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> Tierbücher > Die Biedermanns und ihre Pferde
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Tierbücher
Buch Leseprobe Die Biedermanns und ihre Pferde, Martina Sein
Martina Sein

Die Biedermanns und ihre Pferde


Wie das Leben manchmal so spielt

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Sandra schaute aus dem Zugfenster und beobachtete die vorbeiziehende Landschaft. Diese hatte sich in den vergangenen Stunden immer wieder verändert. Nun wurde es zusehends flacher. Bis Kiel hatte sie noch eine Stunde. Sie konnte es überhaupt nicht fassen, dass sie sich erst gestern von ihrer Sommerbekanntschaft verabschiedet hatte. Da waren ihr die letzten beiden Wochen, die noch von der schulfreien Zeit übrig war, irgendwie trostlos vorgekommen. So kurz danach befand sie sich bereits auf der Fahrt in ein Abenteuer, wie sie es selbst empfand. Josef, Sandras älterer Bruder, hatte um Hilfe gerufen. Er schickte sich an, ein Profi-Dressurreiter zu werden und nutzte die Zeit nach dem Abitur für so viele Turniere wie nur irgend möglich. Damit wollte er in die Fußstapfen von Mama treten, die in diesem Sport so ziemlich alles gewonnen hatte, was es nur zu gewinnen gab. Allerdings war Josef nicht alleine auf großer Turnierreise. Mamas Bereiter, Martin Dengenhorst, fuhr gemeinsam mit ihm von einem Wettkampf zum nächsten. Mit von der Partie war auch Paula. Sie war eine von Mamas Pferdepflegerinnen und schon lange auf den Turnieren für das Wohl der Tiere und auch ihrer Reiter verantwortlich. Leider hatte die allerdings ein Infekt heimgesucht, wonach sie kürzer treten musste. Sie schaffte es einfach gerade nicht, sich um die Pferde beider Reiter zu kümmern. Auf diese Weise war Sandra völlig unerwartet zu dieser Reise gekommen. Endlich erreichte der Zug sein Ziel. Sandra suchte ihre Sachen zusammen und machte sich auf den Weg zur Türe. Hoffentlich holte sie auch jemand ab. Sie hatte keine Ahnung, wie sie von hier aus zum Turnierplatz gelangen sollte. Bereits beim Aussteigen ließ sie ihren Blick suchend über den Bahnsteig schweifen. „Sandy! Hier drüben!“, hörte sie da die ihr so vertraute Stimme ihres Bruder. Er kam mit beiden Armen winkend auf sie zu. Als die Geschwister sich gegenüber standen, umarmten sie sich zur Begrüßung. „Tausend Dank, dass du einspringst“, meinte Josef, als er Sandra wieder losgelassen hatte. „Paula hat es ziemlich erwischt. Scheint leider eher schlimmer statt besser zu werden. Sie will unbedingt weiter arbeiten, aber muss ständig eine Pause machen und so.“ „Du hast mich mit deinem Hilferuf gerettet“, erklärte Sandra. „Wie soll ich das denn verstehen?“, hakte Josef sofort nach. „Ist Yvonne so unerträglich?“ „Ach was!“, winkte Sandra ab. „Die ist ja eh kaum da. Nein, du weißt doch, dass wir alle zusammen am See ein paar Jungs kennengelernt haben. Die sind gestern abgereist und jetzt hatte ich Angst, dass die Zeit, in der wir mit ihnen abgehangen haben, irgendwie … leer ist.“ „Schwesterchen!“, rief Josef aus. „Das hört sich aber nicht nur nach abgehangen an. Ist da etwa was gelaufen?“ Sandra konnte spüren, wie sie rot anlief. Rasch wehrte sie ab: „Ein Sommerflirt halt, mehr nicht. Uns war allen klar, dass die wieder nach Hause fahren und danach nichts weiter ist.“ „Und trotzdem tut es weh“, stellte Josef fest. „Brauchst mir nichts zu erzählen.“ „Jetzt sag nicht, dass dir so etwas auch schon passiert ist. Ich dachte immer, weibliche Wesen, die keine vier Beine haben und unter einer halben Tonne wiegen, haben bei dir eh keine Chance.“ Josef legte seinen Arm um Sandras Schultern, während sie den Bahnsteig verließen. „Weißt du, ich erzähle eben auch nicht alles. Als wir letztens ein paar Turniere in Belgien hatten, habe ich eine total nette, junge Verkäuferin kennengelernt. In der Ecke ist sie mit ihrem Stand bei jedem Turnier dabei gewesen. Wir sind das eine oder andere Mal zusammen ausgegangen, aber dann war das auch vorbei. Ich musste weiter nach Frankreich, aber sie zurück in ihr Geschäft. Das habe ich die ganze Zeit gewusst. Ich habe mir eingeredet, dass wir uns halt gut verstanden haben und wir beide nur Spaß miteinander haben wollten. Ich war heilfroh, dass es gleich nahtlos mit den Turnieren weitergegangen ist.