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> Tierbücher > Die Biedermanns und ihre Pferde
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Tierbücher
Buch Leseprobe Die Biedermanns und ihre Pferde, Martina Sein
Martina Sein

Die Biedermanns und ihre Pferde


Kommen und Gehen

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Sandra und ihre beste Freundin Claudia standen am Zaun und schauten den fünf gescheckten Pferden zu, wie sie eigentlich nur unter dem Vordach ihres Offenstalls standen. „Bald sind es sieben“, meinte Claudia plötzlich. „Sieben was? „Pferde.“ Hasi und Cirgul waren trächtig. Da sie schon beim Thema waren, wollte Sandra wissen: „Wann ist es bei den beiden eigentlich soweit?“ „Cirgul wahrscheinlich Ende März und Hasi eher so Mitte April. Ganz genau weiß man das bei Pferden ja immer nicht.“ „Bei Menschen auch nicht“, konterte Sandra. „Ich habe morgen Geburtstag, und in vier Tagen soll das Würmchen eigentlich geboren werden. Mama rechnet damit, dass das mindestens eine Woche länger dauert.“ „Keine Sorge, ich habe deinen Geburtstag nicht vergessen“, versicherte Claudia. „Ich habe auch schon ein schönes Geschenk für dich. Willst du eigentlich richtig feiern?“ „Nein, das habe ich ja noch nie gemacht und in diesem Jahr erst recht nicht.“ Sandra war in ihrer Klasse eher ein bisschen eine Außenseiterin. Es gab außer Claudia keine anderen, die auch ritten. Dass sie eine berühmte Mutter hatte, die sogar mehrere Olympische Goldmedaillen besaß, machte das nicht gerade besser. Daher hatte sie auch nur ganz früher Kindergeburtstage gehabt, wie das bei anderen üblich war. Seit sie die Mittelschule besuchte, hatte sie immer nur mit Claudia gefeiert. „Erstens wüsste ich gar nicht, wen ich außer dir einladen sollte und außerdem möchte ich nicht, dass Mama Arbeit damit hat. Wir beide gehen am Abend ins Kino. Danach darfst du bei mir übernachten. Das ist für mich viel schöner, als wenn hier ein Haufen von diesen gackernden Weibern aus unserer Klasse rumlaufen würde.“ „Okay, ist mir auch recht“, stimmte Claudia zu. Hasi trottete nun gemächlich heran und streckte Claudia ihre Nase entgegen. „Hey Süße, ich hab nix. Tut mir leid. Hoffentlich wird dein Fohlen auch rotgescheckt. Das sieht so stark aus.“ „Hast du die Hengste gesehen, mit denen Andrea die beiden gedeckt hat?“, wollte Sandra wissen. Claudia nickte. „Mama hat mir Fotos von ihnen gezeigt. Cirguls Fohlen hat auch einen schwarzweißen Vater. Der bei Hasi war ein Fuchsschecke. Andrea hat keinen so roten gefunden, wie Hasi ist. Ein einfarbiger ist nicht infrage gekommen, weil sie ja unbedingt wieder Pintos haben möchte.“ Auf diese Aussage hin musste Sandra lachen. „Ist schon witzig. Die meisten Menschen mögen Schecken überhaupt nicht. Es gibt ja sogar ganz klare Vorgaben, ob und wie hoch manche Rassen weiße Beine haben dürfen. Andrea ist da ganz anders. Sie will, dass ihre Pferde zweifarbig sind.“ „Wer will denn keine weißen Beine?“, hakte Claudia nach. „Felix hat mir das erzählt. Du weißt doch, dass seine Tochter sich ein Kaltblut gekauft hat. Der Züchter hatte im letzten Jahr ein kleines Hengstfohlen. Muss wunderschön gebaut gewesen sein und ein richtig toller Kohlfuchs, aber es hatte vier weiße Beine. Ist nicht erwünscht. Er hat den Kleinen irgendwo nach Norddeutschland verkauft, wo man darauf nicht geguckt hat.“ Auf dem Hof der Biedermanns gab es einen festansässigen Hufschmied. Von dem hatte Sandra gerade geredet. „Langsam wird mir kalt“, stellte Claudia fest. Daher schlug Sandra vor: „Dann gehen wir jetzt zu mir hoch. Ich mache uns einen Kakao, und danach ist Stallarbeit angesagt. Du bleibst doch noch so lange da, oder?“ „Andrea hat ja heute ausnahmsweise keine Zeit. Es kommt wirklich superselten vor, dass sie Mama bittet, ihre Pferde zu versorgen. Deshalb habe ich versprochen, bei den Pintos zu helfen. Du gehst wieder in den Offenstall?“ „Klar. So kann ich mich selber um mein Pferd kümmern.“ Obwohl morgen erst vierzehn Jahre alt, nannte Sandra bereits seit fast acht Jahren den Welsh Cob Momo ihr eigen. Sie konnte jedes Pferd reiten und fühlte sich auch auf den größten Riesen wohl, aber Momo würde immer ihre Nummer eins bleiben. Da war sie sich sicher. Claudia ergänzte noch: „Und du gehst Andy aus dem Weg.