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Science Fiction
Buch Leseprobe Exploration Capri III, Christian Klemkow
Christian Klemkow

Exploration Capri III


Teil 3: Zerstörung

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Unbekümmert dämmerte der Mond im Zwielicht zur linken Seite. Auch er hatte schlimme Zeiten überwunden. Wie die Erde hatte auch er seine Unschuld durch die Menschen verloren. Unübersehbar hatte es Versuche gegeben, dem Mond eine Zivilisation aufzudrängen. Wie ein Spinnennetz zogen sich die Spuren der Verkehrsadern quer durch alle Mare. Krater waren verschwunden, um gigantischen Kuppelstädten zu weichen. Ganze Gebirge hatten sich in große Ebenen verwandelt. Der Bergbau hatte kilometertiefe Furchen zurückgelassen. Die Größe des Mondes und gutes Augenmaß verrieten jedem an Bord, dass Bone die Explorer deutlich näher am Mond als an der Erde gestoppt hatte. Knappe 50.000 Kilometer waren keinesfalls die goldene Mitte, sondern eher ein kleiner Rechenfehler, der schon mal passieren konnte. Zumindest hatten sie den Mond verfehlt. „Entfernung zur Erde?“, fragte Steven erwartungsvoll, als hoffte er auf ein Wunder. Niemand antwortete und das musste auch keiner. Es spielte einfach keine Rolle mehr, wie weit hier etwas entfernt war. 100.000 Kilometer mehr oder weniger, was machte das schon. Entfernungen waren zu Belanglosigkeiten geworden angesichts dessen, was sie bisher gesehen oder erlebt hatten. Die Anomalien im Sonnensystem waren allgegenwärtig. Nichts stimmte mehr. Der Blick zur Erde war so schmerzhaft wie verstörend. Die weißgraue Scheibe schrie vor Kälte und Tod. Früher hatten Bone und Steven die blauen Ozeane und die Wolkenbänder in der Atmosphäre erkennen können. Warme lebendige Farben. Nun gab es nichts mehr von all dem. Alle starrten ins Unbegreifliche hinaus. Was sie sahen, war zu befremdlich und auf tragische Weise doch vertraut. Nur mit etwas Mühe konnte Susannah noch Konturen einer Landmasse ausmachen. Keine Leichtigkeit, da alles gleich aussah. „Ich versteh das nicht!“, rang sie um Worte. „Wie ist das nur möglich?“ „Seht euch nur den Mond an. Diese Strukturen sind absurd. Sieht aus wie…“, stotterte Weißberg aufgeregt. „Scheiß auf den Mond! Was ist mit uns? Was machen wir jetzt? Verfluchte Scheiße!“, brüllte Vandermeer verbittert und ließ sich in einen Sitz fallen. Nach und nach begriffen die Ersten die Zusammenhänge dessen, was sie sahen. „Wie lange waren wir denn weg? Das kann nicht sein. Hier stimmt doch was nicht.“ „Ja, hier stinkt’s gewaltig“, stimmte Barrow Susannah zu und begann den Mond zu scannen. „Unfassbar! Einfach unfassbar!“ „Immerhin leben wir noch“, brachte es Steven auf den Punkt. „Nur darauf kommt es im Moment an und wir sollten daran arbeiten, dass es so bleibt. Wir müssen jetzt genau überlegen, was wir tun werden.“ „Richtig“, betonte Susannah und versuchte die anderen durch neue Aufgaben abzulenken. „Wir sollten unsere Vorräte checken. Wasser, Sauerstoff, Lebensmittel. Ab sofort muss alles rationiert werden. Und dann suchen wir. Ich meine, irgendwo muss es noch was geben. Oder?“ „Und wenn nicht?“, meinte Caren leise und völlig aufgelöst. „Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben. Was bleibt uns sonst? Kopf hoch! Wir haben es schließlich bis hierher geschafft. Wir haben noch die Biosphäre.“ „Um was zu tun? Alles ist tot! Einfach alles!“, entgegnete Caren laut und rief das aus, was die meisten dachten. Ihre Verzweiflung war berechtigt. Erst jetzt verstand Susannah, was alle anderen offensichtlich längst begriffen hatten. Da sie keine Antwort und keinen Rat wusste, schwieg sie. Wie sollte sie einer ganzen Crew angesichts einer solchen Katastrophe Trost und Hoffnung spenden? Sie war kein verdammter Psychologe, konnte sie doch kaum ihre eigenen Gefühle bändigen. Susannah schluckte und suchte Beistand bei ihrem Mann, der regungslos am Fenster stand und die Scherben der Zivilisation betrachtete. „Um zu leben!“, ergriff Bone das Wort und führte zu Ende, was Susannah begonnen hatte. Dann nahm er Caren fest in seine Arme. „Ohne die Biosphäre haben wir keine Chance. Wir brauchen sie, so wie ich dich brauche.“ „Was meinst du, wie lange wir durchhalten werden? Glaubst du, dass wir überhaupt noch eine Zukunft haben?“, fragte Caren müde. Bone zögerte kurz. „Ich weiß nur, dass wir nicht aufgeben dürfen. Ich für meinen Teil werde nicht aufhören zu suchen. Die Biosphäre ist kein Ort, in dem wir alt werden, aber sie verschafft uns die Zeit, die wir brauchen, bis wir etwas Besseres finden.“ Bone drehte sich um und sprach zu allen. „Vielleicht gibt es Überlebende, eine Siedlung. Irgendwo da draußen. Wir müssen sie nur finden. Caren, du bist unsere einzige Hoffnung. Deshalb darfst du nicht aufgeben, okay? Halte durch! Für uns.