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> Tierbücher > Die Biedermanns und ihre Pferde
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Tierbücher
Buch Leseprobe Die Biedermanns und ihre Pferde, Martina Sein
Martina Sein

Die Biedermanns und ihre Pferde


Wendung des Schicksals

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Der Frühling kam in diesem Jahr beinahe über Nacht und so kräftig, wie Sandra es noch nie erlebt hatte. Mitte März wurde es plötzlich warm. Von heute auf morgen saßen die Reiter im T-Shirt auf ihren Pferden und hatten sich höchstens für den Notfall eine leichte Jacke um den Bauch gebunden. So waren gerade auch Sandra und ihre Freundinnen Claudia und Marie unterwegs. Ihre Pferde Momo, ein silbergraues Welsh Cob, die rot-weiß gescheckte Hasi und der Braune Cullino trotteten mit entspannt nickenden Köpfen vor sich hin. Die Mädchen hatten diesen Samstag für einen langen Ausritt genutzt und waren dabei das eine oder andere Mal getrabt und galoppiert. Claudia bemerkte gerade: „Wie gut, dass wir Prinz Hassan heute nicht mitgenommen haben.“ Seit dem vergangenen Weihnachten war sie stolze Besitzerin von Hasis Fohlen, auf der sie eine Reitbeteiligung hatte. Sandra nickte. „Allerdings. Und ich bin froh, dass wir die Absetzer erst nächstes Wochenende machen. Hoffentlich wird es dann nicht so knapp wie letztes Jahr.“ Damals hatten sie an einem Tag den Stall mit den Fohlen, die von ihrer Mutter entwöhnt werden mussten, geräumt und auf Hochglanz gebracht. Gleich hatten die nächsten Bewohner einziehen dürfen. In eben dieser Nacht war dann schon das erste Fohlen der Saison auf die Welt gekommen. Nachteule, wie die Mutterstute hieß, hatte es meistens eiliger mit dem Abfohlen als errechnet. Die sollte aber erst in ein bis zwei Monaten wieder gedeckt werden und dann elf Monate später ihren nächsten Nachwuchs bekommen. Da wollte Claudia wissen: „Behaltet ihr dann eigentlich alle Zuchtstuten?“ Sandra wusste sofort, worauf ihre Freundin hinauswollte. Eigentlich hatten die Biedermanns zwei Laufboxen, in denen sich jeweils vier Stuten gegebenenfalls mit ihren Fohlen tummelten. Letztes Jahr hatte sich allerdings eines der Turnierpferde so schwer verletzt, dass es mit der Karriere in der Dressur vorbei war. Nun sollte auch Brigade Mama werden. Damit waren es insgesamt neun Tiere, wenn man vom Nachwuchs einmal absah. „Gute Frage“, gab Sandra schließlich zurück. „Ich glaube, meine Eltern rechnen damit, dass Yesterday nicht mehr oft aufnimmt. Sie ist ja die Älteste unter den Damen.“ Die Mädchen waren nun über die Kuppe geritten, hinter welcher der Hof der Biedermanns in Sicht kam. Eine Gestalt lief ihnen zu Fuß entgegen. Sandra stellte fest: „Yvonne scheint es besser zu gehen.“ Im Hause der Biedermanns gab es vier Kinder. Sandra hatte mit Josef einen älteren Bruder und mit der erst einjährigen Paulina eine viel jüngere Schwester. Da Yvonnes Eltern im Ausland lebten, war auch Sandras Cousine noch da. Die hatte Asthma und war auch sonst nicht immer bei bester Gesundheit. Wenn irgendein Infekt rumging, konnte man sicher sein, dass sie ihn aufschnappte. Heute hatte sie über Kopfschmerzen geklagt und sich deshalb von dem gemeinsam geplanten Ausritt ausgeklinkt. Bald erreichten die Reiterinnen die Fußgängerin. „Na, was macht dein Kopf?