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Science Fiction
Buch Leseprobe Zweitwesen, Thomas Reich
Thomas Reich

Zweitwesen



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Hayden verließ die U-Bahn am Central Park. Wer auch immer ihn zu sehen wünschte, hatte ein Treffen an einem öffentlichen Platz gewählt. Es gab also keine Gefahr zu fürchten. Nicht einmal die Mafia war so blöd, ihre Opfer auf offener Straße abzuknallen. Und für einen Ehrenmord taugte Hayden nicht, dazu war er zu gewöhnlich. Woran aber sollte er seinen Gesprächspartner erkennen? In der Nähe der Station, hatte es geheißen. Am südlichen Ende des Parks. Unschlüssig setzte er sich auf eine Parkbank, von der aus man einen guten Überblick hatte. Bestimmt eine Viertelstunde lang rührte sich nichts. Jedenfalls nichts von Belang. Dann tauchten drei Männer in Anzügen auf. Alle drei trugen Sonnenbrillen, die jeglichen Ausdruck in ihren Augen verbargen. Der mittlere war ein Farbiger, der seine beiden Begleiter um gut einen
halben Kopf überragte. Auch unterschied er sich von den beiden nahezu identischen Soulbrothers durch seine Sonnenbrille mit den kleinen verspiegelten Gläsern, die in seinem Gesicht geradezu winzig wirkte. Wie Edelsteine funkelten sie Hayden in der Sonne an, als er sich zu ihm herab beugte. „Entschuldigen sie, der Rushhourverkehr hat uns aufgehalten. Es freut mich, dass sie die Zeit gefunden haben. Wollen wir ein kleines Stückchen spazieren
gehen?“
„Klar, warum nicht.“
Der Park war an diesem Vormittag wenig frequentiert. Hauptsächlich Rentner und Mütter, die ihre Kinder auf den Spielplatz brachten. Später, da würde die Sonne durch den diesigen Himmel stoßen wie eine kleine Offenbarung. Dann würden auch die Teenager von der Schule kommen, und am Springbrunnen herumlümmeln. Doch bis dahin hatten sie das Gelände
praktisch für sich. Als sie sich einer leeren Bank am Ententeich näherten, deutete der Schwarze ihm mit einer kurzen Handbewegung an, Platz zu nehmen.
„Ein lauschiges Plätzchen, und doch nicht belauscht.“
„Verstehe ich nicht ganz.“
„Alter Agentenwitz. Nicht lustig, was?“
„Entschuldigen sie, ich wollte nicht unhöflich sein.“
„Oh! Das sind sie nicht, keine Sorge. Der Mangel an Taktgefühl befindet sich ganz auf meiner Seite. Gestatten sie mir, mich vorzustellen: Mein Name ist Mellows.“
Innerlich schien er von einem unterdrückten Lachen zerrissen zu werden. Was ihn Hayden nicht gerade sympathischer machte.
„Und ihre beiden Kollegen?“
Die beiden anderen Männer mit den überbreiten Sonnenbrillen nickten einander kurz zu, und postierten sich an beiden Enden des Kiesweges, der an ihre Uferseite mündete.
„Nicht so wichtig.“
Mellows machte eine wegwerfende Geste mit seiner rechten Hand, an der ein goldener Ring mit einem kleinen roten Stein steckte. Wie das Auge eines Wiesels.
„Seid ihr Jungs eigentlich vom FBI oder von der CIA?“
„Weder noch. Der amerikanische Staat hat mehr Organe als eine Krake Saugnäpfe.“
„Reine Neugier, nichts weiter. Fahren sie fort.“
„So wie es aussieht, können wir jetzt in aller Ruhe miteinander reden. Zuallererst möchte ich ihnen eine Frage stellen. Was wissen sie über den Tod von Senator Edward Keen?“
„Das ging doch vor ein paar Tagen durch die Presse?
Jetzt erinnere ich mich. Irgendetwas mit einer Autobombe, direkt mit seinem Zündschloss verdrahtet. Hat den Ärmsten geradezu in Stücke gerissen.“
„Leider stellt seine Ermordung nur die Spitze des Eisbergs dar. Unserem aktuellen Ermittlungsstand zufolge war er in Waffengeschäfte verstrickt. Möglicherweise hat er sich mit den falschen Leuten angelegt.“
„Leute, die dein Auto verminen, zählen mit Sicherheit nicht zum besten Umgang, den ein Mann pflegen kann.“
„Da stimme ich mit ihnen überein. Wir haben ein paar Vermutungen, nicht mehr. Aber es wäre besser, ein ihnen unbekanntes Gesicht einzuschleusen.“
„Wem unbekannt?“
„Dazu komme ich später. Für sie handelt es sich sozusagen um eine sichere Angelegenheit. Nicht zu sprechen von einer außergewöhnlichen, leistungsbezogenen Bezahlung.“
„Reden sie nicht lange um den heißen Brei herum. Worum geht es?“
„Wenn sie heutzutage schmutzige Wäsche haben, bringen sie sie in den Waschsalon. Haben sie schmutziges Geld, bringen sie es ins Second Life. Zahlen harte amerikanische Dollar ein, tauschen zum aktuellen Wechselkurs in Lindendollar, und kein Mensch fragt mehr, aus welcher Quelle das Geld geflossen ist. Sie ahnen nicht, wie viele dieser Transaktionen sich weitestgehend der Finanzaufsicht entziehen. Daher möchten wir sie dort einschleusen.“
„Ich habe doch schon eine Existenz im SL.“
„Der Unterschied liegt nicht im Avatar, sondern in den Welten. Entschuldigen sie meinen Ausdruck, aber der 13 normale Avatar von der Stange hat nicht überall Zugang. Dazu fehlen ihm einfach Passwörter, Lindendollars, oder die Mitgliedschaft in den wichtigen Communitys.“
„Woher nehmen sie eigentlich die Sicherheit, mir solch vertrauliche Informationen vor die Füße zu werfen? Wenn ich nun ein leidiger Singvogel wäre, der seine Neuigkeiten an das nächste Tagesblatt verplappert?“
Ein breites Haifischgrinsen verzerrte Mellows Gesicht, ließ mehr strahlend weiße Beißer erkennen als nötig.
„Wenn wir davon ausgehen würden, wären sie schon längst tot. Das können sie mir glauben. Morgen Mittag. Gleiche Zeit, gleicher Ort. Erwarten wir ihre Entscheidung.“
Mit Knien, die sich so weich anfühlten wie englisches Weingummi, erhob Hayden sich von der Bank. Der Blick der beiden Leibwächter (oder waren es Agenten? Auftragskiller?) lastete wie Blei auf ihm. Mellows Worte folgten ihm wie eine Sturmböe, die bis auf die Haut frösteln machte.


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