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Tierbücher
Buch Leseprobe Mailo, Susanne Meyer
Susanne Meyer

Mailo


Tagebuch meines traumatisierten Pferdes

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Mein Leben mit Pferden vor Mailo 


 


 


Meine erste Pferdebegegnung hatte ich mit ca. acht Jahren. Meine 


große Schwester nahm mich mal mit zum Reiten. Sie gab mir 


Unterricht auf einem kleinen, schwarzen Pony, welches mir jedes Mal 


nach dem Leben trachtete, sobald es mich absetzen konnte. Trotzdem 


blieb natürlich immer mein Traum vom eigenen Pferd. In den weiteren 


Jahren konnte ich hier und da mal reiten, jedoch ohne festen Bezug zu 


einem Pferd, geschweige denn, dass ich nun wirklich reiten konnte. 


Als ich 21 war, wurde der Traum dann endlich wahr. Mein Mann 


schenkte mir ein Pferd zur Hochzeit. Leider war die Freude nicht von 


langer Dauer, da ich es nicht verwirklichen konnte, dieses Pferd 


auszubilden. Wie auch, mit dem begrenztem Wissen. Ich nannte ihn 


Tobi, er war ein Hannoveraner, sehr mager und ausgehungert. Meine 


Schwester hatte ihn aus schlechten Verhältnissen geholt, wollte ihn 


päppeln und wieder verkaufen. 


Als blutiger Anfänger ist es natürlich genau das Richtige, sich ein 


dreijähriges Pferd anzuschaffen! 


Da wir den Plan hatten, nach meiner Ausbildung als Tierarzthelferin 


aufs Land zu ziehen, zog Tobi schon zwei Monate vorher dorthin. Ein 


Pferdezüchter nahm ihn bei sich auf. Sobald wir dort wohnten, 


versuchte ich mit meinem Unwissen dieses Pferd zu erziehen. Schon 


ziemlich schnell zeigte er mir, dass Aufhalftern zwar möglich, 


Auftrensen jedoch unmöglich war. Ich verlor da recht schnell schon 


die Geduld, beschloss, das Pferd musste zurück! Da er nun gut im 


Futter war, bekam ich mehr Geld für ihn, und so schaute ich mich 


nach einem geeigneten Pferd für mich um. 


Diesmal verguckte ich mich in einen achtjährigen, schwarzen 


Hannoveraner Hengst. Als sehr lieb und umgänglich beschrieben, 


„ritt“ ich ihn Probe und schon war der Kauf perfekt. Zu der Zeit war 


es noch nicht so weit verbreitet eine Ankaufsuntersuchung machen zu 


lassen und ich verließ mich natürlich auf die Aussagen des Besitzers. 


Brav war er wirklich. Ich drehte so meine Runden mit ihm bei mir auf 


der Wiese und es ging alles gut. Er bekam den Namen Rocky. 


 


Rocky sollte ja nicht allein bleiben. Bei den Vorbesitzern stand er ja 


auch mit Wallachen zusammen. Durch Zufall erfuhr ich aus meiner 


 


 


Lehrpraxis, dass dort von einer Patientin ein Pferd vermittelt werden 


sollte. Da noch etwas Geld übrig war, wurde der Holsteiner Wallach 


dazu gekauft. Leider erlebte der Wallach nur zwei Wochen in seinem 


neuen Zuhause, da der Hengst ihm in einer Nacht das linke Hinterbein 


abschlug. Am selben Tag bestellte ich den Tierarzt, um den Hengst 


legen zu lassen. 


Nun, wo Rocky kastriert war, musste trotz allem wieder ein Pferd 


dazu. Ich machte mich ein paar Wochen später auf den Weg zu einem 


Händler. Dort fand ich eine dänische Stute für wenig Geld. Ich nannte 


sie Anja. Auch ein sehr braves Pferd, nur leider waren mir die leicht 


gebogenen Sehnen nicht so aufgefallen. 


Beide Pferde wurden für mich auch nur zum Freizeitreiten genutzt. 


Als eine alte Schulfreundin zu Besuch kam, lieh ich ihr die Stute zum 


Ausreiten. Ich weiß bis heute nicht genau, was da passiert ist, auf 


jeden Fall war abends der Urin schwarz, worauf der Tierarzt gerufen 


wurde, und am nächsten Tag waren vorne beide Sehnen dick. Sie hatte 


Verschlag. Von dem erholte sie sich noch recht gut, jedoch waren 


beide Sehnen so lädiert, dass man mir riet, die Stute zu erlösen. 


