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Tierbücher
Buch Leseprobe Reitstall Trautberg, Martina Sein
Martina Sein

Reitstall Trautberg


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Schreck am Nachmittag


 


Da! Endlich ertönte die Glocke. Die Schule war für heute zu Ende. Noch dazu war Freitag. Marina packte ihre Tasche und rannte aus dem Klassenzimmer. Wenige Minuten nach Unterrichtsschluss fuhr der Bus nach Hause. Marina war unter den Ersten, die einstiegen. Wie immer hielt sie Plätze für ihre Schwester Corinne und ihre Freundin Emilia frei. Bereits auf der Heimfahrt drehte sich alles um das Lieblingsthema der drei Mädchen: Pferde! Marinas und Corinnes Vater hatte einen Reitstall, in dem mittlerweile dreiundzwanzig Boxen vermietet waren. Dazu kamen noch drei Zuchtstuten, die ihm selbst gehörten und ein Offenstall mit Isländern. „Was meint ihr, macht das Wetter? Solange es nur stürmt, können wir doch morgen ausreiten, oder?“, fragte Corinne. Marina antwortete: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung. Klar reiten wir morgen!“ Doch Emilia schüttelte den Kopf. „Heute habe ich ja eh noch Reitstunde bei eurem Papa. Und bei dem Sturm traue ich mich mit dem Klausi nicht ins Gelände. Wenn der wieder vor irgendetwas erschrickt, geht er mir durch. Da werde ich nicht mit ihm fertig.“ Wenn man aus dem Fenster sah, war sofort klar, dass ein heftiger Wind wehte. Die Äste der Bäume bewegten sich stark. Schnell verloren sie ihr Laub. Es war ganz eindeutig: Der Herbst war da. Vor einem Monat hatte die Schule wieder begonnen. Für Marina und Corinne hieß das gleichzeitig eine neue Umgebung, da sie Anfang der Sommerferien erst von München nach Utting gezogen waren. Die Eltern der Schwestern hatten sich getrennt, weil Mama ein Jobangebot in Hamburg bekommen, während Papa jedoch den Stall von Opa übernommen hatte. Es gab noch zwei weitere Schwestern: Katja studierte bereits Medizin in Hamburg. Nina war ebenfalls mit Mama umgezogen und besuchte jetzt dort ein Gymnasium. Dieser Teil der Familie interessierte sich überhaupt nicht für Pferde. Das war ein Umstand, den Marina und Corinne nie verstehen würden. Was gab es denn Schöneres? Da hatten sie auch schon ihre Haltestelle erreicht. Zu dritt stiegen sie aus und liefen zum Stall. Emilia kam freitags fast immer mit zu den Schwestern, da sie am Nachmittag eine Reitstunde bei Papa hatte. Sie hatten sich zufällig bei einem Ausritt kennengelernt, als Klausi, Emilias Reitbeteiligung, durchgegangen war und Marina ihn aufgehalten hatte. Klausi war ein riesiger Hannoveraner, ein Fuchs mit weißer Blesse und hinten weißen Strümpfen. Es gab kaum einen unpassenderen Namen für dieses Pferd. Wie es der Zufall wollte, suchte Herr Ehligmann, der Besitzer von Klausi gerade einen neuen Stellplatz. Und in Papas Stall waren noch Boxen frei. Seit diesem Tag hatte sich eine tiefe Freundschaft zwischen den Mädchen entwickelt. Der Wind wehte Marina die langen Haare ins Gesicht. Es war nicht sonderlich gemütlich draußen. Im Stall würde das anders sein: Die Wärme der Pferde, ihr Geruch und die Geräusche, die sie von sich gaben. Da konnte es draußen heulen, was es wollte. Allerdings würde in der Reithalle ziemlich viel los sein. Zu Hause angekommen aßen die Mädchen, was Oma gekocht hatte. Die Großeltern wohnten nur fünf Gehminuten entfernt in einem kleinen gemütlichen Bungalow. Und Oma hatte es sich auf die Fahne geschrieben, ihren Sohn und die Enkelinnen zu bekochen. Heute gab es Allgäuer Käsespatzen. Sie schmeckten herrlich und machten durch den reichlichen Käse schnell satt. Oma hatte eine ganze Pfanne Zwiebeln gebraten und dazu serviert. Doch die war schnell leer. Da klingelte das Telefon. Marina nahm das Gespräch entgegen. Es war Ronya, die Besitzerin von Everlasting Love. In den Ferien hatte Marina die Stute zwei Wochen gepflegt und geritten, weil Ronya mit ihrer Freundin Babsi im Urlaub war. Dieser gehörte der Wallach Bravado. „Marina! Kannst du deinen Papa fragen, ob er uns mit dem Transporter abholt? Babsi und ich sind ausgeritten und jetzt steht Love total steif da und kann sich nicht mehr bewegen!“ Ronyas Stimme zitterte. „Oh Gott!