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Tierbücher
Buch Leseprobe Reitstall Trautberg, Martina Sein
Martina Sein

Reitstall Trautberg


Ein aufregender Winter

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Tana und Sabine „Entschuldigung bitte“, sprach eine junge, unbekannte Frau Marina an. Diese kam gerade aus der Wohnung über dem Stall und wollte zu den Pferden. Sie musterte die Fremde. Sie war kaum größer als sie selbst, hatte fast schwarze Haare und dunkelbraune Augen. Marinas war sie sofort sympathisch. Was sie wohl hier suchte? Es hatte sich niemand angekündigt, der wegen der noch leer stehenden Boxen kommen wollte. So fragte sie höflich: „Wie kann ich Ihnen denn helfen?“ Die Unbekannte lachte und gab zurück: „Du kannst ruhig du zu mir sagen. Ich heiße Sabine. Meiner Mutter gehört ein Pferd in eurem Stall, die Tana.“ Sie streckte Marina die Hand entgegen. Das Mädchen ergriff sie sofort und erwiderte: „Hallo Sabine, ich bin die Marina. Mein Papa führt den Stall hier seit einigen Monaten.“ „Die Sache ist die“, fuhr Sabine fort, „Meine Mutter musste ins Krankenhaus. Daher soll ich mich jetzt um Tana kümmern.“ „Was fehlt deiner Mutter denn? Hoffentlich nichts Schlimmes?“, erkundigte Marina sich. „Na ja, wie man es nimmt. Sie braucht eine künstliche Hüfte. Probleme hat sie damit schon sehr lange. Aber sie hat das einfach immer ignoriert. Jetzt ist es so schlimm geworden, dass ihr gar keine andere Wahl mehr blieb“, erklärte Sabine. Marina wollte wissen: „Kannst du denn reiten?“ Sabine nickte eifrig und erklärte: „Weißt du, ich hab mit acht Jahren angefangen. Meine Mutter und ich haben uns sozusagen das Pferd geteilt. Wir haben die Tana schon als Dreijährige gekauft, sie war gerade erst zugeritten. Aber dann kam die Pubertät, und mein Interesse an Pferde ist irgendwie in den Hintergrund getreten. Jetzt möchte ich meine Mutter natürlich nicht hängen lassen. Außerdem freue ich mich richtig darauf, wieder mit dem Reiten anzufangen.“ „Bist du eher Hallen- oder Wald- und Wiesenreiter?“, fragte Marina. „Am liebsten raus in die Natur“, antwortete Sabine. Da forderte Marina sie auf: „Wenn das so ist: ich wollte eh gerade einen Ausritt mit Rocky machen. Den darf ich bewegen, solange sein Besitzer in der Berufsschule in Kiel feststeckt. Komm doch gleich mit!“ „Ich bin dabei. Du musst mir nur zeigen, wo ich alles für Tana finde. Als ich sie noch geritten habe, stand sie in einem anderen Stall“, erklärte Sabine. „Na, nichts leichter als das“, rief Marina vergnügt und lief Sabine voraus in den Stall. In der letzten Box auf der rechten Seite stand Tana. Es handelte sich um eine schwarz-weiß gefleckte Pintostute. Sie mochte etwa 1,55 Meter groß sein. Ihr Kopf war schwarz mit einer gleichmäßigen weißen Blesse. Hier im Stall war sie mit Sicherheit das auffälligste Pferd. Marina fand sie wunderschön mit ihrem zweifarbigem Fell und dem edlen kleinen Kopf. „Was ist Tana eigentlich für eine Rasse?“, erkundigte Marina sich. „Das hab ich mich schon öfter gefragt“. „Die ist eine Mischung aus Araber und Trakehner“, erklärte Sabine. „Vom Araber hat sie eindeutig die Kopfform und manchmal auch ein gewisses Gehabe.