“ Caren nickte skeptisch und hob ihre Mundwinkel, wie es die anderen von ihr erwarteten. Ein kurzes Lächeln verwandelte ihr Gesicht in pure Schönheit. Es war nur von kurzer Dauer. „Ich versuch’s!“ Deprimiert ließ sie sich auf den nächsten Stuhl fallen. „Die Sache hat nur einen Haken.“ Barrow erhob sich und stampfte den gerade gewonnenen Mut zusammen. „Wie soll uns unsere schöne Biosphäre von Nutzen sein, wenn wir sie gar nicht einsetzen dürfen, solange wir suchen? Ich meine: Eines geht nur. Und die Arche ist ein Kurzstrecken-Shuttle.“ „Vielen Dank für diese Information, Chad.“ Susannah blickte ihn strafend an und schüttelte den Kopf. „Was!?“ Jeder, der nur ein wenig von Biosphären verstand, wusste, wie sensibel solche Systeme waren. Der Erfolg hing von vielen Faktoren ab, ähnlich den natürlichen Faktoren, die auf der Erde zur Entstehung des Lebens führten. Zwei der wesentlichsten Grundbedingungen gab es nirgends mehr, genug Wärme und flüssiges Wasser. Es wäre absurd, die Transformation auf der Erde oder dem Mond einzuleiten. Es bedeutete den sicheren Tod und den Verlust jeder Fluchtmöglichkeit. Selbst Caren wusste es zu genau. Einmal zur Biosphäre aktiviert, gab es kein Zurück mehr für die Explorer. Die Umwandlung verwandelte das Schiff in eine permanente Station. Für eine Umkehrung wäre es dann zu spät. „Warum habt ihr mich geweckt? Ich wollte nach Hause und nicht diesen Albtraum. Ihr hättet mich weiter schlafen lassen sollen.“ Sadler ging teilnahmslos. Sie hatte genug gehört. Alles, was sie wollte, war vergessen. Ruhe kehrte ein. Zeit, die jeder brauchte, um die nächsten Schritte zu überdenken. Selbst das Schiff schien eine verdiente Verschnaufpause zu machen. Es war außerordentlich still an Bord. Keine piepsenden Signale, kein Triebwerksbrummen. Nachdenklich blickten Steven und Susannah aus den breiten Fenstern in die Ferne. Ihr Kinn auf seiner Schulter ruhend, umschlossen ihre Arme seinen Oberkörper. Die Hand nah am Herzen, spürte sie seinen Pulsschlag und schloss einen Moment ihre Augen, um sich an die guten alten Zeiten zu erinnern. Auch die anderen waren in Gedanken versunken, blickten hinaus und versuchten, den Sinn zu erfassen. Die Tür zur nächsten Sektion der Messe stand weit offen. Nur Weißberg hatte offenbar etwas Interessantes entdeckt, lauschte seinen aufgesetzten Kopfhörern und sah höchst beschäftigt aus. Messe, B-Deck Während sich fast die ganze Besatzung im vorderen Teil in rege Diskussionen vertieft hatte, saß Wullf einsam in der Messe und dachte nach. Ohne sich mit jemandem zu unterhalten, beobachtete er die Besatzung, sah Leute kommen und gehen und starrte an die Decke zu Virgel. Abwesend betrat Sadler die Sektion, ging an die Theke und füllte ein Glas Wasser. Entmutigt und erschöpft schluckte sie drei Tabletten auf einen Schlag. Erst als sie diese hinunterge-würgt hatte, bemerkte sie den Riesen, der am Tisch saß. „Na? Gar nicht bei den anderen?“, fragte sie im Vorbeigehen. „Ist eine muntere Gesellschaft da vorn.“ „Ich bin manchmal gern für mich allein.“ „Wollen Sie, dass ich verschwinde, oder darf ich mich setzen?“, blieb sie vor ihm stehen. Wullf streckte seine Hand aus und wies auf einen leeren Stuhl. „Und was halten Sie vom Ende der Welt?“ fragte sie mit ironischem Unterton. Einen Moment lang antwortete er nicht, sondern sah der früher sicher hübschen, reiferen Ingenieurin in die rot verheulten Augen. Er konnte sich nicht erinnern, sie schon einmal lachen gesehen zu haben. Offenbar hatte sie jede Hoffnung verloren und beschlossen, ihren Kummer mit Tabletten und Alkohol zu unterdrücken. „Ach, Sie reden wohl nicht so gern. Dann lasse ich Sie besser allein.“ Sadler erhob sich wieder und wollte gehen. „Foobar“, antwortete er knapp. „Was? Was soll das bedeuten? FOOBAR! Ihr Heinis vom Militär und eure beschissenen Codenamen.“ „Das bedeutet so viel wie schlimme Sache, verheerender Unfall, Fuck. Sowas in der Art.“ „Ja. Das ist wohl noch untertrieben.“ Sadler setzte sich erneut. Für eine Weile schwiegen sie gemeinsam und lauschten dem Gerede aus der angrenzenden Sektion. Sadler mochte den schweigsamen Riesen. Seine Gemütsfas-sung kam ihrer am nächsten. Kein Machogehabe, keine dummen Sprüche. Seine besonnene und ruhige Art gefiel ihr schon von Anfang an. Wenn er noch Hoffnung hegte, könnte sie es vielleicht auch. „Eigentlich wollte ich nicht mehr darüber reden oder nachdenken. Was meinen Sie, haben wir noch eine Chance? Irgendwo?“, fragte sie ihn erneut. „Ich bin genauso ratlos wie Sie. Vielleicht weiß das Ding da oben mehr.“ „Sie meinen das da? Virgel ist für visuelle Präsentationen gedacht. Reden müssen Sie mit IVI. Versuchen Sie ihr Glück.“ „Wie schalt ich das ein? Ich hab keine Bedienung“, erinnerte sich Aaron an den alten Professor. „Die brauchen Sie nicht. Spracherkennung. Sie hört Sie schon.“ „Okay.“ Wullf räusperte seine Stimme. „IVI?“ Nichts passierte, außer dass Sadler schmunzelte. „Das ist nicht PAM oder ihre Play-Station. Ich bin sicher, das können Sie besser.