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> Science Fiction > Projekt Optarmis 3
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Science Fiction
Buch Leseprobe Projekt Optarmis 3, Gerd Hoffmann
Gerd Hoffmann

Projekt Optarmis 3


Morituri

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Kapitel 1


11. November 2026
Cheyenne, Wyoming/USA

»Ich kann dich nicht mitnehmen. Sei nicht traurig, Berry. Ich verspreche dir, ich komm zurück und bringe dir einen leckeren Knochen mit. Anschließend machen wir einen ganz langen Spaziergang, einverstanden?«
Josephine hatte nun schon geschlagene fünf Minuten auf den Schäferhundmischling eingeredet, der als Reaktion auf ihre Ansprache ihr ebenso lang die Hände abgeleckt hatte.
»Wir müssen langsam los. Der Bus fährt in einer Stunde.«
Josi blickte hoch und sah ihren Kameraden Danton im Türrahmen stehen. Das Mädchen strich dem Hund ein letztes Mal über den Kopf, bevor sie sich erhob und dem Jungen in die Diele folgte.
»Seid Ihr sicher, dass Ihr das Richtige tut?«, fragte Ruth zum wiederholten Mal. »Wollt Ihr nicht doch lieber mit uns weiter nach Westen fahren?«
Danton schüttelte den Kopf. »Wir müssen einfach zu unseren Geschwistern, besonders, nachdem das mit ... mit Yves passiert ist. Sie werden uns brauchen.«
Josephine rollten wieder ein paar Tränen die Wangen hinunter, als das Bild ihres erschossenen Freundes vor ihrem Auge auftauchte.
»Wer auch immer Yves ermordet hat, wird dafür bezahlen! Bitter bezahlen!«, presste sie mit zitternder Stimme hervor.
Walter erschien nun ebenfalls in der Diele, in der Hand einen kleinen Tornister tragend.
»Hier, für euch. Ich habe etwas Wegzehrung eingepackt und noch ein paar Kleinigkeiten. Passt auf euch auf!«


Er drückte Danton den Rucksack in die Hand, drehte sich um und verschwand wieder in der Küche. Josephine wollte ihm noch nacheilen, doch Ruth hielt sie sanft zurück.
»Nicht! Walter hasst Abschiedsszenen, aber seid versichert, es geht ihm ebenso nahe, wie mir.«
Verlegen richtete sie den Kragen von Josephines Jacke.
»Wir hinterlegen am hiesigen Postamt unsere Adresse, wenn wir eine neue Bleibe gefunden haben. So könnt Ihr uns finden, falls Ihr ein paar alte Farmer besuchen kommen wollt. Und vergesst nicht: Ihr seid jederzeit bei uns willkommen.«
Josephine umarmte die Farmersfrau so heftig, dass Ruth fast die Luft aus den Lungen gepresst wurde. Danton beließ es im Anschluss bei einer weniger intensiven, aber nicht minder herzlichen Umarmung. Danach verließen die Eugenoi die beiden Farmer, die ihnen während der letzten Wochen ein Heim gegeben hatten.


 


»Wir sehen Walter und Ruth schon bald wieder, versprochen! Dann wird auch Berry bestimmt vollständig gesund sein und du kannst mit ihm durch die Landschaft toben. Aber denk doch nur, dass wir schon bald unsere Kameraden wiedersehen werden. Das müsste dich doch ein wenig aufmuntern.«
Danton tat sein Möglichstes, Josephine zu trösten, die in sich gekehrt auf der Holzbank im Warteraum des Busbahnhofs saß und nur stumm den Boden zu ihren Füßen betrachtete.
»Außer Yves und Pierre«, flüsterte sie, als Dantons Redeschwall versiegt war. »Warum, Danton, warum nur?«
»Ich weiß es nicht. In Yakima werden wir hoffentlich Genaueres erfahren.«


In diesem Moment ging ein Mann an der Bank vorbei, auf der die Eugenoi saßen, und warf seine Zeitung in den Papierkorb. Danton wartete ein paar Augenblicke, bevor er sich hinüberbeugte, in den Mülleimer griff und die Zeitung herauszog.
Wie schon in den letzten Tagen zuvor beherrschte Senator Callahan die Schlagzeilen. Die Nachrichten waren voll des Lobes über den heroischen Kampf, den der unerschrockene Senator führte und mit welchem Mut er gegen Ascension und deren mutierte Meuchelmörder ankämpfte.
»Glaubst du ...«, begann Josephine.
»Nein! Niemals!«, entgegnete Danton scharf. »Yves hätte sich nie dazu hergegeben, für Ascension diese Drecksarbeit zu erledigen. Auf keinen Fall! Da steckt etwas ganz anderes dahinter.«
Mit gehöriger Wut im Bauch zerknüllte er die Zeitung und warf sie wieder in den Papierkorb, bevor er seinen Rucksack öffnete.
»Mal sehen, was uns Walter und Ruth für die Fahrt eingepackt haben.«
Der Eugeno holte zwei belegte Brote heraus. Er stutzte, griff erneut in den Tornister und zog einen dicken Briefumschlag ans Tageslicht.
»Ist das ... ist da Geld drin?«, fragte das Mädchen, während Danton den Umschlag öffnete.
»Fünfhundert Dollar«, meldete er fassungslos nach wenigen Sekunden. »Sie haben uns fünfhundert Dollar mitgegeben.«
Josephine sprang von der Bank auf.
»Wir müssen es ihnen zurückbringen. Das können wir doch unmöglich annehmen. Sie haben uns schon die Bustickets gekauft ...«


