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> Tierbücher > Die Biedermanns und ihre Pferde
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Tierbücher
Buch Leseprobe Die Biedermanns und ihre Pferde, Martina Sein
Martina Sein

Die Biedermanns und ihre Pferde


Das war wohl nichts mit Winterruhe

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Mama ließ gerade ein Schreiben sinken, als Sandra die Küche betrat. „Wird ja auch mal Zeit!“, brummte sie. „Was wird Zeit?“, hakte Sandra sofort nach. Ganz in Gedanken zuckte Mama kurz zusammen, ehe sie aufsah und Sandra erkannte. „Du bist schon da?“ „Ich auch“, krähte Yvonne dazwischen. Die beiden Cousinen waren gerade aus der Schule gekommen. Endlich ging Mama auf das Schriftstück ein, welches sie noch in der Hand hielt: „Das ist ein Schreiben von der Versicherung. Ihr könnt euch doch noch an Brigades Unfall erinnern. Die Haftpflicht von dem Hundehalter hat endlich zugesagt, die Behandlungskosten von Brigade zu übernehmen.“ Bei einem Turnier hatte ein fremder Hund sich losgerissen und ein Pferd der Biedermanns schwer am Hinterbein verletzt. Die Stute hatte in der Tierklinik behandelt werden müssen. „Der fordert aber jetzt nicht noch was wegen seinem Hund, oder?“, hakte Sandra nach. Direkt nach dem Zwischenfall hatte der Besitzer ihnen nämlich vorgeworfen gehabt, dass Brigade das Tier getreten hätte. Tatsächlich hatte sie sich lediglich gewehrt, als es sich in ihrem Bein verbissen hatte. „Nein, er scheint doch eingesehen zu haben, dass er damit keine Aussichten auf Erfolg hat.“ Mama seufzte. „Dass immer etwas sein muss.“ Der Unfall war nun schon eine ganze Weile her. Dennoch durfte man mit Brigade nur im Schritt spazieren gehen. An Reiten, gar Training oder auch nur Koppelgang war noch nicht zu denken. Ob es das Aus für ihre Turnierkarriere in der Dressur bedeutete, wusste ebenfalls noch niemand sicher. Die Chancen standen allerdings gut, dass sie wieder würde starten können. „Was gibt’s denn zum Essen?“, fragte Yvonne. „Ich habe schnell ein Hühnerfrikassee aufgetaut, das Karin einmal gemacht hat“, gab Mama zurück. „Wenn Mika nicht kocht, läuft hier alles aus dem Ruder.“ Die Familie Biedermann hatte einen Au-pair-Jungen aus Finnland. Mika hatte seine einjährige Tochter Janni mitgebracht. Die beiden hatten heute einen Arzttermin gehabt, der sich leider nicht anders hatte legen lassen. Dazu hatten sie nach München fahren müssen. Sandra hatte es nicht so richtig verstanden, aber irgendetwas sollte bei Janni getestet werden. Hauptsächlich war Mika für die Betreuung von Sandras jüngeren Schwester Paulina da. Er kochte jedoch sehr gerne und hatte Geschmack an deutschen Gerichten gefunden. Daher hatte er sich von Uri, Sandras Uroma, einiges zeigen lassen. Inzwischen suchte er sich auch immer neue Rezepte im Internet und probierte diese aus. Für Mama war es eine riesige Erleichterung, dass sie sich nicht mehr um das leibliche Wohl der Familie kümmern musste. Sie hatte nach Paulinas Geburt wieder angefangen zu arbeiten. Allerdings hatte sie ihre Karriere als Profidressurreiterin beendet. Nun widmete sie sich nur noch Problempferden und welchen in Ausbildung. Wieder ging die Türe auf. Diesmal erschienen Josef, Sandras älterer Bruder, und Papa gemeinsam. „Geplant hätte das nicht geklappt“, lachte Papa. Josef erklärte dem Rest der Familie: „Wir sind uns an der Treppe in die Arme gelaufen.