“ Er wusste sofort, wovon sie sprach. Umgangssprachliche Kommunikation zwischen der Besatzung und künstlicher Intelligenz hatte früher wiederholt zu Störungen und ungewollten Todesfällen geführt. Seither bestanden alle Behörden auf sachlich operierenden KIs ohne gesteigerte Lernkompetenz. Keine einzige Raumschiff-KI reagierte mehr auf Umgangssprache. „Klare Ansagen und Kommandos, dann klappt es auch. Das ist doch beim Militär so üblich, oder nicht?“ Wullf lächelte. Er hatte verstanden. „IVI? Aktiviere Virgel! Zeig uns unsere aktuelle Position!“ Sofort startete Virgel eine einfache Ansicht des inneren Sonnensystems. Wullf sah drei Planeten und ihre ovalen Umlaufbahnen. Am zweitnächsten Planeten zur Sonne blinkte eine Positionsmarke. Nichts erschien mehr so, wie er es einst gelernt hatte. „Da stimmt doch was nicht. IVI? Sind die Angaben korrekt? Die Erde ist der dritte Planet.“ IVI: „Daten entsprechen aktuellen Verhältnissen. Venus, Erde, Mars. Status von Merkur: Unbekannt.“ Virgel fügte sämtliche relevanten Beschriftungen hinzu. „Unbekannt? Was heißt das?“, grübelte Sadler. IVI: „Position von Merkur: Unbekannt. Nicht genügend Daten.“ Wullf erhob sich. Sein Interesse war erwacht. Von derartigen Veränderungen hatte er noch nichts gewusst. „Näher heran! Vergrößere die Umlaufbahn von Merkur.“ Augenblicklich zoomte die Animation zur ersten planetaren Umlaufbahn heran. Die unübersehbare dunkle Zone auf der Sonne überschattete das vollendete Schicksal des sonnennächsten Planeten. „Ist das …?“, stockte Sadler ahnungslos. „Ich fürchte ja. IVI? Analysiere das Trümmerfeld auf Merkurs Umlaufbahn!“ Virgel zoomte näher heran und visualisierte den Scan. Symbole des Periodensystems bildeten ein räumliches Balkendiagramm, welches die identifizierten Elemente nach Häufigkeit aufschlüsselte. IVI: „Analyse läuft. Hoher Anteil von 27 Prozent Eisen, 14 Prozent Nickel, 9,3 Prozent Silikate, 6,5 Prozent Feldspat …“ „Stopp! Stelle Masse der Trümmer in Relation zu Merkur!“ IVI: „Trümmer entsprechen ähnlicher Zusammensetzung wie Merkur. Analyse läuft. Ungenügende Daten. Auswertung nicht möglich.“ Der Computer mochte zwar präzise Analysen liefern können, doch die furchtbare Bedeutung erkannte er nicht. „Er wurde völlig zerstört. Vielleicht sind einige Teile in die Sonne gestürzt“, überlegte Wullf. „Merkur ist viel zu klein und zu weit weg. Das war die Sonne. Sehen Sie sich den riesigen Schatten an. Irgendwas ist dort passiert. IVI! Vergrößere den schwarzen Bereich auf der Sonne!“ Auch wenn sich Sadler vor den Antworten fürchtete, wollte sie es dennoch wissen. Virgel reagierte prompt und erstellte ein großes dreidimensionales Abbild der angeschlagenen Sonne. Die große schwarze Zone bedeckte fast ein Drittel des Sterns. „IVI. Scan den dunklen Bereich der Oberfläche. Was sehen wir da?“ IVI: „Irreparabler Schaden in der Konvektionszone und der Photosphäre. Oberflächentemperatur beträgt 470 Grad Celsius, Strahlungsintensität bei maximal 7,5 Prozent.“ „Irreparabel? Nein. IVI meinte für die nächste Zeit.“ Steven und Susannah traten durch das Schott und kamen näher. „Die Sonne wird sich erholen. Es dauert nur etwa 10.000 bis 100.000 Jahre, bis die Energie aus dem Kern die Oberfläche erreicht.“ „Wir wollten nicht stören“, entschuldigte sich Susannah. „Machen Sie nur weiter, Sergeant“, meinte Steven und nahm an einem der Tische Platz. Dies war die beste sich bietende Möglichkeit, alle über die aktuelle Lage zu informieren. Weitere Zuhörer gesellten sich zu Virgel und Wullf hinzu. „IVI? Zeige alle möglichen Ursachen für den schwarzen Fleck auf der Sonnenoberfläche!“, forderte Wullf und wartete. IVI: „Analyse läuft. Keine Informationen verfügbar.“ „Handelt es sich um riesige Sonnenflecken?“ IVI: „Negativ. Keine elektromagnetischen Feldlinien messbar.“ „War es ein Superflare?“ IVI: „Analyse läuft. Keine Informationen verfügbar.“ Wullf grübelte nach weiteren Fragen. „Es war eine Nova!“, konnte sich Steven nicht mehr zurückhalten. „Darf ich Sie unterstützen?“, fragte er höflich. „Bitte, Commander.“ Wullf trat dankend beiseite. „IVI. Zeig uns das ganze schematische Sonnensystem. Zeitpunkt: 2093. Blende alle Umlaufbahnen ein.“ Die Simulation erfolgte augenblicklich wie aus dem Handbuch eines Planetariums. Acht stabile Planeten. So kannte es jeder. „IVI? Aktualisiere die Animation! Zeitpunkt: Heute.“ Alle Umlaufbahnen verschoben sich in einer einzigen fließenden Bewegung von der Sonne weg. Chaos breitete sich aus. Die äußeren Planeten drifteten davon, während die anderen ihre gewohnten, fast kreisförmigen Bahnen gegen elliptische tauschten. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer gewaltigen Kollision kam. Vielleicht nicht morgen, sondern in Millionen von Jahren. Doch es würde passieren. „IVI? Zeig uns nun die Sonne. Zeitpunkt: 2093.