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Science Fiction
Buch Leseprobe Grauzone Erde, Sylvia Kaml
Sylvia Kaml

Grauzone Erde


Verschlagene Freunde (Band 1)

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Es war schon dunkel, als wir uns auf den Weg machten. Die blinkenden Leuchttafeln in der Straße wetteiferten bereits darum, Passanten in Geschäfte zu locken und sie mit Dingen zu überhäufen, von denen sie noch gar nicht wussten, dass sie sie kaufen wollten. Ich betrachtete die Menschen auf der Straße. Mir fiel auf, wie leer der Blick vieler und wie monoton ihre Bewegungen waren, aufgeschnappte Unterhaltungen klangen hohl und gezwungen. Ich überlegte, ob mir das früher nur nicht so aufgefallen war, ob sie sich verändert hatten oder ich mich. 


Professor Kyle Brenner spazierte neben mir, seine Frau Beatrix umschlang seinen Arm. Auf Fremde hätten wir wohl wie eine Familie gewirkt: Die Eltern gingen mit ihrem erwachsenen Sohn einkaufen. Brenner schritt langsam, aber zielstrebig. Mit seiner gedrungenen Gestalt und dem kurzen Hals sah er immer etwas schlurfend und geduckt aus. Beatrix ging aufrecht und voller Elan nebenher, was sie viel jünger erscheinen ließ. Auch wiesen ihre fülligen kupferroten Haare im Gegensatz zu den dunklen Locken ihres Mannes noch kein Weiß auf. Vielleicht waren sie gefärbt, was ich bei dieser Farbe jedoch bezweifelte.


Mir war noch immer nicht richtig bewusst, warum ich das eigentlich tat, warum ich meinem Chemieprofessor und dessen Frau an diesem Abend alleine durch die Straßen folgte.  Zu viel war geschehen in den letzten Tagen, sodass ich mit Nachdenken nicht mehr hinterherkam.


„Wir sind bald da, Cedric“, meinte der Professor jetzt. „Es ist hier in der Nebenstraße.“ 


„Wohnen Sie hier?“, fragte ich irritiert. Diese Gegend war nicht gerade für ihren guten Ruf bekannt, geschweige denn geeignetes Wohngebiet für einen Pädagogen.


„Nein“, meinte Brenner. „Hier unten ist ein Lagerraum, den ein Bekannter für uns gemietet hat.“


Das klang seltsam, aber ich erwiderte nichts. 


Er führte uns eine alte Steintreppe hinab, die von der Straße aus in einer ausrangierten Tiefgarage endete, und schloss die Metalltür auf. Es roch muffig nach modrigem Regenwasser und Urin, doch hinter der Tür ließ der Gestank nach. Wir gingen einen Gang entlang, der mit alten Neonröhren schwach beleuchtet war, von denen einige nur lustlos flackerten.


„Wir kommen ab und zu hierher, um einfach mal alleine zu sein“, sagte Beatrix lächelnd. „Hier unten gibt es keine Kameras.“


„Keine Kameras?“, wunderte ich mich. „Ist das denn nicht gefährlich?“


„Wieso gefährlich?“, fragte Frau Brenner zurück.


„Nun ja, wenn ein Verbrechen geschehen sollte, könnte man es ohne Kameras nur schwer aufklären.“


„Dann hoffen wir mal, dass kein Verbrechen geschieht“, meinte der Professor nur. Seine Stimme klang beinahe zynisch. 


Wir gingen an etlichen Kellertüren vorbei, die mit Nummern versehen waren. Vor der Tür mit einer aufgemalten 23 blieb er stehen und schloss auf. 


„Hereinspaziert“, sagte er freundlich. Ich zögerte, mir wurde jetzt doch etwas mulmig, so lange kannte ich die beiden schließlich noch nicht.


„Keine Angst“, lachte Beatrix. „Wir wollen Ihnen wirklich nur die Unterlagen zeigen.“


Ich nickte und trat vorsichtig ein. Immerhin war ich einen guten Kopf größer als der Professor und beherrschte Karate, die beiden würden mich selbst zu zweit nicht so einfach überwältigen können.


