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Tierbücher
Buch Leseprobe Reitstall Trautberg, Martina Sein
Martina Sein

Reitstall Trautberg


Ein neues Leben beginnt

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Der Streit


 


Mama und Papa kamen gerade zur Türe herein, sie waren am Nachmittag bei Oma und Opa gewesen, den Eltern von Papa. Diese betrieben einen Reitstall. Genau genommen betrieb Opa den Reitstall, kümmerte sich um die Pferde, sorgte dafür, dass jemand da war, der fütterte und mistete (er selbst konnte das mit seinen über 60 Jahren nicht mehr alleine), und gab auch noch Reitunterricht. Früher hatte Opa sogar eigene Pferde gehabt und war ein begeisterter Reiter gewesen, doch das Alter hatte ihn dazu gezwungen, diese Leidenschaft an den Nagel zu hängen. So hatte er nur noch Einsteller, betrieb also einen Pensionsstall. Oma dagegen kümmerte sich um den Haushalt der Wohnung, die über dem Pferdestall lag. Und sie erledigte die Buchhaltung und unterstützte Opa überall, wo sie nur konnte. Für ihre vier Enkelkinder, Katja, Nina, Marina und Corinne, waren sie das perfekte Ehepaar, das niemals Streit hatte und zusammen durch dick und dünn ging. Leider sah das bei Mama und Papa anders aus. Sie fanden leicht etwas, über das sie sich uneinig waren. Und in der Regel zog Papa den Kürzeren. Auch jetzt, als sie durch die Wohnungstüre ihrer geräumige Vierzimmerstadtwohnung traten, war sofort klar, dass sie gegensätzliche Meinungen vertraten. „Auf keinen Fall ziehen wir dorthin!“, hörte Marina Mama sagen. „Das ist mein letztes Wort. Ich weiß gar nicht, wie du auch nur auf die Idee kommst, das von mir verlangen zu wollen. Und an die Kinder denkst du auch nicht!“ Papa erwiderte: „Doch, gerade an die Kinder denke ich. Die hätten es viel besser, wenn sie nicht zwischen grauen Hauswänden und Verkehrslärm aufwachsen würden!“ „So ein Unsinn!“, erboste sich Mama. „Viele Kinder wachsen so auf. Und sie haben bei Weitem die besseren Bildungs- und Berufsaussichten. Was sollen sie denn in dieser Pampa, in der deine Eltern leben, groß lernen?“ „Falls es dir aufgefallen ist, ich habe dort auch gelebt, habe dort mein Abitur gemacht und bin dann studieren gegangen“, konterte Papa wieder. „Und dafür musstest du dann auch in die Stadt ziehen. Hättest es wesentlich einfach gehabt, wärst du dort von Anfang an gewesen.“ Mama gab einfach nicht nach, wie immer. Eigentlich wäre es jetzt langsam an der Zeit gewesen, dass Papa die Argumente oder auch die Lust an diesem Gespräch ausgingen und er aufgab. Doch heute war das anders. „Keine Sekunde meiner Kindheit und Jugend auf dem Hof meiner Eltern möchte ich missen! Du kennst diese Freiheit nicht. Du bist zu bedauern.“ Und damit ließ er Mama stehen. Das war noch nie passiert! „Mama, was ist denn passiert?“, fragte die fünfzehnjährige Marina. Einige Sekunden sah Mama ihre Tochter so an, als verstünde sie gar nicht, wie diese hier sein konnte. Dann antwortete sie: „Opa will in Rente gehen, und Papa soll den Hof übernehmen.“ „Und wo ist das Problem?“, fragte Marina. Das hörte sich doch wunderbar an! „Bleiben Oma und Opa in ihrer Wohnung, oder dürfen wir da einziehen?