“ Die alte Sonne drehte sich in gewohnter Pracht mitten im Raum und tauchte die Sektion in warmes gelbes Licht. Winzige Sonnenflecken zeichneten sich auf ihrer sonst makellosen körnigen Oberfläche ab. Alles schwieg und hörte zu. „IVI? Aktualisier die Animation. Zeitpunkt: Heute.“ Der Durchmesser reduzierte sich binnen Sekunden, als schrumpfe die Sonne zu einem anderen Stern. Auch die Farbe verdunkelte sich zu einem schwächeren Orange. Die schwarze Zone traf jeden ins Herz. Nur die wahre Tragödie hatten noch nicht alle begriffen. Steven fuhr fort. Er war diese Fragen schon mehrfach durchgegangen. „IVI? Welche gemeinsame Ursache kann alle Planetenum-laufbahnen verändern?“ IVI: „Planeten werden von der Gravitation ihres zentralen Gestirns auf Bahnen gehalten. Ändert sich diese, verlagern sich alle Bahnen.“ Virgels Animationen verdeutlichten es glasklar. „Und wie kann sich die Gravitation verändern?“, fragte Steven den Computer. IVI: „Gravitation steht im direkten Zusammenhang zur Masse eines Objektes. Ändert sich die Masse, verändert sich die Gravitation.“ „Um wieviel Prozent hat sich die Masse der Sonne seit 2093 verringert?“ IVI: „Analyse läuft. Der Masseverlust der Sonne beträgt 20,41 Prozent.“ „Ein Fünftel! IVI? Erstelle ein Szenario, in dem die Sonne 20 Prozent ihrer Masse verliert, alle Planeten ihre Umlaufbahnen verschieben, Merkur zerstört wird und die Erde gefriert. Wie wäre das hypothetisch möglich? Zeige das Ergebnis visuell.“ Steven trat langsam zur Wand zurück. IVI: „Erstelle Szenario ... Starte berechnete Sequenz.“ Susannah hielt sich die Hände vor den Mund und ahnte still, was gleich geschehen würde. Alle schwiegen. Virgel reproduzierte die vergangene wunderschöne Sonne, die sich plötzlich aufzublähen begann und mit einem Neutrinoblitz explodierte. Sie war nicht vollkommen zerstört, sondern stieß nur ihre äußere Hülle ab, die nun in einem furchtbaren Feuersturm auf Merkur zuraste, diesen erfasste und in Stücke riss. Die Druckwelle raste weiter zur Venus und zur Erde, tobte über beide Planeten hinweg und fegte die größten Teile ihrer Atmosphären hinfort. Nichts blieb verschont. Weder der Mars, der Jupiter noch der Saturn. Die Planeten entfernten sich, bis schließlich die Meere der Erde gefroren. „Stopp!“ Steven sah in fassungslose Gesichter. „O Gott!“ „Wie lange ist das schon her?“, fragte Braun gefasst. „Wissen wir noch nicht“, antwortete Bone. „Aber wie konnte es dazu kommen? Wer würde so etwas Schreckliches tun?“, wollte Rivetti wissen. „Dazu solltet ihr noch eines verstehen. IVI? Gibt es eine natürliche Ursache für die Nova unserer Sonne?“ IVI: „Negativ. Natürliche Novae entstehen ausschließlich im Endstadium eines Sternenlebens oder in eng umlaufenden akkretierenden Mehrfachsternsystemen.“ „Was wollen Sie uns damit beweisen, Commander? Dass es nicht natürlichen Ursprungs war?“, fragte Braun. „Ganz genau. IVI? Welche Schlussfolgerung ergibt sich, wenn es keine natürliche Ursache war?“ IVI: „Menschliches Versagen. Die Nova wurde künstlich herbeigeführt.“ „Sie sprechen von Absicht, einem Angriff oder einem Anschlag.“ „Oder einem Unfall. Von wem auch immer.“ Steven wandte sich ab und blickte hinaus. „Das ist doch Wahnsinn!“, tönte es aus den Reihen der Marines. „Was machen wir denn nun?“ Das gezeigte Szenario hatte allen die Sprache verschlagen. Dennoch musste es stimmen. Jeder konnte es mit seinen eigenen Augen sehen. Wut, Trauer und Verzweiflung lagen in der Luft. War dies das Ende? „Eine Frage: Wann ist heute? Wie lange waren wir wirklich weg? Das kann doch alles gar nicht sein“, haderte Rivetti mit ihrem Schicksal. „Na, glaubt ihr mir jetzt?“, streute auch Caren noch Salz in die Wunden. War sie etwa die Einzige, die die Wahrheit erkannte? Sie konnte es genau sehen, wie alle grübelten und nachdachten. Sie wusste es besser. Gerade, als sie die elende Zusammenkunft verlassen wollte, kehrte Steven dem trostlosen Ausblick den Rücken. „Hört mir zu!“, ergriff er das Wort. Nach reiflichen Überlegungen der bereits erwähnten Optionen war es Zeit, etwas zu unternehmen. „Wenn wir überleben wollen, werden wir uns trennen müssen. Wir brauchen Vorräte, Treibstoff, einfach alles, was wir finden können. Partner, es wird Zeit, unser Baby zu lüften“, stieß Steven Bone an. „Endlich! Das ist die beste Idee des Tages“, antwortete dieser entschlossen. Auch er hatte das Rumsitzen satt. „Freu dich nicht zu früh. Diesmal bin ich dran. Du übernimmst hier das Kommando!“ „Wohin willst du?“, fragte Susannah besorgt. „Zur Erde. Auf die Oberfläche.“ „Ich komme mit!“, antwortete sie ohne eine Sekunde zu zögern. „Nein, Sue! Ich brauch dich hier an Bord. Ihr werdet euch den Mond vornehmen. Sucht nach…“ „Vergiss es! Mein Platz ist an deiner Seite. Wo du hingehst, werde auch ich hingehen.