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> Tierbücher > Die Biedermanns und ihre Pferde
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Tierbücher
Buch Leseprobe Die Biedermanns und ihre Pferde, Martina Sein
Martina Sein

Die Biedermanns und ihre Pferde


Alles an seinen Platz

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Sandra und Yvonne ritten gemeinsam mit ihrer Freundin Claudia durch den Wald von Achselschwang. Gleich würden sie den Stall erreichen, in dem Elvira, die Stute, die Claudia ritt, wohnte. Dort würden sich die Wege der Mädchen trennen. „Kommt ihr noch mit?“, wollte Claudia wissen. Yvonne schüttelte den Kopf. „Wenn ich ehrlich bin, dann möchte ich jetzt nach Hause. Ich bin einfach nur müde.“ „Bist du es immer noch nicht wieder gewöhnt, dass wir längere Ausritte machen?“, stichelte Sandra. Ihre Cousine hatte eine schwere Zeit hinter sich. Ihre Eltern waren in einem Kriegsgebiet gewesen. Von ihrem Vater Alexander war sogar eine ganze Weile nicht bekannt gewesen, wo er sich in Gefangenschaft aufgehalten hatte. Nun hing ihr jedoch bereits seit Wochen der Himmel voller Geigen, denn die beiden waren wieder zurück. Sie wohnten sogar bei Opa auf dem Hof der Biedermanns. „Quatsch!“, rief Yvonne aus. „Reiten könnte ich noch stundenlang, aber mein Kopf fühlt sich an, als wäre er mit lauwarmer Watte ausgestopft.“ „Meine Mutter würde bestimmt sagen, das ist das Wetter“, warf Claudia ein. „Leute, kommt gut nach Hause! Ich folge euch mit dem Rad unauffällig. Euer Opa wollte mir am Abend noch eine Springstunde geben.“ „Isst du bei uns mit?“, wollte Sandra wissen. „Nein, dafür werde ich zu Hause erwartet.“ Claudia lenkte ihre gescheckte Stute Elvira von dem Weg ab, den die anderen beiden Mädchen nun nehmen mussten. „Ist noch ein Trab drin?“, erkundigte Sandra sich bei Yvonne. Wenn sie ehrlich war, dann wollte sie eigentlich auch nur noch nach Hause. Ihr Welsh Cob Momo schien ebenfalls ziemlich erledigt und schlurfte vor sich hin. Yvonne stimmte zu: „Vielleicht wachen wir alle vier dann noch einmal ein bisschen auf.“ Es wurde ein ziemlicher Zockeltrab, den sie da veranstalteten. Nachdem die Pferde wieder im Schritt gingen und Daisy, ebenfalls ein Welsh Cob, die eigentlich Sandras älterem Bruder Josef gehörte, noch einmal abgeschnaubt hatte, musste Sandra lachen. „In einer Reitstunde hätten wir ihnen Beine machen müssen.“ „Wir sind aber nicht in einer Reitstunde“, korrigierte Yvonne sie. Vor ihnen lag der lange Hang, hinter dessen Kuppe der Reitstall Trautberg lag. Der Einfachheit halber hatten Sandras Eltern den Namen beibehalten, als sie die Anlage übernommen hatten. Viele Jahre war Opa verantwortlich gewesen und davor schon sein Vater, der alles hier aufgebaut hatte. „Schau mal!“, rief Yvonne aus. Leben kam wieder in sie. „Papa reitet auf dem Springplatz.“ „Zum Glück kann er das wieder“, gab Sandra zurück. Alexander hatte sich bei seiner Entführung ausgerechnet das rechte Handgelenk gebrochen gehabt. Für einen Journalisten war das natürlich nicht gerade ideal gewesen, zumal das auch seine starke Seite war. Die Zügel hielt er allerdings in der linken Hand. Corinne, Yvonnes Mutter ritt ihre eigene Stute Galaxy und warf ihrem Mann immer wieder einen Blick zu, ob er auch wirklich klarkam. Dann entdeckte sie, dass die Mädchen zurück waren. „Na, wie war euer Ausritt?“ „Lang“, antwortete Yvonne sofort. „Sie ist es immer noch nicht wieder voll gewöhnt“, stellte Sandra fest. „Ihr müsst also definitiv in der Nähe bleiben, dass sie wieder richtig reinkommt.“ Eigentlich wohnten Yvonne und ihre Eltern in einem Vorort in München. Seit Alexander jedoch wieder in Deutschland war, hielt die Familie Danninger sich hier in Utting auf. Das gefiel den Mädchen natürlich. Früher hatten sie nicht weit voneinander entfernt gelebt und sich oft gesehen. Der Umzug nach München war eine große Umstellung gewesen. Aus dem Stall kam gerade Mama. Ganz automatisch fiel Sandras erster Blick auf ihren Bauch. Es war zwar noch nicht auffallend, aber wer wusste, wie schlank sie sonst war, konnte eine Schwangerschaft inzwischen erkennen. Mama kam auf die beiden Mädchen zu, die nun abgesessen waren. Eigentlich lebten ihre Ponys im Offenstall, an dem sie bereits vorbeigeritten waren, aber vor allem Yvonne hatte gleich zu ihren Eltern gewollt. Sandra verkündete: „Wir versorgen erst einmal Momo und Daisy.