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Science Fiction
Buch Leseprobe Gegenwehr, R.E. McDermott
R.E. McDermott

Gegenwehr


Buch 2 der Trilogie ″Apokalypse USA″

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“Sie sind sich sicher, dass er freiwillig für die SET arbeitet?”


Luke zuckte mit den Achseln. “Er war nicht hinterm Stacheldraht im Konzentrationslager, und er schien sich frei bewegen zu können. Von daher, ja. Ich denke schon, dass er mit ihnen kooperiert.”


Luke deutete auf seine SET-Uniform. “Er hat keine Ahnung, wo er ist und warum er hier ist. Gestern Abend hat er mich wenige Sekunden lang im Dunkeln gesehen; in den Overalls der Küstenwache und mit der Nachtsichtbrille, die mein Gesicht verbarg. Ich bezweifle, dass er mich erkennen wird. Und jetzt gehe ich in dieser Uniform zu ihm hinein und bringe ihm Essen und Wasser. Mal sehen, was er zu sagen hat.”


Hunnicutt seufzte. “Tun Sie, was Sie können, Major. Die Auskunft der SET-Gefangenen war mehr als vage. Sobald wir verstehen, was sie mit dem Atomkraftwerk vorhaben, können wir die Lage vielleicht besser einschätzen.”


Luke nickte und sah Hunnicutt ins Gesicht. Der Mann war in der kurzen Zeit, seit Luke ihn kannte, deutlich gealtert. Mit einem Ausdruck von Trübsinn stand er nun vor ihm da und starrte auf den Boden.


“Ein Problem, Sir?”


Hunnicutt schüttelte den Kopf. “Nichts Besonderes, Major. Ich dachte nur gerade daran, wie sehr sich unsere Leben innerhalb weniger Wochen verändert haben. Wir lebten einfach glücklich vor uns hin. Und jetzt machen wir uns Gedanken um ,feindliche Kräfte‘ und ,Kollaborateure‘, und wer weiß, was uns sonst noch bevorsteht, womit wir vorher nie in Kontakt kamen; außer vielleicht in alten Kriegsfilmen. Und jetzt spielt sich alles direkt vor meiner Nase in meiner Heimatstadt ab. Schwer zu glauben.”


Luke schwieg eine ganze Weile. “Was haben Sie als Zivilist gemacht, Sir? Wenn ich fragen darf.”


Hunnicutt lächelte schwach. “Man könnte sagen, ich bin kampferprobt. Ich war der Rektor einer Highschool.”


Luke kicherte. “Das habe ich nicht kommen sehen.”


“Tja, wir alle haben unsere Geschichte, Major.”


Hunnicutt wies auf die Tür.


“Und jetzt schlage ich vor, Sie sehen, welche Geschichten Sie Mr. Dempsey abringen können.”


“Jawohl, Sir.”


Hunnicutt wandte sich um und ging.


Leise öffnete Luke die Tür und betrat das Zimmer – vormals eine große Abstellkammer; ein fensterloser Raum im Zentrum des Gebäudes, den sie erst kürzlich in eine Isolationszelle verwandelt hatten. Es gab einen kleinen Tisch mit zwei Metallstühlen. Eine einzige nackte Glühbirne hing von der Decke. Der Gefangene lag auf einer Pritsche entlang der hinteren Wand. Er war an Händen und Füßen gefesselt. Mund und Augen waren mit Klebeband verklebt. 


Luke stellte eine Papiertüte und eine Flasche Wasser auf dem Tisch ab. Bei diesem Geräusch hob der Gefangene den Kopf. Luke ging zur Pritsche hinüber.


“Ich werde eine Messerscheide unter das Klebeband über Ihren Augen und Ihrem Mund schieben. Ich werde Sie nicht verletzen. Nicken Sie, wenn Sie mich verstanden haben.”


Der Mann nickte und Luke durchtrennte das Klebeband. Beim Versuch, es zu entfernen, wurde klar, dass das Haar ein Problem darstellte. “Tut mir leid …”, entschuldigte sich Luke, “… aber Ihr Haar klebt am Band. Ich werde es schnell abreißen müssen. Das könnte wehtun.”


