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> Tierbücher > Die Biedermanns und ihre Pferde
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Tierbücher
Buch Leseprobe Die Biedermanns und ihre Pferde, Martina Sein
Martina Sein

Die Biedermanns und ihre Pferde


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Sandra und ihre Cousine Yvonne saßen gerade an dem kleinen Weiher, der in der Nähe des Reitstalls der Biedermanns lag. Sie hatten noch eine Woche Schule vor sich und hörten sich gegenseitig die englischen Vokabeln ab. Zum wiederholten Male wusste Yvonne ein Wort nicht, warf jedoch ein, was es auf Spanisch heißen würde. „Ey, du lernst aber nun mal Englisch in der Schule“, schimpfte Sandra, obwohl sie ganz genau wusste, was ihre Cousine beschäftigte. Die ließ ihren Oberkörper plötzlich nach hinten sinken und rollte sich dann auf den Bauch. Sie schien nur in die Luft zu starren und grinste plötzlich. „Minka hat’s gut.“ Nun folgte Sandras Blick dem von Yvonne. Auch sie entdeckte ihre Katze, wie die auf der Wiese neben der Pferdekoppel scheinbar gerade eine Maus gefangen hatte, und fragte: „Warum? Hast du auch Appetit auf ein leckeres, kleines Mäuschen? Minka teilt nicht. Das kann ich dir gleich sagen.“ „Quatsch!“, begehrte Yvonne auf. „Ich meine ja auch, dass sie den ganzen Tag tun und lassen kann, was sie will. Sie muss weder für die Schule lernen, noch sich Gedanken darum machen, ob alles klappt, wenn sie ihre Eltern besucht und was mit denen überhaupt in Zukunft sein wird.“ Da war es wieder, das Thema, das Yvonne so viel beschäftigte. Mamas Schwester Corinne und deren Mann Alexander lebten in Südamerika. Schon zu Weihnachten hatte Yvonne die beiden in den Ferien dort besuchen dürfen. Nun stand Pfingsten vor der Türe, und wieder war ein Flug auf ihren Namen gebucht. Sandra warf ein: „Das gilt aber für die Pferde auch.“ „Die müssen es sich gefallen lassen, dass sie Menschen auf ihrem Rücken durch die Gegend schleppen, verkauft und herumgeschoben werden, akzeptieren, was man mit ihren Fohlen macht und so weiter“, konterte Yvonne. „Nein, da hat es so eine Katze eindeutig besser, vor allem, wenn sie auf einem Hof wie diesem hier leben kann.“ „Und nachts darf sie sogar noch in meinem kuscheligen Bett schlafen“, ergänzte Sandra und grinste. Sie konnte es sich überhaupt nicht vorstellen, dass Minka während der dunklen Tageszeit nicht bei ihr liegen würde, obwohl sie natürlich wusste, dass Katzen eigentlich nachtaktiv waren. Minka kannte es einfach nicht anders und hatte sich noch nie beklagt. „Du bist schon wieder furchtbar aufgeregt, richtig?“ Yvonne nickte. „Wärst du ja wohl auch.“ „Klar.“ Für eine Weile schwiegen die beiden Mädchen. Dann fiel Sandra plötzlich etwas ein: „Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, dass du bei uns eingezogen bist.“ Yvonne nickte nur und schaute weiter auf Minka, die nun beschlossen zu haben schien, dass sie nicht länger mit ihrer Maus spielen, sondern diese fressen wollte. „Du hast mir eine SMS geschickt, dass ihr zu uns kommt“, fuhr Sandra fort. „Damals bin ich auch hier gewesen. Ist viel passiert in dem Jahr.