“ „Macht das!“, stimmte Corinne zu. „Danach essen wir alle gemeinsam drüben bei Uri.“ Sandra und Yvonne konnten sich so glücklich schätzen, dass ihre Uroma auch noch lebte, obwohl sie schon weit über neunzig war. In einem kleinen Bungalow, den man mit ein paar Minuten Fußmarsch leicht von hier aus erreichen konnte, führte sie noch ihr eigenes Leben; unterstützt von der Familie und einem mobilen Pflegedienst. „Au ja!“, rief Yvonne aus. „Abendessen bei Uri ist immer gut.“ Gut gelaunt kamen die beiden Mädchen vom Offenstall und schlossen sich dem Rest der Familie an. So marschierten Opa, Mama, Papa, Josef, Corinne, Alexander, Sandra und Yvonne los. Uri erwartete sie bereits. Sie hatte es sich in ihrem Korbsessel auf der Terrasse bequem gemacht. Währenddessen hatte sich Opas zweite Frau Karin um das Essen gekümmert. Es sollte eine richtige bayerische Brotzeit geben mit allem, was dazugehörte inklusive Obazda, einer Käsecreme. „Wie schön, euch einmal alle an einen Tisch zu bekommen“, stellte Uri fest. „Das kommt ja wirklich selten genug vor.“ „Bei solchen Gelegenheiten kann man ja auch wunderbar etwas besprechen“, meinte Corinne. „Mama!“, rief Yvonne aus. „Das letzte Mal, als du so angefangen hast, war Papa von Radikalen verschleppt worden und du bist in ein Kriegsgebiet geflogen. Sagt jetzt nicht, dass Papa wieder solche Artikel schreiben wird.“ Alexander legte seine gesunde Hand auf den Arm seiner Tochter. „Beruhig dich bitte, Spätzchen! Ich habe meine Karriere als Kriegsberichterstatter definitiv an den Nagel gehängt. Darauf hast du mein Wort.“ „Trotzdem gibt es einiges, über das wir reden müssen“, warf nun Mama ein und streichelte ihren Bauch. „Betroffen sind wir eigentlich alle.“ Sandra forderte: „Nun macht es nicht so spannend!“ Opa wollte zuerst mit dem Essen beginnen. „Dabei redet es sich leichter“, erklärte er und griff nach einer Breze. „Die Sache ist die“, begann Mama wieder, „dass unsere Wohnung langsam zu klein wird. Wenn das Baby erst einmal sein eigenes Zimmer braucht …“ „Und deshalb sind wir auf die Idee gekommen, einfach die Wohnungen zu tauschen“, ergänzte Opa. „Für uns ist die vorne eh zu groß.“ „Cool!“, rief Sandra aus. „Kann ich Mamas altes Zimmer haben?“ „Da will ich rein“, begehrte Josef auf. „Kommt jetzt bloß nicht auf die Idee, euch zu streiten“, meldete sich Papa zu Wort. „Es wird für jeden ein Zimmer geben. Nur bei einem sind wir uns ziemlich sicher.“ „Welches ist das denn?“, wollte Yvonne wissen. „Dass du das ehemalige von mir bekommen sollst“, antwortete Corinne. „Das verstehe ich jetzt nicht so ganz.“ Yvonne schaute verwirrt drein. „Für uns alle zusammen ist die Wohnung doch auch wieder zu klein.“ „Da hast du natürlich vollkommen Recht“, pflichtete Corinne ihrer Tochter bei. „Das ist nämlich die andere Sache, über die wir reden müssen.“ „Ihr habt gesagt, dass Papa keine Kriegsberichte mehr schreibt“, empörte Yvonne sich. Corinne nickte. „Genau das haben wir gesagt. Papa hat allerdings einen Auftrag bekommen, eine ganze Serie über die Bildungschancen in friedlichen Teilen von Südamerika zu schreiben.“ „Also geht er wieder weg“, stellte Yvonne fest. Ihre Stimme klang traurig. Alexander ergriff das Wort: „Außerdem wollte ich schon immer ein Buch schreiben über alles, was ich bei der Arbeit erlebt habe. Ich denke, dass ich dort die nötige Ruhe finden und auch genügend Anreize haben werde.“ „Ich habe mich erkundigt“, fuhr nun wieder Corinne fort. „Dort werden auch Kindergärtnerinnen gesucht.“ „Du willst in Südamerika arbeiten?“, fragte Sandra nun erstaunt. „Wenn da kein Krieg ist, dann ist doch alles gut und ich kann mit euch mitkommen“, fasste Yvonne zusammen. „Wir möchten, dass du die bestmöglichen Startchancen in dein Berufsleben haben wirst“, erklärte Corinne. „Deshalb haben wir mit Ina, Michi, Opa und Karin ausgemacht, dass du hierbleibst.“ „Das könnt ihr doch nicht machen!