Kyle führte uns in einen recht großen Lagerraum und schaltete das Licht an, das hier drinnen von hellen und, wie ich fand, weitaus freundlicheren LED-Lampen erzeugt wurde. Der Raum war vollgestopft mit Regalen und Kartons, aber auch ein Schreibtisch und eine Couchecke befanden sich darin. Es war eigentlich ganz gemütlich.


„Setzen Sie sich“, sagte Beatrix dann und wies auf das alte Sofa. „Ich hole die Mappe, ich weiß in etwa, wo sie ist. Das kann aber ein paar Minuten dauern“, zwinkerte sie. „Ich muss erst ein paar Kartons umschichten.“


Als sie hinter den Regalen verschwunden war, holte Kyle eine Flasche aus dem Schreibtisch, und drei Gläser, die wirklich winzig waren. Dann setzte er sich zu mir auf die Couch und stellte alles auf den kleinen Tisch. Er füllte zwei der drei Gläser mit einer dunkelroten Flüssigkeit.


„Auch einen Schluck?“, fragte er und wies auf das noch leere Glas.


„Was ist das?“ 


„Alkohol.“


„Aber ... aber das ist doch illegal!“


„Na und?“


„Alkohol ist ein Zellgift, macht einen aggressiv und tötet!“ Kaum hatte ich das ausgesprochen, fiel mir selbst auf, dass es wie auswendig gelernt klang.


„Nur, wenn man es übertreibt“, winkte der Professor unbeirrt ab. „Ab und zu ein bisschen ist völlig ungefährlich. Um wirklich süchtig zu werden, bräuchten wir mehr, als wir uns je leisten könnten.“


„Trotzdem ist es verboten.“


„Junge, ich halte nichts von den Gesetzen des Staates. Ich sehe ein, dass Verbrecher, die Menschen Leid zufügen, verfolgt werden müssen, aber dann hört es auch schon auf. Wenn ich mit meinen Handlungen keinem anderen schade, werde ich tun und lassen, was ich will.“


Ich schwieg nur betreten.


„Wollen Sie ihn jetzt mal versuchen oder nicht?“, fragte er schmunzelnd. „Keine Sorge, es ist nur Wein. Kein hoher Alkoholgehalt, und jeder bekommt sowieso nur einen Schluck.“


Ich nickte vorsichtig. „Einen ganz kleinen Schluck vielleicht ...“


Der Professor lachte und goss mir etwas von der roten Flüssigkeit in das winzige Glas. Ich hielt meine Nase daran, der Wein roch fruchtig, aber auch etwas nach Desinfektionsmittel. Als die Flüssigkeit über meine Zunge lief, zog ich das Gesicht zusammen. Das Getränk war ungewohnt herb, fast scharf, aber doch aromatisch.


„Und?“, fragte er grinsend. „Der erste Schluck ist immer ein wenig gewöhnungsbedürftig.“ 


Ich trank das Glas aus. Eine wohltuende Wärme erfüllte mich.


„Es geht eigentlich“, meinte ich langsam. „Aber den Reiz daran verstehe ich dennoch nicht.“


Ich wunderte mich, dass ich gar kein Rauschgefühl hatte. Nicht, wie immer gewarnt wurde, dass man nach dem Konsumieren von Alkohol die Kontrolle verlieren oder gewalttätig werden würde. Ich fühlte nur diese leichte Wärme im Hals, ansonsten war alles klar und deutlich.


„Wein keltern war eine Kunst“, meinte Brenner ernst. „Eine Tradition, die die Menschen über Jahrtausende vervollkommnet haben. Man schmeckt die Rebe, die Arbeit und die Kreativität des Winzers. Jeder Wein ist anders. Es ist purer Genuss, der uns hier versagt wird, und eine Schande, dass diese Kunst in Vergessenheit zu geraten droht.“


„Es ist doch nur zu unserem Besten. Jegliches aufputschende Suchtmittel schadet der Gesellschaft.“


„Wein ist ein Genussmittel, kein aufputschendes Suchtmittel, und komischerweise ist es uns nicht untersagt, tonnenweise Tranquilizer und Chemiefraß zu uns zu nehmen, was dem Körper viel mehr schadet. Nein, Junge, hier läuft etwas falsch. Ganz falsch.“


Ich schwieg verunsichert. Es wäre mir unangenehm gewesen, als ein Streber zu erscheinen, doch bei dieser Sache spürte ich ein flaues Gefühl im Magen. Ich hatte immer gelernt, mich stur an die Regeln zu halten, so etwas Illegales zu tun, wäre mir nicht im Traum eingefallen.


