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> Tierbücher > Die Biedermanns und ihre Pferde
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Tierbücher
Buch Leseprobe Die Biedermanns und ihre Pferde, Martina Sein
Martina Sein

Die Biedermanns und ihre Pferde


Willkommen daheim

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Sandra und ihre Cousine Yvonne bereiteten gerade den Pferdeanhänger der Biedermanns vor. Die ganze Familie wollte nach dem Frühstück nach München fahren. Dort fand ein großes Turnier statt. Sowohl Dressur- als auch Springreiter würden später darum kämpfen, wer denn der Beste unter ihnen war. Mit dabei war auch Sandras älterer Bruder Josef. Der hatte heute allerdings nicht nur einen möglichen Sieg im Sinn. Vielmehr beschäftigte ihn wohl, dass er das erste Mal in seinem Leben ein Turnierpferd aus dem Sport verabschieden würde. Don Santa war lange Mamas bestes Pferd gewesen. Dann hatte sie mit dem aktiven Turniersport aufgehört und sich mehr Tieren und deren Besitzern gewidmet, die Probleme miteinander hatten. So war Josef zu Don Santa gekommen. Der hatte ein Alter erreicht, in dem man ihm den Ruhestand mehr als gönnen konnte. Heute sollte er seinen letzten Auftritt bei einem Turnier haben. Anschließend würde es eine kleine Zeremonie geben, bei welcher der Wallach in die Rente geschickt wurde. Sandra war schon sehr gespannt, was Josef sich für Don Santa ausgedacht hatte. Nun musste sie aber erst mit ihrer Arbeit hier fertig werden. Der Wallach sollte nach dem Turnier nämlich nicht mehr mit nach Warendorf fahren. Dort ritt Josef bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Nein, Don Santa durfte nach dem heutigen Auftritt in seinen heimatlichen Stall zurückkehren, in dem er sogar geboren worden war. Josef und seine Freundin Leentje, die schwanger war, würden in drei Wochen zu ihrem Weihnachtsurlaub nach Utting kommen. Dann wollte Josef entscheiden, welches Pferd er als Nachfolger von Don Santa mitnehmen würde. „Hier passt alles“, rief Sandra ihrer Cousine zu. „Reich mir bitte das Heunetz rein!“ Dieses hängte sie schon jetzt bereit, damit Don Santa auf dem Heimweg etwas zu fressen hatte. Dann kletterte sie aus der kleinen Türe vorne und meinte: „Weist du mich ein? Dann können wir gleich anhängen.“ Sie ging zu Mamas Auto und fuhr damit langsam rückwärts an den Transporter heran. Die vorderen Fenster hatte sie heruntergelassen, sodass sie Yvonne hören konnte. Die winkte, dass Sandra ein wenig nach rechts fahren sollte. Dann musste sie geradeaus, bis das Zeichen kam, dass sie richtig stand. Als Sandra wieder hinter den Wagen trat, lobte sie Yvonne: „Hey! Das ist ja perfekt.“ Sie musste lediglich das Stützrad herunterkurbeln und die Deichsel würde direkt in der Kupplung am Auto einrasten. Als das Kabel angesteckt und die Bruchsicherung an ihrem Platz waren, klatschte Sandra in die Hände. „Perfekt! Gehen wir frühstücken! Ich habe Kohldampf.