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> Tierbücher > Die Biedermanns und ihre Pferde
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Tierbücher
Buch Leseprobe Die Biedermanns und ihre Pferde, Martina Sein
Martina Sein

Die Biedermanns und ihre Pferde


Feierlichkeiten

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Sandra und Kilian ritten nun schon eine Weile schweigend dahin. Das kam selten bei ihnen vor. Sie waren frisch verliebt und hatten sich eigentlich ständig etwas zu sagen. Nun fragte Sandra vorsichtig: „Du bist heute so still. Ist was bei der Arbeit passiert?“ „Was?“ Kilian schaute kurz verwirrt drein. Er war ganz in Gedanken gewesen und hatte nur auf den vor ihm nickenden Kopf seiner Pintostute Franja geschaut. „Ach so. Nein, Arbeit ist voll okay.“ „Aber irgendwas hast du heute.“ „Meine Eltern“, gab Kilian schließlich zurück. „Sie finden es überhaupt nicht gut, dass ich mir Franja gekauft habe.“ „Na und? Du bist schließlich volljährig und verdienst dein eigenes Geld.“ Kilian seufzte. „Im Prinzip schon. Jetzt meinen sie aber, ich könnte mir Franja ja nur leisten, weil ich bei ihnen so günstig wohne. Sie haben mich vor die Wahl gestellt, sie entweder wieder zu verkaufen oder mir eine eigene Bude zu suchen.“ „Spinnen die?“, rutschte es Sandra heraus. Darauf war sie ja gerade überhaupt nicht gefasst gewesen. Sie hatte die Eltern von Kilian auch noch gar nicht richtig kennengelernt. Sie war mit Kilians jüngerem Bruder Florian in eine Klasse gegangen. Bedrückt nickte Kilian. „Ich meine, klar habe ich vor, irgendwann auf eigenen Beinen zu stehen. Wer will schon dauerhaft bei seinen Eltern wohnen? Aber von jetzt auf gleich werde ich wohl kaum eine Wohnung finden. Dann muss ich die einrichten und überhaupt. Die Kohle ist es gar nicht so. Der Job ist echt gut bezahlt. Ich habe im Moment eher keinen Bock, die Zeit für das alles zu investieren. Verstehst du das?“ Sandra dachte kurz nach. Und wie sie das verstehen konnte! Für sie kamen eh die Pferde an erster Stelle im Leben. Es fiel ihr schon schwer genug, nur an den Herbst zu denken. Da würde sie ihre Zeit mit diesen wundervollen Tieren massiv einschränken müssen. Sie hatte sich entschieden, dann das theoretische Jahr für eine landwirtschaftliche Gesellin, wie eine ausgebildete Bäuerin, heutzutage heißt, zu machen. Irgendwann wollte sie den Hof ihrer Eltern übernehmen und vielleicht die Pferdepflegerin ihres Bruders Josef sein, der sich anschickte, eine erfolgreiche Karriere als Dressurreiter in Gang zu bringen. „Ja klar“, meinte sie deshalb. „Und dann der derzeitige Wohnungsmarkt!“, rief Kilian aus und fuchtelte mit den Händen, dass Franja den Kopf schüttelte, weil sie die Bewegung natürlich über die Zügel in ihrem Maul spürte. „Ein Freund von mir ist auch gerade erst zu Hause ausgezogen. Weißt du, wie lange der gesucht hat? Auf eine Wohnung kommen unendlich viele Bewerber. Da kann man auch gleich Lotto spielen. Gewinnt man wahrscheinlich eher, als dass man eine Zusage kriegt.“ „Dann gibt es nur eines: Jedem Bescheid sagen, falls der was hört. Unter der Hand hat man vermutlich größere Chancen, als sich auf öffentliche Anzeigen zu melden.“ „So riesig ist mein Bekanntenkreis nicht gerade.“ „Aber unserer.