“ „Nein! Es ist nicht genug Platz im Gleiter. Wir werden nur ein paar Stunden fort sein und bald wiederkommen. Ich brauche dich genau hier, bei den anderen. Hilf ihnen so gut du kannst und kümmere dich um die Rationierung der restlichen Vorräte. Du bist die Einzige, die darin Erfahrungen hat.“ „Ich sitz ungern auf der Ersatzbank“, meinte Bone. „Du kriegst deine Chance. So wie ich das sehe, haben wir eine Menge versäumt. Mehr, als uns lieb ist. Ich will endlich Antworten und wissen, was hier passiert ist. Das wollen wir doch alle, oder nicht? Danach suchen wir eine Lösung für unser Problem! Die Biosphäre ist unsere aller letzte Option. … Chad, check die Treibstoffreserven, die wir noch haben, und Sadler soll…“ Plötzlich begann Caren krankhaft zu lachen, um anschlie-ßend in einem Anfall herumzuschreien. „Wir gehen nirgendwo hin. Seht euch doch um, es gibt nichts mehr!“, schrie sie voller Verzweiflung. Wie ein Skalpell durchschnitt ihre klagende, lachende Stimme die letzten Drahtseile von Stevens Nerven. „Halt den Mund! Schluss jetzt mit dem ganzen Pessimismus! Ich ertrage das Gejammer nicht mehr! Wir sind nicht 20 Lichtjahre geflogen, um jetzt aufzugeben. Wir werden das zusammen durchstehen und wir werden überleben! Hast du das kapiert? Reiß dich zusammen!“, sah er Caren direkt an. Am Rand des Wahnsinns schüttelte diese lachend und weinend ihren Kopf. In ihr schien jegliche Hoffnung und Vernunft erloschen zu sein. „Steven!“, rief Susannah erschrocken. Auch der Rest der Crew schwieg angesichts seines rohen Umgangs. Es blieb ihnen auch nichts anderes übrig. Niemand wollte sterben, niemand in der noch so trostlosen Aussicht aufgeben. Für die Meisten schien jedoch eines klar zu sein. Die Reserven, die alle an Bord zum Leben brauchten, waren begrenzt und würden nur noch für kurze Zeit ausreichen. Ein paar Monate, maximal, vielleicht aber auch nur wenige Wochen. Entweder würden sich alle im Kampf um die letzten Nahrungsmittel in einem Blutrausch der Anarchie gegenseitig umbringen, oder jeder müsste sein Bestes auf der Suche nach neuen Reserven geben. Es war eine Frage der Opferbereitschaft, doch es war ebenso abzusehen, dass nicht alle am selben Strang ziehen würden. In jeder Gruppe gab es mindestens ein schwarzes Schaf. „Bin gespannt, wie es unten aussieht“, meinte Vandermeer zu den anderen. „Ich muss endlich raus aus dieser Drecksschüssel.“ „Sie werden es erfahren, wenn wir wieder zurück sind“, antwortete Steven bestimmt. „Bone? Bereite bitte die Arche für den Start vor!“ „Bin schon dabei.“ „Und wer bestimmt, wer mit zur Erde fliegt und wer zum Mond? Sie?“, fragte Vandermeer mit trotzigem Unterton. Steven ignorierte die unterschwellige Provokation. Seit seiner ersten Begegnung war ihm Vandermeer negativ und großmäulig aufgefallen. „Hey! Ich hab Sie was gefragt!“ „Wiederholen Sie Ihre Frage, Viktor!“, forderte Steven und tat, als hätte er die erste Frage überhört. Vandermeer trat dichter an Steven heran, um seine Größe zu demonstrieren. Seine Miene verwandelte sich zu Stein. „Ich fragte, wer hier bestimmt, wer zur Erde und wer zum Mond fliegen wird. Sie etwa?“ „Allerdings! Haben Sie noch weitere Fragen?“ „Sie haben mir gar nichts zu befehlen!“, drohte Vandermeer. „Sind Sie fertig?“, wurde auch Steven bestimmter. „Ich werde mit zur Erde fliegen!“ „Werden Sie nicht! Sie schützen das Schiff, besetzen die Abwehrmaßnahmen und helfen hier an Bord!“ „Wovor denn schützen? Hier ist nichts!“ „Hören Sie mir genau zu! Widersetzen Sie sich weiter meinen Befehlen, sperre ich Sie weg und Sie verbringen die restliche Zeit in Gewahrsam! Wegtreten!“ Van Heusen flüsterte Vandermeer leise Worte ins Ohr, zog ihn sachte zurück, doch er riss sich wieder los. „Ach, ich hab es satt, dass andere über mich bestimmen! Aufgeblasenes Arschloch!“ Bone stand zur rechten Zeit am rechten Ort, als seine Hand Stevens Oberarm packte und ihn ebenfalls zurückzog. Ein einziges falsches Wort konnte die explosive Stimmung entzünden. Gereizt sahen Steven, Susannah und Bone den beiden verschworenen Marines hinterher. „Bleib cool! Lass ihn links liegen! Der fängt sich schon wieder. Irgendwo kann ich die Jungs verstehen“, meinte Bone gelassen. Doch Steven hatte eine gänzlich andere Meinung. „Wir müssen aufpassen. Eines Tages wird er uns alle in Gefahr bringen. Dieser Kerl ist eine tickende Bombe.“ „Ich kann ihn auch nicht ausstehen…“, ergänzte Susannah angewidert „… aber er ist nun mal an Bord. Versuchen wir mit ihm auszukommen.“ Steven nickte zustimmend und sah zum Horchposten der Explorer hinüber, an dem sich zunehmend eine Traube bildete. Erst jetzt registrierte er Barrow, der kurz zuvor klare Anweisungen bekommen hatte, den Treibstoff zu checken. Stattdessen schien er aufmerksam dem Kopfhörer auf seinem Kopf zu lauschen. „Okay, ich bin neugierig. Was habt ihr herausgefunden? Gibt es Überlebende?“ Barrow nahm seinen Kopfhörer ab und verneinte stumm. „Nur ein weiteres Puzzlestück. Aber ein sehr interessantes. Hier!