“ Papa kam ebenfalls gerade aus dem Stall. Gemeinsam gingen sie nach oben, wo Mika bereits das Frühstück hergerichtet hatte. Nach einem Jahr als Au-pair war der Finne mit seiner inzwischen siebenjährigen Tochter Janni bei den Biedermanns geblieben und kümmerte sich um den Haushalt. Gerade Mama war sehr dankbar für diese Hilfe. Sie hatte sich nach einem Unfall einer Hüft-OP unterziehen müssen und war noch nicht wieder ganz genesen. Leider hatte man im Krankenhaus einen Tumor diagnostiziert gehabt. Im Januar würde Mama eine Chemotherapie beginnen. Sie hatte allerdings beste Chancen auf vollständige Heilung, da man sonst nichts bei ihr hatte finden können. Nun wollte sie wissen: „Na, alles glattgegangen?“ „Logo“, gab Sandra zurück. „Wir haben sogar schon angehängt.“ „Ihr seid ja super“, lobte Mama. Nach dem Frühstück wurden die Pferde auf die Koppeln gelassen. Anschließend verteilte sich die Familie auf drei Autos, mit denen sie zum Veranstaltungsort fahren wollten. Sie waren elf Leute und hätten sonst nicht alle mitgekonnt. Da taten sich Mama und Papa mit dem jüngsten Spross der Biedermanns Paulina und Janni zusammen. Opa und seine zweite Frau Karin würden mit Mamas Schwester Corinne und deren Mann Alexander fahren. Sandra wollte das Gespann steuern und nahm Yvonne sowie deren Pflegeschwester Conchita mit. Josef hatte alles organisiert, dass sie Don Santa später direkt bei Sandra einladen konnten. Sie durfte dort parken, wo die Teilnehmer mit ihren Transportern und Lkws untergebracht waren. Sobald sie angekommen waren, schrieb Sandra ihrem Bruder eine Nachricht. Der sollte noch genügend Zeit haben, dass sie sich vor seinem ersten Auftritt sehen konnten. Tatsächlich tauchte Josef kurz darauf auf dem Parkplatz auf. Er kam direkt auf Sandra, Yvonne und Conchita zu. „Hey ihr drei! Na, hat alles geklappt?“ „Die Limousine für seine Königliche Hoheit Don Santa ist bereit und nur mit dem besten Heu bestückt“, erklärte Sandra. „Er wird es hoffentlich zu schätzen wissen.“ Josef umarmte alle zur Begrüßung. Da wollte Yvonne wissen: „Bist du aufgeregt?“ „Ja, total“, gestand Josef. „So nervös war ich schon lange vor keinem Turnier mehr. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es bei der Olympiade im Sommer so schlimm sein wird, sollte ich dabei sein.“ „So ein Pferdeabschied ist halt etwas Besonderes“, meinte Sandra. „Wir gehen jetzt die anderen suchen. Toi, toi, toi!“ „Danke“, gab Josef zurück. „Drückt mir die Daumen, dass ich Don Santa nicht am Ende seinen letzten Auftritt vermassle, weil ich meine Nerven nicht im Griff habe.“ „Du machst das schon, Großer!“, entgegnete Yvonne und schlug Josef auf die Schulter. Vor dem Eingang der Halle trafen die drei auf den Rest der Familie. Sandra berichtete: „Josef ist total aufgeregt.“ „Das kann ich mir vorstellen“, stimmte Mama zu. „Diese Abschiede sind selten und immer etwas Besonderes. Beim ersten Mal ist es natürlich am schlimmsten. Ich bin ja nur gespannt, welches Pferd Jos nach Weihnachten mitnehmen will.“ „Ich glaube, am liebsten hätte er Dagobert“, erwiderte Sandra. „Er weiß aber, dass das schwierig wäre, weil der ja auch decken soll.“ Als Erstes stand eine etwas leichtere Dressurprüfung auf dem Programm. In dieser ritt Josef ebenfalls mit. Dafür hatte er seine langjährige Stute Afrika gesattelt. Opa wisperte: „Wie lange er Afrika wohl noch reiten will? Die ist nicht viel jünger als Don Santa.“ „Das können wir alles an Weihnachten mit Jos besprechen“, gab Papa zurück. „Er hat sich bestimmt schon so seine Gedanken gemacht.