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Tierbücher
Buch Leseprobe Reiterhotel Amperauen, Martina Sein
Martina Sein

Reiterhotel Amperauen


Der Herbst hat viele Gesichter

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Mama setzte sich schwungvoll und mit einem Lächeln an den Frühstückstisch. „Heute werde ich endlich einmal Zeit haben, mich so richtig um den Haushalt zu kümmern. Ich hab noch kein einziges Mal die Regale leergeräumt und abgestaubt, seit wir hier wohnen“, verkündete sie. „Wie kommt‘s?“, erkundigte Andreas sich. „Weil jetzt nur noch wenige Urlauber hier sind. Deshalb habe ich mir heute meinen Hausfrauentag genommen“, strahlte Mama. „Dafür ist bei uns umso mehr Action“, entgegnete Christian. „Wieso?“, wollte nun Mama wissen. „Eben weil die Ferien so gut wie vorbei sind. Wir haben keine Pferde mehr von Hotelgästen im Stall. Drum kommen die von den Sommerweiden heute herein. Gerade die Jungpferde, die wir teilweise von Zankenhausen herbringen müssen, werden ganz schön Arbeit machen.“ Mamas Augen begannen zu leuchten. „Sagt das doch gleich! Wenn ich hier mit dem Putzen fertig bin, komme ich rüber und helfe euch. Ich kriege eh langsam die Krise, weil ich neben einem Pferdestall arbeite und den bisher kaum betreten habe.“ „Das klingt doch einmal nach einer vernünftigen Beschäftigung“, stellte Andreas fest. Papa kam gerade die Treppe herunter und band sich im Gehen noch seine Krawatte. „Was ist vernünftig?“, wollte er wissen. „Dass Mama beim Reinholen der Pferde von den Sommerweiden helfen will“, platzte Christian heraus. „Hoppla? Ich dachte, du hättest heute deinen freien Tag und wolltest die Wohnung auf Vordermann bringen“, erwiderte Papa. „Dafür brauche ich doch nicht den ganzen Tag“, wehrte Mama ab. „Du könntest dir auch einmal ein wenig Zeit für dich gönnen“, schlug Papa vor. „Mache ich doch! Endlich kann ich mich auch ein wenig mit den Pferden beschäftigen. Davon träume ich, seit ich weiß, dass wir hier anfangen zu arbeiten“, gab Mama zurück. „Wenn du das so siehst“, meinte Papa schulterzuckend. „Ich habe heute eine wichtige Videokonferenz mit China und Amerika. Da will ein Konzern seine große, jährliche Tagung bei uns abhalten. Ich bin eh schon spät dran. Mir muss eine Tasse Kaffee reichen.“ „Ich bringe dir später etwas rüber ins Büro“, versprach Mama. Papa hob den Daumen, während er einen Schluck aus seiner Tasse nahm. „Das wäre toll“, ergänzte er. Schon musste er sich auf den Weg machen. Das Reiterhotel war nämlich nicht nur für Familien und Pferdefreunde eine beliebte Anlaufstätte. Es gab auch einen extra Businessbereich, der besonders luxuriös ausgestattet war. Hier wohnten häufig Geschäftsleute. Die beiden Bereiche waren entsprechend voneinander getrennt, gehörten jedoch beide demselben Hotel an, das Papa als Geschäftsführer leitete. Mama dagegen war das Mädchen für alles, wie sie sich selbst bezeichnete. Ihr Wirkungsgebiet war jedoch der Familien- und Reiterbereich. Somit war sie auch am Rande mit für den Pferdestall verantwortlich, wenn dort Not am Mann war. Das war in diesen Sommerferien jedoch nicht vorgekommen. Andreas und Christian hatten dort nämlich eifrig geholfen. Die Verantwortlichen Joe und Carlos hatten es ihnen mit Reitstunden und viel Lob gedankt. Dann war auch noch Lisa angekommen. Sie machte hier in den Amperauen seit Jahren Urlaub und hatte immer versprochen, irgendwann ganz zu bleiben. Diesen Sommer hatte sie dann Ernst gemacht. Daher waren genug helfende Hände da gewesen. „Ich muss los!“, rief Papa, griff nach seinem Sakko und verließ die Wohnung. „Wir auch“, schloss Christian sich an. „Ja, ja! Lasst mich nur alle allein. Das ist gar kein Problem“, maulte Mama gespielt. „Wir würden dir in deinem Putzdrang eh nur im Weg herumstehen“, gab Andreas zu bedenken. „Du machst das doch am allerliebsten, wenn keiner im Haus ist.“ „Wie recht mein schlauer Herr Sohn doch hat!“, entgegnete Mama lachend. „Sagt Bescheid, wenn ihr drüben Hilfe braucht. Und seid pünktlich um eins zum Mittagessen da!