Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Science Fiction > TARSIS - Verlust eines Paradieses
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Science Fiction
Buch Leseprobe TARSIS - Verlust eines Paradieses, Joachim Hausen
Joachim Hausen

TARSIS - Verlust eines Paradieses



Bewertung:
(23)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
301
Dieses Buch jetzt kaufen bei:
Drucken Empfehlen


Der alte Trontur trat mit einer mannslangen Lanze in der Hand aus dem Holzschuppen, der sich an die Rückseite des Hauses schmiegte. Er hob den Kopf und drehte sich im Kreis. Mit Angst im Herzen musterte er den Himmel. Kein Wölkchen verunzierte dessen sattes Blau.


Dieses Ritual vollzog er seit 60 Jahren, und zwar immer, wenn er ein Haus verließ. Offenbar zufrieden mit dem Gesehenen oder nicht Gesehenen brummte er vor sich hin. Sein Herzschlag normalisierte sich.


Er ging zu der oben verglasten Hintertür des Hauses, das er mit seinem Sohn Aleksor und dessen Frau Larina bewohnte. Kinderlachen und Gegacker drangen an seine Ohren. Seine Enkel, die achtjährige Irisia und der zehn Jahre alte Nandor, tollten um das Haus und scheuchten das bunte Federvieh vor sich her.


Trontur betrat den Flur. Linker Hand lagen sein Zimmer und die Vorratskammer, rechts die Kinderzimmer und die große Küche. Der alte Mann durchschritt den Flur und betrat den Wohn- und Essraum, dessen Fußboden hellbraune Steinplatten bedeckten. Er durchquerte grübelnd den sechs Meter breiten Raum. »Muss endlich mit dieser Himmelsguckerei aufhören«, murmelte er. »Mein Sohn sieht das vollkommen richtig, das ist wirklich eine schwachsinnige Angewohnheit.«


Doch die Jungs in seinem Gehirn sträubten sich gegen derartige Überlegungen. Pass auf Trontur, sei immer wachsam, man kann nie wissen, wisperten die Stimmen. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Denk daran, du musst deine Familie schützen.


Der Alte brummte erneut.


Er stieß die Haustür auf und betrat die überdachte Holzterrasse. Automatisch ruckte sein Kopf hoch. Die Blicke flogen über den Himmel. »Verflucht«, knurrte er, »jetzt hab ich′s ja schon wieder getan.«


Ächzend ließ er sich auf einen Holzschemel nieder, ergriff einen bereitliegenden Wetzstein, legte das Eisenblatt der Jagdlanze auf einen Holzbock und begann es bedächtig zu schärfen.


Drei breite weiße Streifen durchzogen Tronturs halblanges schwarzes Haar. Ein paar tiefe Furchen prägten das braune wettergegerbte Gesicht. Die wasserblauen Augen blickten oftmals abwesend, als grübele er ständig über Vergangenes. Manchmal schweiften seine Blicke in unbestimmte Fernen und schienen für andere unsichtbare Dinge zu beobachten.


Zu dieser Stunde, am Spätnachmittag eines frühherbstlichen Tages, herrschten noch angenehme Temperaturen, sodass sich das Leben im Dorf, wie die meiste Zeit im Jahr, im Freien abspielte.


Morgen sollte die erste Herbstjagd stattfinden. An der mehrtägigen Jagd würde auch sein Sohn teilnehmen.


Mit 69 Jahren zählte Trontur zu den ältesten Dorfbewohnern und gehörte dem dreiköpfigen Ältestenrat an, der, wenn man so will, Regierung des Dorfes. Viel zu regieren gab es allerdings nicht, Abgaben kannte man keine, auch kein Militär. Es gab keine Obrigkeit, der man Rechenschaft schuldig wäre. Die Dorfgemeinschaft war nur sich selbst verantwortlich.


Es gab nicht einmal Geld.


Die Menschen lebten zufrieden.


Schwere Verbrechen fanden keine statt, ebenso keine Eigentumsdelikte, niemand besaß Dinge, die zu stehlen lohnten. Missgunst und Gewinnstreben waren den Menschen fremd. Konkurrenzgebaren und Streitigkeiten zwischen den einzelnen Ansiedlungen existierten auch nicht, von Kriegen ganz zu schweigen.