“ „Jetzt bin ich echt angenehm von dir überrascht, großer Bruder“, stellte Sandra lachend fest. „Nicht nur, dass du dich überhaupt einmal von einem Mädchen hast von deinen Pferden ablenken lassen, sondern vor allem, du redest auch noch mit mir darüber.“ „Man sagt Reisen bildet“, gab Josef zurück. „Für mich gilt wohl eher Reisen macht erwachsener.“ „Wie kommen wir denn jetzt von hier zum Turnierplatz?“, wollte Sandra wissen. Josef grinste. „Ich habe mir ein Auto geliehen, um dich abholen zu können. Komm mit! Da drüben steht es.“ Er deutete in die Richtung, in welcher sich ein kleiner, alter Fiat Panda befand. „Die Konservenbüchse?“, vergewisserte Sandra sich. „Von wem hast du die denn?“ „Beleidige Karl-Otto nicht!“, rief Josef aus. „Wie bitte?“ „Ein Reiterfreund, der aber nur hier in der Region unterwegs ist, hat mir seine Karre gegeben. Sein Opa hat Karl-Otto geheißen und ihm das Geld für den Führerschein samt dem Auto vererbt. In Gedenken an ihn, nennt Torben den Fiat eben auch so.“ Prüfend warf Josef einen Blick auf Sandras Gepäck. „Puh, zum Glück hast du nicht viel dabei. Der Kofferraum ist überschaubar, und auf der Rückbank liegt auch schon so einiges rum.“ Als sie den Parkplatz erreicht hatten, schaute Sandra sofort durch die Fenster ins Wageninnere. So einiges war die Untertreibung des Jahrhunderts. Die Rückbank, ebenso die Fußräume und der Platz hinter den Rückenlehnen vorne war vollgestopft mit irgendwelchem elektrischen Zeug. Josef verfolgte Sandras Blick und erklärte: „Torben ist DJ. Er legt aber nur bei so Gelegenheiten wie privaten Strandpartys und so auf. Deshalb muss er sein Equipment immer dabei haben.“ „Erstaunlich, dass das überhaupt hier reinpasst“, stellte Sandra fest. Nun öffnete Josef den Kofferraum. Hier brachten sie gerade so Sandras Reisetasche unter. Ihren Rucksack musste sie mit nach vorne nehmen. Den wollte sie eigentlich im Fußraum verstauen, doch der Beifahrersitz war so weit nach vorne gestellt, dass sie mit den Knien am Armaturenbrett anstieß. Auch Josef musste sich mehr oder weniger hinter das Lenkrad falten. Entschuldigend meinte er: „Torben ist nicht so groß. Den Platz hinten braucht er halt. Es ist nur eine halbe Stunde. Das müssen wir jetzt so aushalten.“ Es sah lustig aus, wie Josef bei engen Kurven den Bauch einziehen musste, weil er so nah am Lenkrad saß. Dabei war er weiß Gott wirklich schlank. Schließlich legte er bereits selbst seit Jahren größten Wert auf gesunde Ernährung und hatte mit mehreren Pferden täglich auch reichlich Bewegung. „Da vorne ist es schon“, verkündete Josef nach mehr als fünfzig Minuten Fahrt. Sandra konnte sich einen Kommentar nicht verkneifen: „Deine Zeitrechnung geht hier scheinbar anders.“ Sie wies auf die Uhr. „Vielleicht hab ich mich ein bisschen verschätzt. Hab auf der Hinfahrt nicht so genau aufgepasst, weil ich gleich in Kiel noch was erledigt hab.“ Mit einem eleganten Schlenker brachte Josef den Panda in einer winzigen Parklücke zum Stehen. Vermutlich war hier zuvor ein Motorrad oder Ähnliches abgestellt gewesen. Beim Öffnen ihrer Türe musste Sandra tierisch aufpassen, dass sie nicht an das benachbarten Auto stieß. Sie kam sich vor wie eine Schlange, als sie sich durch den engen Spalt zwängte. Josef mahnte noch: „Drück bitte den Knopf in der Türe zum Zusperren!“ „Da freue ich mich doch schon auf den Platz im Führerhaus, wenn wir mit dem Lkw zum nächsten Veranstaltungsort fahren“, seufzte Sandra, als sie endlich draußen war. Josef hatte schon das Gepäck aus dem Kofferraum geholt. Nun schloss er den Wagen ab, wobei er noch einmal in den Spalt zwischen dem Fiat und dem Nachbarn musste. Dieser alte Wagen hatte noch keine Fernbedienung. Man musste ganz klassisch den Schlüssel in das Schloss der Fahrertüre stecken. Nicht einmal eine Zentralverriegelung gab es. So etwas kannte Sandra nur aus Erzählungen von Opa oder Uri. Mit beschwingten Schritten marschierte Josef nun auf einen Stall zu. Dort ging er zielstrebig zu einem jungen Mann. „Hier, deine Schlüssel. Danke fürs Leihen, Mann.“ „Für dich doch immer gerne, Jos“, gab der andere zurück. Er musterte Sandra, die ihrem Bruder gefolgt war. „Dann bist du wohl Sandy, oder?