudrehen und mit großen Sprüngen dem naheliegenden Feld entgegenzulaufen. Hier hoffte sie, sich im Dickicht des Feldrandes verstecken zu können. Doch heute war alles anders. Humpelkater rannte Nelly so schnell, wie sie ihn noch nie erlebt hatte hinterher – die Ohren dicht am Kopf anliegend. Seiner Kehle entwich ein fürchterliches Fauchen. Nelly lief so schnell sie konnte, weiter, immer weiter durch das Feld, welches sie inzwischen schon lange erreicht und in dem sie zwischendurch sogar schon die Richtung gewechselt hatte. Humpelkater war ihr immer noch auf den Fersen, sie spürte es genau, hörte sein drohendes Grollen und wagte es somit nicht, auch nur eine Sekunde anzuhalten. Endlich, nach endlosen erscheinenden Minuten, ihre Beine waren nach der Anstrengung schon ganz lahm, Dreck und Staub hatten sich auf ihrem Gesicht verteilt und im Fell haftete die eine und andere kleine Klette, wagte sie, das Tempo zu verringern und einen Blick zurück zu werfen. Humpelkater war nicht mehr zu sehen. Puh, Nelly erreichte eine kleine Wiese und ließ sich dort erschöpft, aber erleichtert durchatmend nieder. Das war knapp. Ich bleibe jetzt besser erstmal eine Weile hier und warte ab, bis ich sicher bin, damit Humpelkater mir nicht mehr begegnen kann, ehe ich mich auf den Rückweg mache, dachte sie noch.


Soweit reichte ihre Erinnerung und nachdem sich Nelly genüsslich gestreckt hatte benötigte sie noch ein wenig Zeit, um richtig wach zu werden. Sie sah freudig dem Schmetterling und den Hummeln nach, als ein Knacken sie erschreckt aufhorchen ließ. Die Erlebnisse des Morgens kamen ihr ins Gedächtnis. Ich muss hier weg, dachte sie und machte sich auf in die Richtung, aus der sie vermeintlich gekommen war. Komisch, die großen alten Bäume waren ihr auf dem Hinweg gar nicht aufgefallen. Die kleine Katze war sich aber trotzdem sicher, dass sie dieses Gebüsch mit den weißen Blüten bei der Flucht vor Humpelkater gekreuzt hatte. Sie trabte frohen Mutes los, denn Nelly überkam plötzlich eine tiefe Sehnsucht nach ihren Geschwistern Max und Shorty. Nach einiger Zeit blieb sie verwirrt stehen. Hier kam ihr alles unbekannt vor und es roch auch völlig fremd. Die Geräusche klangen ebenfalls anders, kein vertrautes Wiehern der Pferde, keine Kinderstimmen und auch kein tuckerndes Motorengeräusch des Treckers waren zu hören. Nelly hatte sich auf dem Weg zurück zum Pferdestall verirrt.


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