“ Yvonne geriet beinahe außer sich. „Als wenn es nicht schlimm genug gewesen wäre, dass wir uns erst vor Kurzem getrennt haben und ich so viel Angst um euch haben musste. Jetzt wollt ihr das wieder alleine machen?“ Nun versuchte Alexander, seiner Tochter den Standpunkt der Eltern zu erläutern: „Wir halten es für besser. Schau! Dort würdest du nicht nur niemanden kennen, sondern hättest auch enorme Probleme mit der Sprache.“ „Ich habe schon seit ein paar Jahren Englisch in der Schule und bin gut in dem Fach“, begehrte Yvonne auf. „Schatz, dort, wo wir leben und arbeiten werden, wird Spanisch gesprochen.“ „Das kann ich lernen“, versicherte Yvonne. Mama meldete sich zu Wort: „Wir vier haben wirklich lange darüber geredet. Wir würden uns sehr freuen, wenn du bei uns bleibst. Auch der Michi und ich halten es für das Beste. Du hast dich doch gerade erst an die neue Schule hier bei uns gewöhnt. So kannst du weiter mit Sandy und Claudia im Bus fahren und Reiten, so viel und oft du nur magst. Wir haben den Platz, wenn wir die Wohnungen tauschen. Außerdem sind du und Sandy doch schon immer mehr wie Schwestern als Cousinen gewesen.“ „Das stimmt“, pflichtete Sandra ihrer Mutter bei. „Ich fände es auch total doof, wenn du mit nach Südamerika gehst. Bleib doch hier! Dann können wir zusammen mit Claudi den größten Spaß haben. Außerdem siehst du die Zwergine dann sogar noch vor deiner Mama.“ „Bist du immer noch davon überzeugt, dass es ein Mädchen wird?“, hakte Mama nach. „Noch einen Bruder ertrage ich nicht“, gab Sandra ungerührt zurück. „Es muss einfach ein Mädchen sein.“ Josef zog ein beleidigtes Gesicht. „Na, vielen Dank auch. Dann hoffe ich umso mehr, dass ich einen Bruder bekomme.“ „Ihr lenkt voll vom Thema ab“, beschwerte Yvonne sich. „Als wenn es wichtig wäre, ob Ina einen Jungen oder ein Mädchen bekommt, wenn meine Eltern nach Südamerika gehen und mich dabei hier zurücklassen.“ „Wir lassen dich doch nicht zurück“, korrigierte Corinne. „Wir geben dich in die Obhut von Ina und Michi, weil wir es für das Beste halten. Du bist für uns das Wichtigste, was es auf der Welt gibt. Deshalb haben wir das ja so entschieden. Außerdem ist es noch eine Weile hin, bis wir unsere Koffer packen. Papas Hand muss erst einmal richtig ausheilen. Außerdem sind noch eine ganze Menge anderer Dinge zu organisieren. Wenn ich nur daran denke, dass wir die Wohnung auflösen müssen. Deine Möbel bringen wir natürlich hierher. Dann kannst du dich damit in meinem alten Zimmer einrichten. Das ist doch cool, oder?“ „Daran ist überhaupt nichts cool.“ Jetzt wurde Yvonne bockig. „Wie sollen denn die anderen Zimmer aufgeteilt werden?“, versuchte Josef, das Thema zu wechseln. „Wohnzimmer, Küche und Bad bleiben natürlich dort, wo sie schon immer waren“, erklärte Papa. „Außerdem würden wir beide gerne das Schlafzimmer nehmen, in dem jetzt euer Opa und Karin wohnen. Bei den anderen müssen wir halt überlegen, wie es am sinnvollsten ist.“ „Moment mal“, meinte Sandra plötzlich. „Das ist dann doch immer noch ein Zimmer zu wenig.“ „Du hast Recht“, pflichtete Opa ihr bei. „Deshalb werden wir bei uns im Schlafzimmer eine Trennwand einziehen und das Zimmer daneben ein bisschen verkleinern. So bekommen wir einen zusätzlichen Raum.“ „In dem wird das Baby schlafen, wenn es sein eigenes Zimmer braucht“, fügte Mama noch hinzu. „Was habt ihr beiden eigentlich gegen das Gästezimmer einzuwenden?“ „Man kann von da aus weder auf den Hof noch zu den Koppeln sehen“, platzte Sandra sofort heraus, woraufhin Josef nur zustimmend mit dem Kopf nickte. „Als wenn ihr beiden so viel Zeit am Fenster eurer Zimmer verbringen würdet“, warf Papa ein. „Wenn ihr euch nicht einigen könnt, dann losen wir es aus. Ihr dürft euch aber selber aussuchen, wie die Wände gestrichen werden sollen.“ „Weiß“, brummte Josef. Sandra entgegnete: „Bist du langweilig! Bei mir muss es so aussehen, als würde die Sonne auf- oder untergehen.“ „Also Gelb-, Orange- und Rottöne“, fasste Mama zusammen. Sie hatte ein Händchen dafür, wie man Wände hübsch streichen konnte. Auf dem Heimweg sprach Yvonne kein Wort und zog sich dann auch gleich in das Zimmer zurück, das sie zurzeit bei Opa und Karin bewohnte.


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