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Tierbücher
Buch Leseprobe Leos erstes Weihnachtsfest, Maria Anders, Herausgeber Sabine Sturm
Maria Anders, Herausgeber Sabine Sturm

Leos erstes Weihnachtsfest


Eine Weihnachtsgeschichte

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Polternd fuhr das lange schwarze Auto an einem trüben Novembertag die kurvenreiche Landstraße entlang. Es war bereits später Abend geworden und Leo, der große weiße Welpe, der hinten im eingerichteten Hunde-Abteil des Fahrzeugs saß, wurde nun doch ein wenig nervös. Geduldig hatte er während der ganzen Fahrt neben Ayoka, der weißen Schäferhündin gesessen und keinen Pieps von sich gegeben. Doch jetzt fing er leise an zu winseln. Schnell gab ihm Ayoka einen freundschaftlichen Stupser.


 


„Was ist denn Kleiner? Du brauchst keine Angst zu haben. Die anderen freuen sich schon auf dich!“


 


„Die anderen?“


 


Skeptisch sah Leo zu Ayoka herüber. Bislang hatte er nicht viele gute Erfahrungen mit anderen Hunden gemacht. In seiner eigenen Familie war er schnell aussortiert worden. So herumrennen und spielen und balgen - so wie die anderen - das hätte er auch gern gekonnt. Aber es hatte von Anfang an nicht so richtig geklappt. Irgendwie waren seine Beine komisch.


 


Die nette, blonde Frau vorne am Steuer drehte sich kurz nach ihm um und lächelte ihn an. Es war nun gut neunzig Minuten her, dass sie ihn von seinem vorherigen Besitzer abgeholt und kurzerhand adoptiert hatte. Auf einen großen, schönen Reiterhof sollte es nun gehen. Und ein neuer Tierarzt sollte helfen.


 


Dankbar sah Leo wieder zu Ayoka rüber.


 


„Nun, wenn die alle so nett waren, wie die neue blonde Chefin und wie diese Ayoka, dann konnte ja eigentlich nichts schief gehen“, dachte er so bei sich.


 


Doch viel Zeit zum Nachdenken blieb jetzt nicht mehr. Denn die neue Chefin, sie hieß übrigens Sabine, bog plötzlich von der Landstraße ab und fuhr einen rumpeligen, nur leicht beleuchteten Weg hinein. Der Weg führte auf ein großes Anwesen. Hier sollte also ab jetzt sein neues Zuhause sein.


 


Schon von weitem hatte man das Gebell vieler Hunde hören können. Und jetzt, wo sie dem Hauptgebäude näher kamen, gesellte sich auch noch ein kräftiger Geruch dazu. Leos Nase bestätigte es ihm schnell: Hier wohnten außer den Hunden tatsächlich auch noch Ponys und andere Tiere! Und zwar nicht wenige!


 


Als Sabines Auto vor dem Haus hielt, standen die anderen Hunde des Anwesens schon mit zwei, drei anderen Menschen vor der Tür, um die Ankömmlinge zu begrüßen. Sabine stieg mit einem Schwung aus und ließ die Autotür weit offen stehen. Zwei Huskys und sechs weitere weiße Schäferhunde konnte Leo nun zählen.


 


„Schau mal, Leo“, rief Sabine. „Das hier sind: Agostina, Kogong, Lotte, Aikiki, Boyar, Beryll, Asathor und Lyra.“


 


Die Schäferhündin Ayoka, das stellte sich nun heraus, war die Rudelführerin. Und weil sie Leo abgeholt hatte, wurde Leo von den anderen Hunden sofort freundlich angenommen. Einer nach dem anderen begrüßte Leo sehr neugierig - doch dann drängten alle Hunde mit Sabine und den anderen Zweibeinern ungeduldig ins Haus. Es war Abendbrotzeit und alle hatten Hunger!


 


Eine Stunde später lag Leo zufrieden auf seinem neuen Lager. Eine schöne rote Decke hatte Sabine in einer Ecke auf einem breiten Kissen für ihn zurechtgelegt. Hier sollte er nun schlafen. Da es Anfang November war, war es draußen schon lange dunkel. Doch als Sabine noch einmal kurz nach ihm schaute und nach dem Gute Nacht-Sagen das Licht ausknipste, wurde Leo doch ein wenig mulmig.


 


„Ach, ich merke schon“, sagte Sabine schnell. „Das ist natürlich nicht schön, wenn du ganz allein bist. Aber ich habe noch so viel auf dem Hof zu erledigen, ich werde einfach Kogong holen, die kann dir Gesellschaft leisten.“


 


Als dann wenig später Kogong, die jüngste der weißen Schäferhündinnen, neben ihm lag, ging es Leo gleich besser. Kogong war nur ein halbes Jahr älter als Leo und entpuppte sich als lustige Gesellschafterin. Sie erzählte ihm an jenem ersten Abend noch ganz viel über die anderen Hunde und das Zusammenleben auf dem Reiterhof, der Hippocampus hieß, bis irgendwann beide Hunde eingeschlafen waren.


 


Am nächsten Morgen machte Leo gemeinsam mit Sabine seinen ersten Rundgang auf dem Reiterhof. Natürlich waren auch die anderen Hunde wieder mit dabei. Sie hatten längst gemerkt, dass Leo nicht gut laufen konnte. Doch wie gerne wären sie mit ihm um die Wette gerannt, oder hätten mit ihm herumgetobt. Tapfer humpelte Leo hinter ihnen her und sah sehnsüchtig zu, wie seine neuen Kumpels wie Flitzemaschinen über das ganze Anwesen stoben, dabei aber immer wieder zu ihm zurück kamen und ihn freundlich anstubsten. Seine neue Freundin Kogong blieb auch tagsüber in seiner Nähe.