“, wollte Sandra wissen. „Ist etwas besser“, antwortete Yvonne. „Deshalb will ich mir auch Galaxy holen und sie ein bisschen longieren.“ Sie kümmerte sich um das Pferd ihrer Mutter. „Außerdem habe ich heute erfahren, dass ich über Ostern doch nicht zu meinen Eltern fliege.“ „Warum das denn?“, fragte Sandra. Sie wusste, wie viel ihrer Cousine diese Besuche bedeuteten. Sicher war sie nun sehr enttäuscht. Yvonne lächelte jedoch. „Mama muss dringend etwas in Deutschland erledigen. Da dachte sie, dass sie einfach diese zwei Wochen herkommt.“ „Und Alexander?“, wollte Sandra weiter wissen. „Das ist noch nicht sicher. Wäre natürlich doof, wenn ich ihn nicht sehen könnte, aber wenn Mama wirklich die ganzen Ferien bei uns verbringen würde, fände ich das super!“ Auch Sandra freute sich, dass sie ihre Tante Corinne bald sehen würde. Sie hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zu ihr gehabt. Natürlich vermisste sie ihre Tante nicht so sehr wie Yvonne ihre Mutter, aber dennoch fehlte einfach jemand, der früher regelmäßig hier gewesen war. „Du, das freut mich echt für dich. Dann musst du Galaxy natürlich noch so richtig in Form bringen. Sie soll doch gut aussehen, wenn Cori kommt.“ Sandra, Claudia und Marie ritten weiter. Sie mussten nun erst einmal ihre Pferde versorgen. Das taten sie gemeinsam. Momo und Cullino wurden auf den Paddock, der zum Offenstall gehörte, entlassen. Dann begleiteten die beiden anderen Claudia und Hasi nach nebenan. Hier war ein separater Bereich, der komplett verpachtet war. Hasis Besitzerin Andrea gehörten sämtliche Pintos, die sich hier befanden mit Ausnahme von Prinz Hassan. Das Hengstfohlen stürzte sich sofort auf seine Mutter und suchte nach dem Euter. So lang waren sie ja selten getrennt. Da musste er sich gleich mit einem großen Schluck Stutenmilch stärken. „Den wird es hart ankommen, wenn er abgesetzt wird“, stellte Sandra fest. Claudia wollte wissen: „Was passiert jetzt eigentlich mit Abby?“ Abby war Sobalis Adoptivfohlen, nachdem ihr eigenes leider am Tag seiner Geburt gestorben war. Sandra liebte unter den Zuchtstuten Sobali am meisten. Sie hatte auch Abby sofort in ihr Herz geschlossen und der jungen Stute das Fohlen-ABC beigebracht, ebenso wie, dass sie als Handpferd mit ins Gelände ging. „Meine Eltern und Abbys Besitzer sind der Meinung, dass sie erst einmal in ihrer gewohnten Umgebung und bei ihren Spielkameraden bleiben soll. Sie geben ihre Fohlen sowieso immer woanders hin, ehe sie entscheiden, ob und wen sie behalten. Da kann Abby genauso gut hierbleiben.“ „Darüber wirst du aber ziemlich erleichtert sein, könnte ich mir vorstellen“, warf Marie nun ein. Sandra nickte. „Na klar! Ich hatte schon ein bisschen Angst, ich könnte Abby jetzt schon aus den Augen verlieren. Wenn ich an das kleine, zitternde Wesen denke, das sie damals hier ausgeladen haben...