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> Tierbücher > Die Biedermanns und ihre Pferde
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Tierbücher
Buch Leseprobe Die Biedermanns und ihre Pferde, Martina Sein
Martina Sein

Die Biedermanns und ihre Pferde


Generationenwechsel

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Sandra schaute nach vorne, wo ihre kleine Schwester Paulina stolz mit der großen Schultüte im Arm bei ihren neuen Klassenkameraden stand. „Jetzt ist unsere Jüngste auch schon so groß“, flüsterte Papa, der hinter Sandra stand. „Ich kann mich noch so gut daran erinnern, als Jos seinen ersten Schultag hatte.“ Da drückte Mama die Hand ihres Mannes und antwortete: „Geht mir ganz genauso. Sie werden viel zu schnell groß.“ Die zweite Klasse sollte nun ein Lied zur Begrüßung der Neuen singen. Unter ihnen war auch Paulinas beste Freundin Janni. Die lebte sogar im selben Haushalt. Ursprünglich hatte ihr Vater Mika nur ein Jahr als Au-pair bei den Biedermanns verbringen wollen. Dann war er geblieben und hatte die Hauswirtschaftsschule besucht. Nun war wohl jeder heilfroh darum, dass er sich um alles, was dazugehörte, kümmerte. Mika war bei den Biedermanns so wenig wegzudenken wie jedes andere Familienmitglied auch. Janni hatte schon immer gern gesungen. Nun trällerte sie am lautesten von der ganzen zweiten Klasse. Jeder, der sie kannte, musste dabei grinsen. Natürlich war auch Mika mit zur Einschulung von Paulina gekommen. Er meinte jetzt: „Das ist meine Tochter.“ „Von wem sie das wohl hat?“, wisperte Papa. Ehe die etwas älteren Schüler wieder gingen, winkte Janni ihrem Vater und den anderen, die für sie genauso zur Familie gehörten, eifrig zu. Die Direktorin der Grundschule sagte nun noch ein paar Worte. Dann wurden die Schüler gebeten, mit ihrer neuen Lehrerin, Frau Maus, in ihr Klassenzimmer zu gehen. Die Eltern konnten sich gerne bei Kaffee und Kuchen, worum sich der Elternbeirat gekümmert hatte, verwöhnen lassen. Die Kleinsten hatten heute lediglich eine Schulstunde. Dann durften sie bereits wieder mit nach Hause. „Ein Kaffee ist jetzt genau das Richtige“, verkündete Opa. Ehe er sich jedoch in der Schlange aus Eltern und anderen Angehörigen einreihte, meinte er noch: „An den Enkelkindern merkt man selber, wie alt man wird.“ „Hast ja genug davon“, bemerkte Sandra und zwinkerte ihrem Großvater schelmisch zu. Obwohl er vor ein paar Jahren mit dem Reiten aufgehört hatte, war er für sein Alter in einer sehr guten Verfassung. Das kam sicher daher, dass er immer noch Reitunterricht gab und sich auch regelmäßig im Stall nützlich machte. Allerdings hatten er und seine zweite Frau Karin begonnen, öfter mal eine kleine Reise zu unternehmen. So wollten sie auch diese Woche von Donnerstag bis Sonntag in den Schwarzwald. Dort gab es ein Konzert, das sie interessierte. Damit sich die lange Fahrt auch lohnte, blieben sie einfach ein paar Tage da. Sie wollten viel Spazierengehen und sich auch noch ein paar Sehenswürdigkeiten anschauen. Durch die Fenster der Aula konnte Sandra beobachten, wie die anderen Klassen nun in die Pause gingen. Für die Abc-Schützen hatte der Schultag erst später begonnen. Dann war es Zeit, dass Paulina wiederkam. Die Ersten aus ihrer Klasse strömten bereits in die Halle und suchten nach ihren Familien. Dann tauchte auch der jüngste Spross der Biedermanns auf. Papa nahm sie auf den Arm und fragte: „Na, wie hat es dir gefallen?