 


»Unser Bus ist gerade vorgefahren«, unterbrach der Eugeno seine aufgeregte Kameradin und deutete in Richtung des Vorplatzes. »Wir geben es ihnen zurück, wenn wir sie besuchen.«
Er stand nun ebenfalls von der Bank auf und zog die widerstrebende Eugena zur Haltestelle. Josephine hatte sich immer noch nicht beruhigt.
»Keinen Cent werden wir von dem Geld ausgeben, hörst du? Keinen einzigen Cent!«


 


Casper, Wyoming/USA
Natrona Motel


 


»Ich denke ja gar nicht dran, nach Yakima zu fahren, nur aufgrund irgendeiner Anzeige in einer Zeitung!«, ereiferte sich Martin Springer zum wiederholten Mal.
In dem engen Motelzimmer, welches sich Antoinette und Etienne teilten, fand diese hitzige Diskussion statt. Während Jenny Springer sich mit dem Gedanken angefreundet hatte, dass Antoinette ihre tot geglaubte Tochter war, sah es bei ihrem Mann ganz anders aus. Bis nach Casper hatte sie die Flucht vor den Ascension-Agenten geführt und bis zu diesem Ort hatte Martin auch die Begleitung der Eugenoi widerwillig akzeptiert. Doch nun hielt er wohl den Zeitpunkt für gekommen, sich von den beiden Jugendlichen zu trennen.
»Meine Frau, meine Tochter und ich werden nach Delaware zurückkehren und darüber diskutiere ich nicht und schon gar nicht mit euch!«, fügte Martin noch hinzu.
»Sie können nicht dorthin zurück«, erwiderte Etienne mit der Engelsgeduld, die er bei den Diskussionen mit dem Mann immer wieder aufbrachte. »Entweder wird man Sie dort bereits erwarten, oder aber Sie werden nach ein paar Tagen von unfreundlichen Männern aufgesucht.«


»Sie sind nicht hinter uns normalen Menschen her, sondern hinter euch ... was Ihr auch immer seid«, zischte Martin, fast außer sich vor Wut.
»Bitte hör auf Etienne, Paps ...«, mischte sich Antoinette ein, wurde aber sofort rüde unterbrochen.
»Nenn mich nicht so, hörst du? Wer bist du denn, dass du mich so nennen darfst? Haben wir irgendeinen Beweis für das, was Ihr behauptet? Wie nennt man euch in den Nachrichten? Monster, geschaffen, um zu morden, zu lügen und zu betrügen. Euch kann man doch kein Wort glauben!«
Antoinette war erschrocken zurückgewichen und nun konnte sie die Tränen nicht mehr zurückhalten. Rasch wandte sie sich ab und lief aus dem Zimmer.
»Das war gemein, Martin! Wie konntest du nur?«, entrüstete sich Jenny und folgte ihrer Tochter.
Der Mann sah seiner Frau hinterher, bevor er sich an Etienne wandte.
»Du solltest packen! Georgina, meine Frau und ich fahren nach Delaware. Ich wünsche euch viel Vergnügen in Yakima!«
Der Mann drehte sich zur Tür, um das Zimmer zu verlassen. Bevor er jedoch auch nur die halbe Strecke zurückgelegt hatte, war Etienne an ihm vorbeigesprintet und warf nun die Zimmertür ins Schloss.
»Was ...«, stammelte Martin nur verblüfft, während ihn der Eugeno ärgerlich anblickte.
»Setzen Sie sich, Mr. Springer!«
»Wieso sollte ich? Ich denke ja gar nicht dran.«
»Setzen Sie sich oder ich helfe Ihnen dabei!«
Der Mann schluckte trocken bevor es sich dafür entschied, der unmissverständlichen Aufforderung Folge zu leisten. Für diesen einen Augenblick hätte er nichts dagegen gehabt, wenn seine angebliche Tochter noch im Zimmer gewesen wäre.