“ Die Zwillinge winkten zum Zeichen, dass sie verstanden hatten, und waren schon zur Türe hinaus. Sie mussten die Straße ein Stück entlanggehen und dann überqueren. Wie oft waren sie diesen Weg in den vergangenen Wochen der Sommerferien gelaufen? Sie wussten es nicht. Das spielte jedoch auch gar keine Rolle! Einzig zählte, wie sehr sie die Pferde der Amperauen inzwischen liebten. Joe hatte bereits mit der Morgenfütterung begonnen. Der Traktor mit dem flachen Anhänger stand in der Stallgasse. Hierauf lag ein großer Quader Heu. Die Pferde, die zu mehreren in Laufboxen zusammenstanden, konnten ihre Köpfe durch Aussparungen in den Wänden und Türen auf die Stallgasse strecken. Hier legte Joe genügend von dem Raufutter vor. „Guten Morgen ihre beiden“, rief Joe fröhlich. „Na, bereit für den heutigen Tag?“ „Aber hallo!“, gab Christian optimistisch zurück. Seit er zusammen mit dem besten Freund der Zwillinge Hannes im Jagdgalopp zu einer Herde ausgerissener Jungtiere geritten war, fühlte er sich beinahe unbesiegbar. „Dann ist es ja gut“, entgegnete Joe. „Die Halbstarken in den Transporter zu bekommen, ist mühsam.“ „Wir haben doch Lisa dabei“, erinnerte Andreas. Lisa hatte ein besonderes Händchen für Pferde. Ihr eigener Wallach Dolomit folgte ihr wie ein Hündchen. Mit ihm zu fahren, war gar kein Problem. Sie brauchte ihm nur einen Wink zu geben, dann stieg er selbst in den Hänger. Dass sie auch mit fremden Pferden umzugehen verstand, hatte Lisa bewiesen, als sich eines der zweijährigen Pferde verletzt hatte und zurück zum Stall transportiert werden musste. Sie hatte das Tier unter Schmerz trotzdem ohne Probleme verladen können. Joe jedoch gab zu bedenken: „Auch Lisa kann keine Wunder vollbringen.“ „Mir kommt es manchmal schon so vor“, stellte Christian fest. Andreas meinte: „Hat die überhaupt Zeit? Wann fängt sie denn ihren Job bei der Lorelei an?“ „Erst übermorgen“, antwortete Joe. „Das hat sie schon extra so gelegt.“ Lorelei war eine alternativer Tierärztin für Pferde. Sie hatte ihren eigenen Hof ganz in der Nähe und wurde immer dann gerufen, wenn hier etwas nicht stimmte. Lisa hatte sie kurzerhand halbtags als Bürokraft angestellt, als sie gehört hatte, dass diese nun tatsächlich nicht mehr nur zum Urlaub machen hier war. Und schon kam ein fröhlicher Morgengruß vom Tor her. Auch Lisa war eingetroffen. Sie ging direkt zur Box von Dolomit. Dann schnappte sie sich ebenfalls eine Heugabel und lockerte das Heu so geschickt auf, als hätte sie ihr ganzes Leben lang nichts anderes getan. Sobald alle Pferde etwas zu fressen vor sich hatten, schlug Lisa vor: „Ich schaue rüber zu Carlos, ob der noch Hilfe braucht.“ „Wenn die Pferde alle drinnen sind, wird die Stallarbeit auf jeden Fall knackiger – und zwar deutlich“, verkündete Joe. „Klingt logisch, wenn viel mehr Tiere zu versorgen sind“, pflichtete Christian ihr bei. Joe hielt in ihrer Arbeit inne und sah Christian an. „Hab ich eine Fliege auf der Nase?“, fragte der misstrauisch. „Das nicht, aber ich habe mir gerade überlegt, dass du mitreiten kannst, wenn wir die Dreijährigen reintreiben. Die stehen ja nicht weit von hier“, meinte Joe. „Nach deinem wilden Ritt nach Zankenhausen wird das ein Kinderspiel.“ Christian merkte, wie in seinem Bauch die Ameisen zu krabbeln begannen. „Das machen wir aber nicht in vollem Galopp, oder?“ „Wäre für dich doch auch kein Problem“, lachte Joe. „Nein, im Ernst, das läuft meistens im Trab ab. Der Weg ist größtenteils eh von Zäunen umgeben. Wo keine sind, ziehen wir eine Schneise. Einer reitet vorneweg, einer hinterher. Heute, wo wir so viele sind, könnten wir auch zwei vorn haben. Dann kriegen wir die Herde gut hier rein.