“ Paulina hatte für ihr Alter einen ungewöhnlich trockenen Humor. So erwiderte sie – ohne die Miene zu verziehen: „Ich denke, dass ich morgen wieder herkomme.“ Ein anderer Vater, der in der Nähe stand und das gehört hatte, meinte: „Da habt ihr aber Glück gehabt.“ Opa und Karin waren mit dem Auto gefahren und hatten Paulina mit ihren Sachen mitgenommen. Die anderen hatten sich entschieden, innerhalb des Orts zu Fuß gehen zu können. So machten sie sich auch wieder auf den Rückweg. Zur Feier des Tages wollte die ganze Familie Essen gehen. Natürlich hatte Paulina sich aussuchen dürfen, wohin sie denn mochte. Die Überraschung war nicht groß gewesen, dass sie ihr Lieblingsschnitzel haben wollte. Bevor es jedoch losging, besuchte Sandra noch ihre beiden Pferde. Sie wollte die Zeit nutzen, wenigstens mit dem Welsh Cob Momo ein bisschen zu arbeiten. Für die Einschulung hatte sie sich nur einen halben Tag freigenommen und wurde um zwei Uhr in einem anderen Reitstall erwartet. Seit sie ihre Ausbildung zur landwirtschaftlichen Gesellin – früher hätte man es einfach Bäuerin genannt – abgeschlossen hatte, arbeitete sie für ein Lohnunternehmen. Fragte ein Betrieb mit Pferden an, schickte man meistens sie. Allerdings landete sie auch oft genug auf ganz normalen Bauernhöfen. „Na, mein Kleiner“, begrüßte Sandra ihr silbergraues Pony. „Was sagst du jetzt dazu, dass unser Paulinchen ab heute in die Schule geht?“ Neugierig drängte auch das New Forest Pony Blondie heran. Sandra und ihr älterer Bruder Josef, der bei der Bundeswehr studiert hatte und dort in der Sportfördergruppe war, hatten zum sechsten Geburtstag je ihr erstes eigenes Pferd bekommen, was in Sandras Fall Momo und bei Josef ebenfalls ein Welsh Cob namens Daisy, gewesen waren. Der Tradition folgend und natürlich auch, dass es unter den Geschwistern gerecht zu ging, hatte Paulina dieses Jahr eben Blondie bekommen. Bei ihr handelte es sich um einen kleinen Hellfuchs. Paulina, die natürlich auf ein Pferd gesetzt worden war, sobald das möglich gewesen war, war vom ersten Moment an hervorragend mit Blondie zurechtgekommen und ritt sogar schon im Begleitung mit ihr aus. Für den Nachmittag hatte Mama ihr einen Ausflug ins Gelände versprochen, nachdem sie selbst in wenigen Tagen für längere Zeit geschäftlich verreisen musste. Seit einer Dokumentation, die hier auf dem Hof über Mama und ihre Arbeit mit Problempferden gedreht worden war, hatte man eine ganze Fernsehserie daraus gemacht. Nun sollten die Dreharbeiten für die neueste Staffel beginnen, wobei Mama quer durch Frankreich und Großbritannien einige Reitställe besuchen würde. Momo freute sich wie immer, wenn Sandra Zeit für ihn hatte. Seit sie arbeitete, war die natürlich deutlich knapper geworden als früher. Heute gingen die beiden auf den Springplatz, wo Sandra allerdings vom Boden aus an der Doppellonge mit dem Pony arbeitete. Es dauerte nicht lange, als Paulina am Rand auftauchte. „Darf ich auch wieder?