Rocky war somit wieder allein. Meine hilfreiche Schwester brachte 


mir wieder mal ein Pferd. Eine Hannoveraner Stute namens Dondula, 


die bis M-Springen erfolgreich war. Als Preis wurde ausgemacht ein 


Fohlen von der Stute zu ziehen und noch einen geringen Betrag für die 


Stute selber zu bezahlen. Natürlich war ich froh, so schnell wieder ein 


Pferd für Rocky dazu zu bekommen. Dass die Stute sehr schwierig zu 


reiten war, war mir erstmal egal. 


Mit der Zeit fing Rocky an zu lahmen. Es folgten viele 


Röntgenaufnahmen und Spritzen. Befund war Hufrollenentzündung. 


Damals war es nicht so gut zu behandeln, darum beschloss ich, 


Nervenschnitte beiderseits machen zu lassen. Es folgte ein 


vorsichtiger Aufbau im Schritt auf der Straße, da es ja auf ebenem, 


harten Untergrund sein sollte. Natürlich war Rocky nicht unbedingt 


ruhig dabei. Es kam, wie es kommen musste. Ein Unimog vom 


Straßenbau kam uns entgegen. Er machte netterweise auch den Motor 


aus und leider auch gleich wieder an, sobald ich an ihm vorbei geritten 


war. In der Sekunde stieg das Pferd kerzengerade hoch und überschlug 


sich mit mir. Ich war zum Teil unter dem Pferd. Wie durch ein Wunder 


war nichts gebrochen. 


 


Leider erholte sich Rocky über die Monate nicht so wie gedacht. Nach 


 


 


einem Jahr waren die Nervenenden wohl wieder 


zusammengewachsen, auf jeden Fall lahmte er sehr stark. Mal wieder 


wurde mir geraten das Pferd zu erlösen. 


Dondula bekam, mal wieder von meiner Schwester gebracht, ein 


ausgedientes Pony dazu. Maya war 16 Jahre alt, als sie zu mir kam. 


Sie überlebte eine schwere Hufrehe leider nicht, die sie ein Jahr später 


bei mir bekam. 


Meine hier nun schon recht bekannte Schwester, erzählte mir von 


einer anderthalb Jahre alten Hannoveraner Stute, die zum Schlachter 


sollte, da sie auf einem Auge wohl blind sei. Natürlich musste ich 


dieses Pferd davor bewahren! So zog Wendy bei mir ein. 


Da ich immer noch nicht so richtig reiten konnte, freute ich mich über 


eine Bekanntschaft, die mir Dondula ritt. Sie war Turnierreiterin und 


ich hatte mächtig Respekt davor. Sie kam so gut mit Dondula zurecht, 


dass ich sie ihr verkaufte. 


Da Wendy ja nicht allein bleiben sollte, war ich mal wieder auf der 


Suche. Diesmal nicht meine Schwester! Ich fuhr zu einem Händler 


und sah bei ihm einen netten Haflinger Wallach auf der Wiese. Den 


musste ich haben! Leider konnte ich ihn nur von weitem sehen, doch 


der Händler versicherte mir, dass er ihn bis zum nächsten Tag 


einfangen könne. So kam Toby in mein Leben. Ja, ich fand den 


Namen gut, darum bekam er ihn auch. 


Wendy war nun gut drei Jahre alt, wie Toby auch, und musste 


natürlich eingeritten werden. Diesmal brachte ich Wendy zu meiner 


Schwester, da wurde sie eingeritten, denn noch mal traute ich mir eine 


Ausbildung nicht zu. Schon bald merkte ich, dass Wendy viel mehr 


konnte als ich zu bieten hatte. Sie wurde an einen Turnierreiter 


verkauft. 


Mit so einem Pony wie Toby würde das wohl einfacher sein, so dachte 


ich. Da er mich schon beim Longierversuch anstieg, kürzte ich das 


Verfahren ab und stieg ziemlich bald auf. Tatsächlich ging das 


einfacher. Ich hatte einige Kämpfe mit diesem Blondschopf 


auszufechten, aber irgendwann konnte ich ihn soweit ausbilden, dass 


er sich bis zur Klasse M in der Dressur platzieren konnte. 