Wieder nickte der Mann und zuckte zusammen, als Luke zuerst das Band über seinen Augen und dann über seinem Mund entfernte. Er blinzelte ins Licht und kniff dann die Augen zusammen, als Luke ihm die Kabelbinder um die Hand- und Fußgelenke aufschnitt und ihm dabei behilflich war, sich auf der Pritsche aufzusetzen.


“Wasser steht auf dem Tisch, Mr. Dempsey, und in der Tüte finden Sie ein Sandwich.”  


“W... wo bin ich?”


Luke ignorierte diese Frage. Behutsam half er dem Mann auf die Beine und begleitete ihn auf seinem unsicheren Gang zum Tisch hinüber.


Der Mann öffnete die Flasche und trank sie in einem Zug leer. Luke zog eine zweite Flasche aus einer Tasche seiner Cargohose. Dankbar nahm sie der Mann entgegen und leerte auch sie bis zur Hälfte, bevor er das Sandwich aus der Tüte zog und es mit nur wenigen Bissen verschlang.


Der Mann ist halb verhungert, dachte Luke, als er sah, wie Dempsey das Sandwich attackierte. Er musste Ende Dreißig, Anfang Vierzig sein, mit dem roten Haar und der hellen Haut seiner irischen Vorfahren. Eine Hälfte seines Gesichts wies einen lila-gelben Bluterguss auf, da, wo ihn Washingtons riesige Faust getroffen hatte. Zu Lukes großer Erleichterung gelang es dem Mann, Sandwich und Wasser zu schlucken, ohne daran zu ersticken.


“Besser?”, erkundigte sich Luke.


Dempsey nickte. “Wa… warum bin ich hier?”


“Ich denke, dass wissen Sie.”  


Heftig schüttelte der Mann den Kopf. “Nein, wirklich nicht. Ich habe kooperiert, da können Sie jeden fragen. Ich … Moment, wenn es um die Startfrequenz geht, das kann ich erklären.”


Luke nickte nur. “Bitte tun Sie das.”


“Natürlich weiß ich, dass Sie das Werk SOFORT wieder in Betrieb nehmen wollen. Das verstehe ich. Wir alle tun das. Aber es gibt bestimmte Sicherheitsvorkehrungen, die wir …  denen wir ausnahmslos folgen müssen. Ich mache schon alle möglichen Abstriche, aber es gibt Dinge, die wir einfach nicht ignorieren können.”


Der Mann hatte panische Angst, so sehr, dass er beinahe stammelte. Das war deutlich erkennbar. Was konnte solche Furcht erzeugen?


Luke zuckte mit den Achseln. “Sie kennen den Preis des Versagens, Mr. Dempsey.”


Alle Farbe entwich dem Gesicht des Mannes, was seine hässliche Verletzung nur noch stärker hervortreten ließ. “Bitte …”, flüsterte er, “… bitte tun Sie meiner Familie nichts an. Ich … ich mach es so, wie Sie es wollen.”


Lukes Gesicht blieb unbeweglich. “Und wann haben Sie Ihre Familie zum letzten Mal gesehen, Mr. Dempsey?”


Dempsey sah verwirrt aus. “Gestern, wie alle anderen, als sie uns für die Besuchsstunde in die Absperrung ließen.” Er hielt inne. “Warten Sie. Wenn Sie zur SET gehören, wieso wissen Sie dann nicht …”


Sanft klopfte es an die Tür.


“Entschuldigen Sie, Mr. Dempsey.” Luke stand auf und ging zur Tür.


Durch den kleinen Spalt der geöffneten Tür sah er Washington, der ihn hinaus in den Flur winkte. Luke trat nach draußen und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen.


“Was gibt’s?”  


“Im Lager gab es ein Problem”, berichtete Washington. “Der Colonel will Sie an der Verteidigungswand, sobald Sie hier fertig sind.”


Luke seufzte und schüttelte den Kopf.


“Was ist denn, Major? Sie sehen schlecht aus.”


“Wir haben Mist gebaut, Washington. Dempsey ist kein Kollaborateur; sie halten seine Familie im Camp als Geiseln fest. Das ist ihre Art, diejenigen zu ,motivieren‘, die ,kooperieren‘.”


Washingtons Gesicht nahm einen besorgten Ausdruck an. “Und Sie fürchten, dass die FEMA-Schweine glauben, er ist abgehauen und dass sie sich an seiner Familie rächen werden?”