“ „Eine ganz Hübsche! Eigentlich schade, dass wir nicht mehr Schecken hier im Stall haben.“ Sabine öffnete die Boxentür und begrüßte Tana nun. Die Stute kannte sie eindeutig. „Jetzt kümmere ich mich wieder um dich, meine Schöne“, sprach Sabine leise mit dem Pferd. „Wir machen gleich einen Ausritt. Was hältst du davon?“ „Warte eine Sekunde! Ich hole Rocky, dann können wir die beiden zusammen vorne putzen“, schlug Marina vor. Sie lief die Stallgasse zurück bis zur zweiten Box links. Dort stand Rock Bill, von jedem Rocky genannt. Der Dunkelbraune kam sofort an die Tür, als er sah, dass Marina zu ihm ging. Willig ließ er sich sein Stallhalfter über den Kopf streifen und folgte dem Mädchen. Inzwischen hatte Sabine Tana aus deren Behausung geholt. Sie folgte Marina und Rock Bill nach links bis ganz ans Ende der Stallgasse. Hier waren auf der rechten Seite zwei Putzstände, wo sie die Pferde nun festbanden. „Gleich hier ist die Sattelkammer. Die Sachen sind alle namentlich beschriftet“, erklärte Marina. Sabine nahm den Putzkasten von Tana und ging damit zurück. Gemeinsam striegelten sie die Pferde, kratzten ihre Hufe aus und bürsteten Mähnen und Schweife. Bald darauf waren beide Tiere gesattelt und gezäumt. Marina ging mit Rock Bill voran und führte ihn aus dem Stall. Dort saßen sie auf und ritten im Schritt los. „Eine schöne Anlage habt ihr hier“, bewunderte Sabine. „Mein Opa hat sie aufgebaut. Er war selbst jahrelang aktiver Reiter. Als er älter wurde, hatte er das hier dann nur noch als Pensionsstall betrieben. Und letzten Sommer hat er sich dann in den Ruhestand verabschiedet. Wobei, so ganz stimmt das nicht. Wenn er nicht gerade mit Oma eine Reise oder eine Kur macht, ist er eigentlich doch den ganzen Tag hier. Meine Schwester Corinne und ich kriegen Reitunterricht von ihm“, sprudelten die Informationen nur so aus Marina heraus. Sabine hakte nach: „Aber eigentlich ist dein Vater jetzt hier der Chef, oder?“ „Ja, in den Sommerferien sind wir dann hierher gezogen. Über dem Pferdestall ist eine Wohnung, weißt du. Da haben vorher meine Großeltern drin gelebt und jetzt wir“, erklärte Marina weiter. „Und was macht deine Mutter? Hilft sie auch bei dem Betrieb hier mit?“, fragte Sabine. Marina verzog das Gesicht, als hätte sie in eine Zitrone gebissen. Dann erwiderte sie: „Nein, ganz im Gegenteil. Meine Eltern haben sich mit dem Umzug getrennt. Meine Mutter hatte ein Jobangebot in Hamburg. Sie wollte mit Papa und uns Vieren dahin. Ich habe nämlich noch zwei ältere Schwestern. Aber Papa hat darauf bestanden, dass er den Hof übernimmt. Das war das Ende der Ehe, und jeder ist seiner Wege gegangen. Einen Haken musste die Sache ja haben. Das ist aber auch der einzige. Weißt du, ich wollte schon immer am liebsten hier wohnen. Aber Mama hat es überhaupt nicht mit Tieren im Allgemeinen und Pferden im Speziellen.“ „Dann hast du drei Schwestern?“, erkundigte Sabine sich weiter. „Ja, die zwei Älteren sind mit Mama nach Hamburg gegangen. Katja studiert da seit Kurzem Medizin. Nina ist noch in der Schule. Und dann ist da eben auch noch Corinne. Die ist zwei Jahre jünger wie ich. Für sie kam Hamburg genauso wenig infrage wie für mich“, berichtete Marina. Sie waren inzwischen ein gutes Stück weit gekommen. „Wollen wir ein bisschen traben?