Jetzt kam Beatrix mit einer blauen Mappe zurück. Sie erblickte die Flasche und sah ihren Mann streng an.


„He“, rechtfertigte sich dieser. „Ich habe die Flasche nicht besorgt, um sie verstauben zu lassen!“


„Du könntest dafür in den Knast kommen, Kyle“, sagte sie fest. „Du solltest nicht immer so gedankenlos sein.“


„Der Junge ist in Ordnung, der verpetzt uns schon nicht.“


Beatrix seufzte, sie sah mich ernst an. „Bitte denken Sie nicht schlecht über ihn, Cedric“, sagte sie leise. „Er hat so seine Macken. Sie müssen das nicht trinken, wenn Sie nicht wollen!“


„Keine Sorge“, beruhigte ich sie. „Ich finde, der Wein schmeckt sehr annehmbar.“ 


Beatrix lächelte erleichtert und reichte mir die Mappe. „Hier sind die Unterlagen, die wir Ihnen versprochen hatten“, sagte sie.


„Ich möchte noch etwas sagen, bevor wir die Papiere durchgehen“, sagte Brenner jetzt. Er füllte die beiden leeren Gläser erneut und hob dann seines feierlich. „Ich möchte, dass wir uns duzen, Cedric, dein Vater war immerhin fast wie ein Bruder für mich. Ich bin Kyle.“


Seine Frau ergriff das noch volle Glas. „Ich bin Beatrix.“


Ich nickte. „Beatrix, Kyle“, sagte ich tonlos, stieß mit ihnen an und trank den Wein in einem Zug.


„He, jetzt aber langsam“, lachte Kyle. „Weißt du Banause, was das Zeug kostet? Du trinkst pures Gold, genieße das gefälligst!“


Ich sagte nichts darauf und ertappte mich dabei, dass ich nur die Mappe vor mir anstarrte, als würde sie ein tödliches Gift beinhalten. Mein gesamtes Leben schien sich zu verzerren. Langsam und zögernd nahm ich sie auf und wagte es kaum, sie zu öffnen. Beatrix und Kyle hielten sich an den Händen und betrachteten mich schweigend. Mit einem tiefen Durchatmen löste ich das Gummiband, das die Mappe geschlossen hielt, und schaute hinein. Sie enthielt eine Sammlung aus Fotos, handgeschriebenen Briefen und Zeitungsausdrucken. 


Das erste Foto, das mir beim Ausschütten des Inhalts in die Hände fiel, zeigte zwei junge Männer, etwa in meinem Alter. Einen etwas kleineren, stämmigen mit Brille und dunklen Locken, und einen großen, athletischen mit langen, hellbraunen Haaren, blauen Augen und breitem Lachen, der ohne Zweifel mein Vater war.


„Das sind dein Vater Marc und ich“, lächelte Kyle und seufzte. „Ich weiß nicht, warum ich das Bild behalten habe, wohl aus Nostalgie. Es kann mich den Kopf kosten!“


„Sie ... du sagtest, mein Vater war gar kein Volksverhetzer?“, fragte ich mit rauer Stimme.


„Sicher nicht“, meinte Kyle sanft. „Und ich glaube nicht einmal, dass er tot ist.“


Ich zuckte zusammen. „Was?“


Beatrix ergriff seinen Arm. „Jetzt lass den Jungen doch erst einmal alles verarbeiten, Kyle, du verschreckst ihn nur. Eins nach dem anderen.“


„Dein Vater wurde nicht verhaftet, er ist vorher geflohen.“


Ich schwieg kurz. „Mutter und Sam sagten mir, er wäre abgeholt worden, weil er Hetzreden gegen die Freunde gehalten hatte“, erzählte ich dann monoton. „Später hätte er im Gefängnis alles gestanden und bereut. Er wäre wegen guter Führung freigekommen, sogar ohne Meds, doch es geschah ein Unfall und er sei tödlich verletzt worden ...“


Kyle seufzte und legte sanft die Hand auf meine Schulter. „Dir wurde da eine Menge Stuss erzählt, bereite dich darauf vor, dass dein Weltbild ins Wanken gerät.“


„Wenn diese Mappe seine Unschuld beweist, warum seid ihr dann damit nicht zu einem Anwalt gegangen?“, fragte ich skeptisch.