“ schoss es Marina durch den Kopf. Hoffentlich ist das nichts Schlimmes! Sie versicherte: „Ich ruf dich sofort zurück. Ich muss nur schnell schauen, wo Papa ist.“ „Ja, ist gut. Danke!“, stammelte Ronya. Schnell unterrichtete Marina die anderen beiden. Sie machten sich auf die Suche und fanden Papa im Stall, wo er gerade Helene, seine erste Zuchtstute, striegelte. Aufgeregt erzählte Marina, was Ronya gesagt hatte. „Klingt nach Kreuzverschlag“, meinte Papa. „Gib mir das Telefon, ich rufe Ronya gleich selbst an. Hol schon mal eine warme Decke aus der Sattelkammer! Die nehmen wir mit.“ Kurz darauf waren Papa und Marina unterwegs. Erst vor zwei Wochen hatte Papa sich einen eigenen Pferdeanhänger gekauft. Er war es leid gewesen, immer einen der Pferdebesitzer fragen zu müssen, wenn er eines seiner Tiere transportieren musste. Und dann hatte günstig einer im Internet gestanden. Sie fanden Ronya und Babsi mit ihren Pferden mitten auf einem Feldweg stehend. Bravado fraß Gras, das am Wegrand wuchs. Hier blies der Wind ungehindert. Mit einem Satz war Papa aus dem Auto gesprungen und zu Everlasting Love gegangen. „Die Decke, Ina!“, rief er. Marina hatte die zusammengerollte Pferdedecke im Auto auf dem Schoß gehalten. Nun reichte sie diese Papa. Schnell nahm er den Sattel ab und deckte die Stute ein. Sie stand mit seltsam aufgewölbtem Rücken da. Der Sattel wurde im Kofferraum verstaut. „Fährst du auch mit?“, fragte Papa Babsi. Diese nickte: „Ohne Bravado geht Love eh nicht in den Hänger.“ „Dann leg deinen Sattel auch ins Auto!“, schlug Papa vor. Marina nahm die Zügel des braunen Wallachs, während Babsi ihn absattelte. Dann öffnete Papa die Klappe des Transports und Babsi führte ihren Bravado hinein. An der Rampe zögerte er etwas, doch dann folgte er seiner Besitzerin vertrauensvoll. Bei Everlasting Love wurde es schon schwieriger. Die Stute hatte große Schmerzen und war kaum zu einem Schritt zu bewegen. Sie brauchten allein zehn Minuten, um sie überhaupt hinter den Anhänger zu führen. Als sie dann aber einsteigen sollte, stemmte sie alle vier Beine vehement in den Boden und weigerte sich. Ronya zog vorne an den Zügeln, Marina stemmte schon an der rechten Pobacke, Babsi an der linken und Papa von hinten. So schafften sie den Braunschimmel in winzigen Schritten in den Transporter. Sobald die Klappe geschlossen war, schlug Everlasting Love mit den Vorderhufen gegen die Wand. „Sehen wir zu, dass wir heimkommen!“, rief Papa. „Ruf schon mal die Tierärztin an! Die muss so schnell wie möglich kommen. Hier ist mein Handy, da ist die Nummer gespeichert“ Ronya nickte und nahm das Gerät entgegen, als sie im Auto saß. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass sie fast eine Stunde gebraucht hatten, um die Pferde zu verladen. Sehr vorsichtig fuhr Papa nun den Feldweg entlang. Bald konnte er auf die Landstraße einbiegen. Zu Hause manövrierte er den Anhänger geschickt so, dass die Pferde direkt in den Stall gelangten beim Aussteigen. Corinne und Emilia hatten dort gewartet und standen nun bereit, um zu helfen. Babsi führten Bravado wieder als Ersten heraus. Dann versuchte Ronya ihr Glück. Everlasting Love wollte unbedingt aus dem Transporter heraus. Doch ihre Schmerzen ließen keine schnellen Bewegungen zu. Corinne und Emilia sahen geschockt aus. Wahrscheinlich hatte Marina genauso dreingeschaut, als sie bei den Pferden angekommen waren. Endlich stand Everlasting Love auf der Stallgasse. Doch sie musste ja auch noch in ihre Box. Die Schmerzen und die Steifheit waren so schlimm, dass die Stute nur alle paar Minuten zu einem einzigen Schritt zu bewegen war. Sie hatten die Box noch nicht ganz erreicht, da traf die Tierärztin ein. Sie war eine Frau mittleren Alters, groß und schlank mit wachsamen grünen Augen und hellbraunen Haaren. Sie hieß Karin Schmittges. Alle hier im Stall kannten und mochten sie. Wahrscheinlich hatte sie bereits jedes Pferd schon mindestens einmal behandelt und war mit den Besitzern per Du. „Hallo alle zusammen“, rief sie gut gelaunt. „Hallo Karin, danke, dass du so schnell kommen konntest“, erwiderte Papa. Karin warf einen Blick auf die kranke Stute, die gerade so weit war, dass sie den Kopf zur Boxentür hereingestreckt hatte. „Wie lange ist sie schon in dem Zustand?