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Science Fiction
Buch Leseprobe Sphaeronauten, Timothy McNeal
Timothy McNeal

Sphaeronauten


LakeLand

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 4.


Phil Carpenter schlenderte über den Besucherparkplatz des flä­chenmäßig weltgrößten Airports, bewunderte die Tipi-Silhouette des Terminals und fragte sich, in welcher Aufmachung ihm Kate wohl gegenübertreten würde; er vermutete, dass sie ihr Outfit dem VW-Bus anpassen würde, ein Relikt der Seattle-Hippie-Bewegung.


Er konnte immer noch nicht realisieren, wie spontan, ja überstürzt er ihrer Einladung gefolgt war, fast wie ein Kind, das nach dem Klin­geln des Eisautos aus dem Haus auf die Straße rennt und unter den Truck gerät. 


The Iceman Cometh! 


Andererseits hatte er noch keine konkreten Pläne für sein Sabbatical gefasst, hoffte geradezu auf eine Eingebung während ihrer gemeinsamen Exkursion. Geld spielte, bei seiner gewohnt sparsamen Haushaltsführung insofern keine Rolle, als er sich in den vergangenen beide Trimestern durch Privatunterricht an einer Ithaca High School sowie einige zusätzliche Freshmen Courses in Cornell ein für seine Verhältnisse beruhigendes finanzielles Polster verschafft hatte, und wie er Kates Großfamilie aus ihren Erzählungen kannte, würden alle Mitglieder dieser Farmersippe nur zu gern diese Aktion ihrer bislang einzigen College-Absolventin sponsern.


Die Spritkosten würden sie sich teilen.


Phil schnupperte; obwohl erst Anfang September - tagsüber herrschte noch sommerliche Wärme - waren die Nächte bereits recht frisch, wie man ihm kurz vor der Landung mitgeteilt hatte. Er glaub­te, den ersten Schnee schon riechen zu können.


Aber glücklicherweise wollte Kate ja in den Süden, nach Arizona und New Mexico, und dort sollte, zumindest in den Niederungen, der Sommer noch bis Oktober anhalten.


Er sah auf seine Timex, halb vier; sie hatte ihre Ankunft auf zwi­schen drei und fünf taxiert.


Da er während seiner nächtelangen Rechner-Arbeit am Prime-Digit-Compu-Gram zum wiederholten Mal zur Raucher-Gemeinde konvertiert war - dank der Spieltrieb-Philosophie jedoch ausnahms­weise ohne schlechtes Gewissen - hatte er sich vor Abflug im Duty-Free-Shop eine Stange seiner geliebten Menthol gekauft. Er riss die erste Schachtel auf, ließ gedanklich das mehrstündige No-Smoking-Sign erlöschen, zündete sich dankbar eine an und inhalierte tief.


Für Kate hatte er »Luckies« als Begrüßungsgeschenk besorgt.


Er schulterte seinen Navy-Seesack und steuerte eine Bank mit Wasserspender und Aschenbecher an, platzierte das Gepäckstück als Fußablage auf dem Boden, machte es sich bequem.


Er steckte sich die zweite an und schloss die Augen.


Vorfreude (Kate), Neugier (Reiseroute), Zufriedenheit (Sonne/Zigarette) ...


Als er nach einer halben Schachtel die Augen einmal für längere Zeit offen ließ, gewahrte er, wie Uma Thurmans Zwillingsschwester aus Pulp Fiction auf ihn zukam.


Schwarzer Pony, schwarze Lidschatten, schwarze Fingernägel, schwarze Jeans; nur ihre gelben Sneakers und das rotweißblau karierte Männerhemd signalisierten Phil, dass es sich um Kate handelte. Noch bevor er sich aus seiner Dösigkeit aufrappeln konnte, saß sie schon mit gegrätschten Beinen auf seinem Schoß und steckte wortlos ihre Zunge in seinen Mund.


»Das tut gut nach der langen Fahrt«, verkündete sie nach einer kleinen Ewigkeit, streckte und reckte ihre Gliedmaßen genüsslich, wobei sie Brust und Bauch intensiv an seinem Körper rieb.


»Wie lange?« fragte Phil.


Sie war die fast zweitausend Meilen von Seattle - zuerst auf der I90 über Spokane/WA Wallace/ID, Missoula und Billings/MT bis Buffalo/WY, danach auf der I25 über Cheyenne/WY- nach Denver in drei Tagen heruntergerauscht, hatte lediglich zu Tankstopps und Park­platzübernachtungen angehalten.


»Du musst ja erschossen sein«, meinte er, als sie sich neben ihn auf die Bank rutschen ließ.


»Gar nicht so schlimm, hatte ja Verpflegung von daheim an Bord, Getränke inklusive; nur die Kippen sind mir dummerweise unterwegs ausgegangen.«


Er reichte ihr die Stange »Luckies«, was sie mit einer neuerlichen kräftigen Umarmung quittierte; küssen konnte sie ihn dabei nicht mehr, denn sie hatte sich bereits in Windeseile eine angezündet. Aus Sympathie rauchte er eine ihrer Lieblingszigaretten mit.


»Jetzt brauche ich erst mal eine lange Dusche und ein King-Size-Bed«, stöhnte sie, »und zwar mit dir!«


»Wo willst du, ich meine, wo sollen wir ... ?«


»Alles schon erledigt, heute fahre ich keine einzige Meile mehr; ich habe ein Zimmer im Airport-Motel6 gebucht.«


»Ja, dann ... «


»Auf geht´s«, rief sie, schnappte sich sein Gepäck und ging voran zu ihrem Bully.


Phil trottete ihr folgsam hinterher; irgendwie kam er sich überrum­pelt vor, widersprach aber ihrer Planung nicht.


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