Die Gründe hierfür sollten erst Jahrzehnte später entdeckt werden.


Die Menschen lebten in einem Paradies.


Ihr Dorf, Wollong genannt, umfasste 224 aus Steinen erbaute Häuser und lag an einem 20 Meter breiten Fluss, der einer nördlich gelegenen Bergkette entsprang. Neben und hinter den Häusern gab es Blumen-, Gemüse- und Kräutergärten. Die Stallungen der Sua, schweineartige Haustiere, lagen mindestens 50 Meter hinter den Häusern. Rund um das Dorf erstreckten sich Getreidefelder und Gemüsegärten. Dazwischen leuchtete das satte Grün der Maikisfelder, einer maisähnlichen Pflanze. Weitläufige Weideflächen mit Obstbäumen grenzten an die hier lichten Wälder, in denen es allerlei Beeren und Pilze zu sammeln gab.


Auf der anderen Seite des Flusses lagen ebenfalls Felder, Gärten und Wiesen. Eine drei Meter breite Holzbrücke verband die Ufer.


Rhandars, rinderartige Weidetiere mit gelbbraunem Fell, trotteten zwischen den Obstbäumen dahin und peitschten mit haarigen Schwänzen nach lästigen Insekten.


Die sieben Meter breite, mit Steinplatten befestigte, Hauptstraße durchquerte in sanften Kurven das Dorf in Nord-Süd-Richtung. Schmalere Stichstraßen, ebenfalls gepflastert, führten von ihr ab.


Transportfahrzeuge gab es keine. Die Menschen auf TARSIS hatten das Rad nicht erfunden.


Den Transport von Menschen und Gütern übernahm das Paqua, ein unserem Pferd ähnelnder Pflanzenfresser. Das Tier besaß kräftige Beine, einen massigen Körper und langen, aber schmalen Kopf. Man konnte es nicht als Renner bezeichnen, dafür war es ausdauernd und schleppte erstaunliche Lasten.


Das Dorf war praktisch autark. Paquakarawanen aus dem Süden brachten Salz, Gewürze, Zucker, Tee und exotische Früchte heran.


Die Menschen in Wollong tauschten diese Waren mit selbst erzeugten Gütern, die aus Wollstoffen, Keramikgefäßen, Fellen, Häuten, feinsten Lederwaren und Jagdwaffen bestanden.


Vor allem die blutroten Ribun-Edelsteine, aber auch Gold, stellten begehrte Handelsgüter dar. Das Gold und die edlen Steine schürfte man flussaufwärts an den Ufern und im Fluss.


Gesprächsfetzen drangen an Tronturs Ohren. Er sah nach rechts. Sein Sohn schlenderte mit seinem Freund Tafir, der das Nachbarhaus mit seiner Frau Daga bewohnte, heran. Der 31-Jährige, ein kräftiger Mann von 1,72 Meter war stets guter Laune und immer zu Scherzen aufgelegt.


Irisia und Nandor spähten um die Hausecke, rannten freudestrahlend heran und hüpften um ihn herum. Er ging lächelnd in die Knie und neckte die Kinder. Kichernd liefen sie zu ihrem Großvater. Tafir erhob sich und streifte das lange tiefschwarze Haar aus der Stirn.


»Grüß dich, Trontur, hat dir Aleksor, dieser Vaterschinder, wieder die übelste Arbeit aufgehalst?«, rief er herüber und grinste spitzbübisch.


Aleksor, knapp ein Jahr älter und fünf Zentimeter größer als sein Freund, besaß einen breiten Brustkorb und muskulöse Arme. Im hellbraunen Gesicht mit dem markanten Kinn und den hohen Wangenknochen funkelten wasserblauen Augen, die sich nun gespielt empört auf das verschmitzte Gesicht seines Freundes hefteten.