Kyle lächelte schwach. „Lies die Briefe und du weißt, warum.“


Ich blätterte stumm die Mappe durch. Ich studierte die Briefe. Mein Herz klopfte bis zum Hals, als ich erkannte, dass es nicht wie erwartet Briefe an Kyle waren, sondern an mich gerichtete Schreiben, die ich irgendwann später erhalten sollte, wenn ich alt genug sein würde. Meine Finger zitterten leicht, als ich mir vorstellte, wie mein Vater sie heimlich per Hand geschrieben haben musste, während ich wohl noch als Baby in der Krippe geschlafen hatte.


Sie beschrieben seine Meinung über die Freunde, die fast ketzerisch war. Er kritisierte die Art, wie sie Einfluss auf unser Leben und unsere Kultur genommen und wie sie uns von ihrer Technologie abhängig gemacht hatten. Er unterstellte ihnen die Absicht, die Erdbevölkerung zu unterwandern und zu kontrollieren. Rebellische oder unabhängig denkende Menschen wurden kurzerhand weggesperrt oder mit Medikamenten ruhig gestellt, zum angeblichen Schutz der Gesellschaft. Scheinheilige Freunde, so schrieb er, seien gefährlicher als ehrliche Feinde. Die Menschheit hatte solche Angst, wieder als fremdenfeindlich hingestellt zu werden, dass sie unnötige und riskante Kompromisse einging und den Freunden Macht und Freiheiten zugestand, die uns unterdrückten und uns unsere Würde nahmen.


Ich las diese Briefe mit einem unangenehmen Gefühl in der Magengegend. Uns war immer die Gefahr von Krieg und Fremdenhass eingetrichtert worden, und unsere Vergangenheit war wirklich alles andere als rosig. Die Freunde, so die allgemeine Meinung, mussten geachtet und geehrt werden. Obwohl wir ihnen damals misstrauisch und feindlich begegnet waren, halfen sie uns aus der Klemme, verhinderten, dass wir unseren Planeten völlig verpesteten, und hatten jegliche Ungerechtigkeit, allen Hunger und die Armut der Welt abgeschafft. Wir hatten ihnen so viel zu verdanken, obwohl wir die ersten von ihnen, die als Besucher diesen Planeten erreichten, anfangs fast vernichtet hätten. Wir standen in ihrer Schuld.


Doch diese Wiedergutmachung lag nun schon über drei Generationen zurück und ich musste zugeben, dass die Freunde große Macht über unseren Planeten erlangt hatten. Sie bestimmten die Gesetze, sie saßen zwar nicht in der Regierung, doch sie hatten bei jeder Entscheidung ein Vetorecht, sei es das Bildungssystem oder die Rentenfrage. Ja, selbst das bloße Aufstellen eines neuen Verkehrsschildes mussten sie streng genommen absegnen.


Sie saßen im Hintergrund und ließen uns an Fäden tanzen wie Marionetten, und wir hatten zu große Schuldgefühle, um etwas dagegen zu tun oder zu sagen. Selbst das Lesen dieser Briefe ließ diese anerzogenen Schuldgefühle in mir aufflammen, auch ich war konditioniert. Jegliche Kritik oder auch nur Zweifel grenzten an Ketzerei. Man konnte deswegen sogar verhaftet werden. Ja, im Grunde war das, was in diesen Briefen stand, bloße Meinungsfreiheit, die laut unserer Verfassung legal war. Dennoch konnte selbst diese rationale Kritik an den Freunden als Hetzgerede gedeutet werden, und das war strafbar. Sehr sogar.


Ich las die aus dem Internet ausgedruckten freundekritischen Zeitungsartikel, sah die Notizen darunter, dass viele von ihnen schon nach kurzer Zeit wieder aus dem Netz genommen und gelöscht worden wären und den Journalisten gekündigt worden sei. Ein Zeitungsverlag sei sogar komplett aufgelöst worden.


Als ich durch war, schob ich die Papiere wieder in die Mappe, schloss diese und lehnte mich schweigend zurück. 


Kyle blickte mich eine lange Zeit an.


