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Science Fiction
Buch Leseprobe LANDSBY - Zerbrochene Träume, Christine Millman
Christine Millman

LANDSBY - Zerbrochene Träume



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»Was das Volk anfasst, ist bald gewaltsam zerbrochen und mit Blut befleckt.«


Alphonse de Lamartine (1790-1869)


 


1


Wildes Gebrüll vor meinem Fenster reißt mich aus meinen Träumen. Haltet die Klappe. Es ist mitten in der Nacht verdammt. Obwohl mir heiß ist, ziehe ich die Decke über den Kopf und ver-grabe mich tiefer in das Kissen. Ich hätte das Fenster nicht offen-lassen dürfen, aber die Hitze ließ mir keine andere Wahl. Eine Minute lang schaffe ich es, den Radau zu ignorieren, bis sich ein weiterer Laut zu dem Geschrei gesellt. Ein Schaben und Kratzen, und zwar ganz in meiner Nähe.


Schlagartig bin ich hellwach. Was ist das? Ich taste neben mich, um Galen zu wecken, doch seine Bett-hälfte ist leer. Einen Augenblick lang habe ich vergessen, dass er mitten in der Nacht aufgestanden ist, um seinen Wachdienst an-zutreten. Wenn er arbeiten muss, schlafe ich eigentlich in meinem eigenen Bett, aber gestern war ich total übermüdet. Mist. Hätte ich mal lieber zuhause geschlafen. Jetzt muss ich mich alleine um das kümmern, was auch immer diese Geräusche verursacht. Es sei denn, ich will Blue wecken, die im Nebenzimmer schläft. Haha. Guter Witz. Das würde ich nur im äußersten Notfall tun, wenn ich in Lebensgefahr schwebe oder das Haus brennt und selbst dann würde ich es mir überlegen. Ein dumpfer Schlag lässt mich auffahren. Irgendwas fiept. Was auch immer in meinem Zimmer ist, scheint kein Insekt zu sein, es sei denn, Insekten können plötzlich fiepen. Ist es eine Ratte? Hoffentlich nicht. Meine Freundin Manja hat mir von Rattensichtungen in der Wellblechsiedlung erzählt. Die Biester wären riesig und würden immer dreister werden. Manja übertreibt gerne, deshalb schenkte ich ihrer Erzählung keine Beachtung, außerdem betrifft das die Wellblechsiedlung und nicht mein Zuhause. Vorsichtig taste ich nach dem Lichtschalter neben dem Bett. Mein Herz rast. Vor dem Fenster rennt jemand vorbei. Ein Mann. »Kommt mit. Da hinten sind noch mehr«, höre ich ihn rufen. Was auch immer da draußen los ist - ich habe meine eigenen Probleme. Die Glühbirne flackert kurz und flammt dann auf. Lange wird das Ding nicht mehr halten. Aber hoffentlich lange genug, bis ich den Ursprung des Fiepens gefunden habe. Ich muss nicht suchen. Die Ratte rennt quer durch das Zimmer Richtung Schlafzim-mertür. Igitt. Ist das Vieh hässlich. Und riesig. Manja hat nicht übertrieben. Und das Biest ist nicht allein. Eine zweite Ratte folgt ihr. Wie sind die hier reingekommen? Ich schaue zum Fenster. Das Netz, welches Galen auf mein Drängen hin in den Rahmen gespannt hat, ist zerfetzt. Auf diese Weise sind sie also ins Schlafzimmer gelangt. Und ich habe es nicht gehört. Ich denke daran, was Manja mir erzählt hat. Die rennen nicht weg, die greifen an. Oh Mann. Ich bin schon mit Spinnen überfordert, von Riesenratten ganz zu schweigen. Soll ich doch lieber Blue um Hilfe rufen? Regungslos sitze ich auf dem Bett und starre auf die beiden Ratten, als könnte ich sie mit meinem Blick bannen. Ihr Fell ist schmutzig-grau und zerzaust. An vielen Stellen