»Tafir, Tafir, du bist immer so prächtiger Laune«, meinte er. Es klang irgendwie neidvoll. Er fuhr in seiner bedächtigen Art fort: »Du solltest mir dein Geheimnis verraten, und nein, ich habe nicht meinem Vater diese Arbeit aufgehalst. Er macht sie freiwillig und auch gerne.«


»Genau«, meinte Trontur und lachte. »Ich mache die Arbeit schon über 40 Jahre. Euch Jungfüchsen kann man solch eine verantwortungsvolle Tätigkeit ja nicht anvertrauen.«


Alle lachten.


»He Tafir, hast du deine Jagdvorbereitungen bereits abgeschlossen? Du stehst hier rum und hältst Schwätzchen, als gebe es nichts mehr zu tun», stichelte der Alte.


»Alles erledigt, lediglich ein Beil muss ich noch schärfen.«


»Bring es her, ich mach dir das, bin hier eh bald fertig.«


»Sehr nett von dir, ich hole es rasch.«


Tafir eilte in sein Haus. Kurze Zeit später reichte er Trontur ein stattliches Beil.


Dieser musterte missbilligend dessen stumpfes und angerostetes Blatt. »Nicht gerade sehr gepflegt«, grummelte er. »So was gab es bei uns früher nicht.« Er brummte weiter vor sich hin und begann, das Beil zu bearbeiten. Die Kinder setzten sich neben ihn und schauten interessiert zu.


»Früher war vieles anders«, sagte er zu seinen Enkeln.


Er blickte in Nandors wassergrüne Augen. »Was ich in deinem Alter alles erlebte.« Trontur schüttelte den Kopf. »Das kann sich heute keiner mehr vorstellen. Nur Wenige haben das mitgemacht und ich hoffe, dass es niemand mehr mitmachen muss.«


»Erzähle uns mehr davon«, bat Irisia mit ihrer hellen Stimme. »Du kannst so spannende und gruselige Geschichten erzählen.«


»Das sind keine Geschichten, kleine Irisia, alles habe ich selbst erlebt und alles stimmt, Wort für Wort.«


»Erzähl es uns«, bettelte Nandor.


Trontur schielte zu seinem Sohn. Dieser schien sich mit seinem Freund immer noch eifrig über den bevorstehenden Jagdzug zu unterhalten. »Kommt ein wenig näher«, flüsterte der Alte. »Euer Vater sieht es nicht gerne, wenn ich euch diese Geschichten erzähle.«


Die Kinder rückten näher und starrten gebannt auf die Lippen des Großvaters.


»Es war ein ebenso herrlicher Herbsttag wie heute», begann Trontur. »Die Jagdsaison hatte begonnen, und etliche Männer waren seit zwei Tagen auf der Jagd. Mein Freund und ich hatten uns Bogen und einige Pfeile gebastelt und schossen damit auf die Suas, was diese grunzend quittierten und aufgeregt hin und her rennen ließ. Nachdem wir unsere Pfeile verschossen hatten und natürlich nicht wagten, diese zwischen den nun wütenden Suas einzusammeln, wollten wir zurück ins Haus laufen, um Wasser zu trinken. Da geschah das Unfassbare, etwas, das noch niemand vorher oder nachher gesehen hatte.«


Der Alte zeigte zum jetzt tiefblauen Himmel, an dem, wie auf Samt funkelnden Diamanten, mehrere deutlich erkennbare Sterne flirrten.


 


TARSIS schwebte mit seiner Sonne und weiteren sechs Planeten im gleichen Spiralarm unserer Galaxis wie das irdische Sonnensystem, jedoch rund 2.600 Lichtjahre näher am galaktischen Kern. Hier leuchteten mehr Sonnen als in der Umgebung der Erde. In einer mondlosen Nacht hätte einem Erdenmenschen beim Anblick des glitzernden, funkelnden und flirrenden Sternenhimmels der Atem gestockt.


Der Planet besaß eine geringfügig höhere Schwerkraft und ein wärmeres Klima als die Erde. Es gab acht Kontinente von der ungefähren Größe Europas und unzählige große und kleine Inseln.


 


»Was war geschehen?«, hauchte Nandor, sichtlich von der Erzählung des Großvaters in den Bann gezogen.


»Tja, wie ich schon sagte«, fuhr Trontur fort, dabei nicht vergessend, dem Beil einen ordentlichen Schliff zu verpassen. »Wir liefen ins Haus und ich sah zufällig zum Himmel hoch. Und ob ihr′s glaubt oder nicht, plötzlich bewegten sich die Sterne.«


»Alle Sterne bewegten sich?« Nandor hielt den Atem an.