“ Ronya überlegte kurz und fragte dann: „Marina, wann hab ich dich angerufen?“ Marina warf einen schnellen Blick auf ihre Uhr, dachte kurz nach und gab zurück: „Muss so vor zweieinhalb Stunden gewesen sein.“ „Wir waren mitten auf einem Ausritt. Mit einem Mal ist sie stehen geblieben und war zu keinem Schritt mehr zu bewegen“, erzählte Ronya. Karin nickte: „Ja, das ist typisch für einen Kreuzverschlag. Der kommt ohne jede Vorwarnung. Da kann man auch gar nichts dagegen machen.“ Es dauerte noch weitere zwanzig Minuten, ehe Everlasting Love endlich in ihrer Box stand. „Das habt ihr sehr gut gemacht, dass ihr sie gleich eingedeckt und nach Hause gebracht habt“, lobte Karin. „Wärme ist nämlich das Allerwichtigste bei dieser Krankheit. Sie wird die Decke den ganzen Winter tragen müssen - auch im Stall.“ „Emilia, hast du Klausi schon fertig?“, fragte Papa da. Das Mädchen erschrak. „Oje, an die Reitstunde hab ich gar nicht mehr gedacht“, stammelte sie. „Wir helfen dir schnell“, bot Corinne an. „Hier stehen wir sowieso nur im Weg herum. Dann seid ihr in ein paar Minuten in der Halle.“ Papa nickte. „In Ordnung, wir treffen uns in einer viertel Stunde da. Dann kriegen wir das mit dem Unterricht noch hin.“ Die drei Mädchen zogen sich leise mit einem letzten Blick auf die kranke Stute zurück und begaben sich zu den Außenboxen. Emilia führte den großen Fuchs heraus und brachte ihn zum Putzstand. Die Schwestern holten währenddessen Striegel, Hufkratzer und Sattelzeug. Sie nahmen es heute nicht sehr genau. Marina und Emilia befreiten nur die Sattellage und den Kopf gründlich von Schlammspuren, da Klausi sich auf der Koppel gewälzt hatte. Gleichzeitig kratzte Corinne die Hufe aus. Schon konnten sie satteln und trensen. Corinne öffnete das Tor und rief: „Tür frei bitte!“ Von drinnen kam die Antwort: „Tür ist frei!“ Emilia zog Klausi hinter sich her und führte ihn in die Mitte des Zirkels. Während das Tor offen gewesen war, hatte Herr Thiem seinen dunkelbraunen Wallach, Paolo, auf dem hinteren Zirkel traben lassen. Nun kam er heran. „Das passt gerade gut. Marina, würdest du Paolo für mich trocken reiten? Dann ist die Halle leer für die Stunde.“ Marina nickte und übernahm das Pferd. Auch Emilia war mittlerweile in Klausis Sattel gestiegen. Sie ließen ihre Pferde am langen Zügel nebeneinander gehen. Corinne lief mit. So konnten sie sich noch ein wenig unterhalten. Die Sache mit Everlasting Love wühlte sie natürlich alle auf. „Habt ihr schon einmal von Kreuzverschlag gehört?“, fragte Emilia. „Ich hab mal was darüber gelesen. Aber genau weiß ich auch nichts. Ist aber wohl schon was Schlimmeres. Arme Love!“, gab Marina zurück. „Hoffentlich wird sie wieder gesund“, stimmte Corinne zu. „Sie kann sich ja gar nicht mehr bewegen.“ „Unsere Karin wird sie schon wieder hinbekommen“, warf Marina hoffnungsvoll ein. Corinne nickte: „Ja, ein Glück, dass wir sie haben. Sie kommt zu jeder Tag- und Nachtzeit und hat immer gute Laune.“ „Wohl wahr!“, bestätigte Marina. Emilia meinte: „Ich habe sie hier noch nie gesehen.“ „Das liegt nur daran, dass wir die letzte Zeit echt Glück hatten und sie bloß mal zum Impfen da war. Das letzte kranke Pferd war Randy, wenn ich mich richtig erinnere. Und die war ja Anfang der Ferien schon fast wieder fit“, erzählte Marina. „Ich trabe mal eine Runde, dass der Dicke hier aufwacht. Ich glaube, der hält seinen Mittagsschlaf unter dem Sattel“, meinte Emilia und trieb ihr Pferd an. Marina wechselte auf den zweiten Hufschlag und ließ Paolo zur Abwechslung auf der anderen Hand gehen. Dann kam Papa herein und begann den Unterricht. Marina saß ab und führte ihr Pferd in den Stall, um es zu versorgen. Corinne begleitete sie. Der Dunkelbraune war nur noch ein wenig feucht, so bekam er seine Abschwitzdecke aufgelegt, bevor er in die Box durfte. Der Nachmittag war bereits so weit fortgeschritten, dass es sich nicht mehr lohnte, ihn noch einmal auf die Koppel zu bringen. Als alles aufgeräumt war, gingen die Mädchen wieder zu Everlasting Loves Box, in der immer noch Karin dabei war, die Stute zu behandeln.


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