“ Wie auf Kommando tauchte Mama auf dem Weg, der nur wenige Meter entfernt an dem Plätzchen der beiden Mädchen vorbeiführte, auf. Sie schob den Kinderwagen vor sich her, in dem Sandras kleine Schwester Paulina lag. Mama ging jeden Tag um diese Zeit eine Runde mit dem Baby, damit es anschließend seinen Mittagsschlag machte. Für gewöhnlich konnte man sich darauf verlassen, dass dieser Zustand zwei bis drei Stunden anhielt. Das war lange genug, dass Mama sich um mindestens zwei Pferde kümmern konnte. Die beiden Mädchen machten auf sich aufmerksam. Da winkte Mama, sie sollten doch zu ihr kommen. „Das trifft sich gut, dass ich euch hier über den Weg laufe“, stellte sie fest und seufzte. „Früher habe ich mich auch gerne hierher zurückgezogen. Ist immer noch ein sehr schönes Plätzchen, nur habe ich nicht mehr die Zeit dafür. Egal.“ Sie machte eine wegwischende Handbewegung. „So brauche ich euch nicht erst Bescheid zu geben, dass wir nachher eine kleine Besprechung abhalten. Wir treffen uns um fünf im Reiterstübchen. Wäre gut, wenn ihr auch kommen würdet.“ „Ui, eine Besprechung, zu der wir mit eingeladen sind“, meinte Yvonne. Sandra ergänzte: „Und du meinst auch nicht den Familienrat?“ Mama schüttelte den Kopf. „Nein, ich rede wirklich von einer Besprechung mit Familie und Angestellten. Also dann … um fünf, ihr beiden.“ Sie ging weiter, um die Zeit, in der Paulina schlief, auch effektiv nutzen zu können. „Um was es wohl geht?“, überlegte Sandra. Yvonne zuckte mit den Schultern. Wenn die Pferdepfleger und Bereiter dabei waren, dann musste es sich um den Reitstall handeln. Sie war zwar eine begeisterte Reiterin und bewegte meistens zwei Pferde am Tag, dennoch betrafen sie die meisten Veränderungen nicht sonderlich. Im Moment zählte für sie eh nur die Reise zu ihren Eltern. Die würde wohl kaum mit unter den Punkten sein, die besprochen wurden. Während Yvonne noch nachdachte, sammelte Sandra bereits ihre Schulsachen zusammen. „Mir reicht es heute mit dem Lernen. Jetzt will ich Reiten. Die Zeit reicht noch für einen Ausritt, ehe wir zu dieser Besprechung müssen.“ Sandra überlegte auf dem Rückweg zum Stall schon, ob sie die Sachen nicht einfach in den Spind ihres Welsh Cob Momo legen sollte, entschied sich dann aber doch dafür, sie erst einmal in die Wohnung zu bringen. Ihr Weg führte sie vorbei am Offenstall, an der Scheune, in welcher die Absetzer untergebracht waren, und auch bei den Pintos, die erst seit Ende vergangenen Jahres bei den Biedermanns standen. Bei denen hatte Sandras beste Freundin Claudia eine Reitbeteiligung. Leider durfte die erst heute Abend kommen. Sonst wären die drei Mädchen bestimmt gemeinsam Reiten gegangen. Da fiel Sandra etwas anderes ein: „Du, Marie hatte doch einmal erwähnt, dass sie ein eigenes Pferd bekommen soll. Das war ja schon im Winter. Haben ihre Eltern es sich anders überlegt, weil ich davon gar nichts mehr gehört habe.“ Marie war Yvonnes beste Freundin und hatte durch sie überhaupt erst mit dem Reiten angefangen. Nun schüttelte Yvonne den Kopf. „Nein, sie hat nur wohl ihren Eltern erzählt, was du damals über die Haltung eines eigenen Pferdes gesagt hast. Daraufhin haben sie gemeint, dass sie damit lieber doch noch ein bisschen warten wollen. Ist aber wohl bald spruchreif. Sie sind der Meinung, dass die großen Ferien günstig wären, damit Marie genug Zeit hat, sich vor allem am Anfang richtig viel mit dem Pferd zu beschäftigen. Ist echt lustig, dass du das gerade ansprichst. Marie und ich haben nämlich erst gestern auch über dieses Thema geredet.