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Guter Rat ist leise


Wege zur völligen Harmonie

von Angie Mienk

tiere_buecher
ISBN13-Nummer:
9783861278153
Ausstattung:
Kartoniert (TB)
Preis:
10.95 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Leseprobe

 

Freiwillige Abhängigkeit ist der schönste Zustand,

und wie wäre der möglich ohne Liebe.

 

Johann Wolfgang von Goethe, Die Wahlverwandtschaften

Die „unsichtbare Leine“

 

In unserem Buch „Kynologie für Einsteiger“ haben wir bereits sachlich erklärt, wie man mit seinem Hund eine harmonische Beziehung aufbaut. Der Gipfel dieser Harmonie ist die „unsichtbare Leine“, eine innige Verbindung zwischen Hund und Mensch, die auf große Distanzen funktioniert.

Die Methode funktioniert nur dann, wenn bereits die Bindung – wie in „Kynologie für Einsteiger“ beschrieben - besteht. Und wenn du nun bereit bist, dich und deinen Hund aus einem völlig neuen Blickwinkel zu sehen.

Immer wieder werden wir gefragt, wie man diese innige Verbindung herstellt, interessanterweise schauen uns meist die „Hundeplatz-Fanatiker“ ganz konsterniert an, wenn sie sehen, wie wir mit unseren Hunden kommunizieren, oft ohne nur ein Wort oder eine Geste zu verwenden. Wenn wir mit unseren Hunden sprechen, dann in ganzen, völlig normalen Sätzen: „kommst du, Tony, wir wollen doch heute noch raus – oder hast du wieder was anderes vor?“ Wir benötigen keine Leckerli, keinen Zwang, keinen Druck, keine Kommandos!

 

Unsere Hunde gehorchen nicht – sie kooperieren.

 

Wenn wir das erreichen wollen, müssen wir zunächst unser ganzes Denken und Handeln „umstülpen“ und das beginnt schon bei dem Begriff der „Leine“.

 

Definieren wir zunächst den Begriff „Leine“ neu:

  • Eine Leine hält nicht den Hund – sie gibt dem Hund Halt

  • Eine Leine sichert nicht den Hund – sie gibt dem Hund Sicherheit

  • Eine Leine schützt nicht v o r dem Hund – sie schützt den Hund vor Gefahren

  • Eine Leine engt den Hund nicht ein – sie gibt dem Hund Freiheiten

  • Eine Leine bindet den Hund nicht an – sie ist die (lockere) Verbindung zwischen Mensch und Hund

Und es gibt sie doch…

 

Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, warum der Hund des Wohnsitzlosen in jeder Situation ohne Halsband und Leine bei seinem Menschen bleibt, während unser Hund uns gerade wieder mit vollem Tempo über die Straße zieht? Wer hat nicht schon darüber nachgedacht, warum gerade die Hunde dieser Menschen, die niemals einen Hundeplatz gesehen haben, ohne Kommando immer das Richtige tun? Wer hat nicht auch tief in sich drin die Sehnsucht nach einem „Lassy“ oder „Rex“?

 

Sicher „Lassy“ oder „Rex“ sind eine Erfindung der Filmemacher. Aber eben die Hunde der Wohnsitzlosen? Die sind real. Auch unsere Hunde sind real, sehr real sogar. Ohne jemals eine "Ausbildung" absolviert zu haben, können wir sie nicht nur alle überall mit hinnehmen, jeder von ihnen würde für uns - aus eigenem Willen - durchs Feuer gehen, wenn es darauf ankommt.

Wie kommt es zu dieser engen Bindung? Wie machen die das bloß?

 

Die Antwort ist einfach: sie lieben sich, sie teilen ein Leben miteinander, sie verstehen sich.

 

Warum funktioniert es dann bei uns nicht?