“, fragte sie. Sie war so eine richtige kleine Pferdenärrin; wie auch der Rest der Familie. Mit braven Pferden war es überhaupt kein Thema, dass man sie auch arbeiten ließ. „Na klar“, antwortete Sandra und winkte ihre kleine Schwester schon zu sich. Die ergriff die langen Leinen und forderte Momo auf, dass er antreten sollte. Geschickt lenkte sie den Wallach um die Hürden, die sich Reiter, welche mit ihren Pferden springen wollten, hier aufgebaut hatten. An einer Stelle, wo genügend Platz war, ließ sie Momo dann um sich herum im Trab laufen und machte auch ein paar Handwechsel. „Das kannst du schon richtig gut“, stellte Sandra fest. Auch Opa kam heran. „Wo findet man die Biedermannmädels? Bei den Pferden! Ihr solltet dann langsam Schluss machen. Sonst wird das mit dem Essen zu spät. Janni kommt auch bald aus der Schule.“ Paulina übergab Momo wieder an ihre Schwester und hüpfte in Richtung Wohnung davon. Dafür begleitete Opa Sandra zum Offenstall, in dem Momo lebte. Die meinte: „Wenn Paulinchen so weitermacht, dann entpuppt sie sich noch als das größte reiterliche Talent in unserer Familie. Da darf Jos sich warm anziehen. Der kriegt echt Konkurrenz.“ „Ich glaube nicht, dass ihn das stört“, entgegnete Opa. „Wer weiß, ob Paulinchen überhaupt Interesse an Wettkämpfen hat? Du könntest schließlich mindestens genauso gut sein wie Jos und magst einfach nicht.“ Wie oft hatte Sandra sich das schon anhören müssen? Angeblich konnte sie besser Reiten als ihr großer Bruder, der mittlerweile ziemlich bekannt war. Schließlich trug er einen berühmten Namen, denn Mama war nach wie vor die erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten. Sie hatte alles gewonnen, was in diesem Sport nur möglich war. Sandra hatte jedoch immer gesagt, dass sie das Leben mit den Pferden genießen und sich nicht dem Stress und Druck von Wettkämpfen aussetzen wollte. Daher wehrte sie immer vehement ab, dass sie das größere Talent der Geschwister sein sollte. Nun lenkte sie einfach ab, indem sie sagte: „Jos hat heute früh eine total nette Sprachnachricht für Paulinchen geschickt. Die hat sich riesig darüber gefreut. Er wäre gerne auch bei ihrer Einschulung dabei gewesen.“ Opa nickte. „Ja, wäre der Junge nicht so weit weg, hätte man das schon bewerkstelligen können. Ich habe ihn echt unterstützt, aber inzwischen frage ich mich, ob die Idee so gut war. Schließlich musste er sich ziemlich lange verpflichten.“ Immerhin hatte Josef das Studium inzwischen hinter sich. Nun musste er sozusagen die Kosten dafür bei der Bundeswehr abarbeiten. Dafür hatte er sich für dreizehn Jahre verpflichten müssen. Etwa zwei davon waren bereits um. Danach wollte er wieder auf den heimischen Hof kommen. In Sandras Gedanken hinein sprach Opa weiter: „Bis Jos wieder da ist, werde ich wohl nicht durchhalten.“ „Du weißt doch genau, dass ich nur ein bisschen Berufserfahrung sammeln will. Wenn ich wirklich auf dem Hof gebraucht werde, dann bin ich da.“ Daraufhin legte Opa einen Arm um Sandras Schultern. „Natürlich weiß ich das. Und so viel mache ich ja auch nicht mehr. Die paar Reitstunden …“ Sandra ergänzte: „Die könnte Ulla auch noch vollends übernehmen.