“ Sandra zwinkerte ihrem Freund zu. „Überleg doch nur mal, wie viele Leute bei uns jeden Tag im Stall sind. Wir haben zwei Pinnwände, wo man Kleinanzeigen aufhängen kann. Mach doch das! Zusätzlich kannst du ja auch noch im Internet gucken.“ Endlich erhellte sich Kilians Miene ein wenig. Zwar gab es in dem Stall, der schon zu Zeiten von Sandras Uropa gestanden hatte, nur noch wenige Einsteller, dafür aber umso mehr im Offenstall, den Opa nachträglich gebaut hatte. Hier war die Wahrscheinlichkeit, dass jemand von einer frei werdenden Wohnung hörte, gar nicht so gering. „Du hast recht. Das probiere ich auf jeden Fall. Allerdings will ich heute Abend noch einmal mit meinen Eltern reden. Was soll denn der Quatsch? Natürlich will ich mir kein schönes Leben auf ihre Kosten machen, aber ich hätte nie gedacht, dass sie mich vor so eine Wahl stellen würden.“ „Warum haben sie eigentlich ein Problem damit, dass du dir ein eigenes Pferd gekauft hast?“, hakte Sandra nach. „Sie haben das Reiten halt nur als Sport angesehen, wie andere ins Fitnessstudio gehen oder so“, erklärte Kilian. „Ein eigenes Pferd wäre der totale Luxus und eine Spardose ohne Boden. Ich soll was Anständiges mit meinem Leben anfangen und lauter so ein Zeugs. Mit einem Pferd würde ich mich nur zu sehr binden. Ich könnte mir doch erst ein bisschen die Welt anschauen und was nicht noch alles an Argumenten gekommen ist.“ „Ich finde, das muss jeder für sich entscheiden. Wenn einer Weltenbummler sein will, dann soll er das machen. Klar kann der keine Verpflichtungen brauchen, aber nicht jeder ist so.“ „Ganz meine Meinung. Meine Eltern haben sich ja damals sehr bald nach der Schule kennengelernt. Sie haben beide ein Jahr als Rucksacktouristen gemacht und sind sich in Paraguay über den Weg gelaufen. Als sie dann festgestellt haben, dass sie eigentlich nur dreißig Kilometer voneinander entfernt aufgewachsen sind, war das Gelächter natürlich groß. Seitdem sind sie ein Paar und schwärmen immer davon, wie sehr sie diese Zeit geprägt hat. Das sollten Flo und ich unbedingt auch machen.“ „Andere sind froh, wenn ihre Kinder wissen, was sie wollen, und eine abgeschlossene Lehre oder ein Studium haben“, warf Sandra ein. Wieder seufzte Kilian. „Das habe ich ihnen auch gesagt, aber sie meinen eben, dass die Zeit, in der man jung und ungebunden ist, nie wieder kommt. Was man da versäumt hat, hängt einem das ganze Leben lang nach.“ „So ein Schmarr’n!“, rief Sandra aus. Viel Zeit hatten sie nicht mehr, das Thema weiter zu erläutern, denn sie kamen gerade über die Kuppe, hinter welcher der Hof der Biedermanns lag. Sandra stellte fest: „Ui, Mama arbeitet mit Connie. Dann soll die wohl bald Glanna übernehmen.“ Glanna war eine etwas zu klein geratene Isländerstute, die kaum mehr zu händeln gewesen war, als sie bei den Biedermanns eingezogen war. Sandra hatte in der letzten Zeit viel mit ihr gearbeitet. Nun sollte Conchita, die Pflegeschwester ihrer Cousine Yvonne, eine Reitbeteiligung auf ihr bekommen. Dazu mussten beide aber noch einiges lernen. Eigentlich brachte Yvonne Conchita das Reiten bei. Dazu nahmen sie immer Daisy, das Welsh Cob von Josef. Der war zurzeit in Warendorf, studierte dort bei der Bundeswehr und entwickelte sich auch reiterlich weiter. Anscheinend hatte Mama es jetzt übernommen, Conchita auf Glanna vorzubereiten. Die kleine Stute musste man etwas anders reiten, als zum Beispiel Daisy. Vor dem Tor zum Offenstall sprangen Sandra und Kilian ab. Sie führten Franja und die rote Fuchsstute Gina hinein, um sie zu versorgen. Noch war Franja im privaten Stall der Pintos untergebracht. Sie sollte jedoch in den Offenstall umziehen, sobald hier etwas frei wurde. Außerdem hatte Andrea, die Besitzerin der anderen Pintos, hier ihre Sattelschränke, von denen einer auch Franja gehörte. Es dauerte nicht lange, da kam Mama dazu. Sandra fragte: „Nanu? Wo hast du denn Connie und Daisy gelassen?