Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Science Fiction > Fremde Welt
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Science Fiction
Buch Leseprobe Fremde Welt, Jacqueline Montemurri
Jacqueline Montemurri

Fremde Welt



Bewertung:
(313)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
2495
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
www.verlag-epv.de
Drucken Empfehlen

Vier Tage in der Nacht
Die Tür wurde aufgestoßen. Der Sturm blies eine Wolke von Schnee herein und der Raum füllte sich mit der kalten Luft. Draußen herrschte die ewige Nacht des nordischen Winters.
„Tür zu!“, rief Harmsen aus der Ecke des Raumes, wo er gerade mit seinen vier
Kumpels an dem großen runden Ahorntisch würfelte.
Ein großer stämmiger Mann, eingehüllt in einen dicken Fellmantel, trat ein und stieß die Tür mit einem Fuß zu. Das Heulen des Sturms wurde ausgesperrt sowie die Kälte und der Schnee. Der Mann hatte ein Gewehr in der rechten Hand und schob einen anderen Mann vor sich her. Die Männer am Spieltisch und die Frau, die hinter der langen hölzernen Theke die Gläser abtrocknete, starrten unwillkürlich die Eingetretenen an.
„Los Jackson, nicht so schüchtern!“ Der Mann im Fellmantel stieß den anderen unsanft weiter in den Raum. Für die Jahreszeit war er nur sehr dünn bekleidet, mit einem blauen Anzug, der sofort den Sträfling in ihm erkennen ließ. Seine Schritte wurden durch schwere Ketten gehemmt und die Hände waren mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt. Beide waren mit Schnee bedeckt, der langsam durch die Wärme des Kaminfeuers zu tauen begann und auf die Holzdielen tropfte. Der Mann im Pelzmantel klopfte die dicken Fellstiefel aneinander und befreite sie so von den tauenden Eiskristallen. Er stellte sein Gewehr an den Türrahmen.
„Guten Abend“, sagte er allgemein in den Raum, ohne jemanden bestimmtes anzusehen und zog sich die Fellmütze vom Kopf. Sein Bart war weiß vom Eis und stand im Kontrast zu den jetzt zum Vorschein kommenden zerzausten braunen Haaren.
„Wer ist der Chef des Ladens?“
Die Frau hinter der Theke stellte das Glas, das sie gerade mit dem Geschirrtuch bearbeitete, ab und trat vor den Tresen. Sie hatte langes rotblondes Haar, das in wilden Locken ihr schmales Gesicht einrahmte. Sie wischte sich die Hände an der Schürze ab.
„Mir gehört das Lokal“, sagte sie.
„Ach“, antwortete der Mann etwas enttäuscht, „kein Mann im Haus?“
„Nein, haben Sie damit ein Problem?“ Ihre Augen funkelten den Fremden herausfordernd an.
„Naja, muss wohl gehen. Gibt ja sonst keine andere Möglichkeit. Sie sagten, der Sheriff wohnt im nächsten Ort, zwanzig Meilen entfernt.“
„Das stimmt. Hier sind zwanzig Meilen keine Strecke“, antwortete die Frau.
„Nun, bei einem solchen Blizzard wohl doch.“ Er entblößte seine Zähne. Die Frau nahm an, dass es ein Lächeln darstellen sollte.
„Was wollen Sie?“, fragte sie etwas ungeduldig und musterte den Gefangenen. Der blickte zu Boden und sah ziemlich erfroren aus. Der schmelzende Schnee saugte sich in
den groben Stoff seines Anzugs.
„Ich muss den hier nach St. Almes bringen, doch die Achse des Wagens ist gebrochen. Ein Mr. Sutherby bot mir an, mich mit dem Hundeschlitten hinzubringen. Doch den…“, er deutete auf seinen Gefangenen, „… kann ich da nicht mitnehmen. Ich hole ein Auto und könnte in drei Tagen wieder hier sein, falls der Schneepflug weiterhin die Straße freihält.“
„Was?“, fragte die Frau etwas erregt, „wollen Sie den etwa hier lassen? Nein, das kommt gar nicht in Frage!“ Sie ging unwillkürlich einen Schritt zurück, wie um ihren Standpunkt zu verdeutlichen.
Der Mann im Fellmantel zerrte seinen Gefangenen entschlossen vor einen der dicken Stützpfeiler und drückte ihn zu Boden, so dass er mit dem Rücken am Pfeiler lehnte. Er wehrte sich nicht, ließ alles über sich ergehen. Auch als ihm sein Wächter ein großes Stahlband um den Hals legte, mit einem Schloss sicherte und ihn damit an den Pfeiler kettete, wie ein Raubtier, verzog er keine Miene.
„Sind Sie verrückt? Was machen Sie da?“, schrie die Frau den Fellmantel an.
„Es gibt keine andere Lösung, ich muss mich beeilen. Sutherby wartet schon mit den Hunden.“ Der Mann hatte seinen Entschluss gefasst und beabsichtigte nicht davon abzuweichen.
„Aber was soll ich mit ihm machen? Was ist, wenn er mal... ein Bedürfnis hat?“, fragte sie erregt.
Der Fellmantel eilte schon der Tür zu. „Nur drei Tage, ich verspreche es. Füttern Sie ihn nicht zu gut und kippen Sie ihm einfach einen Eimer Wasser über den Kopf. Das reicht schon.“
Er meinte es ernst. Zog die Mütze über die Ohren. Sie war außer sich. Konnte nicht glauben, was hier vorging, hielt ihn am Ärmel zurück.
„Das können Sie nicht machen, das ist ein Mensch!“
Der Fellmantel riss sich unwirsch los und griff nach seinem Gewehr.
„Nein, Ma´am, das ist ein Lebenslänglicher, kein Mensch. Jetzt nicht mehr.“ Er öffnete die Tür und der Raum füllte sich wieder mit dem Getöse des Blizzards. Er verschwand im Schneetreiben und der Dunkelheit. Hunde bellten ungeduldig. Ein paar vereinzelte Lichter der Siedlung drangen durch das Schneetreiben, wie Irrlichter in einem finsteren Moor. Sie stand an der offenen Tür und starrte ihm ungläubig nach. Als sie mit der schweren Holztür
den Schneesturm wieder aussperrte, hoffte sie, dass es nur ein Traum war. Doch als sie sich umdrehte, saß da der Mann an den Pfeiler gekettet, wie ein Tier im Zoo.
„Hey, das ist ja lustig“, freute sich Malkovicz. Er war einer der Männer am Spieltisch. Sie hatten die Würfel liegengelassen und drängten sich nun um die neue Attraktion des Hauses.
„Ey, was hast du verbrochen?“
„Bist du ein Serienkiller oder so was?“ Sie drängten sich um den Mann und glotzten ihn an, bombardierten ihn mit Fragen, berührten ihn, um zu sehen, ob er echt war.
Auf den Ölfeldern dieser Einöde Alaskas, am Ende der Welt, war nicht viel los.