“ Mama schüttelte den Kopf. Sie hatte alles in ihrer Erziehung versucht, dass ihre Töchter das Stadtleben zu schätzen wussten, hatte ihnen eingebläut, dass Tiere nur Dreck machten und unhygienisch waren. Dass sie daher sogar ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellten. Bei Katja und Nina war ihr das gelungen. Doch die anderen beiden schlugen ganz nach Papa. „Du weißt, dass wir dort nicht hinziehen können. Ich habe hier meine Arbeit und ihr eure Schulen. Von eurer Zukunft ganz zu schweigen. Und das ist mein letztes Wort, also schlag dir diese Idee gleich wieder aus dem Kopf!“ Damit ging Mama in die Küche und begann, das Abendessen herzurichten. Marina ging zu ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Corinne, mit der sie sich ein Zimmer teilen musste. Bald darauf rief Mama zum Essen. Es herrschte eine gespannte Stimmung. Natürlich hatte Marina Corinne von der überraschenden Neuigkeit erzählt. Katja und Nina waren heute nicht zu Hause. Und Mama und Papa schwiegen sich eisig an. Marina spürte, dass es diesmal anders war. Papa hätte normalerweise schon längst eingelenkt, dem Familienfrieden zuliebe. Doch heute beharrte er auf seinen Standpunkt. „Seid ihr mit den Hausaufgaben schon fertig?“, fragte Mama nach dem Essen. „Ja, alles erledigt“, antwortete Marina, und Corinne nickte. „Dann könnt ihr ja die Küche aufräumen.“ Damit erhob sie sich vom Tisch und ging ins Wohnzimmer hinüber. Papa folgte ihr. Marina stieß Corinne mit dem Ellbogen an. „Du, ich hab da so ein komisches Gefühl. Ich glaube, wir sollten schnell ein paar Sachen einpacken, nur das, was wir über das Wochenende brauchten, wenn wir kurzfristig wegfahren würden.“ Corinne nickte. „Wahrscheinlich umsonst, aber lieber auf alles vorbereitet sein. Lass uns das hier ganz schnell machen!“ So rasch war die Küche noch nie von den beiden Mädchen aufgeräumt worden. Anschließend liefen sie in ihr Zimmer, packten Unterwäsche und Oberbekleidung zum Wechseln sowie Zahnputzzeug in ihre Rucksäcke. Kurze Zeit später hörten sie im Flur die Stimme vom Papa. „Ich fahre noch einmal zu meinen Eltern, Rita“, sagte er. „Erwarte nicht, dass ich heute noch zurückkomme.“ Marina und Corinne wechselten einen schnellen Blick, packten ihre Rucksäcke und rissen die Zimmertüre auf. „Wir kommen mit!“, riefen sie wie aus einem Munde. „Kommt überhaupt nicht infrage!“, wies Mama sie zurecht. „Wieso denn nicht? Wir waren schon lange nicht mehr bei Oma und Opa. Und morgen ist Samstag, keine Schule und die Hausaufgaben sind auch schon gemacht“, konterte Corinne. „Trotzdem. Ihr beiden bleibt hier. Ich will nicht, dass ihr da jetzt mitfahrt“, beharrte Mama. Und da geschah etwas, was die Schwestern noch nie erlebt hatten. Papa widersprach Mama: „Ihr habt recht, warum nicht? Packt schnell zusammen, was ihr für ein bis zwei Tage braucht!“ „Nicht nötig!“, rief Marina vergnügt. „Haben wir schon.“ Mama klappte der Mund auf. Sie hatte immer das Sagen gehabt, was den Verbleib ihrer Kinder anging. Nie hatte Papa auch nur ansatzweise Ansprüche gestellt. „Das könnt ihr nicht machen! Dass du gehst, kann ich nicht verhindern. Bitte! Aber die Kinder bleiben hier!“ Kampflos wollte Mama sich nicht geschlagen geben. „Wenn die Kinder mitmöchten, nehme ich sie mit. Dagegen kannst du nichts machen!“, erwiderte Papa ganz ruhig, drehte sich um und ging zur Wohnungstür. Marina und Corinne folgten ihm schnell. Sie sprachen kein Wort, während sie über den mittleren Ring fuhren. Dann drückte Papa Marina sein Handy in die Hand. „Hier, bereite Oma und Opa bitte auf unseren Überfall vor! Sie haben sicher nichts dagegen, sollten aber vorgewarnt sein.