“ „Ein bisschen auslaufen lassen kann Connie sie schon alleine“, entgegnete Mama. „Ich hätte ein kleines Attentat auf dich vor. Wir wollen heute anfangen, dass Bella wieder richtig geritten wird. Würdest du mit Momo dazukommen?“ „Ja klar!“, rief Sandra sofort aus. Sie liebte es, wenn sie ihrer Mutter bei der Arbeit mit einem Problempferd helfen konnte. „Klasse“, freute Mama sich. „Miri holt Bella rein.“ Sandras Beagle Schlappi hatte ihr Frauchen bei dem Ausritt gerade begleitet. Sie liebte Gina abgöttisch. Nun lag sie jedoch hechelnd am Rand des Putzplatzes. Sandra wandte sich an die Hündin: „Du kriegst gleich noch einen Job, meine Kleine.“ Kilian war mit dem Versorgen von Franja fertig und führte sie wieder zum Tor hinaus, um sie auf die Koppel zu den anderen Pintos zu bringen. Auch Sandra band Gina los, ging mit ihr jedoch in die andere Richtung. Auf diesem Weg gelangten sie auf den Paddock, der zum Offenstall gehörte. Natürlich begleitete Schlappi die beiden. Nun forderte Sandra den Beagle auf: „Schlappi, hol mir Momo!“ Sofort stürzte die Hündin davon. Zielsicher strebte sie auf einen bestimmten Unterstand zu. Tatsächlich erschien kurz darauf der silbergraue Kopf von Sandras Welsh Cob. „Hallo, mein Schatz“, begrüßte sie das Pony. „Mama braucht uns.“ Sie legte dem Wallach das Halfter an und führte ihn nun genau dorthin, wo sie gerade noch mit Gina gewesen war. Am Tor traf sie mit Miriam und deren Mirabella zusammen. „Dann ist es heute also so weit“, stellte sie fest. Miriam nickte. „Ich hab richtig Ameisen im Bauch“, gestand sie. „Dabei muss ich Bella ja gar nicht reiten. Das will am Anfang noch Ina machen.“ „Ist auch besser so“, meinte Sandra. „Jetzt muss man im richtigen Moment auch die Signale geben, die Bella braucht, um ihr Trauma endgültig zu überwinden.“ „Ich weiß.“ Die Mädchen banden ihre Pferde nebeneinander an und machten sie zum Reiten bereit. Momo bekam ganz normal Sattel und Trense, während Miriam ihre Stute mit Sattelkissen und gebisslosem Zaum ausstattete. Nach einem Unfall geriet Mirabella in Panik, wenn ihr beim Reiten andere Pferde nahekamen. Das war leider auch im Gelände so. Eigentlich war Miriam eine gute Dressurreiterin und ihre Stute auch entsprechend ausgebildet. So war an Wettkämpfe jedoch im Leben nicht zu denken. Mama hatte nur lange Zeit vom Boden aus und an der Doppellonge mit Mirabella gearbeitet. Dabei hatten sie auch einen Reiter auf ihrem Rücken simuliert. Nun hoffte Mama, dass sie der Stute helfen konnte, ihre Angst zu überwinden, wenn einfach etwas anders war wie Sattel und Zäumung. Klappte es damit erst einmal gut, konnte man auch wieder umsteigen. Für diesen ersten Versuch gingen sie lieber in die alte Halle. Die war kleiner als die Neue, und im Gegensatz zum Sandplatz waren die Pferde durch die umlaufende Bande begrenzt. Mama kam gerade aus dem Reiterstübchen, wo sie sich etwas zu trinken geholt hatte, als die beiden Mädchen das Hallentor ansteuerten. „Da seid ihr ja schon – wunderbar. Gehen wir es also an!