»Nein, nicht alle, ungefähr eine Handvoll, und sie trieben auf unser Dorf zu. Sie fielen direkt vom Himmel ...«


Irisia riss die wasserblauen Augen auf. Nandors Unterkiefer klappte herab.


»Die Sterne fielen auf unser Dorf?«, fragten sie wie aus einem Mund.


Trontur schüttelte den Kopf.


In diesem Moment trat Aleksor unbemerkt hinzu.


»Jetzt ist aber Schluss, Vater. Das reicht jetzt, du bringst mir die Kinder total durcheinander. Irisia wird heute nur schwer einschlafen können und auch noch schlimme Träume haben.«


»Nein, Papa, nein«, protestierte Nandor. »Lass ihn bitte fertig erzählen, wir sind auch ganz brav heute Abend.«


»Schluss jetzt ihr beiden, ab ins Haus mit euch, Hände waschen, es gibt gleich Abendessen und dann marsch ins Bett«, befahl der Vater. Mit hängenden Köpfen standen die Kinder auf und trollten sich Richtung Haustür.


Ihre Mutter öffnete die Tür. Larina, obwohl schlank, besaß die charakteristisch breiten Hüften der hiesigen Frauen. Im fein gezeichneten Gesicht mit der milchkaffeebraunen Haut und der kleinen Nase funkelten wassergrüne Augen.


»Kommt Kinder«, rief sie. »Es gibt euer Lieblingsessen, gekochte Eier mit Kräutersoße und frisches Brot.«


Sichtlich traurig schlichen die Kinder ins Haus.


Offenbar erbost stellte sich Aleksor vor seinen Vater. »Ich habe dir doch schon ein paar Mal gesagt, du sollst den Kindern nicht diese Schauergeschichten erzählen, Irisia ist doch noch viel zu jung und ...«


»Ja, ja.« Trontur winkte resigniert ab. »Ich weiß ja, du hältst mich für einen verwirrten alten Mann, der nicht mehr richtig tickt, aber ich erzähle keine Schauergeschichten, alles ist wahr, Wort für Wort.« Er hob den Kopf und blickte mit traurigen Augen den Sohn an.


Der sah auf seinen Vater hinab. Über dessen Gesicht zog, trotz der dunklen Haut, eine fahle Blässe. Tronturs Blick ging starr an seinem Sohn vorbei. Blankes Entsetzen erschien in den jetzt aufgerissenen Augen. Zögernd hob er den linken Arm und deutete in den Himmel. »Da«, krächzte er. »Da, sieh doch … die Sterne.«


Aleksor sah ihn mit erstauntem Gesichtsausdruck an und drehte sich um. Er spähte in die Richtung, in die sein Vater zeigte, aufwärts, in den Osthimmel.


»Bei allen Wassergöttern!«, entfuhr es ihm. »Tafir, sieh dir das an.« Aleksor wandte sich seinem Freund zu. Dieser stand wie angewurzelt und blickte mit entgeistert wirkender Miene in den Osthimmel.


Acht Sterne hatten sich anscheinend von ihrem tiefblauen Samt gelöst und bewegten sich rasch, dabei größer werdend, in ungefähre Richtung des Dorfes. Immer mehr Dorfbewohner nahmen dieses Schauspiel am Himmel wahr. Schlagartig erstarben alle Aktivitäten. Die Menschen blickten stumm gen Himmel. Selbst die Tiere schienen erstarrt zu sein, sogar das stets rastlos wuselnde und lautstarke Federvieh war verstummt.


Todesstille senkte sich über das Dorf.


Ein fernes, unbestimmtes Grollen rollte über die Wälder.


Mit aufgerissenen Augen starrte Aleksor den Vater an. Der Alte sah aus wie der leibhaftige Tod. Er hob einen Arm, krallte die Hand in die Herzgegend, gab einige unartikulierte Laute von sich und – fiel vom Schemel nach hinten. Der Kopf prallte deutlich hörbar auf die Holzplanken. Der Sohn stand wie versteinert. Offenbar fassungslos sah er auf den regungslos Liegenden. Er zuckte zusammen.