“ Nach dem dritten Läuten nahm Oma am anderen Ende der Leitung ab. „Hallo Oma, hier ist Marina“, meldete sich das Mädchen fröhlich. „Ja, Kind, welche Überraschung! Grüß dich!“, antwortete Oma. „Du, ich soll dich vorwarnen, Papa, Cori und ich sind auf dem Weg zu euch.“ „Noch mehr Überraschungen heute. Ich richte euch gleich die Betten her. Wir freuen uns auf euch. Bis gleich!“ „Wir uns auch, Oma. Bis gleich.“ Dann beendete Marina das Gespräch und legte das Mobiltelefon in die Mittelkonsole von Papas Auto. „Und, ist es in Ordnung, dass wir kommen?“, fragte Papa. „Klar, die freuen sich schon auf uns. Oma richtet gleich die Betten her. Würd mich nicht wundern, wenn sie uns sogar noch ein zweites Abendessen serviert“, antwortete Marina. Papa schmunzelte. „Ja, da hast du recht. Die beiden werden glücklich sein, uns heute Nacht bei sich zu haben.“ „Und morgen?“, fragte Corinne vorsichtig. „Was ist mit morgen?“, entgegnete Papa. Corinne erwiderte: „Na, morgen ist doch erst Samstag. Und wenn der Haussegen bei uns eh schief hängt, können wir doch gleich bis Sonntag bleiben.“ „Du bist mir schon eine ganz Schlaue“, sagte Papa lächelnd. „Aber ich würde sagen, darüber reden wir morgen.“ Eine Weile fuhren sie schweigend dahin. Im Radio wurde Musik gespielt. Dreißig Minuten später stellte Papa das Auto auf dem Parkplatz vor der Reithalle ab. Sie passierten die Schranke, die Unbefugten den Zutritt verwehren sollte, gingen an dem langen Gebäude entlang und erreichten die Treppe, die sie zur Wohnungstüre von Oma und Opa führte. Es dauerte ein bisschen, bis Oma die Türe öffnete. Sie sah erhitzt, aber unglaublich jung geblieben aus. „Da seid ihr ja schon, prima“, rief sie erfreut aus. „Herein mit euch! Ich hab noch schnell zwei Blech Pizza in den Ofen geschoben.“ Die drei Gäste betraten den kleinen Vorraum, der als Garderobe diente. Sie entledigten sich ihrer Jacken und Schuhe und begrüßten einander herzlich. Inzwischen war Opa hinter seine Frau getreten. Er strahlte, als er seine beiden geliebten Enkelinnen sah. „So, nun rein mit euch! Bringt eure Sachen in euer Zimmer und kommt dann in die Küche, ja?“, forderte Oma die Mädchen auf. Das ließen sie sich nicht zwei Mal sagen. Unter einer Minute saßen sie an dem massiven Küchentisch und ließen sich ein großes Stück Pizza Margarita auf ihren Teller legen. Es schmeckte herrlich, so wie es eben nur bei Großeltern schmecken konnte. Gemeinsam räumten Marina, Corinne und Oma die Küche auf. Dann holte Opa das Monopoly. Sie spielten und lachten bis nach elf Uhr. Schließlich klatschte Oma in die Hände. „Na, jetzt wird’s aber Zeit fürs Bett, meine Lieben. Ihr wollt doch morgen fit sein und in den Stall können, oder?“ Und wie sie das wollten! Marina war wirklich müde, wie musste es erst Corinne gehen, die ja noch zwei Jahre jünger war und in der Regel eher ins Bett geschickt wurde. Trotzdem lag Marina eine ganze Weile wach und konnte nicht einschlafen. So sehr sie sich freute, unverhofft hierhergekommen zu sein, war ihr doch klar, dass ihr Leben gerade im Begriff war, sich einschneidend zu verändern. Was, wenn Oma, Opa und Papa jetzt noch in der Küche zusammensaßen und Pläne machten? Sie war nicht bereit, dass alles über ihren Kopf hinweg entschieden wurde. Plötzlich war sie wieder hellwach. Entschlossen schlüpfte Marina aus ihrem Bett und schlich zur Türe. Doch Corinne war inzwischen fest eingeschlafen, neben ihr hätte man jetzt ein Feuerwerk zünden können, sie wäre nicht mehr aufgewacht. Genau wie Marina vermutet hatte, saßen die Erwachsenen in der Küche beisammen und unterhielten sich leise. „Nanu? Kannst du nicht schlafen, Schatz?