“, fragte Marina. Sabine nickte. „Gute Idee. Mal sehen, ob ich es überhaupt noch kann.“ „Aber klar. Mein Papa hat zu mir gesagt, das ist wie Fahrrad fahren, man verlernt es nicht.“ Sie trieben die Pferde an und trabten am Wiesenrand entlang. Marina hatte gestern keine Zeit gehabt, Rock Bill zu reiten. Dieser griff nun weit aus und legte ein gehöriges Tempo vor. Marina stellte ihn an den Zügel, saß den Trab aus und ließ ihn ein paar Mal leicht seitwärts gehen. Doch auch Tana hatte gleich mehrere Stehtage gehabt. Sie legte sich auf den Zügel und wollte schneller. Sie hatte ihre Rechnung aber nicht mit Sabine gemacht. Die junge Frau konnte wahrlich reiten. In kürzester Zeit hatte sie ihr Pferd perfekt unter sich versammelt. Tana kaute wie eine Verrückte auf der Trense. Schaum tropfte von ihrem Maul. Dennoch fügte sie sich den Wünschen ihrer Reiterin. „Na, die beiden sticht ganz schön der Hafer“, rief Marina. „Rocky hat gestern gestanden, und Tana war schon eine ganze Weile immer nur die paar Stunden täglich auf der Koppel.“ Sabine gab ihr Recht: „Allerdings. Wenn ich der Madame hier jetzt die Zügel lang ließe, würde sie wahrscheinlich rennen, bis ihr die Puste ausgeht. Bin mal gespannt auf den ersten Galopp.“ Sie musste nicht lange warten. Bald kamen die beiden zu einem Weg, der geradezu einlud. So schlug Marina vor: „Was meinst du, wollen wir hier einen Galopp probieren?“ „Von mir aus gerne. Die Dame hier muss echt Dampf ablassen. Praktisch, dass es bergauf geht, da wird sie bald außer Puste sein“, gab Sabine zurück. Nach einem weiteren kurzen Trab gab Marina die Galopphilfe. Rock Bill wechselte sofort in die gewünschte Gangart. Gerne wäre er schneller gelaufen, doch Marina ließ es nicht zu. Sabine ihrerseits trabte noch ein kurzes Stück hinter dem Dunkelbraunen her, dann galoppierte auch sie ihr Pferd an. Wie zu erwarten, schoss Tana erst einmal los. Doch Sabine gelang es schnell, die Stute wieder unter Kontrolle zu bringen. So liefen die beiden ungleichen Pferde nebeneinander her. Trotz der haltenden Hilfen ihrer Reiter wurden sie langsam schneller. Als der Berg etwas steiler wurde, bekamen sie ihren Willen. Sie durften laufen, so schnell sie wollten. Tana nutzte das sofort aus. Sie schoss davon, als gelte es ein Rennen zu gewinnen. Rock Bill brauchte einen Moment, bis er begriff, dass seine Artgenossin ihn gerade abhängte. Doch dann legte auch er an Tempo zu. Die gescheckte Stute war zwar klein, doch sie konnte die Frequenz ihrer Galoppsprünge erstaunlich steigern. Das war für den Reiter nicht besonders angenehm, brachte jedoch eine erhebliche Geschwindigkeit. Und mit dieser konnte Rock Bill nicht mithalten. Der Weg ging nun in eine Kurve und die ersten Bäume des Waldes, der hier stand, begannen. Tana wurde ganz von selbst langsamer. Marina musste Rock Bill auf den letzten Metern sogar noch antreiben, damit er weiter galoppierte. Als sie zum Schritt durchpariert hatten, schnauften beide Pferde schwer. „Wow! Das war ein Galopp!