“ Seit dem Herbst hatten die Biedermanns einen Lehrling. Irgendetwas störte Sandra an ihm. Wann immer es ging, richtete sie es so ein, dass sie nicht mit ihm zusammenarbeitete. „Die sind halt einfach genug Leute da drüben. Helga ist immer alleine. Allerdings will Mama, dass Andy sich das mit dem Offenstall jetzt dann anschaut. Helga hat bald zwei Wochen Urlaub. In der Zeit soll er sich da um alles kümmern. Dann bin ich wieder bei den anderen.“ „Fällt ja kein bisschen auf“, stellte Claudia fest. „Das ist mir egal.“ Sandra ging nun ihrer Freundin über die Außentreppe zur Wohnung der Biedermanns voraus. Die Familie lebte direkt über dem Pferdestall. Auch Opa und seine zweite Frau Karin hatten hier eine Bleibe. Die war allerdings für sich und hatte einen eigenen Eingang drüben beim Flügel, in dem die Zucht untergebracht war. „Zum Glück“, seufzte Sandra, als sie den Kühlschrank aufmachte. „Es ist noch genügend Milch da. Seit Josi uns alle mit seinem Haferzeugs verrückt macht, muss man schon um seinen anständigen Kakao bangen.“ „Warum? Was hat er denn?“ „Ich habe dir ja bestimmt schon erzählt, dass der gnädige Herr kein Schweinefleisch ist, weil er denkt, das wäre zu ungesund für ihn. Auf seine Figur legt er großen Wert. Jetzt ist er plötzlich angekommen, dass wir unseren Konsum an tierischen Produkten insgesamt einschränken sollten. Mama ist gleich voll auf den Zug aufgesprungen.“ „Ja und?“ „Ach, er macht ständig ein Theater um alles Mögliche. Sie hatten das Thema wohl in der Schule. Jetzt denkt er, dass er uns umkrempelt und schon zum Retter der Welt wird.“ Sandra liebte auch ihren älteren Bruder. Vermutlich hätte sie ganz genauso denken können, wenn nicht ausgerechnet er mit dieser Idee gekommen wäre. Wie es nämlich bei vielen anderen Familien auch der Fall ist, konnten die Geschwister manchmal nur gegensätzlicher Meinung sein – aus Prinzip. Claudia warf ein: „Meine Mama hat uns letztens auch gesagt, dass sie in Zukunft öfter einen fleischfreien Tag in der Woche machen möchte. Wir essen zu viel davon. Dann hat sie mir genau erklärt, wie die Tiere gehalten werden und was es für die Umwelt bedeutet, wenn es zu viele sind. Da hat sie leider gar nicht so unrecht. Erst gestern gab’s bei uns Chili.“ „Hm, lecker.“ „Aber ohne Hackfleisch.“ Sandra verzog das Gesicht. „Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.“ „Du, das war total lecker. Mama hat es stattdessen mit Linsen gemacht. Ich habe kaum einen Unterschied gemerkt. Sogar Papa – und der ist ja wirklich ein total eingeschworener Fleischesser – hat gesagt, dass es richtig lecker war.“ „Soll ich dir deinen Kakao jetzt lieber auch gleich mit Haferdrink machen?“ Grinsend erwiderte Claudia: „Nein danke, heute nehme ich den noch mit Kuhmilch.“ Sandra hatte längst etwas aus der Milchkanne in einen Topf geschüttet. Bei den Biedermanns wurde die Milch nämlich nicht im Supermarkt gekauft. Hier auf dem Land gab es noch die Möglichkeit, sie direkt beim Bauern zu beziehen. Auf so etwas legte Mama großen Wert. Sie sagte immer, dass auf diese Weise das Geld auch wirklich beim Erzeuger ankam und sich nicht zwischendrin noch Molkerei und Supermarkt etwas abzwackten. Außerdem war sie so sicher, dass die Tiere Weidegang hatten. Auch das Fleisch wurde in dieser Familie bei einer Metzgerei erworben, die nur regionale Produkte anbot und außerdem einen Tierwohlstandard von seinen Lieferanten forderte. Draußen wurde es nun schnell dunkel. Sandra seufzte, als sie einen Blick durch die Scheibe der Balkontüre warf. „Ich will, dass es abends endlich wieder lange hell ist.“ „Ich auch, aber jetzt wird meine Mama gleich kommen.“ Claudia stand auf und räumte ihre Tasse in die Spülmaschine, ehe die beiden Mädchen sich wieder anzogen und zurück in den Stall gingen. Tatsächlich war Christiane bereits da und hatte gerade damit begonnen, den Stall ihrer Freundin zu misten. „Da bist du ja. Magst du hier weitermachen oder lieber schon das Heu für die Nacht holen?“ „Ich mache den Mist“, erklärte Claudia. „Bei der Heumenge bin ich mir immer noch unsicher.