Larina schrie auf.


Er fiel auf die Knie und nahm den Vater in die Arme. Aleksor blickte in erstarrte Augen. In ihnen schimmerte der Widerschein des Himmels, über den silberne Pünktchen zogen.


Die Sterne fielen vom Himmel.


Larina eilte herbei, band das lange nachtschwarze Haar zu einem Pferdeschwanz und kniete sich neben ihn.


»Was ist mit ihm?«


»Er ist tot«, murmelte Aleksor. Seufzend schloss er die Augen seines Vaters und ließ ihn sanft zu Boden gleiten. Er erhob sich, sah hasserfüllt zum Himmel und reckte eine geballte Hand hoch. »Das werde ich euch heimzahlen«, presste er hervor.


Die größer gewordenen Sterne fielen, Feuerlanzen vor sich herschiebend, in nördliche Richtung.


Drei Männer, weit über 60, und eine 70-jährige Frau standen wie gelähmt vor ihren Häusern. Mit vor Entsetzen geweiteten Augen sahen sie den fallenden Sternen nach. Furchtbare Erinnerungen flammten in ihnen auf, Erinnerungen, die sie vor Jahrzehnten in der hintersten Ecke ihres Gehirns vergraben hatten. Mit hängenden Schultern schlurften sie zu Tode erschrocken in die Häuser.


Die vertrauten Umweltgeräusche setzten wieder ein. Die Menschen standen zusammen und diskutierten aufgeregt das Unfassbare, das sie gesehen hatten. Larina lief ins Haus. Sie kam mit einer Wolldecke zurück und breitete sie behutsam über den Leichnam. Aleksor trat zu ihr, nahm sie in die Arme und wischte ihr zärtlich Tränen von den Wangen.


Mit einem bestürzten Blick in den nassen Augen fragte sie: »Was war das? Was ist geschehen?«


Aleksor schüttelte den Kopf. »Keine Ahnung, es war genauso, wie es Vater oft erzählt hat. Ich glaubte immer, er hätte eine längst vergessene Geschichte etwas zu fantasievoll ausgemalt. Aber jetzt …« Er stockte. »Ich weiß wirklich nicht, was das alles bedeutet, weiß auch nicht, was geschehen ist. Ich weiß eigentlich überhaupt nichts.«


»Was wird aus eurem Jagdausflug morgen?«


Larina sah abwechselnd ihren Mann und Tafir an, der immer noch bewegungslos dastand.


»Wir werden uns sicherlich heute Abend beraten«, erwiderte Aleksor, drehte sich um und legte die Hände auf Tafirs Schultern, der sich offenbar vom Schock erholt hatte. Dieser nickte und meinte: »Wir könnten die morgige Jagd in die Berge verlegen, das sind zwar zwei Tagesreisen mehr, aber von den Anhöhen kann man sehen, was sich nördlich davon auf der Horrar-Ebene abspielt.«


»Ja, das ist eine gute Idee, dort sind diese … diese Dinger bestimmt niedergegangen.«


Die Horrar-Ebene, eine nur mit Gräsern und Buschwerk bewachsene Hochebene, lag direkt hinter der nördlichen Bergkette.


Tafir drückte etwas unbeholfen Aleksors Schultern. »Es tut mir sehr leid wegen deines Vaters«, sagte er, drehte sich um und eilte zu seinem Haus.


Aleksor legte einen Arm um seine Frau. Sie gingen zur Tür.


»Was ist mit diesen Dämonen, von denen dein Vater hin und wieder sprach?«, flüsterte Larina.


Aleksor schüttelte den Kopf. »Ich glaube, da hat er übertrieben, selbst hat er ja damals nichts gesehen, und ich kann mir so etwas beim besten Willen auch nicht vorstellen.«


Aleksor stieß die Tür auf. Plötzlich erklang von Norden her ein tiefes und dumpfes Grollen, ein verhaltenes Donnern und Dröhnen.


Bestürzt starrten sie in den dunkler gewordenen Himmel.


Die Dämonen waren gelandet.



Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2018 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 2 secs