“ „Timing ist alles“, stellte Mama fest. „Nicht nur beim Reiten.“ „Gibt’s was Neues?“, wollte Papa wissen, als er sich gesetzt und etwas vom Reis genommen hatte. „Die Versicherung von Brigades Unfallgegner hat sich gemeldet“, erzählte Mama sofort. „Sie übernehmen die Behandlungskosten.“ „Das will ich denen aber auch geraten haben. Ansonsten hätten wir uns wirklich überlegen müssen, da einen Anwalt einzuschalten. Einen Hund im Allgemeinen und so einen speziell auf einem Reitturnier von der Leine zu lassen, ist einfach mehr als fahrlässig und verantwortungslos.“ Bei dem Thema konnte Papa richtig wütend werden. „Jetzt ist das ja endlich durch.“ Mama versuchte, ihn wieder zu beruhigen. „Wir haben übrigens noch zwei Kündigungen bekommen.“ „Wer geht denn diesmal?“, wollte Papa wissen. „Die beiden Pferde, die auf der rechten Seite noch übrig waren. Da ist dann die ganze Reihe leer“, berichtete Mama. „Es wird höchste Zeit, dass wir die Stellplätze ausschreiben.“ „Du brauchst die Boxen nicht für deine Problemkinder?“, hakte Papa nach. „Ich meine, wer weiß, wen du am Wochenende alles mitbringst?“ „Das sind ja keine so schlimmen Problempferde, dass ich sie gleich monatelang in Beritt nehmen muss.“ Mama hatte nämlich von einem Reitstall eine Anfrage erhalten, ob sie nicht Lust hatte, Samstag und Sonntag auf deren Anlage zu kommen. Man hatte eine Liste ausgehängt, auf der sich jeder mit seinem Pferd eintragen konnte, der einmal Tipps von einer mehrfachen Olympiasiegerin im Dressurreiten haben wollte. Das Interesse war natürlich entsprechend groß. „Bei denen geht es bestimmt mehr um Kleinigkeiten. Nein, mir reichen schon die Außenboxen. Mein Tag hat schließlich auch nur vierundzwanzig Stunden. Mehr Pferde kann ich nicht aufnehmen, wenn ich wirklich so mit ihnen arbeiten will, wie es nötig ist.“ „Gut, dann soll Franka sich darum kümmern.“ Papa nahm sich noch einmal von der Soße nach. Reis musste bei ihm immer regelrecht schwimmen. Mama nickte. „Ja, wir setzen eine Anzeige ins Internet. Franka hat die passenden Seiten eh schon abgespeichert. Das hatten wir doch auch noch nie, dass gleich so viele Boxen auf einmal und auch noch nebeneinander frei gewesen wären.“ „Warum laufen uns denn die Leute davon? Ich meine, einen besseren Stall als unseren findet man doch eh nirgends“, wandte Sandra ein. „Es hängt aber ein bisschen mehr dran. Die beiden Pferde, die schon länger weg sind, sind umgezogen. Also natürlich die Besitzer. Die wollten ihre Lieblinge mitnehmen. Die zwei von heute haben die Möglichkeit, einen eigenen kleinen Stall zu pachten, der ganz in der Nähe einer Reithalle liegt. Die wollten schon immer gerne ihr eigener Herr sein. Da würde ich auch zugreifen, wenn ich die Gelegenheit hätte“, erklärte Mama. „Keine Sorge, wir werden nicht am Hungertuch nagen, wenn einmal ein paar Boxen frei sind. Da kriegen wir schon wieder jemanden rein.“ „Ich habe ja auch nie gesagt, dass ich mir Sorgen mache.“ Auch Sandra wollte gerne noch eine zweite Portion vom Essen. „Kommst du jetzt eigentlich am Samstag mit?“, wechselte Mama das Thema. „Ja klar! Das lasse ich mir nicht entgehen.“ Schon lange freute Sandra sich auf den Ausflug zu dem Reitstall. Sie wollte zu gerne sehen, wie Mama mit diesen Pferden arbeiten würde. „Und was liegt bei euch beiden heute Nachmittag an?