 

Vier elementare Dinge machen den Unterschied:

 

 

  • Die menschliche Einstellung zum Hund und zum Leben

  • Die daraus folgende „Grunderziehung“

  • Die Bindung und Leadership

  • Die Gedanken, Gefühle und damit die „unsichtbare Leine“, die bei den Glücklichen bestens funktioniert

 

Schauen wir uns die einzelnen Punkte genauer an:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer selbst recht ist, braucht nicht zu befehlen: und es geht. Wer selbst nicht recht ist, der mag befehlen: doch wird nicht gehorcht.

Konfuzius, Gespräche Lunyü

 

Die menschliche Einstellung zum Hund

 

Der Hund als Partner – ja, jedoch nicht im menschlichen Sinne. Der Hund lebt stets im Hier und Jetzt, gespickt mit allen Erfahrungen aus der Vergangenheit. Keinesfalls lebt der Hund wie wir Menschen in der Zukunft. Gedanken wie: was wird morgen sein?????? liegen ihm fern. Er denkt jedoch auch nicht in der Vergangenheit: „Hätte ich gestern doch den Knochen gefressen, wäre er jetzt nicht gestohlen….“ Wir Menschen müssen den Hund so nehmen wie er ist und alle seine Bedürfnisse befriedigen, damit er wie ein Partner an unserer Seite glücklich leben kann. Nur ein glücklicher, ausgeglichener Hund kann und will sich so auf seinen Menschen einstellen, dass eine dauerhafte Bindung entsteht. (Lies dazu bitte noch einmal in „Kynologie für Einsteiger“ das Kapitel „Phänomen Verständigung“ die „Fragen für den Hundehalter“)

 

Der Hund sieht in uns nicht – wie man uns oft glauben machen will – den Rudelführer. Ein Hund weiß sehr wohl Menschen von Tieren zu unterscheiden. Er ist ja nicht blöd – nur anders☻ Wir sollten uns also auch nicht wie Hunde benehmen, sondern wie Menschen – allerdings wie ehrliche Menschen, denn gute menschliche Schauspieler sind selten. Und Hunde durchschauen uns blitzschnell.

 

Wenn alle Punkte erfüllt sind, gratuliere ich Dir. Dann hast Du die Grundvoraussetzungen für ein harmonisches Zusammenleben geschaffen. Halte Dir jedoch immer vor Augen: der Hund ist ein Tier, kein Mensch – er denkt anders, handelt anders und lebt anders als wir Menschen. Du kannst 100 Hunde gleicher Rasse haben – jeder hat einen eigenen, unverwechselbaren Charakter, jeder einen anderen Charme und jeder eine andere Ausstrahlung. Hunde sind Individuen, die artgemäßen und höchst individuellen Umgang und Kommunikation beanspruchen.

 

Die Kommunikation der Hunde untereinander erfolgt größtenteils durch Gesten oder durch Schwingungen = Energie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nicht die Ziele, die wir uns setzen, zeigen wer wir sind, sondern die Wege, die wir beschreiten, um diese zu erreichen.

 

Kommunikation zwischen Mensch und Hund

 

Hier unterscheiden wir einmal zwischen

  • Verbal

  • Non verbal

  • Unbewusst

 

Ein schlauer Mensch hat einmal gesagt: „Wir können nicht „Nicht-Kommunizieren“! Alles, was wir tun, denken, glauben, ist Kommunikation. 60 % unserer Kommunikation ist unbewusst und Non verbal – 5 % sind bewusst Non verbal und ca. 35 % sind verbal. Unsere Hunde reflektieren auf geringste Gesten unsererseits und auf unsere Schwingungen. Wir senden ständig Schwingungen aus, gute, schlechte, neutrale – unser Hund nimmt sie auf und verarbeitet sie auf seine Weise. Unsere nonverbale Kommunikation wird vom Hund wesentlich exakter aufgenommen und verarbeitet als alle Worte. Wenn wir nun verbal mit ihm kommunizieren, so müssen wir uns stets vergegenwärtigen, dass diese Art der Kommunikation für den Hund den niedrigsten Stellenwert hat – er verlässt sich trotzdem mehr auf unsere Schwingungen und reagiert entsprechend. Dabei nimmt er auch – meist sogar besonders – die von uns unbewusst gesendeten Signale auf: der Hund reagiert und uns ist gar nicht klar, worauf.