“ „Dann darf man ja weiterhin gespannt sein, was für ein Pferd das sein soll“, stellte Sandra fest. Sie hatten inzwischen den halben Hof überquert, die Beschlagbox des Hufschmieds Felix rechts und den Sandplatz links liegen gelassen und gingen nun an den Außenboxen vorbei. Seit Mama wegen ihrer Schwangerschaft das Reiten aufgegeben hatte, waren hier nur sehr wenige Bewohner gewesen. Dieser Bereich war hauptsächlich den Pferden vorbehalten, die bei den Biedermanns zur Ausbildung oder auch wegen Korrektur standen. Sandra seufzte: „Eigentlich jammerschade, dass der Platz hier so verplempert wird.“ „Als wenn wir nicht genügend Pferde auf dem Hof hätten.“ Yvonne konnte die übermäßige Begeisterung ihrer Cousine nicht immer ganz nachvollziehen. Gerade wollten die Mädchen die Außentreppe hochsteigen, welche in die große Wohnung über dem Pferdestall führte, als sie Marie entdeckten. Sie war jedoch nicht alleine. Yvonne begrüßte ihre Eltern sofort und stellte sie auch Sandra vor. „Es ist so weit“, erklärte Marie und machte ganz große Augen. „Mama und Papa wollen sich bei euch erkundigen, wie wir am besten an das richtige Pferd für mich kommen.“ „Hey!“, rief Sandra aus. „Herzlichen Glückwunsch. Dann wirst du ja bestimmt öfter bei uns sein.“ „Das wollen wir doch hoffen“, erklärte Herr Holzmann. „Schließlich bringt so ein eigenes Pferd eine Menge Verantwortung mit sich. Dessen muss Marie sich absolut bewusst sein.“ Maries Mutter legte beruhigend eine Hand auf den Arm ihres Mannes und entgegnete: „Ich bin sicher, dass sie das ist. Marie war schon immer sehr verantwortungsbewusst.“ „Ja“, ergriff der Papa wieder das Wort. „An wen genau sollen wir uns denn jetzt wenden?“ „Opa oder Papa“, antwortete Sandra. „Mama nutzt gerade den Mittagsschlaf von Paulinchen fürs Reiten. Die ist mit einem ziemlich straffen Zeitplan ausgestattet am Nachmittag. Kommen Sie doch bitte mit! Wir sehen einfach mal, wem von den beiden Herren wir als Erstes über den Weg laufen.“ Sandra drückte Yvonne ihre Schulsachen in die Hand und bat sie, diese mit nach oben zu nehmen und ihr auf den Schreibtisch zu legen. Dann wandte sie sich in Richtung Stall. Die kleine Gruppe hatte Glück. Gerade war Papa mit einem Pferd fertig und übergab es der Pferdepflegerin Paula, damit die es wieder auf die Koppel brachte. Er wollte kurz etwas trinken. Bis zur nächsten Reitstunde hatte er zwanzig Minuten Zeit. Da lohnte es eh nicht mehr, mit etwas anderem anzufangen. Nachdem er gehört hatte, was denn Marie und ihre Eltern herführte, lud er sie ins Reiterstübchen ein, um grundsätzlich über das Thema zu sprechen. Sandra bat Marie: „Du musst uns unbedingt nachher alles erzählen. Daumen sind fest gedrückt.“ Vergessen war der Plan mit dem Ausritt. Es war doch viel interessanter, sofort zu erfahren, ob, wann und welches Pferd Marie bekommen sollte. Da konnte man auch auf einen Reitplatz gehen. Sobald Yvonne wieder da war, unterrichtete Sandra sie von den geänderten Plänen. Die Mädchen holten sich die beiden Welsh Cob Momo und Daisy, der Sandras älterem Bruder Josef gehörte. Yvonne ritt ihn, seit sie bei den Biedermanns wohnte. Josef selbst war leider zu groß für das Pony geworden, was er trotz der hervorragenden Turnierpferde, die ihm zur Verfügung standen, sehr bedauerte. „Wenn wir nicht ausreiten, dann longiere ich Daisy vielleicht auch nur“, meinte Yvonne. „Damit bin ich schneller fertig.