blitzt die runzlige Haut hervor. Ekelhaft. Die Schneidezähne sehen aus wie kleine Dolche. Eine beginnt, an der Tür zu kratzen. Das Schaben ihrer Krallen verursacht mir eine Gänsehaut. Starr vor Angst sehe ich mich um. Ich brauche eine Waffe. Die Nachttischlampe hat einen Messingfuß, mit dem könnte ich zu-schlagen, falls ich mich verteidigen muss. Lieber wäre mir, die Viecher würden einfach verschwinden, aber solange sie nicht durch geschlossene Türen gehen können, ist meine Hoffnung wohl vergebens. Ich schlucke. Mein Mund ist staubtrocken. Die Hände sind wie Eisklumpen. Wo ist Galen, wenn ich ihn brauche? Wäre wenigsten Emish da, aber der hat ebenfalls Nachtdienst. Eine Ratte dreht sich zu mir um und starrt mich an. Ein Auge ist tiefschwarz und glänzend, das andere getrübt. Ein milchiger Schleier liegt über der Pupille. Wie sie mich taxiert, als würde sie meine nächsten Schritte abwägen oder überlegen, wie gut ich schmecke. Du spinnst. Es ist nur eine Ratte. Im Zeitlupentempo schiebe ich meine Beine aus dem Bett. Ich trage nur ein T-Shirt und komme mir nackt und verletzlich vor. Nicht das winzigste Stückchen Stoff schützt mich vor den spitzen Zähnen und wer weiß, vielleicht sieht meine Wade appetitlich aus. Zitternd zerre ich am Kabel der Nachttischlampe. Die Ratte beobachtet mich. Ich ziehe den Stecker aus der Steckdose und er-starre. Oh nein. Die Lampe war meine einzige Lichtquelle. Dümmer geht‘s nicht. Die Nacht hüllt mich ein. Ich warte eine Sekunde, zwei, bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, und danke im Stillen dem Vollmond, der wie ein stiller Beobachter ins Schlafzimmer späht. Okay. Jetzt oder nie. Schreiend springe ich aus dem Bett und stürme auf die Ratten zu. Mit dem Lampenfuß wische ich die Erste zur Seite. Lieber Himmel, sie ist so groß wie eine Katze. Fiepend fliegt sie durch den Raum und klatscht gegen die Wand. Au. Ein scharfer Schmerz schießt mein Bein hinauf. Die andere Ratte hängt an meinem Fuß. Hektisch schüttle ich mein Bein, bis das Mistvieh endlich von mir ablässt, dann reiße ich die Tür auf und stürme zur Wohnungstür. Hoffentlich hat Galen nicht abgeschlossen. In meiner Panik remple ich gegen die Tischkante. Autsch. Der Tisch gerät ins Wanken. Irgendwas zerspringt klirrend auf dem Boden. Die Wohnungstür ist unverschlossen. Danke Galen. Ich hechte in den Flur. Die Ratten folgen mir. Flink huschen sie durch die Tür. Ihre Krallen kratzen über das Linoleum. Scheinbar hat ihnen der Freiflug im Schlafzimmer nichts anhaben können. »Iiih.« Angewidert hüpfe ich zur Seite, hechte in die Wohnung zurück und schlage die Tür zu, sacke dann keuchend dagegen. Was für ein Horrortrip. Blue stolpert aus ihrem Zimmer. Reichlich spät, wie ich finde. Übertrieben verschlafen reibt sie sich die Augen. »Was‘n los?« Sie ist eine schlechte Schauspielerin. »Ratten«, stoße ich hervor. Blue schaltet das Licht an und sieht sich um, plötzlich hellwach. »Wo?« »Sie sind weg.« Den giftigen Unterton in meiner Stimme kann ich nur schwer verbergen. Wir versuchen, höflich miteinander umzugehen, mit wenig Erfolg. Blue hat mich vom ersten Augen-blick an gehasst. Vermutlich, weil sie befürchtete, dass sich Galen in mich verlieben könnte, was dann auch passiert ist.


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