“, wollte Mama weiter wissen. Wie aus der Pistole geschossen gab Sandra zurück: „Claudi und ich gehen Ausreiten. Wir haben heute wirklich so gut wie keine Hausaufgaben. Wer weiß, wie oft das Wetter in der nächsten Zeit so schön ist?“ „Da habt ihr Recht. Und du, Yvonne?“ Diese antwortete: „Marie kommt nach dem Essen her, wenn das okay ist. Wir wollen zusammen die Hausaufgaben machen und später in die Halle. Wir nehmen zusammen eine Stunde bei Opa. Ich auf Galaxy.“ „Das finde ich zur Abwechslung eine richtig gute Idee.“ Mama freute sich. Es hatte leider zu Beginn des Schuljahres eine Phase gegeben, in der Yvonne sich überhaupt nicht mehr um Galaxy gekümmert hatte. Das war die Stute ihrer Mutter. Yvonnes Eltern lebten in Südamerika. Daher konnte die Familie sich nur ein paar Mal im Jahr sehen. Während der Weihnachtsferien sollte es wieder soweit sein. Dann flog Yvonne zu ihnen. Auslöser für Yvonnes Veränderung war eine neue Freundin namens Maria gewesen. Sandra musste des Öfteren einmal nachfragen, welche der beiden Mädchen Yvonne denn wirklich meinte, nachdem ihre beiden besten Freundinnen bis auf einen Buchstaben gleich hießen. Außerdem hatte Yvonne sich – seit sie bei den Biedermanns lebte – um Josefs Welsh Cob Daisy gekümmert. An der hatte sie überhaupt kein Interesse mehr gezeigt gehabt. Als Yvonne und Maria dann beim Klauen erwischt worden waren, hatte es ein riesiges Donnerwetter gegeben. Inzwischen war Sandras Cousine wieder halbwegs normal geworden, wie sie das bezeichnete. „Dass du mit Marie wirklich für die Schule arbeitest, weiß ich ja.“ Mama machte einen recht zufriedenen Eindruck. „Wie lange gilt denn mein Einkaufsverbot noch?“, wagte Yvonne da einen Vorstoß. „Ich meine, langsam sollte ich mich um Weihnachtsgeschenke kümmern.“ „Das können wir gerne zusammen machen“, warf Mama gleich ein. „Ich muss sowieso die Tage mal nach Landsberg. Da nehme ich dich gerne mit.“ „Okay.“ Sandra sah, dass Yvonne gehofft hatte, endlich wieder einmal alleine losziehen zu dürfen. So weit war Mamas Vertrauen ihr gegenüber leider noch nicht wiederhergestellt. Bald klingelte es an der Türe. „Das ist bestimmt Claudi“, rief Sandra und sprang hoch. Sie riss die Türe auf und schaute in das erwartungsfrohe Gesicht von Marie. „Oh hi. Komm rein! Yvonne hat schon erzählt, was ihr beiden heute vorhabt.“ Bald darauf war dann aber wirklich Claudia da. „Können wir gleich los?“ „Eine Sekunde noch. Ich brauche meine Reitsachen“, antwortete Sandra und ließ ihre beste Freundin an der Türe stehen. Die schaute demonstrativ auf ihr Handy und verkündete: „Von wegen! Zwei Minuten und siebenunddreißig Sekunden.“ „Die hole ich beim ersten Galopp wieder auf“, versicherte Sandra und stieg in ihre Winterreitschuhe. Es war heute klirrend kalt draußen. Von Schnee war jedoch in diesem Jahr noch keine Spur zu sehen gewesen. „Wen nimmst du denn?“, wollte sie dann von ihrer besten Freundin wissen. „Elvira natürlich. Du weißt doch, dass ich mit Hasi noch immer nicht so richtig Ausreiten darf. Eigentlich ist das Quatsch. Wir waren schließlich schon oft zusammen auf kurzen Runden draußen. Mama und Andrea wollen einmal mitreiten und sehen, wie es bei uns läuft, ehe sie mich auf Hasi mit dir alleine losziehen lassen.