 


Zwischendurch hatte ich mein „Herz“ für Friesen entdeckt. So einer 


sollte es sein! Mit etwas Glück fand ich einen wunderschönen 


Friesenhengst über eine Bekannte in Holland. Als ich Bungee kaufte, 


war er anderthalb Jahre alt. Dreijährig ritt ich ihn selbst an, da ich nun 


 


 


schon etwas mehr reiten konnte. Dieses Pferd war in meinen Augen 


faul wie die Sünde. Auch nach einem halben Jahr Ausbildung hatte er 


den Galopp unterm Reiter immer noch nicht gefunden. Meine Geduld 


und Lust war bei ihm schnell am Ende und er ging in den Besitz eines 


Schmiedes, der nur Kutsche fuhr. Das war so mehr seine Bestimmung. 


Mit ihm war ich nun schon inklusive Zucht bei meinem 


vierundzwanzigstem Pferd angelangt. 


Leider bekam Toby im Alter Arthrose und ich schaute mich wieder 


nach Nachwuchs um. Meine Nachzucht, ein Trakehner und ein 


Hannoveraner, den ich günstig kaufen konnte, entsprachen auch nicht 


meinen Vorstellungen von einem Dressurpferd. Beide Pferde hatten 


trotz Dressurabstammung eher Spaß am Springen. 


Dies ist ein Resümee von 23 Jahren ... Wenn ich heute zurück blicke, 


schäme ich mich. Ich habe nie Geduld und Ausdauer gehabt, wollte 


immer alles schnell und sofort! Ich habe nie hingehört und nie so 


richtig mein Herz an eines der Pferde verschenkt. Ich wollte immer 


das perfekte und funktionierende Pferd. Das prägte sich sehr aus, als 


ich mit der Sportreiterei anfing. 


Bei Toby fing es an. 


Irgendwann besuchte ich einen nahe gelegenen Reitstall und fragte 


nach, ob man mal die Halle nutzen könnte. Ziemlich schnell bekam 


ich die ersten Unterrichtsangebote, da man unser reiterliches 


„Können“ für ausbaufähig hielt. Schon nach einem Jahr machte ich 


das kleine bronzene Abzeichen, im Jahr darauf das große bronzene 


und im darauf folgenden Jahr meinen Trainer C-Schein. Je mehr ich in 


diese Richtung ging, desto mehr musste Toby leisten. Innerhalb der 


Saison lief er so gut wie jedes Wochenende seine Prüfungen. 


Zuverlässig schaffte er auch viele Platzierungen. Aber schnell gab 


man sich nicht mehr mit A-Niveau zufrieden, da muss doch noch mehr 


gehen? 


 


Ich ritt bei vielen Ausbildern, um es noch besser zu können. Natürlich 


nutzte man irgendwann auch Sporen, denn die anderen hatten ja auch 


welche. Mit der Gerte konnte man das Pony zusätzlich auch noch 


„motivieren“. Er wehrte sich ja auch nicht großartig ... Nebenbei 


durfte ich ihn auf der Hansepferd und der Nordpferd vorstellen, denn 


er war einer der wenigen Haflinger, die es in der Ausbildung soweit 


geschafft hatten. Es gab nichts, was er nicht mitgemacht hätte. Im 


Herbst wurde Jagd geritten, zwischendurch Kutsche gefahren, 


 


 


ausgeritten, Holz gerückt, voltigiert oder am Springunterricht 


teilgenommen. Viele Vereinsmitglieder hat er brav durch die 


Reitabzeichenprüfung getragen und beim Vierkampf und anderen 


Mannschaftsdressurprüfungen erfolgreich mitgewirkt. Zwischendurch 


hatten wir sogar regelmäßige Auftritte in einer Wintersaison unseres 


Stadttheaters, wo er in einem Kindermärchen mitwirkte. Insgesamt hat 


Toby dreizehn Jahre treue Dienste geleistet. Man darf mich auch 


steinigen, aber als er dann irgendwann nicht mehr konnte mit seiner 


Arthrose, habe ich ihn einer Bekannten in den Offenstall gegeben. 


Etwas gewundert hatte ich mich dann über sein abweisendes 


Verhalten, wenn ich ihn ab und an mal besuchte. 


Ich hole mit meiner Vorgeschichte so weit aus, da es mir wichtig ist, 


dass man sich ein ungefähres Bild zu meiner Person machen kann. 


 


 


 


 ... und dann trat Mailo in mein Leben 


 


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