 

 

Beispiel:

Gerd lässt seinen Neufundländer ohne Leine auf einem großen Feld herum toben. Ein Blick auf die Uhr sagt ihm, dass er längst wieder im Büro sein sollte. Er ruft nach „Blacky“, ist unter Zeitdruck. Blacky, der sonst immer hervorragend gehorcht, schaut kurz zurück, folgt aber nicht. Die Zeit wird knapp – der Chef wird wieder mal rasend sein vor Wut. Gerd ruft erneut, schon etwas ungeduldiger. Gleichzeitig sieht er das Bild des wütenden Chefs vor seinem geistigen Auge, der ihn wieder einmal wegen seiner Verspätung rügt. Blacky reagiert nicht. Nun hat Gerd aber die Nase voll, seine Wut steigt. Plötzlich fällt ihm ein, was er gelernt hat: „Niemals ungeduldig nach dem Hund rufen, immer freundlich sein“. Obwohl er in Rage ist, ruft er zuckersüß nach Blacky. Der schaut sich kurz um und vergrößert die Distanz…

 

Was ist geschehen? Ist der sonst immer gehorsame Blacky plötzlich verrückt geworden? Will er sein Herrchen provozieren? Oder hat er einfach etwas Besseres zu tun?

 

Nichts von alle dem.

 

Bereits beim ersten Rufen hat Blacky die Schwingung „Stress“ erfühlt. Er wird unsicher, kann mit diesem Gefühl seines Menschen nicht viel anfangen und wartet ab. Das zweite Rufen verrät Blacky: „Herrchen ist sauer“…... Für Blacky eine schwierige Situation: einerseits will er zu seinem Menschen, andererseits weiß er nicht, warum der so sauer ist. Kein Hund lässt sich gerne für etwas bestrafen, was er nicht versteht – und Wut oder Stress in diesem Zusammenhang kann ein Hund nicht verstehen…. Auch der zuckersüße Ruf täuscht den Hund nicht – er nimmt auf jeden Fall die negativen Schwingungen auf und reagiert darauf mehr als auf das Wort.

Nur, wenn wir wissen und akzeptieren, dass unsere Hunde auf unsere Schwingungen, unsere Gedanken und Gefühle mehr als auf alles andere reagieren, haben wir den Schlüssel zur „unsichtbaren Leine“.

 

Eine sehr wichtige Einstellung gegenüber unserem Hund gilt dem Gehorsam. Wie definieren wir Gehorsam – wie wichtig ist uns das und was bedeutet es für eine echte Partnerschaft zwischen Mensch und Hund?

 

Klappentext

Wenn wir mit unserem Hund kommunizieren, tun wir dies in der Regel verbal und nicht selten im Befehlston: Komm!, Sitz!, Platz! Fuß!, Aus! und viele mehr sind Kommandos, mit denen wir ihm tagtäglich mehr oder weniger laut zu verstehen geben, was er zu tun und was er zu lassen hat. Doch eigentlich wünschen wir uns etwas ganz anderes: Wir möchten einen Partner, den wir verstehen und der uns versteht und der sich uns so innig verbunden fühlt, dass er bereits auf unsere leisesten Signale reagiert.
Die Autorin zeigt den Weg zu einer nonverbalen, nahezu intuitiven Art der Verständigung. Sie beschreibt, wie wir eine harmonische Beziehung und zu unserem Hund aufbauen und wie als Gipfel dieser Harmonie eine unsichtbare Leine zu ihm entsteht, die auch auf große Distanz stabil bleibt.
Mit Bindungstest: Wie stark ist unsere Bindung zu unserem Hund, wie stark ist seine Bindung zu uns?
Mit praktischen Übungen für eine innige, von Zuneigung und gegenseitigem Verständnis geprägte, Verbindung zwischen Mensch und Hund.