„Das ist schon ein harter Brocken“, meinte ich dann leise und sah ihn ernst an. „Woher willst du wissen, dass ich kein Freund bin?“


„Die Freunde vertragen keinen Alkohol“, entgegnete Kyle und lächelte verschmitzt. „Wenn du den Wein nicht probiert hättest, dann wäre Beatrix mit einer Alternativmappe gekommen. Eine kleine Vorsichtsmaßnahme von uns.“


„Aber auch als Mensch könnte ich euch jetzt melden.“


„Ich gab deinem Vater mein Wort, sie dir zukommen zu lassen.“


„Aber dennoch riskierst du viel dabei. Du kennst mich kaum.“


„Wenn Jungs wie du nicht bereit sind, die Wahrheit sehen zu wollen, ist eh alles verloren“, zwinkerte Kyle. „Dann gehe ich freiwillig in den Knast.“


Ich seufzte. „Das klingt alles so unwirklich, so nach Verschwörung! Ich werde mich jetzt gewiss nicht für ein Terrorcamp anmelden!“


Kyle lachte trocken auf.


„Ich will hier nicht grundsätzlich gegen die Freunde wettern“, meinte er dann ernst. „Und ich werde ganz sicher nicht die Gräueltaten unserer Regierung von damals rechtfertigen! Doch ich sehe nicht ein, dass ich wegen der Machenschaften meiner Vorfahren leiden muss und unterdrückt werde. Das liegt nicht in den Genen, verdammt! Ich möchte jetzt auch keinen Krieg beginnen und noch weniger möchte ich Terrorattacken leiten, bei denen Unschuldige ums Leben kommen. Nein, ich möchte nur, dass auf diesem Planeten wieder Meinungsfreiheit und Menschenrechte herrschen und keine einzelne Gruppe die alleinige Macht über andere hat.“


„Und wie soll man das erreichen? Es gibt keinen Politiker, der es wagen würde, die Freundeklausel anzufechten.“


„Wir dürfen nichts überstürzen, wir müssen aufklären und die Vertuschungen aufdecken, ohne selbst aus dem Spielfeld geräumt zu werden.“


Ich schwieg kurz. „Du hast gesagt, mein Vater ist geflohen und lebt vielleicht noch?“, fragte ich dann. „Stimmt das?“


Kyle nickte. „Er verschwand, bevor sie ihn verhaften konnten. Das durfte natürlich nicht öffentlich werden, denn sonst hätte man ja einen Mangel in der Durchführung des Rechtssystems zugeben müssen“, meinte er zynisch.


„Was ist mit meiner Mutter? Weiß sie davon?“


„Hier wäre ich an deiner Stelle vorsichtig“, warnte Kyle. „Es ist nicht auszuschließen, dass Helen deinen Vater verraten hat. Ich will nichts unterstellen, wenn, war es sicher alles mit den besten Absichten, aber bitte sei achtsam! Dieser Samuel Kinley war schon damals ein guter Freund von ihr, und er arbeitet bei der Überwachung.“


Ich schwieg betreten. Mir kamen einige Situationen in den Sinn, wo Sam mir nachspioniert hatte, mein Zimmer durchsucht und meine Textnachrichten an Freunde gelesen haben musste. Ich hatte es nicht als besonders schlimm empfunden und dachte immer, dass man wohl zwangsläufig etwas paranoid wurde, wenn man als Schnüffler für den Staat arbeitete, und schließlich hatte ich nichts zu verbergen. Doch jetzt kam mir der Verdacht, dass er sehen wollte, wie weit mich Vater vor seinem Verschwinden noch hatte beeinflussen können. Ich war froh, seit dem Studium meine eigene Bude zu haben.


„Wo könnte mein Vater jetzt sein?“, fragte ich dann leise.


„Hör zu, Cedric“, meinte Beatrix sanft. „Das ist alles ein wenig viel auf einmal. Ich denke, du solltest erst einmal in Ruhe drüber schlafen. Wenn du dich entscheidest, nichts zu unternehmen, ist das völlig in Ordnung. Wir bitten dich nur, uns nicht zu verraten, wir sind sicher keine Gefahr für die Menschheit und den Frieden.“


„Das werde ich nicht, keine Sorge.“


Kyle nickte und stand auf. „Komm, Junge, ich bringe dich nach Hause.“


...





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