“ Die Bilder von Abbys Ankunft standen Sandra noch deutlich vor ihrem geistigen Auge. Gemeinsam gingen die Mädchen über den Hof. Auf dem Sandplatz trainierte Josef mit seinem Nachwuchspferd Dancing Girl. Morgen würde er sie auf ein Turnier mitnehmen, bei dem sie ihre erste E-Dressur ging. Aus der Reitpferdeprüfung, die sie schon absolviert hatte, war sie gleich auf Anhieb und mit Abstand als Siegerin hervorgegangen. Dancing Girl war eine Tochter von Danny Boy. Der wiederrum war Mamas erfolgreichstes Turnierpferd gewesen. Mit ihm hatte sie so ziemlich alles gewonnen, was man im Dressursport nur gewinnen konnte. Seit vielen Jahren bescherte er den Biedermanns zuverlässig erstklassigen Nachwuchs. So wurde Dagobert bald ein Jahr alt und würde kommendes Wochenende mit den Gleichaltrigen seine Mutter verlassen. Vor dem anderen Stall sah Sandra Mama auf der Bank sitzen. Sie hatte ihr Handy in der Hand und schien etwas Wichtiges zu lesen. Erst als die Mädchen schon beinahe vor ihr standen, schaute sie auf. „Na, wie war euer Ausritt?“ „Herrlich!“, schwärmte Sandra sogleich. „Du hättest mitkommen sollen.“ „Zu viel zu tun.“ Mama zuckte mit den Schultern. Sie sah aus, als wollte sie noch etwas sagen, überlegte es sich dann aber doch anders. Heute wollte wieder einmal die ganze Familie gemeinsam zu Abend essen. Dazu richtete Karin, Opas zweite Frau, alles in Uris Bungalow her. Der war nur ein paar Minuten zu Fuß vom Hof der Biedermanns entfernt. Sandras Uroma war weit über neunzig Jahre alt, scharte die Familie jedoch nur zu gern um sich. Jetzt kam auch wieder die Jahreszeit, in der sie selbst leichter das Haus verlassen konnte. Die Kälte im Winter tat ihren Knochen nicht gut. Das sagte sie immer wieder. Es war ein ganzer Zug, der sich nach der Stallarbeit auf den Weg machte. Neben Mama und Papa waren da natürlich noch Josef, Sandra, Yvonne und auch der finnische Au-pair-Junge Mika samt seiner kleinen Tochter Janni. Die saß gemeinsam mit Paulina im Geschwisterkinderwagen. Karin und Opa waren bereits beide bei Uri. Als alle am Tisch saßen, verkündete Karin: „Ich habe heute den ersten Salat gepflanzt. Der sollte bis Mai reif werden.“ „Lecker!“, rief Josef aus. Wenn er gekonnt hätte, hätte er sich am liebsten nur von den Sachen ernährt, die Karin in Uris Garten anbaute. „Das hat mir über den Winter schon sehr gefehlt.“ „Du musst nur noch ein paar Wochen durchhalten, mein Junge“, ermunterte Karin Josef. Dann ergriff Mama das Wort: „Ich habe auch noch Neuigkeiten.“ Gespannt sahen sie alle an. „Ihr könnt euch doch bestimmt noch an Donna Luisa erinnern, oder?“ Alle außer Mika und den Kleinen nickten zustimmend. Josef meinte: „Dass ihr die hergegeben habt, habe ich bis heute nicht verstanden.“ Daraufhin fuhr Mama fort: „Dann wird es dich umso mehr freuen, dass sie uns angeboten wurde. Ihre aktive Turnierkarriere ist zu Ende. Die Besitzer haben keine Zucht, sind aber der Meinung, dass sie sich unbedingt vererben sollte. Deshalb sind sie auf mich zugekommen, ob wir sie wieder haben möchten. Wir könnten sie gleich in diesem Jahr noch decken lassen.“ „Ups, dann hätten wir ja gleich zehn Zuchtstuten“, stellte Sandra fest. Josef ergänzte: „Und damit nächstes Jahr sechs eigene Fohlen. Ich bin dafür.“ „Weil du dich so viel mit den Fohlen beschäftigst“, begehrte Sandra auf. „Aber ja, das wäre ein Traum, wenn neben Brigade auch noch Donna Luisa zu den anderen dazukommt.“ Opa blickte kurz in die Ferne. „Donna Luisa war ein sehr aufgewecktes Fohlen. Ich kann mich noch gut an sie erinnern. Bei der wusste ich vom ersten Moment an, dass sie etwas Besonderes ist. Wann kommt sie denn?