Etienne lehnte an der Türe, hatte die Arme verschränkt und betrachtete ärgerlich den Mann, der sich zögernd auf einem Stuhl niedergelassen hatte.
»Sie wollen zurück nach Delaware? Mir wäre das völlig egal und ich würde Sie daran bestimmt nicht hindern, da mich Ihr Schicksal nicht interessiert.«
»Dann sind wir uns ja einig und ich verstehe nicht ...«
»Jetzt rede ich und Sie hören mir gefälligst zu!«, unterbrach der Eugeno wütend das Lamento. »Ich habe mir jetzt einige Tage Ihr Gejammer angehört und miterleben müssen, wie verächtlich Sie Antoinette behandeln. Und trotzdem hängt meine Freundin an ihrer wiedergefundenen Familie - sogar an ihrem Vater, obwohl ich das nur schwer nachvollziehen kann. Wenn Sie sich entschließen, nach Delaware zurückzufahren, wird Antoinette Ihnen folgen, da sie ihre Familie nicht im Stich lassen wird. Dadurch würde aber meine Kameradin in Lebensgefahr geraten und da ist für mich eine Grenze überschritten. Ich werde Ihnen nicht gestatten, dass Sie Antoinette in Gefahr bringen.«
»Und was willst du dagegen tun?«, fragte Martin ein wenig trotzig. »Das ist ja wohl nicht deine Entscheidung, sondern ich bestimme, was für meine Familie das Beste ist.«
Etienne stieß sich von der Tür ab und näherte sich dem Mann, bis er wenige Zentimeter vor ihm stand und ihm direkt in das nervös zuckende Gesicht blicken konnte.
»Ich werde alles tun, um meine Kameradin zu schützen! Treiben Sie es also besser nicht auf die Spitze. Sie kommen mit uns nach Yakima. Dort treffen wir auf Cid und Jessica. Sollen die doch entscheiden, wie es weitergeht. Aber Antoinette werde ich vor sich selbst schützen, wenn es sein muss! Fragen Sie also lieber nicht, wie weit ich gehen würde. Die Antwort würde Ihnen nicht gefallen.«
Nervös knetete der Mann seine Hände, bevor er sich zu einem Entschluss durchrang.
»Gut. Ich fahre mit nach Yakima. Aber ich sage dir gleich, dass ich nur die Interessen meiner Familie im Auge behalten werde. Ist das klar?«
Etienne nickte und hinderte Martin nicht daran, als dieser sich von dem Stuhl erheben und eilig aus dem Zimmer verschwinden wollte.
»Mir ist es egal, was Sie von mir halten oder wie Sie mich behandeln«, ergänzte Etienne, bevor der Mann die Tür erreicht hatte. »Doch Sie sollten Antoinette wenigstens ein paar väterliche Gefühle entgegenbringen. Keiner von uns hat sich ausgesucht, was Ascension mit uns veranstaltet hat.«
Martin gab keine Antwort. Er riss nur die Tür auf und sah zu, dass er aus dem Zimmer verschwand.


 


Der Mann hatte sich kaum beruhigt und war noch etwas blass um die Nase, als sich die kleine Gruppe um den Mietwagen versammelte, mit dem sie nach Yakima fahren wollten.
»Ich habe Claire gesagt, wo sie ihren Dodge abholen kann«, gab Jenny Springer bekannt. »Sie war nicht gerade erfreut darüber.«
Etienne warf seiner Kameradin einer ungläubigen Blick zu.
»Wir haben das Telefon in einer Gastwirtschaft benutzt«, versuchte sie den Eugeno zu beruhigen. »Außerdem sind wir doch gleich von hier verschwunden.«
»Können wir endlich?«, fragte Martin nervös, der sich bereits hinter das Lenkrad gesetzt hatte. »Bis Yakima ist es ein ganz schön langer Weg.«
Die Eugenoi setzten sich auf den Rücksitz und nahmen Georgie in ihre Mitte, die schon nach kurzer Fahrt in einen Halbschlaf fiel.


Sie steckte dabei den Daumen in den Mund und lehnte sich an ihre große Schwester an. Liebevoll umarmte Antoinette das kleine Mädchen, während sie gleichzeitig Etienne scharf anblickte.
»Hast du meinem Vater gedroht?«, fragte sie so leise, dass nur ihr Kamerad es hören konnte.
»Es war die einzige Möglichkeit.«
Vorsichtig strich Antoinette ihrer kleinen Schwester durch die Haare.
»Mach das nie wieder, Etienne!«, flüsterte die Eugena. »Du bist mein bester Freund, aber wenn du noch einmal jemanden von meiner Familie bedrohst, werde ich dir das nie verzeihen!«


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