“ „Das ist gar keine so blöde Idee“, stimmte Sandra zu. „Aber ich gehe auf den Springplatz und mache Doppellonge mit Momo. Ist schon eine Ewigkeit her.“ Momo war es nicht nur gewöhnt, seine junge Besitzerin auf seinem Rücken durch die Gegend zu tragen, er ging auch ohne Probleme vor der Kutsche. Da war die Arbeit mit der Doppellonge nicht viel anders, wenn man einmal davon absah, dass das Gewicht fehlte, welches das Pferd ziehen musste. Trotzdem wurden die beiden kleinen Pferde gründlich geputzt. Um diese Jahreszeit und bei dem gerade vorherrschenden Wetter war das keine große Arbeit. Dennoch striegelten die Mädchen ihre Tiere überall. Auf diese Weise entdeckte man eventuelle Verletzungen am schnellsten. Sandra führte Momo auf den Springplatz. Hier standen meistens einige Hindernisse herum. Das war praktisch, obwohl sie ihr Pferd diese natürlich nicht überwinden lassen wollte. Sie konnte aber herrlich das Lenken üben, indem sie zwischen den einzelnen Hürden hindurch musste. Momo marschierte munter vor Sandra her. Sein rundliches Hinterteil wippte dabei rhythmisch auf und ab. Jemand hatte sich Trabstangen ausgelegt. Über diese dirigierte Sandra Momo ebenfalls oder zwischen zwei Stück hindurch. In einer Ecke, in welcher genügend Platz war, lenkte sie das Pony dann auf einen Kreis, indem sie die innere Longe verkürzte und die andere um dessen Po herumführte. So konnte sie Momo auch traben und galoppieren lassen. Nach einer Weile entdeckte Sandra Marie, die am Zaun stand und winkte. Sie lenkte Momo zum Ausgang. „Der Dicke hat für heute genug getan. Komm doch mit! Ich bin sicher, dass Yvonne auch fertig ist, wenn sie uns sieht. Dann können wir die Pferde versorgen, und du erzählst uns alles.“ „Jetzt schieß schon endlich los!“, forderte Yvonne, nachdem sie Daisy am Putzplatz des Offenstalls angebunden hatte. „Sandys Vater hat gemeint, dass er im Moment kein Pferd für mich weiß, aber die Augen und Ohren offenhalten will. Wir sind auch schon ein paar Anzeigen im Internet durchgegangen. Er hat gesagt, dass es da teilweise wirklich tolle Pferde gibt. Da haben wir sogar ein Pferd gefunden, das wir uns möglichst bald anschauen wollen. Wahrscheinlich kommt dann euer Opa mit.“ „Opa hat einen super Riecher für Pferde“, erklärte Sandra sofort. „Einen besseren Berater und Fachmann könnt ihr gar nicht kriegen. Wo steht das Wundertier denn?“ „In Pürgen“, antwortete Marie. Sie kramte ihr Smartphone heraus, rief die Anzeige noch einmal auf und hielt ihren Freundinnen das Gerät vor die Nase. „Eine Württemberger Stute“, las Sandra. „Stockmaß eins sechsundsechzig, zehn Jahre alt, bis L ausgebildet. Das klingt gut. Ich hätte dich halbe Portion auch nicht gerade auf einem Riesen gesehen.“ „Das musst ausgerechnet du sagen“, konterte Yvonne. „Du hoffst, dass du nie zu groß für Momo wirst, reitest aber alles, auf das man einen Sattel legen kann.“ „Das ist ja wohl etwas anderes“, brummte Sandra. „Auf jeden Fall drücke ich die Daumen.“ Yvonne seufzte: „Wenn es wirklich in den Ferien klappt, sehe ich das Wundertier erst nach meinem Urlaub.“ Dann warf sie einen Blick auf die Uhr und meinte: „Wir sollten langsam ins Reiterstübchen gehen. Die Besprechung fängt gleich an.“


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