Das Land beginnt wieder zu erstarren und in den Winter, die ewige Nacht, zu gleiten. Er ist die längste Jahreszeit. Wenn es nicht schneit und der Himmel klar ist, kann man tiefer in das Universum blicken, als sonst wo auf der Welt. Ein violettes Licht bricht sich am Horizont und taucht das vereiste Land ein, in zauberhafte Farbtöne. Doch richtig verzaubert wird das Land dann, wenn die Korpuskularstrahlungen der Sonne Leuchtprozesse in der Atmosphäre anregen, die über Hunderte von Kilometern Höhe erreichen können - das Nordlicht. Manchmal erscheint es als Draperie, ein gewaltiger faltiger Bogen, der im Wind zu flattern scheint. Das waren einige der wenigen Momente in der Siedlung, wo die Menschen zum Himmel aufsahen und glücklich waren, hier zu sein.
Vor einigen Wochen war wieder einer dieser magischen Momente gewesen. Das Nordlicht flackerte und flatterte wie eine bunte Lichterflagge am Himmel. Viele Menschen der Siedlung standen vor ihren Türen und bewunderten ehrfurchtsvoll diese magische Naturerscheinung. Alle waren wie gebannt, denn so kräftig hatten sie es selten erlebt. Plötzlich wurde der Bann durch Sirenengeheul unterbrochen. Später stellte sich heraus, dass einige Meilen entfernt an der Überlandstraße eine Tankstelle mit Wohnhaus explodiert war. Es muss schrecklich gewesen sein. Die blutigen Leichen der Bewohner wurden überall um den Explosionsort gefunden. Zuerst ging man von einem technischen Defekt aus. Doch insgeheim machten Gerüchte die Runde, dass es ein Verbrechen gewesen sein sollte. Die Medien schwiegen sich allerdings darüber aus. Es sickerte nur durch, dass seltsame Metallteile gefunden worden waren.

