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Science Fiction
Buch Leseprobe Meta Date, Stefan Läer
Stefan Läer

Meta Date



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Das Löwentor war ein Ort mit Symbolkraft. Schon von Weitem erkannte Tom die sechs Säulen, auf denen jeweils ein grimmig dreinschauender Löwe saß und den Besucher kritisch beäugte. Für ihn war es jedes Mal etwas Besonderes, wenn er sich dem Eingang zur Rosenhöhe näherte. Die Könige des Tierreiches hoch über den Köpfen der Menschen ließen keinen Zweifel an ihrer Erhabenheit, ihrer Macht, ihrer Würde, und besaßen doch zugleich die Gnade, die Menschen zwischen den Säulen ungehindert passieren zu lassen. Tom überkam eine Gänsehaut, obwohl er seine Metacu trug und damit unsichtbar war. Selbst das abendliche Sonnenlicht schien einfach durch ihn hindurchzugehen, als wäre er gar nicht da. Um zwanzig vor sieben hatte er sich an diesem Ort eingefunden, um nichts dem Zufall zu überlassen. Nervös blickte er sich um nach einer Stelle, von der aus er ungehindert walten konnte. Er musste auf alles vorbereitet sein, auf jede Richtung, aus der Till kommen konnte. Er musste Sarah im Blick behalten, aber auch Spaziergänger. Niemand durfte hellhörig werden.


Etwas abseits einer verwaisten Bank fand er seine Stelle. Von hier aus starrte er immer wieder auf sein Telefon, sein einziges sichtbares Körperteil, das ihm den Blick von oben auf Höhe der Löwenköpfe zeigte. Seine Drohne hielt inzwischen Ausschau nach männlichen Personen, die der Beschreibung Tills sehr nahe kamen. Doch es war zunächst Sarah, die einige Minuten später ihren Treffpunkt erreichte. Sie trug ein rotes Sommerkleid zu weißen Ballerinas und sah mit ihren offenen Haaren einfach nur bezaubernd aus. Nervös suchend blickte sie sich um. Weitere Minuten verstrichen, und als die Uhr zwei Minuten vor sieben zeigte, schlug Toms Spähprogramm endlich Alarm: Ein paar Dutzend Meter von hier hatte es einen Mann ausgemacht, auf den die Beschreibung Tills zutraf. Tom warf einen flüchtigen Blick zu Sarah, um sicherzugehen, dass sie nichts bemerkt hatte. Dann setzte er sich in Bewegung, eilig und trotzdem darauf bedacht, so wenig Geräusche wie möglich zu erzeugen. Auf dem Gehsteig erkannte Tom Till mit eigenen Augen, im kurzen hellblauen Hemd, mit anthrazitfarbener Chino und eben jenem Gesicht, das seinem Profilfoto entsprach, welches offensichtlich vor Kurzem erst aufgenommen worden sein musste. Ein echter Gentleman. Tom schaute sich ein letztes Mal um: In unmittelbarer Umgebung war kein Fußgänger zu sehen, die Gelegenheit schien perfekt.


Ohne ein einziges Wort der Vorwarnung nahm Tom seinen Widersacher in den Schwitzkasten. „Wenn du Sarah auch nur einmal triffst, mache ich dich kalt. Sie gehört mir und ich möchte nicht, dass sie fremdgeht. Verstanden?“ „Jjjjjja“, würgte Till mit Mühe hervor, starr vor Angst. „Und jetzt gehst du auf direktem Wege dorthin, wo du hergekommen bist, okay?“ „Jja.“ Blitzschnell löste Tom seine Umklammerung und griff in Tills Hosentasche, um dessen Handy an sich zu reißen. „Wer oder was bist du?“, fragte Till mit ausdrucksloser Miene. „Das hat dich nicht zu interessieren, klar? Wenn du die Polizei einschaltest oder Sarah kontaktierst, bringe ich dich um. Ich verfüge über Technologien, von denen die Menschheit keine Ahnung hat. Wie du siehst, habe ich mich unsichtbar gemacht. Also verschwinde sofort, okay?“ „Iiist gut.“ Tom wartete noch eine halbe Minute, ehe er sicher sein konnte, dass Till den Heimweg antrat. „Das wäre erledigt“, schnaubte er zufrieden und machte sich an Teil zwei seines Auftrags.



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