“, fragte Oma, als sie Marina in der Türe entdeckte. Marina schüttelte den Kopf. „Nein, kann ich nicht“, antwortete sie wahrheitsgemäß. Oma lächelte und schlug vor: „Ich könnte dir eine heiße Milch mit Honig machen.“ Doch Marina wollte sich nicht wegschicken lassen. „Nein, danke, Oma. Ich will dabei sein und wissen, was ihr da beredet.“ Oma und Opa tauschten einen Blick, dann meinte Opa: „Ich würde sagen, diese Entscheidung liegt bei deinem Papa.“ „Papa, bitte lass mich dabei sein! Ich weiß doch eh, dass was vor sich geht. Ich bin kein kleines Kind mehr. Und bevor ihr mir eure Entscheidungen dann versucht schonend beizubringen, könnt ihr mich auch gleich hier lassen.“ Eine kleine Weile machte Papa den Eindruck, als wäre er hin- und hergerissen. Dann meinte er: „In Ordnung, vielleicht hast du recht. Setz dich!“ Und er deutete auf einen freien Stuhl. Marina nahm Platz, dann erklärte Papa ihr das, was sie zu Hause eh bereits mitbekommen hatte. Weiter meinte er: „Das war eigentlich schon seit Jahren so geplant. Es ist mein großer Traum, weil ich hier ja auch aufgewachsen bin. Und ich bin nicht bereit, diesen Traum aufzugeben, weil deine Mutter so vehement dagegen ist.“ „Heißt das, dass du dich von Mama scheiden lassen willst?“, fragte Marina. „Von wollen kann keine Rede sein. Aber sie wird nicht mit hierher kommen, befürchte ich. Und ich bin es leid, mein Leben immer nur ihren Wünschen anzupassen. Wenn sie mich vor die Wahl stellt, sie oder das hier“, er machte eine weite Handbewegung, „dann entscheide ich mich hierfür.“ „Kann ich verstehen. Aber was ist mit Katja und Nina?“, wollte Marina wissen. Auch wenn sie wenig Interessen mit ihren älteren Schwestern gemein hatte, so liebte sie diese doch. Ebenso natürlich Mama. Aber es ging ihr wie Papa. Kam es soweit, dass sie sich zwischen ihren Eltern entscheiden musste, wusste sie genau, wie ihre Wahl aussah.“ Nun räusperte sich Opa und sagte: „Wir schmieden gerade Pläne, was Papa aus dem Reitstall machen könnte und will.“ „Wieso? Willst du hier denn etwas ändern?“, fragte Marina entsetzt. Er wollte doch nicht etwa, dass die Besitzer ihre Pferde woanders einstellten und dann den Hof zu etwas ganz anderem machen.“ „Weißt du, Marina, der Papa ist noch jung. Er möchte vielleicht neben dem Pensionsstall eine kleine eigene Zucht aufmachen“, erläuterte Opa. Marinas Augen begannen zu leuchten: „Echt?“, rief sie. „Wir wollen selbst Pferde züchten? Au ja! Das wäre toll. Ich wollte schon immer ein Pferd von Geburt an kennen. Sehen, wie es aufwächst. Du kannst doch so gut reiten, dass du die Jungpferde dann selbst ausbilden kannst.“ „Ich sehe schon, wir liegen auf einer Wellenlänge, meine Große“, erwiderte Papa lächelnd. Und eifrig erklärte er, wie er sich das alles im Einzelnen vorstellte. Dabei leuchteten seine Augen und er sah so jung aus, wie Marina ihn noch nie gesehen hatte. Gemeinsam mit Opa ereiferten sie sich immer mehr, was man alles machen konnte. Weit nach Mitternacht ging Marina dann wieder ins Bett. Diesmal konnte sie schlafen, denn sie stellte sich vor, wie ihr neues Leben aussehen könnte.


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