Der Mann saß an dem Pfeiler, die Augen geschlossen, unfähig den Kopf zu bewegen. Er konzentrierte sich darauf, die äußere Welt auszusperren, nichts an sich heranzulassen.
Sie stand unschlüssig im Raum und beobachtete ihn. Er atmete ganz flach, kaum dass man es bemerkte. Wasser tropfte vom nassen Haar auf sein Gesicht. Er war jung, mochte kaum älter als sie sein, vielleicht Ende zwanzig. Langsam ging sie zu ihm hin, hockte sich neben ihn auf den nassen Boden. Vorsichtig berührte sie seine Schulter.
„Leben Sie noch?“ Ihre Stimme war leise, fast ein Flüstern. Abrupt öffnete er die Augen und starrte in die ihren. Ihr Kopf wich erschreckt einige Zentimeter zurück.
„Wenn Sie meinen, ob ich noch atme und mein Herz noch schlägt – ja.“ Er sagte es ohne Aufregung, ohne irgendeine Emotion.
„Was haben Sie verbrochen, dass man Sie so behandelt?“, fragte sie und sah in seine graublauen Augen, als erwarte sie eine Antwort darin. Er hielt ihrem Blick stand. Nicht darauf bedacht, Mitleid zu erregen. Er war es gewohnt Blicken standzuhalten, um keine Schwäche zu zeigen.
„Menschen getötet.“

Reise in den Kosmos

Alexandra lag in der Wanne, eingehüllt vom grünen Wasser und dem süßen Duft. Plötzlich sah sie auf ihre Finger. Sie schienen sich von ihr zu entfernen, doch sie bewegte sich nicht. War das schon die Wirkung des Sekts? Jetzt sah sie genauer hin. Ihre Finger wurden kleiner. Sie erschrak und setzte sich in der Wanne auf. Sie fühlte sich benommen, schwindelig. Nicht nur ihre Finger, auch ihre Beine, Arme, alles wurde kleiner. Oder wurde der Raum um sie herum größer?
Sie schrumpfte. Sie wurde kleiner und kleiner und konnte nichts dagegen tun. War es ein Traum aus dem sie jeden Moment erwachen würde?
Sie wurde unaufhaltsam kleiner. Jetzt war die Wanne mit dem grünen Wasser schon ein gewaltiger Ozean und sie mühte sich ab, um nicht zu ertrinken. Doch sie wurde noch
immer kleiner und kleiner und schwamm nun mitten zwischen grünen Brocken, die wohl die Pigmente des Badezusatzes waren und runden Tieren, die fast durchsichtig wirkten. Es gab auch gigantische Schlangen und sie hatte furchtbare Angst. Doch diese Tiere hatten keine Augen, keinen Mund, keine furchtbaren Zähne. Bakterien?
Der Prozess, mit dem sie kleiner wurde, hörte immer noch nicht auf. Es wurde dunkel um sie herum und sie sah leuchtende Nebelhaufen, die mit großer Geschwindigkeit umher sausten. Plötzlich schien die Zeit sich zu verlangsamen und die Nebelhaufen wurden immer größer und ihre Bewegungen langsamer. Waren das Moleküle? Sie sahen aus wie Galaxien. Galaxien, die aus Millionen von Sternen bestanden. Waren das die Atomkerne?
Sie schrumpfte unaufhaltsam weiter und hatte bald die Größe eines Atomkerns. Er sah aus wie ein Stern, ein gewaltiger Gasball. Er strahlte hell und um ihn herum schwirrten Elektronen wie Planeten um eine Sonne. Alexandra schrumpfte weiter und weiter und hatte bald die Größe eines der Elektronen. Sie schwebte um das kugelförmige Elementarteilchen herum. Drei noch kleinere Kugeln umrundeten es. Es sah wirklich aus wie ein Planet im unendlichen All, der von drei Monden begleitet wurde. Sie wurde immer noch kleiner und kleiner und konnte Wolken erkennen. Sie stürzte darauf zu und wurde von ihnen verschlungen. Dann wurde ihr schwindelig und schwarz vor den Augen. War sie in den Mikrokosmos eingetaucht? Das konnte nur ein Traum sein.