“ „Wir sehen uns noch, okay?“, meinte Sandra ehe sie weiterging. Helga hatte bereits mit der Arbeit begonnen. Als sie Sandra sah, bat sie: „Traust du dir alleine den Stall mit den Absetzern zu? Klaus muss früher weg. Dein Papa hat gesagt, ich soll dir Bescheid geben, wenn er dich nicht vorher noch selber trifft.“ „Alles klar. Dann musst du wohl heute ohne mich hier auskommen.“ Sandra sah nur kurz nach Momo und machte dann wieder kehrt. Die alte Scheune, in der zwei geräumige Laufboxen untergebracht waren, lag gleich nebenan. Die Tiere waren bereits in den Stall gekommen. So machte Sandra als Erstes die Tore zu, durch die sie tagsüber auf die Weide gehen konnten, wann immer ihnen danach war. Eigentlich war Sandra hier fast am liebsten. Die Pferde, die in diesem Frühling zwei Jahre alt wurden, waren für sie etwas ganz Besonderes. Aus dem Fohlenalter waren sie bereits heraus, aber zu den Großen gehörten sie eben doch noch nicht. Es dauerte auch nicht mehr lange, ehe hier schon die Tiere einziehen sollten, welche im vergangenen Jahr im Stall der Biedermanns geboren worden waren. „Ja, lange habt ihr hier nicht mehr“, seufzte sie und machte sich an die Arbeit. Das Füttern war hier ganz einfach. Zu der kleinen Stallgasse hin waren die Laufboxen nur mit Rundbalken abgegrenzt. Durch die konnten die Tiere ihre Köpfe strecken. Damit sie das Heu nicht unnötig mit ihren Hufen zertrampelten, bekamen sie es hier vorgelegt. Als zufriedenes Kauen zu hören war, kümmerte Sandra sich um die Pferdehaufen. Sie musste am Abend nur die drinnen wegräumen, damit die Tiere sauber stehen und liegen konnten. Die Koppel würde morgen bei Tageslicht abgeäpfelt. Beim Abendessen fragte Papa: „Na Spätzchen, bist du schon aufgeregt?“ „Ja klar“, antwortete Sandra. „Man wird nicht jeden Tag vierzehn.“ „Dann bist du strafmündig“, warf Josef ein. „Jetzt darfst du dich bei nichts mehr erwischen lassen.“ „Na hör mal!“, meldete sich Mama zu Wort. „Es geht nicht darum, sich erwischen zu lassen oder nicht, sondern gar nicht erst etwas anzustellen. Was traust du deiner Schwester eigentlich zu?“ Zum Glück war der nächste Tag ein Samstag. Andere mochten es vielleicht, wenn ihnen an ihrem Geburtstag in der Schule gratuliert wurde, Sandra gehörte nicht zu ihnen. Es reichte schon, wenn sie das am Montag über sich ergehen lassen musste. Sie würde morgen erst einmal ganz normal mit der Stallarbeit beginnen. „Ach, da fällt mir etwas ein“, meinte Papa plötzlich. „Paula wird morgen auch erst später kommen. Sandy, könntest du vielleicht die Absetzer noch einmal machen?“ „Logo, bei denen bin ich eh total gern.“ „Sag Bescheid, wenn es dir zu viel ist, dann soll Josi dir helfen“, ergänzte Papa noch. Zufrieden mit sich und der Welt ging Sandra in ihr Zimmer. Da klopfte es. Yvonne, ihre Cousine, kam herein. Sie lebte seit den vergangenen Pfingstferien bei den Biedermanns. Zurzeit waren ihre Eltern in Südamerika, wo ihre Mutter Corinne half, eine Schule und einen Kindergarten aufzubauen. Alexander, Yvonnes Vater, war Journalist und hatte eine Kolumne über die ärmlichen Verhältnisse, die dort zum Teil herrschten. Außerdem arbeitete er an einem Buch über sein Leben und seinen Beruf. „Hey“, begrüßte Sandra ihre Cousine. „Wie war’s bei Marie?“ „Schön“, antwortete Yvonne. „Wir waren in Weilheim und haben ein bisschen geshoppt.“ „Zeitverschwendung.“ Sandra hatte nichts dafür übrig, unnötig Geld und Zeit aufzubringen, um sich irgendwelche Sachen anzuschauen, die man eigentlich überhaupt nicht brauchte. Bei ihr gehörte jede freie Minute den Pferden. Da kam sie ganz nach Mama. Yvonne konterte: „Ansichtssache. Wir hatten viel Spaß. Marie hat morgen wieder Reitstunde. Ich glaube, sie kocht ihre Eltern gerade für ein eigenes Pferd weich.“ „Ist nicht dein Ernst!“, rief Sandra aus. Diese Informationen waren dann doch ziemlich interessant. „Ich fände es cool, wenn da etwas zu machen wäre. Natürlich kommt das dann zu uns.“ Yvonne grinste. Scheinbar hatte sie nur diese Information loswerden wollen, denn gleich ging sie wieder und ließ Sandra mit der Vorfreude auf ihren Geburtstag zurück.


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