“ Claudia verdrehte genervt die Augen. Sandra konnte ihre beste Freundin gut verstehen. Hasi war wirklich kein einfaches Pferd. Claudia hatte allerdings inzwischen einige Reitstunden mit ihr bei Opa genommen. Während der Ferien hatte sie viel zusätzlich mit der hübschen, rot-weiß gescheckten Stute gearbeitet. Ihre feste Reitbeteiligung hatte sie allerdings auf Elvira, einer Braunschecke. So ein Ausritt war ja immer etwas Wunderschönes, doch um diese Jahreszeit war er auch noch etwas Besonderes. Es wurde so früh dunkel, dass Sandra es nach der Schule und den Hausaufgaben oft zeitlich gar nicht mehr ins Gelände schaffte. Noch dazu spielte häufig das Wetter nicht mit. Heute genossen es sowohl die Mädchen wie auch die Pferde und die Hündin Schlappi. Sandra besaß wie ihr Bruder ein Welsh Cob. Ihres war ein Wallach und hieß Momo. Außerdem hatte sie seit dem Ende der Sommerferien auch noch die Rotfuchsstute Gina. Die konnte man jedoch von ihrer Freundin Schlappi nicht trennen. Sandra war erst einmal auf Ginas Rücken gesessen. Den hatte sie leider ziemlich unsanft verlassen. Aus diesem Grund gab sie der Stute als Handpferd die Gelegenheit für solche Ausflüge. Natürlich hatte Sandra Mama von ihrem missglückten ersten und einzigen Reitversuch auf Gina erzählt. Die hatte gemeint, dass sie sich dem Problem gemeinsam annehmen würden. Am besten setzte Sandra sich am Anfang im Wasser auf Gina. Zum einen konnte sie dann nicht so leicht bocken und zum anderen war die Verletzungsgefahr deutlich geringer. Leider mussten sie dazu warten, bis die Temperaturen ein Bad im See oder auch in einem der näheren Flüsse zuließen. Bis dahin wollte Mama Sandra noch andere Möglichkeiten zeigen, wie sie Gina auf das Reiten vorbereiten konnte. Heute wollte Sandra sich keine Sorgen darum machen, ob sie Gina jemals würde reiten können. Sie galoppierte ein paar Mal mit Claudia und kehrte mit rot gefrorenem Gesicht zurück zum Hof. Nachdem die Pferde versorgt waren, schauten die Freundinnen auf der Tribüne vorbei. In der neuen Halle gab Opa gerade Yvonne und Marie ihre Stunde. Von Yvonne verlangte er schon ein bisschen schwierigere Sachen. Schließlich ritt sie, seit sie klein war. Marie dagegen war immer noch dabei, viele Grundlagen zu erlernen. So mühte sie sich gerade damit ab, dass sie Cullino nur mithilfe ihres Sitzes im Trab schneller werden ließ und dann auch wieder abbremste. Das Gleiche galt für das Lenken. Opa gab immer wieder eine Hufschlagfigur vor, wobei Marie die Zügel so gut wie gar nicht benutzen durfte. Es war schon dunkel, als die Reitstunde beendet war. Sandra und Claudia gingen neben den anderen beiden her zum Stall. Dort liefen sie direkt auf einen ihnen fremden Mann und einen Jungen zu. Sandra schätzte ihn vielleicht ein wenig älter als sie selbst. „Hallo, können wir Ihnen helfen?“ „Wenn ihr uns sagen könnt, an wen wir uns wenden müssen wegen Stellplätzen, dann ja“, gab der Mann zurück. „Wir suchen Boxen für unsere vier Pferde.“ „Ich glaube, Mama müsste eh gerade im Büro sein“, antwortete Sandra und deutete ihm die Richtung. Als die beiden gegangen waren, wandte sie sich an die anderen: „Das wäre ja der Hammer, wenn wir die vier leeren Boxen in einem Rutsch vermietet bekommen würden, noch dazu, ohne erst eine Anzeige schalten zu müssen.“ Nachdenklich sah sie vor allem dem Jungen nach. Irgendetwas war an ihm, das sie nicht einordnen konnte.


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