Sie erwachte. Es war nur ein Traum gewesen, aber ein seltsam realer Traum. Sie hatte die Augen geschlossen, doch sie spürte, dass sie noch im Wasser der Badewanne lag. Es war kalt geworden. Sie musste eingeschlafen sein.
Doch plötzlich drangen Geräusche an ihr Ohr. Es hörte sich an, wie die Brandung eines Meeres - immer lauter und lauter und das Wasser um sie herum war in Bewegung. Es kam in großen Wellen, umspülte ihren Körper und zog sich zurück, um erneut heran zu rollen und sie hinein zu tauchen.
Abrupt öffnete sie die Augen. Sie lag an einem weißen Strand. Ein unendliches Meer ergoss sich zu ihrer rechten Seite und umspülte sie in regelmäßigen Abständen mit den grünen Wellen. Sie hatten die gleiche Farbe, wie das Wasser in ihrer Badewanne. Auf der linken Seite erstreckte sich ein weiter blendendweißer Strand. Über einer vielleicht zehn Meter aufragenden und unten ausgehöhlten Düne begann ein Wald. Unheimliche
Geräusche drangen daraus hervor.
Die Sonne stand schon tief, aber immer noch blendend am hellblauen Himmel über der Grenze zwischen Wald und Meer. Ein großer Halbmond berührte fast die Oberfläche des Ozeans. Seltsame, dunkelblau glänzende kleine Tiere, zogen Spuren durch den feinkörnigen Sand. Sie ähnelten kleinen Krabben, doch die Farbe war sehr unreal. Die Luft roch nach dem Salz des Meerwassers und den Blüten des nahen Dschungels.
Alexandra rieb sich die Augen, in der Hoffnung, einen Traum zu verscheuchen. Doch das Meer und der Strand mit dem über die Düne wuchernden Urwald verschwanden nicht.
Plötzlich färbte ein Schatten den Sand vor ihren Füßen ocker. Sie blickte verschreckt auf und in blaue Augen in einem sonnengebräunten Gesicht, das von schwarzem kurzem Haar umrahmt war.
Es war ein Mann. Er sah sie erstaunt an und ihr wurde bewusst, dass sie völlig nackt war. Schließlich war sie gerade aus ihrer Badewanne an diesen seltsamen Ort katapultiert worden. Er musterte sie, merkte, wie sie errötete, legte seine Waffe in den Sand und zog sein Hemd aus. Es hatte eine bräunliche Farbe und war gemustert wie die Maserung von Holz, genau wie seine engen Hosen. Er legte es ihr um und sie zog es sich schnell über. Jetzt stand er da mit entblößtem Oberkörper und sie konnte eine kleine Narbe in der Nähe seines Herzens erkennen. Er hatte etwas Indianisches an sich, doch nichts bedrohliches.
„Woher kommst du?“, fragte er und sie war erstaunt, dass er ihre Sprache sprach. Aber vielleicht sprach er ja auch eine andere Sprache und sie war nur wunderbarerweise in der Lage, sie zu verstehen. Alles war möglich, denn alles war so unmöglich.


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2021 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 4 secs