“ Auffordernd streckte Barrow die Hand mit dem Kopfhörer aus. „Was ist es? Sagt schon!“, forderte Steven ungeduldig auf, als gebe es keine Zeit für sinnlose Vergeudung. „Hör selbst!“, forderte Chad auf und streckte ihm den Kopfhörer entgegen. Er und Weißberg waren sich einig. Wenn noch jemand zu demselben Schluss kommen sollte wie sie, würde sich ihre Theorie vielleicht bewahrheiten. Der Commander sollte sich selbst ein Bild von dem unglaublichen Beweis machen. Er nahm den Kopfhörer und setzte ihn auf. „Okay, lasst hören!“ Barrow nickte kurz mit dem Kopf und spielte die aufgefan-genen Aufnahmen ab. Alle hielten inne und warteten. Steven presste den Kopfhörer dichter an seine Ohren und gab Zeichen die Lautstärke zu erhöhen. Erneut verstrichen Sekunden der Stille, bis er schließlich die Kopfhörer absetzte. „Was soll das sein?“ „Ich erhöhe jetzt die Geschwindigkeit um den Faktor 250“, erwiderte Barrow und spielte die Aufnahme erneut ab. Steven lauschte ein weiteres Mal und öffnete plötzlich die Augen. „Das ist Arkov!“ „Hören Sie weiter zu! Das ist total irre. Das müssen Sie sich anhören!“, riet ihm Weißberg aufgeregt, als hätte er die Entdeckung des Jahrhunderts gemacht. Steven schloss die Augen und konzentrierte sich auf die schlechte Aufnahmequalität, die viele Störungen und Frequenzschwankungen aufwies. Je aufmerksamer er lauschte, umso mehr begriff er, dass er gerade Arkovs Todeskampf hörte. Der alte Mann sprach mit sich selbst. „Schalt das auf die Lautsprecher!“ Steven nahm die Hörer von seinem Kopf und beugte sich vor. Die Aufnahme klang intensiv, einsam, als wäre Arkov noch unter ihnen. Frequenzspitzen störten das empfangene Signal. „Diese Stille. Empfange keine Signale mehr. Meine Scanner zeigen nichts mehr an. Ich hoffe, ihr habt es geschafft! Sonst werdet ihr mir bald folgen. Ich scheine in eine Rotation geraten zu sein. Es gibt kein Zurück mehr.“ Arkov schien starke Schmerzen zu haben, während er um Luft rang. Dann kam starkes Rauschen. Sekunden des Schweigens vergingen, bis er wieder seine ausgedehnten Worte hörte. Weißberg regelte etwas nach. „Was zum Teufel ist das? … Unglaublich. So etwas sieht man nicht alle Tage. So helle Sterne. Fantastisch. Darum wird mich jeder beneiden.“ Gerade als Steven etwas sagen wollte, deutete Chad auf die Geschwindigkeit der Wiedergabe hin. Computerberechnet stieg diese mit zunehmendem Tempo an und überschritt mittlerweile bereits Faktor 810. „Hör weiter hin und pass auf!“ Steven starrte auf die steigende Werte, während er den Zusammenhang zu erfassen versuchte. Arkovs Stimme dehnte sich weiter. „Waaaaas …“, schrie Arkov plötzlich und keuchte. „Gott, was war das? Sie sind explodiert!“ Brechgeräusche voller Schmerzen erfüllten die Lautsprecher. Der Luftkreislauf des Anzuges schien hörbare Schwierigkeiten mit dem Erbrochenen zu haben. Deutlich waren blubbernde Geräusche zu vernehmen. „Mach schon!“, röchelte Arkov fast schon unverständlich. Jeder konnte den hoffnungslosen Überlebenskampf regelrecht spüren. Die laute Aufzeichnung zeugte vom schweren hastigen Ringen nach Luft und schmerzvollem Gestöhne. Steven schaute erneut auf die Anzeige der Geschwindigkeit, die jetzt bei unglaublichen 2700 lag und immer schneller beschleunigte. „Hier endet die Aufzeichnung“, stoppte Weißberg die Wiedergabe. Steven überlegte und kam nur zu einem Schluss. „Seid Ihr sicher? Sind die Daten korrekt?“, fragte er Barrow, der einige Knöpfe betätigte und ein Video von Arkovs Helmkamera in scheinbar schlechtestmöglicher Qualität abspielte, auf dem kaum mehr als Schwärze und Rauschen zu erkennen war. „Ihr habt sogar sein Videosignal aufgenommen?“, staunte Steven überrascht. Die Wiedergabe startete erneut. „Es war sehr schwach. Ich hab es passend zu den Funküber-tragungen synchronisiert. Zuerst dachte ich, da wäre nichts zu erkennen, aber dann. Das sind unglaubliche Aufnahmen.“ „Ich kann da nichts erkennen“, sagte Steven geduldig und starrte weiterhin auf den dunklen Bildschirm. Dann drehte der Bildausschnitt und Arkov blickte in superhelle Sterne, die das Rauschen mühelos durchbrachen. Die Qualität war schlecht, und doch erschien es ihm, als schwenkte der Alte unkontrolliert hin und her, hektisch und ängstlich suchend. Noch einmal hörten sie die Stimme des Professors. „Was zum Teufel ist das? … Unglaublich. So etwas sieht man nicht alle Tage. So helle Sterne. Fantastisch! Darum wird mich jeder beneiden.“ Steven meinte, fast einen Ton der Freude und Bewunderung in Arkovs Stimme zu vernehmen. Nun ergaben diese Worte durchaus einen Sinn. Da auch in Stevens Innern ein kleiner Wissenschaftler schlummerte, konnte er den Gefühlsausbruch des alten Mannes nachvollziehen, auch wenn er beileibe niemals tauschen würde. Gerade als er nachdachte, was das für ein unglaublicher Anblick sein musste, überstrahlte ein greller Blitz das Bild, gefolgt von einer sich wahnsinnig schnell ausbreitenden Schockwelle. „Waaaaas …“, wiederholte sich Arkovs letzter Kampf. „Gott, was war das? Sie sind explodiert!