“, rief Marina, die selten wirklich schnell ritt. Dafür war sie einfach zu ängstlich und vorsichtig. Doch Sabine lachte: „Ja, die Tana kann schon laufen. Früher haben wir oft Wettrennen gemacht, wenn ich mit Freunden ausgeritten bin. Und egal, wie groß die Pferde waren, meistens hat Tana sie abgehängt.“ „Hast du da keine Angst, sie könnte mal stolpern, und ihr stürzt dann beide?“, fragte Marina. Doch Sabine, die plötzlich vor Eifer ein ganz rotes Gesicht bekommen hatte, schüttelte den Kopf: „Einfach nicht drüber nachdenken! Dazu macht es viel zu viel Spaß, sie mal richtig laufen zu lassen.“ Tatsächlich hatten die Pferde sich nun ausgetobt und gingen ganz zufrieden am langen Zügel durch den Wald. Hin und wieder war ein Schnauben zu hören. Marina und Sabine verstanden sich auf Anhieb. Obwohl Sabine fünf Jahre älter war, hatten die beiden sich eine Menge aus ihrem Leben zu erzählen. „Was machst du eigentlich beruflich?“, fragte Marina. „Ich bin Köchin“, gab Sabine zurück. „Das ist jetzt sehr praktisch. Ich muss nämlich erst mittags anfangen. Ich denke, ich werde es schon drei Mal die Woche schaffen, die Tana zu reiten.“ „Schade“, murmelte Marina. „Vormittags bin ich in der Schule. Sonst könnte ich ja mitkommen.“ „Ich komme bestimmt auch am Wochenende“, beruhigte Sabine sie. „Dann können wir gemeinsam reiten. Lass uns im Stall doch Handynummern austauschen!“ Dieser Vorschlag gefiel Marina. „Gute Idee.“ Obwohl das Wetter heute trüb war, hatte Marina ausgezeichnete Laune. Das war, seit Timo weg war, der erste Ausritt, der so richtig Spaß machte. Timo war der Besitzer von Rock Bill. Doch darüber hinaus hatte Marina sich in ihn verliebt. In den Herbstferien waren sie ein Mal zusammen ausgegangen. Timo machte gerade eine Ausbildung in einer Computerfirma und musste dazu eine zentrale Berufsschule für ganz Deutschland besuchen. Und diese lag ausgerechnet am anderen Ende des Landes in Kiel. Timo hatte dort Verwandte, bei denen er während dieser Zeit wohnen konnte. Doch zu Weihnachten würde er heimkommen. Dann konnten sie endlich wieder zusammen reiten. Natürlich ritt Marina auch mit ihrer Schwester Corinne aus. Doch seit es Timo in ihrem Leben gab, zog diese sie gerne mit ihrer Verliebtheit auf. Außerdem hatte Marina eine gute Freundin, Emilia. Die hatte eine Reitbeteiligung auf einem der Pferde in Papas Stall. Doch Klausi, das Pferd, das sie reiten durfte, war groß, schwer und kräftig. Emilia nahm auf ihm Reitstunden bei Papa. Seitdem war sie viel besser geworden. Doch wenn der großrahmige Wallach im Gelände einmal loslegte, gab es kein Halten mehr. Daher ritten die Freundinnen eher vorsichtig. Sie erreichten wieder den heimatlichen Stall. Marina meinte: „Das war richtig schön. Müssen wir unbedingt wieder machen.“ „Ich bin dabei“, entgegnete Sabine. „Jetzt verstehe ich gar nicht mehr, warum ich mit dem Reiten überhaupt aufgehört habe. Schön blöd von mir. Ich habe diesen Ausritt echt genossen. Und Tana hat er auch gut getan. Meine Mutter hat sie bestimmt schon lange nicht mehr richtig laufen lassen.“ Wie verabredet tauschten die beiden ihre Handynummern aus. Sie beschlossen, gleich am nächsten Wochenende wieder zusammen zu reiten.


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