“ „Muss ich wohl“, gab Sandra zurück. „Ich nehme an, du bist Torben mit Karl-Otto?“ „Jep.“ Sandra nahm Torben unter die Lupe. Er hatte eigentlich die ideale Figur für einen Jockey. Beim Dressurreiten auf einem großen Warmblut konnte Sandra ihn sich nicht so wirklich vorstellen. Josef räusperte sich. „Ja, ich zeige Sandy dann gleich mal, wo sie pennen kann. Man sieht sich und noch mal danke.“ „Sind unsere Pferde auch hier?“, wollte Sandra zuerst wissen. „Nö, die sind in einem anderen Stall untergebracht. Wir besuchen sie gleich nachher.“ Josef steuerte nun in die Richtung, in welcher viele Lkws und auch Gespanne mit Pferdeanhängern geparkt waren. Er erklärte: „Martin und ich schlafen im Laster. Für Paula haben wir hier zum Glück eines der Gästezimmer bekommen. So braucht sie ihr Zelt im Moment nicht. Das kannst du haben. Wir haben es sogar schon für dich bei uns in der Nähe aufgebaut.“ Weiter folgte Sandra ihrem Bruder. Leider bekam sie auf dem Weg kein einziges Pferd zu Gesicht. Dann kam ihnen schon Martin entgegen. „Hey! Da ist ja unsere Vertretung. Klasse, dass du einspringst, Sandy.“ „Hallo Martin. Mach ich doch gerne. So erlebe ich in diesen Ferien wenigstens auch noch was“, entgegnete Sandra. „Mit uns auf jeden Fall“, pflichtete Martin ihr bei. „Schließlich geht’s am Montag gleich weiter nach Polen.“ „Da war ich noch nie“, stellte Sandra fest. Martin meinte noch: „Nachdem du jetzt so lange im Zug gesessen bist, willst du doch bestimmt reiten. Ich hätte da den einen oder anderen Kandidaten, der heute nur noch entspannte Bewegung braucht.“ „Reiten? Immer!“, antwortete Sandra lachend. Es war, als hätte sie die ganze Geschichte mit Matteo und seinen Freunden hinter sich gelassen, wie sie im Moment der Heimat den Rücken gekehrt hatte. Nun führte Josef seine Schwester um den Lkw herum. Tatsächlich befand sich ganz in der Nähe eine Wiese, auf der noch andere Zelte und auch Wohnwägen standen. „Bitteschön, dein Reich für die nächsten drei Tage“, erklärte er, als er auf ein kleines, hellblaues Zelt deutete. Sofort kroch Sandra in ihre neue Behausung und brachte ihre Sachen hier unter. Zum Glück hatte Mama ihr gesagt, sie solle unbedingt ihren Schlafsack mitnehmen. Andererseits war Sandra bereits oft genug auf Turnieren dabei gewesen, dass sie daran sogar selbst gedacht hätte. Rasch zog Sandra sich um. Sie hatte während der Fahrt eine kurze Jeans mit einem Trägershirt angehabt. Zur Sicherheit cremte sie sich die Schultern und Arme noch einmal mit Sonnenmilch ein und entschied sich für ein T-Shirt, das ganz kurze Ärmel hatte. Die Reithose war natürlich unverzichtbar. In Anbetracht der Temperaturen hatte Sandra allerdings ihre dünnste Reitleggins dabei, in welche sie nun auch schlüpfte. Anschließend traf sie sich wieder mit Josef. „Ich bin startklar. Wen soll ich bewegen?“ Auch Martin stieß noch einmal zu den beiden. „Es wäre toll, wenn du mit Klabautermann und Jack Spain eine Runde draußen machen könntest. Ich habe heute schon mit ihnen trainiert, und Paula hat sie grasen lassen. Sie sollen sich nur noch die Beine vertreten können.“ „Klar, das mache ich. Habt ihr hier schon einen Weg erkundet, den man schön reiten kann?“ „Ganz einfach, ich komme zumindest auf der ersten Runde mit“, bot Josef an. „Dancing Girl muss heute nämlich auch noch raus. Für sie ist es schon eine Umstellung, dass es hier kein freies Leben auf der Koppel gibt. Die alten Hasen sind das ja gewöhnt, wenn sie woanders hinkommen.“ „Hast du dich eigentlich schon erkundigt, wie das in Warendorf laufen wird?“, hakte Sandra nach. „Ich gehe schwer davon aus, dass die dort zumindest Weideflächen zur Verfügung stellen, auf die halt weniger Pferde kommen“, entgegnete Josef. „Genau weiß ich noch nicht, wie sie da untergebracht sind.“ „Aber du hast dich jetzt wirklich dazu entschlossen, oder?“ Josef nickte. „Ja, ich möchte das unbedingt machen. Es ist eine einmalige Chance. Später, wenn wir den Hof übernehmen, kommen mir solche Erfahrungen bestimmt einmal sehr zugute.“ Auf diese Aussage hin musste Sandra lächeln. „Hast du Paulinchen auch mit in deine Pläne eingebaut?“ „Die wird unsere Sekretärin“, winkte Josef lachend und nicht so wirklich ernst gemeint ab.


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