“ Ab hier übernahm sie Mirabella selbst. Zunächst führten Sandra und ihre Mutter die beiden Pferde ein wenig nebeneinander warm. Dann stieg Mama auf und wies Sandra an, mit Momo erst einmal weiter zu laufen. Sandra hielt sich genau an Mamas Anweisungen, wann sie wie nah an Mirabella herankommen sollte. Ein wenig nervös war die Stute schon. Sie machte sich steif, versuchte jedoch nicht mehr, der Situation zu entkommen. Daher meinte Mama nach einer viertel Stunde: „Okay Sandy, dann mal rauf mit dir!“ Wie immer, wenn sie auf ein Pferd stieg, machte Sandras Herz einen kleinen Hüpfer. Momo ließ sich auch genau dorthin lenken, wo Mama ihn brauchte. Zunächst sollte Sandra hinter ihr reiten, dann vor ihr. Schließlich versuchten sie, die beiden Pferde nebeneinander zu bekommen, wobei Mama auf dem ersten Hufschlag blieb. Dann tauschten sie. „Und?“, wollte Sandra wissen. Mama erklärte: „Als wir außen waren, musste ich Bella ständig treiben oder zurückhalten. Jetzt will sie mir schon gerne über den Schenkel wegdrücken. Immerhin wird das Ganze nicht mehr unkontrollierbar. Wir reiten jetzt einfach weiter, bis sie sich ein bisschen entspannt. Mehr können wir heute auf keinen Fall von ihr erwarten.“ Sandra beobachtete Mirabella. Sie war ständig in Alarmbereitschaft. Mama versuchte, sie mit so wenig Hilfen wie nur möglich auf dem zweiten Hufschlag zu halten. Runde um Runde ritten die beiden so dahin und machten nur hin und wieder einen Handwechsel. In der Ecke stand eine gespannte Miriam und ließ ihr Pferd ebenfalls nicht aus den Augen. Sie hoffte so sehr, dass es klappte und erwartete dennoch, Mirabella könnte plötzlich die Flucht ergreifen. Eine geschlagene halbe Stunde ritten Mama und Sandra nun schon im Schritt nebeneinander her, wobei sie nur hin und wieder die Position und die Richtung änderten. Da endlich geschah es: Mirabella senkte den Kopf und schnaubte. In diesem Moment ließ kurz die Anspannung in ihrem Körper nach. Sofort ließ Mama die Zügel lang, hielt die Stute über ihren Sitz an und sprang von deren Rücken. Nun lobte sie Mirabella ausgiebig. „Das hast du prima gemacht. Wir kriegen das hin, Süße!“ Aus der Ecke kam nun auch Miriam dazu. „Warum hört ihr jetzt auf, wo es ein bisschen besser gelaufen ist?“ „Das Absteigen ist für ein Pferd die größte Belohnung, die es nur gibt“, erklärte Mama geduldig. „Als sie jetzt gerade nachgegeben hat, musste ich ihr ja zeigen, dass es genau das war, was ich wollte. Würden wir jetzt weitermachen und irgendetwas würde Bella wieder dazu veranlassen, in ihr altes Muster zu verfallen, könnten wir von vorne anfangen. So haben wir eine gute Basis für morgen. Sandy, könntest du es dir mit Momo dann auch wieder einrichten, mit uns zu arbeiten?“ „Logo“, gab Sandra sofort zurück. „Jetzt lasse ich Momo aber auf dem Springplatz noch ein bisschen austoben.“ Die ganze Zeit über hatte Kilian im Reiterstübchen gesessen und alles durch die Scheibe dort verfolgt. Nun kam er dazu, als Sandra die Halle verließ. „Machst du noch was mit Momo?“ Sandra nickte. „Erklärst du mir nachher, was da gerade passiert ist?“ „Auf jeden Fall“, versprach Sandra, doch jetzt freute sie sich erst einmal darauf, Momo noch ein bisschen laufen lassen zu können.


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