“ Papa lachte. „Das hört sich ganz so an, als wäre es schon beschlossene Sache.“ „Was denn sonst?“, rief Sandra aus. Uri warf ein: „Zwei Stuten mehr. Ist doch kein Problem. Baut ihr halt ein bisschen an oder so.“ „Die Laufboxen sind wirklich groß genug“, meinte nun Opa. „Außerdem schwebt über Yesterday ein großes Fragezeichen. Ansonsten könnte man auch überlegen, ob man bei so hochkarätigem Zuwachs vielleicht für eine der anderen Stuten einen guten Platz sucht.“ „Oder Mira bekommt Hilfe bei der Erziehung der Halbstarken“, schlug Mama vor. „Da könnten wir sogar ein bisschen durchrotieren.“ „Möglichkeiten haben wir auf jeden Fall mehr als genug. Wann kommt Donna Luisa?“ „Wir können sie holen, wann immer wir wollen“, antwortete Mama. „Ich habe heute eine E-Mail von ihrem Besitzer bekommen. Er schreibt, dass er Donna Luisa wirklich nur sehr ungern hergibt, aber auch sieht, dass es für die Zucht absolute Verschwendung wäre, wenn er sie einfach nur auf die Koppel schicken würde.“ „Wo steht die jetzt eigentlich?“, wollte Sandra wissen. „In der Ecke um Stralsund“, gab Mama zurück. „Jedenfalls habe ich gleich angerufen, als ich die E-Mail gelesen hatte. Wir haben uns eine ganze Weile unterhalten. Donna Luisa darf in den Ruhestand gehen, obwohl sie noch fit ist. Das finde ich wirklich gut. Hätte ich mir bei Brigade auch gewünscht, aber leider geht es nicht immer. Er hätte nur eine Bedingung. Nein, das ist falsch ausgedrückt. Er hat eine Bitte geäußert.“ „Und die wäre?“ „Er kommt uns mit dem Preis entgegen, wenn er ein Vorkaufsrecht auf das erste Fohlen von Donna Luisa kriegt. Ich denke, darauf können wir uns einlassen, oder?“ „Und wenn gerade das der Kracher schlechthin ist?“, hakte Josef nach. „Dann heißt Vorkaufsrecht noch lange nicht, dass er das auch wirklich ausüben will“, erklärte Mama ruhig. „Ich könnte jedenfalls damit leben. Unsere Fohlen sind immer erstklassig. Und trotzdem müssen wir uns von den meisten trennen. Was haltet ihr also von der ganzen Sache?“ „Eine Menge“, rief Sandra sofort aus. Für sie konnten es gar nicht genug Pferde sein, die bei den Biedermanns lebten. Sie konnte sich nur noch vage an die Zeit erinnern, als Donna Luisa hier auf dem Hof gewesen war. Dafür hatte sie die Stute einige Male auf Turnieren gesehen, wenn sie Mama begleitet hatte. Uri mühte sich von ihrem Platz hoch, ging zum Kühlschrank und holte eine Flasche Sekt heraus. „Das ist doch wieder einmal ein Grund zum Anstoßen“, verkündete sie strahlend. „Uri, du bist einfach cool“, urteilte Josef. Er holte die Gläser. Die Flasche gab für jeden nur einen kleinen Schluck her. Dennoch wurde der Kauf und das Heimholen von Donna Luisa damit begossen. Auf dem Weg zurück nach Hause war die Stute, welche bald bei den Biedermanns einziehen sollte, das Gesprächsthema schlechthin. Sandra wollte noch einmal wissen: „Wann holen wir Donna Luisa denn ab?“ „Das könnten wir eigentlich diese Woche gleich erledigen, wenn wir uns alle einig sind“, meinte Papa. „Am Mittwoch habe ich keine Reitstunden zu geben und auch sonst nichts Außergewöhnliches im Kalender stehen. Wie sieht es bei dir aus, Ina?“ „Würde bei mir auch gehen, wenn mein Vater ein bisschen was von mir übernimmt.“


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