“ „Okay, ich bin dabei“, versprach Christian. Insgeheim freute er sich schon darauf, wieder reiten zu dürfen. Den ganzen Sommer über hatte Joe ihm und Andreas Reitunterricht auf dem Platz oder in der Halle gegeben. Das war ja alles schön und gut. Christian hatte jedoch von Anfang an von Ausritten geträumt. Als Lisa angekommen war, hatte die vorgeschlagen, es doch einfach einmal bei einer Schrittrunde mit den Zwillingen zu probieren. Und dann war der Anruf gekommen, dass im benachbarten Zankenhausen die Zweijährigen ausgebrochen waren. Außer Christian und Hannes war niemand im Stall gewesen. Auch Mama und Papa hatten nicht helfen können. So waren die beiden Jungen losgeritten, so schnell die Pferde sie tragen konnten. Es war eine ganz neue Erfahrung für Christian gewesen, doch er musste immer noch lächeln, wenn er nur daran dachte. „Jetzt werden erst einmal noch die Boxen kontrolliert, ob alles in Ordnung ist. Die Privatpferde holen wir als Letzte herein. Die kommen ja tagsüber eh wieder auf die Koppeln, auf denen wir jetzt immer die Gastpferde hatten“, erklärte Joe. Gemeinsam sahen sie in jedem Abteil nach, ob die Tränke funktionierte und die Einstreu sauber und ausreichend war. Da kam auch schon Hannes. Die Zwillinge hatten sich gleich zu Beginn der Ferien mit ihm angefreundet. Hannes hatte ein eigenes Pferd, einen kräftigen Braunen namens Cornelius. „Kannst gleich mit rüberkommen“, rief Joe ihm entgegen. „Wir machen gerade den letzten Check. Dann fangen wir mit dem mühsamen Teil an, nämlich die Bande aus Zankenhausen zu holen.“ Alle Vier gingen hinüber in den anderen Stall. Er war wie ein L angelegt. Im vorderen Teil standen die jungen Pferde, die bereits geritten wurden. Danach folgten einige Stuten, mit denen das Hotel selbst züchtete. Und wieder im Anschluss lag der Bereich der Jungpferde. Nicht alle, die heute von der Sommerweide in den Stall zurückkehrten, würden bis nach ihrer Ausbildung hierbleiben. Carlos und Joe würden jedes einzeln genau unter die Lupe nehmen und entscheiden, wer nun schon verkauft werden sollte. Auf der anderen Seite gehörten auch nicht alle Pferde dem Hotel. Es gab immer wieder Leute, die nur ein Fohlen oder zumindest zu wenige hatten, um sie selbst aufzuziehen. Die kamen dann für ihre Kindheit und Jugend hierher. Andreas und Christian waren noch nicht oft in diesem Stall gewesen. Wozu auch? Er war ja den ganzen Sommer über leergestanden bis auf die Pferde in Ausbildung. Die hatte Carlos immer allein versorgt. Aufmerksam sahen die Jungen sich um. In den geräumigen Laufboxen würden sich die jungen Pferde sicher wohlfühlen. Da der Bereich hier nun seit Monaten nicht mehr genutzt worden war, mussten Türen und Tränken besonders genau kontrolliert werden. „Sieht alles gut aus“, stellte Carlos fest. „Dann können wir ja anfangen. Fahren wir mit dem Transporter und dem Hänger? Wenn wir schon so viele Leute sind, sollten wir das ausnutzen.“ Der Stall verfügte selbst über einen kleinen Lkw, in den bequem drei Pferde verladen werden konnten. Zusätzlich hatte man einen Hänger, in dem zwei Tiere Platz fanden. „Wir können meinen auch noch nehmen“, schlug Lisa vor. „Eine ausgezeichnete Idee“, pflichtete Carlos ihr bei. „Die Jungs können ja bei euch mitfahren.“ Es war ein offenes Geheimnis, dass Lisa Carlos gefiel, obwohl dieser verheiratet war und bald Papa werden sollte. Alle zusammen gingen zu dem Platz, auf dem sämtliche Landmaschinen standen. Hier waren auch der Hänger und der Transporter abgestellt. Hannes öffnete das Tor, und Joe fuhr mit ihrem Wagen herein, um anzukuppeln. Carlos schwang sich in die Fahrerkabine des Kleinlasters. Lisa hatte ihren Wagen draußen auf dem Parkplatz stehen. Hier war auch ihr eigener Pferdeanhänger geparkt. Die Zwillinge halfen ihr sogleich, diesen an ihrem Auto zu befestigen. „So gut waren wir ja noch nie gerüstet“, stellte Joe fest. „Also alle rein! Dann kann es losgehen. Wir fangen mit den Zweijährigen an. Danach holen wir uns die Jährlinge.“ Hannes wollte bei Lisa mitfahren. Daher stiegen die Brüder bei Joe mit ein. Einer nach dem anderen fuhr vom Hof. Joe bat: „Könnte einer von euch noch rasch das Tor zumachen? Bis wir die ganze Bande verladen haben, wird es ein Weilchen dauern. Da lassen wir nicht gerne offen.“ Andreas sprang noch einmal aus dem Auto und erledigte das. Dann konnte es endgültig losgehen.


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