“ Diese hatte bei den Biedermanns ihre Ausbildung zur Bereiterin gemacht. Sie ging gerne auf das eine oder andere Turnier, fühlte sich aber auch bei der Arbeit auf dem heimatlichen Hof sehr wohl. So hatte sie schon viel von Opas Aufgaben übernommen, als der sich vor ein paar Jahren den Fuß gebrochen hatte. Seitdem war er einfach nicht mehr so belastbar gewesen. Auf dem Putzplatz bekam Momo zunächst einmal eine Karotte zur Belohnung, sobald er sein Zaumzeug los war. „Hast wieder echt toll mitgearbeitet, mein alter Freund“, meinte Sandra und streichelte den Wallach. Seit vierzehn Jahren war er nun bereits ihr Gefährte. Bis Sandra in die Wohnung kam, welche über dem Pferdestall lag, war auch Janni bereits von der Schule zurück. Sie saß auf der Bank in der Küche und erzählte ohne Punkt und Komma, dass sie eine neue Lehrerin bekommen hatte und was die alles gesagt hatte. Mama und Mika standen an die Küchenzeile gelehnt und hörten zu. Schließlich meinte Mama: „Eigentlich sollten die Kinder doch in der ersten und zweiten Klasse dieselbe Lehrerin haben.“ „Ja, das war auch so geplant“, meinte Mika, der einen der zahlreichen Elternbriefe, die es am ersten Schultag immer gab, in der Hand hielt. „Hier schreiben sie aber, dass das eine Referendarin ist. Die sollte wohl keine erste Klasse übernehmen. Deshalb hat Paulinchen jetzt Frau Maus bekommen. Mit der gibt es sicher keine Probleme.“ Mama lachte. „Ein Glück für uns. Wobei, Sandy und Jos hatten auch jeder auf irgendeiner Schule eine Referendarin oder einen Referendar. Wir sind mit denen eigentlich auch immer gut gefahren. Was ihnen an Erfahrung fehlt, gleichen sie meistens durch Motivation wieder aus, die den älteren Kollegen manchmal schon fehlt.“ Dann fiel ihr Blick auf ihre Tochter. „Wenn du fertig bist, könnten wir starten.“ „Gebt mir zehn Minuten!“ Schon verschwand Sandra in ihrem Zimmer und kurz darauf im Bad. Opa und Karin kamen über die Speicherräume, welche die beiden Wohnungen trennten, herüber. Dann konnte es losgehen. Die Fahrt dauerte nur zwanzig Minuten. Während der fragte Paulina jedoch immer wieder: „Wann sind wir denn da? Ich habe so einen Hunger.“ Janni stieß sie an: „Schule macht Kohldampf, was?“ „Aber so was von“, bestätigte Paulina. „Meine Hausaufgaben habe ich übrigens schon gemacht.“ „Lass mich raten! Du musstest eine Schultüte anmalen und dazu, was bei dir drin war. Hab ich letztes Jahr auch machen müssen. Wir haben heute noch keine Hausaufgaben gekriegt.“ „Wenn ich in der zweiten Klasse bin, kriege ich vielleicht auch keine am ersten Tag“, konterte Paulina keck. „Und heute mache ich die gerne. Malen ist toll. Jetzt will ich aber auch richtig Schreiben lernen.“ Ihren Namen konnte die Sechsjährige schon sehr schön. So hatte Mika sogar angefangen, ihr bereits die Adresse beizubringen. Bei der Postleitzahl tat sie sich noch etwas schwer. Als die Familie an einem ausreichend großen Tisch Platz genommen hatte und jemand kam, um die Bestellung aufzunehmen, krähten Paulina und Janni sofort: „Ein Kinderschnitzel mit Pommes und viel Ketchup.“ „Das werden wir für die jungen Damen gerne machen.“ Die Bedienung zwinkerte ihnen zu. „Heute ist doch die Schule wieder losgegangen. In welche Klasse geht ihr denn?“ „In die zweite“, rief Janni. Paulina antwortete fast zeitgleich: „Das war überhaupt mein erster Schultag.“ Den Kindern wurde heute jeder Wunsch von den Augen abgelesen. So bekamen sie neben der extra Portion Ketchup auch noch jede einen großen Eisbecher als Nachtisch, wo sich die Erwachsenen eher mit einer Tasse Kaffee begnügten.


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