“ Binnen Sekunden war alles verschwunden und die Sterne leuchteten heller als zuvor, als schließlich ein zweiter schnellerer und weit entfernter Blitz folgte. Kaum war dieser verschwunden folgte schon der Dritte, der sich am schnellsten verflüchtigte. „Mach schon!“ Arkov röchelte verkrampft. Während alle Anwesenden das grauenvolle Sterben Arkovs auf dem Monitor betrachteten, nahm die Helligkeit der Sterne proportional zu der Abspielgeschwindigkeit zu. Die Bilder ließen keinen Zweifel offen. Dann fror das Bild ein. „Das ist alles. Mehr haben wir nicht retten können“, meinte Weißberg betroffen und drehte sich nachdenklich um. „Sag uns, was du denkst!“, wollte auch Chad wissen. Je länger Steven nachdachte, umso schlimmer wurde die Konsequenz, mit der er keine Sekunde zuvor gerechnet hatte. Jedenfalls nicht in diesem Ausmaß. Den Blick auf die vereiste Erde gerichtet, begann er schließlich laut zu denken. „Sind Bild und Ton synchron? Keine Verschiebung?“, fragte Steven. „Hundertprozentig synchron“, stimmte Barrow nickend zu. „Drei Blitze. Drei Bomben. Das waren wir? Wir haben diese Signale aufgefangen, als wir schon dem Schwarzen Loch entkommen waren. Und diese Signale haben uns eingeholt, als wir bereits im Tiefschlaf die Rückreise antraten. Arkov war da schon lange tot und trotzdem lebt er länger, als wir alle noch leben werden. Stimmt das in etwa so?“ „Vollkommen richtig“, bestätigte Barrow trocken, kaum mehr in der Lage, seinen eigenen Speichel zu schlucken. Sein Kehlkopf tanzte auf und ab. „Häää? Das ist doch Bullshit!“, rief Vandermeer irritiert. Unverständnis sprach aus seinem Gesicht. Mit zusammengezo-gener verrunzelter Stirn wandte er sich den anderen zu. „So ein gequirlter Schwachsinn!“ „Das ist kein Schwachsinn, sondern ein klarer Beweis der Krümmung von Raumzeit durch starke Gravitation“, korrigierte Barrow erneut. „Erklären Sie uns den Scheiß!“, forderte Vandermeer, da er wie alle anderen wissen wollte, was hier vor sich ging. „Sie haben es doch eben selbst gesehen und gehört. Die Videoaufnahmen belegen in Sekunden, wofür wir noch Stunden benötigt haben. Diese Blitze stammen von unseren Bomben, die wir zündeten. Obwohl Arkov nur Minuten zu leben hatte, hat er unsere ganze Flucht aufgenommen.“ Barrows Stimme senkte sich. „Tja, dann ist Arkov jetzt wohl ein berühmter Mann“, lachte Van Heusen hämisch und unpassend. Plötzlich verspürte er einen dumpfen Schmerz. Als er sich umdrehte, um den lebensmüden Unbekannten, der es wagte, ihn zu schlagen, eine auszuwischen, starrte ihm Rivetti mit grimmiger Miene direkt ins Gesicht. Obwohl sie viel kleiner war als er, respektierte er sie wie kaum jemand aus seiner Einheit. Angesichts ihrer Enttäuschung über seine unbedachten Worte verstummte sogleich jeglicher Zorn über den Schlag in seinen Rücken. „Lass die Witze! Du bist manchmal so ein Arschloch!“ „Schon gut. Ich meinte es nicht so“, versuchte er sich zu entschuldigen. Doch der strafende Blick Rivettis traf ihn weiter. „Ich mochte Arkov. Wir wären viel besser dran, wenn er noch bei uns wäre.“ „Nur ist er vollkommen umsonst draufgegangen.“ „Nein“, widersprach Barrow. „Genau genommen ist er noch nicht mal tot. Aus unserer Sicht lebt er sogar noch in diesem Moment.“ „Und er fällt und fällt“, fügte Bone verstehend hinzu. „Was reden Sie da für einen Mist?“, reagierte Vandermeer über, ohne richtig hinzuhören. Ihm war das alles längst zu viel. „Das ist kein Mist. Wir sprechen von Zeitdilatation.“ „Genau. Sie sollten mehr Dankbarkeit zeigen. Der Professor hat uns allen mit seiner Entscheidung das Leben gerettet und uns vor dem gleichen Schicksal bewahrt. Wir können froh sein, dass wir noch entkommen konnten. Wir waren verdammt nah dran.“ „Ich fürchte sogar, zu nah. Und zu lange. Die Zeitverschie-bung betraf nicht nur ihn, sondern auch uns. Hab ich recht?“ Bone verstand es endlich. Er schaute hinaus. Es war offensichtlich. „So ist es. Wie sehr wir betroffen sind, werden wir bald sehen“, Barrows Worte klangen wie eine drohende Prophezeiung. „Wir sind doch jetzt schon im Arsch“, fluchte Vandermeer. „Ja, wir sind kein bisschen besser dran“, vertrat Van Heusen die gleiche Meinung. Ihre Worte verbreiteten nur mehr Angst. „Schluss damit! Diese Diskussion und Mutmaßungen bringen uns nicht weiter, meine Herren!“ Colonel Braun trat entschlossen vor. „Wir müssen einen klaren Kopf behalten! Streitereien und unüberlegte Handlungen können wir uns nicht mehr leisten! Sind wir uns da einig?“ „Was sollen wir denn Ihrer Meinung nach tun?“, fragte Vandermeer herausfordernd, gleichermaßen explosiv geladen wie Van Heusen. „Wir tun genau das, was Commander Cartright vorgeschla-gen hat! Wir trennen uns und finden heraus, was hier passiert ist! Mit etwas Glück finden wir eine Lösung. Oder wollen Sie lieber aufgeben?