 


Bei dem Rundgang ging es zuerst in den Pferdestall, wo Leo jede einzelne Pferdebox inspizieren durfte. Doch lediglich ein paar Mäuse traf er dort an, denn die Ponys waren tagsüber alle draußen. Für ihn war das sehr interessant. Denn auch eine Maus hatte er zuvor noch nie aus der Nähe gerochen, geschweige denn gesehen. Auf dem Hof gab es aber auch noch ein kleines geflecktes Schweinchen, das Benny hieß und mehrere Hühner. So verging der erste Vormittag wie im Flug.


 


Nach dem Mittagessen erfuhr Leo, dass für die kommende Woche der erste Tierarzt-Besuch geplant war. Sabine war fest davon überzeugt, dass der neue Tierarzt helfen konnte, damit Leo eines Tages ganz normal laufen konnte - so wie alle anderen Hunde auch.


 


So vergingen die ersten Tage auf dem Hippocampus. Als dann der erste Tierarzt-Besuch anstand, wurde Leo gründlich untersucht und ein paar Tage später das erste Mal an seinen Hinterbeinen operiert. Leo steckte die Operation tapfer weg, und doch wurden die folgenden zehn Tage die langweiligsten seines Lebens. Er musste auf einem zugewiesen Platz sitzen oder liegen bleiben, durfte nur an der Leine raus und trug plötzlich einen komischen, weißen Plastik-Kragen um den Hals. Der störte ganz beträchtlich, war aber wichtig, damit Leos Operationswunden an den Beinen auch ungestört verheilen konnten und er sich nicht aus Versehen mit seinen Zähnen selbst verletzte. Denn natürlich wollte er sich seine Beine ganz genau ansehen, und war am Anfang schon ein wenig mürrisch, als er merkte, dass er sie noch nicht einmal richtig beschnüffeln konnte. Dabei war der neue Geruch an ihnen so komisch. Alles roch irgendwie nach Medizin.


 


Irgendwann gab Leo auf und ließ die Beine Beine sein. Gleich am nächsten Tag merkte der junge Hund, dass er zwar immer noch nicht rennen konnte, aber dass das mit dem Laufen doch schon etwas besser klappte, obwohl die neuen Bewegungen auch ein bisschen weh taten.


 


Bei den Spaziergängen an der Leine achtete Sabine darauf, dass sich Leo trotz seines Handycaps täglich genug bewegte. Bei jedem Spaziergang musste er etwas länger laufen.


 


Eines Nachmittags wurde ihm auch endlich wieder der komische Plastik-Kragen abgenommen; und an jenem Nachmittag passierte während Leos Hofrunde etwas ganz Besonderes:


 


Wie immer waren alle anderen Hunde mitgekommen und nun preschten Kogong, Agostina, Lotte, Aikiki, Boyar, Beryll, Asathor und Lyra vor und hinter ihm herum und bellten auch oft dabei. Manche der Hunde bellten sogar ziemlich oft, so wie Lotte oder Aikiki.


 


„Wann sagst denn du endlich mal deinen ersten Ton“, stupste  ihn plötzlich von hinten der gutmütige Boyar an. „Oder kannste gar nicht bellen?“


 


Verdutzt sah Leo den etwas älteren Hund an. Als ob er nicht bellen könnte. Er hatte sich bislang nur nicht getraut, so schüchtern wie er war. Und nach der Operation war er die erste Zeit ganz schön heiser gewesen.


 


„Au ja, Leo, bell mal“, kamen sofort die anderen weißen Schäferhunde herbei gelaufen und scharten sich um ihn herum. Da setzte sich Leo hin, holte tief Luft und legte los. Alle hielten den Atem an. Denn plötzlich war die Luft erfüllt von einem ganz wunderbaren Klang. Mit tiefer, kräftiger Stimme gab Leo nun Laut und die Schäferhunde lauschten. Manche einer von ihnen legte sogar den Kopf ein wenig schief, so wie Hunde es immer machen, wenn sie einen Laut das erste Mal hören.


 


„Mensch, der bellt ja wie eine Bronzetrommel“, kam Sabine nun herbei und sah ihn überrascht an.


 


Sicher, Leo war ein Herdenschutzhund-Mix, genauer gesagt ein Ovtcharka-Pyrenäen-Berghund und diese Rasse war schon für ihr resolutes Auftreten bekannt und für ihre markante Stimme. Und das war auch wichtig, denn Herdenschutzhunde werden in erster Linie gezüchtet, um wildlebende Wölfe von freigrasenden Schafherden fernzuhalten. Aber so einen melodischen Bell-Ton hatte selbst Hundekennerin Sabine noch nie gehört.


 


„Der bellt wirklich wie eine Bronzetrommel. Und das ist wirklich ein Ton, den man nie vergisst.“


 


Verwundert blieb sie vor Leo stehen und streichelte ihn dann.


 


„Was ist eine Bronzetrommel, Sabine?“, fragte nun ein kleiner Junge der mit dem Ponyreiten fertig war und gerade in der Nähe stand.


 


„Oh, von Bronzetrommeln weiß man ungefähr seit 3000 Jahren. Es gibt sie in China oder Vietnam. Sie werden für heilige Zeremonien benutzt.“



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