Luke nickte. “Vielleicht sind wir am Tod seiner Familie schuld.”


Washington schüttelte den Kopf. “Vielleicht auch nicht. Vergessen Sie nicht, dass mehrere SET-Typen zur gleichen Zeit verschwunden sind. Inzwischen haben sie sicher auch die Stelle gefunden, wo unser Boot im Sumpf festgemacht war. Ich bin sicher, sie können sich denken, was passiert ist.”


“Ich hoffe, Sie haben Recht.” Luke fühlte sich ein wenig besser. “Aber was ist so wichtig, dass es nicht warten kann?”


“Kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass es Ärger im Flüchtlingslager gab, und dann bat mich der Colonel, sie zu holen.”


“Na schön. Ich werde Dempsey nur sagen, dass ich später zurückkomme, und schließe ihn dann wieder ein.”


 


 


KAPITEL DREIZEHN


FORT BOX


WILMINGTON CONTAINER TERMINAL


WILMINGTON, NORTH CAROLINA


 


AM GLEICHEN TAG, 14:05 UHR


 


Luke eilte die Leiter zum oberen Ende der Wand hinauf, wo er Hunnicutt und Wright vorfand, die in Richtung des Flüchtlingslagers starrten. In der Entfernung konnte er Gewehrfeuer hören.


“… und Miles’ Patrouille wurde von dem Mob angegriffen, wonach jemand anfing, in die Menge zu schießen”, erstattete Wright seinen Bericht. “Es gab Tote und Verletzte. Die genaue Zahl ist bislang unbekannt.”


“Verdammt! Ich dachte, wir machten unseren Leuten deutlich …”


“Miles schwört, dass die Schüsse aus einem Nachbarhaus kamen, Sir. Er denkt, es waren Gangmitglieder, die die Menge aufwiegeln wollten.”


Hunnicutt nahm den Helm ab und fuhr sich mit den Händen durch sein dünner werdendes Haar, während er vor sich hin fluchte. Mit Lukes Ankunft sah er hoch und richtete das Wort wieder an Wright. “Major Kinsey ist da, Lieutenant Wright. Bitte wiederholen Sie Ihren Situationsbericht.”


“Die Flüchtlinge revoltieren. Im Moment sind unsere Leute in der Zone um den Schwimmklub herum sicher. Aber die Lage verschlechtert sich zusehends. Ich habe das Exfiltrationsprotokoll aktiviert. Auf eigene Initiative hin.”


Hunnicutt nickte. “Gute Entscheidung. Status?”


“Es wird knapp werden, Sir, aber wir sollten es schaffen”, schätzte Wright. “Unsere Leute verfügen über sechs aufgerüstete Hummer und zwei Schulbusse für die Nichtkombattanten. Abzug in fünf Minuten durch den Osteingang des Country Clubs hinaus auf den Pine Valley Drive. Lieutenant Butler organisiert eine Entsatzhilfe, um gegebenenfalls Unterstützung leisten zu können. Ich habe angeordnet, dass Corporal Miles’ Patrouille - anstatt zur Basis zurückzukehren - die Kreuzung von College Road und Pine Valley Drive kontrolliert, für den Fall, dass dies Teil eines größeren Angriffs sein sollte, den wir bisher noch nicht übersehen können.”


“Ausgezeichnet”, lobte Hunnicutt. “Holen Sie unsere Leute da raus, UMGEHEND. Ohne Verzögerung. Setzen Sie NUR unsere eigenen Leute, unsere eigenen Waffen und unsere eigenen Fahrzeuge ein. Falls jemand widerspricht, verschwenden Sie keine Zeit mit Diskussionen. Falls nötig, holen Sie sie mit Gewalt da raus.”


Wright nickte und zögerte dann. “Einsatzregeln bestätigt, Sir?”


Luke sah, wie sich Hunnicutts Unterkiefer verspannte. Langsam und besonnen erwiderte er: “Räumen Sie den Rückzugsweg mit Warnschüssen, wenn irgend möglich. Der Waffengebrauch steht im Ermessen jedes Schützens. Gehen Sie kein Risiko ein. Oberstes Ziel ist, dass unsere Leute den Abzug unbeschadet überstehen.”


 


 


 


 


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