“ Über Mittag gab es eine Pause. Die Halle leerte sich zusehends. Dafür bildeten sich lange Schlangen an den Versorgungsständen. Endlich sollte die Hauptdressurprüfung des Tages starten, ehe später noch die Springreiter ins Geschehen eingriffen. Als Josef an der Reihe war, erklärte der Stadionsprecher: „Meine Damen und Herren, schauen Sie sich dieses Pferd noch einmal gut an! Sie haben nachher die Ehre, dass wir es gemeinsam mit seinem Reiter aus dem Sport verabschieden.“ Don Santa erhielt tatsächlich den lautesten Applaus aller, die bisher in das Viereck gekommen waren. Josef zeigte noch einmal seine Kür, die er nun schon einige Jahre ritt. Dabei unterlief ihnen kein einziger Fehler. Der Wallach schien heute so richtig gut aufgelegt zu sein. Schwungvoll sprang er die Galoppwechsel und ließ sich ein letztes Mal aus dem starken Galopp in eine doppelte Pirouette auf jeder Hand versammeln. Opa meinte zu Mama: „Bei dem Jungen kann man deine Handschrift deutlich sehen.“ „Er hat sich aber in Warendorf sehr weiterentwickelt“, gab Mama zurück. „Das war bei dir nicht anders, als du von deiner Ausbildung aus der Lüneburger Heide zurückgekommen bist“, gab Opa zu bedenken. „Dein Lehrmeister dort hat dich unglaublich vorangebracht.“ Das Teilnehmerfeld war überschaubar, und so war es kein Wunder, dass Don Santa einen letzten Sieg erringen konnte. Direkt im Anschluss an diese Ehrung sollte seine eigene Zeremonie folgen. Er bekam eine Decke aufgelegt, auf die Josef alle Erfolge des Wallachs bei großen Turnieren hatte drucken lassen. Ein paar Leute hielten kurze Ansprachen, und natürlich bekam Josef selbst das Mikrofon in die Hand gedrückt. Da saß er auf Don Santa, der plötzlich zu tänzeln begann wie ein Jungpferd, und versuchte, seinem vierbeinigen Begleiter gegenüber seinen Dank auszudrücken. Auf der Tribüne hatten sowohl Mama als auch Sandra Tränen in den Augen. Als Abschiedsgeschenk gab es für Don Santa eine ganze Schubkarre voller Karotten und herrlich rotbackiger Äpfel. Zum Schluss sollte Josef noch ein paar Runden galoppieren und dem Publikum zuwinken. Für diese Gelegenheit suchte jeder Reiter ein passendes Lied für sein Pferd aus. Josef hatte nicht damit herausrücken wollen, für welches er sich entschieden hatte. Nun ertönten die Klänge von An Tagen wie diesen aus den Lautsprechern. Don Santa galoppierte, als hätte er heute noch nichts getan. Als er einmal kurz stolperte, keilte er sogar ärgerlich aus und machte gleich noch einen Bocksprung, wie man ihn von ihm in all den Jahren nie gesehen hatte. „Da will aber einer zeigen, dass er nicht reif fürs alte Eisen ist“, kommentierte Papa. Mama stimmte ihm zu. „Man könnte wirklich meinen, der will gar nicht in Rente gehen. Ab morgen kann er sich auf unseren Koppeln austoben, wenn er das nötig hat.“ Als die letzten Töne des Lieds verklangen, lenkte Josef Don Santa dem Ausgang zu. Er drehte sich noch einmal im Sattel um und winkte. Auf der großen Anzeigentafel erschien Danke Don Santa! Dann war es vorbei. Ab jetzt würde keine Dressurprüfung mehr kommen. Daher wollten sich die Biedermanns, Trautbergs und Danningers auf den Heimweg machen. Sandra sollte Don Santa in Empfang nehmen, sobald Josef ihn fertiggemacht hatte. Zunächst durfte der Wallach auf einem extra Platz auslaufen, damit seine Muskeln langsam abkühlen und sich seine Atmung beruhigen konnten. „Das war wieder einmal richtig schön“, erklärte Corinne, als sie alle vor der Halle standen. „Ich war schon ewig nicht mehr bei so einer Veranstaltung.“ Alexander, ihr Mann, nickte zustimmend. „Ja, früher haben wir Ina öfter mal begleitet, aber das ist gefühlt ewig her.“ Dann wandte er sich an Conchita: „Willst du wieder bei Sandy mitfahren oder jetzt doch lieber bei uns? Das dauert bestimmt ein Weilchen, bis sie Don Santa verladen können.“ „Macht nichts“, winkte Conchita ab. „Ich will dabei sein, wenn Don Santa nach Hause kommt.“ „Alles klar. Wir fahren voraus. Oder braucht ihr Hilfe?“, wollte Mama wissen. Sie selbst konnte eh nicht mit anpacken. Außerdem wollte sie ihrer Tochter zeigen, dass es nicht nur leere Worte gewesen waren, als sie ihr einen Teil der Verantwortung für den Stall übertragen hatte. Sandra entgegnete: „Ein Pferd wie Don Santa sollten Jos, Yvonne und ich verladen bekommen. Bereitet ihr ihm daheim nur einen ordentlichen Empfang! Schließlich kehrt ein Champion nach Hause zurück.“ Mit Yvonne und Conchita im Schlepptau machte Sandra sich auf den Weg zu dem anderen Parkplatz. Dort öffneten sie die Klappe, damit Don Santa einsteigen konnte, sobald Josef ihn brachte. Dann mussten sie wirklich noch eine ganze Weile warten. Etwa nach fünfundvierzig Minuten kam Josef mit seinem Pferd am Strick heran. Den Sattel hatte der Wallach auf dem Rücken liegen, ohne dass der Gurt geschlossen war, und die Trense hing über Josefs Schulter. Sofort ging Yvonne den beiden entgegen und nahm Don Santa seine Last ab. Er trug inzwischen eine andere Decke, damit er sich beim Transport nicht erkälten konnte. Josef blieb ein paar Meter vor der Rampe mit ihm stehen, gab Sandra das Zaumzeug und wandte sich dann an den Wallach: „Jetzt ist es so weit. Du fährst nach Hause und ich zurück nach Warendorf.“ Ganz leise, sodass nur das Pferd ihn hören konnte, fügte er hinzu: „Ich danke dir für alles, und wir sehen uns bald wieder. Komm gut heim!“ Nun ergriff Josef noch einmal den Führstrick und ging mit Don Santa auf den offenen Transporter zu. Allerdings blieb er neben der Rampe stehen, während der Wallach alleine einstieg und an seinen Platz ging. Josef folgte ihm und stellte die Absperrung quer. Dann band er seinen Weggefährten an und streichelte ihn ein letztes Mal. Schließlich kam er heraus und schloss gemeinsam mit seiner Schwester die Klappe. „Fahr vorsichtig!“, mahnte er. „Du hast eine wertvolle Fracht. Wir sehen uns an Weihnachten.“ Noch einmal umarmte Josef alle. Dann stiegen Sandra, Yvonne und Conchita in Mamas Auto und fuhren langsam davon. Josef blieb wie angewurzelt auf dem Parkplatz stehen, bis er das Gespann nicht mehr sehen konnte. Zu Hause wurde Don Santa von der ganzen Stallmannschaft erwartet. Er stieg hier genauso gelassen aus wie in München ein. Auch schien er sich nicht darüber zu wundern, dass er wieder hier war. Als hätte es die letzten Jahre in Warendorf nicht gegeben, folgte er Sandra in den Stall und bezog dort fürs Erste ein extra abgetrenntes Abteil neben seinem alten Laufstall. In den nächsten Wochen sollte sein Training langsam zurückgefahren werden, und im Frühjahr durfte er dann in den Offenstall umziehen, um dort wirklich sein Rentnerdasein genießen zu können.


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