“ Brauns letzte Worte stachen in die Herzen der Soldaten. Harte Burschen wie Vandermeer und Van Heusen waren Kämpfernaturen, wie sie in den Geschichtsbüchern standen. Sie waren genau aus dem Holz, aus dem auch Helden geschnitzt wurden. Vielleicht standen sie schon längst in irgendwelchen verstaubten Büchern. Vergessen. Marines gaben niemals auf. Braun sah sich schweigend um. Seine Frage stand noch immer unbeantwortet im Raum. „Danke“, entgegnete Barrow zufrieden und starrte auf den pausierenden weißen Monitor. „Chad?“, sprach eine weibliche Stimme zurückhaltend, als hätte sie Angst, eine Lawine auszulösen. „Ich weiß, ihr wollt es nicht hören, aber ich für meinen Teil muss es wissen. Welche Auswirkungen hatte das Schwarze Loch genau auf uns?“, wollte Susannah wissen und stieß endgültig in die richtige Richtung der Erkenntnis vor. „Ich dachte, das wäre offensichtlich“, stutzte Bone. „Ich will es klar und deutlich hören, Chad! Was ist mit uns passiert? Reden wir nicht länger um den heißen Brei herum!“ Alle Blicke richteten sich gespannt auf den Bordingenieur, der sich der Aufgaben des Professors angenommen hatte. Das Limit schlechter Nachrichten schien indessen längst überschritten zu sein. Warum musste er sich auch so weit aus dem Fenster lehnen? „Okay“, stieß Barrow kurz mit leiser fast zittriger Stimme hervor. „Ich versuche es euch schon die ganze Zeit zu erklären“, sprach er weiter. „Dann sag es uns!“, erwiderte Susannah ruhig und gefasst. „Scheiße! Von was zum Teufel reden Sie da?“, rief Vandermeer laut und verfluchte den Tag seiner Einberufung zu den Streitkräften. Sein Groschen war noch immer nicht gefallen. „Wir konnten doch entkommen.“ Die unterschwellige bedrückende Stimmung ließ erahnen, dass die wirklich harte Nachricht erst jetzt folgen sollte. Ohne sich vom Monitor abzuwenden, unternahm Barrow einen Versuch, die Misere zu erklären. „Es ist schwierig zu begreifen. Ich verstehe selbst nicht alle Zusammenhänge. Große Masse beeinflusst nicht nur den Raum, sondern auch die Zeit. Wir waren vielleicht viel dichter am Schwarzen Loch, als es uns bewusst war. Im Kern der Singularität eines Schwarzen Loches krümmt sich die Raumzeit auf einen einzigen Punkt. Arkov hat uns einen sichtbaren unwiderlegbaren Beweis geliefert, dass Größen wie Hawking und Mienströme Recht hatten. Und wir sind in dieses Phänomen hineingeraten. Zwar nicht so weit wie Arkov und ja, wir konnten wie durch ein Wunder entkommen. Dennoch hatte uns die Gravitation zu lange im Würgegriff.“ Barrow hielt inne und dachte nach. „Und? Nur weiter!“, drängelte Braun ungeduldig. Auch die anderen verlangten nach klareren Aussagen, doch Susannah beruhigte alle Anwesenden mit einer Fingerbewegung auf ihre Lippen. „Chad, du machst das gut! Mach weiter!“ Der Wahnsinn in seinem Kopf ließ sich kaum in begreifbare Worte fassen. Nach einigen Gedankengängen sprach er weiter. „Für Arkov reichten Minuten, um direkt in die Singularität zu fliegen. In diesen Minuten erlebte er die gesamte Zukunft unserer Galaxis. Für ihn lief die Zeit normal, aber wir sahen es aus einem anderen Zeitgefüge. „Die Zeit lief schneller? Oder langsamer? Wie geht das?“ Auch für Rivetti waren Barrows momentane Gedanken nicht nachvollziehbar. Marines waren keinesfalls dumm, jedoch hatten sie weniger wissenschaftliche Nachhilfestunden genossen. Ihre Profession lag in anderen Bereichen der menschlichen Natur, der Kriegskunst. „Ich bin zwar kein Experte, aber kann ich versuchen, es zu erklären?“, fragte Bone. Barrow nickte dankend zurück. „Es gilt als erwiesen, dass Gravitation jeglicher Art, Einfluss auf die Zeit hat. Vielleicht erinnert sich einer von Ihnen an die Experimente mit den Atomuhren.“ Bone sah sich um. Einige nickten mit den Köpfen, andere wussten nicht, wovon er sprach. „Das Maryland-Experiment. Genau“, stimmte Barrow blitzartig zu. Wieso war ihm das nicht gleich eingefallen. „Was hat es damit auf sich?“, forderte Susannah. „Nun, die Theorie ist älter als die Raumfahrt. Ich weiß nicht, wer es als erster behauptet hatte, vermutlich Einstein, vielleicht war es auch früher“, wusste Bone nicht genau. „Die Atomuhren lieferten jedenfalls den eindeutigen Beweis, dass Gravitation die Zeit beeinflusst. Dazu ließen sie vorher exakt ausgemessene Atomuhren in Flugzeugen kreisen, die sie später mit denen am Boden verglichen. Die Uhren liefen vorher immer gleich. Jahrelang. Nach dem Experiment gingen die Uhren aus den Flugzeugen vor. Zwar nur minimal, im Nanosekundenbereich, aber messbar. Versteht ihr? Wir haben unfreiwillig das gleiche Experiment wiederholt, nur mit extremer Auswirkung. Als wir von der Gravitation des Schwarzen Loches eingefangen worden waren, hatten wir uns unwissentlich in ein anderes Zeitgefühl verlagert. Wir haben es nicht einmal gemerkt und verschlafen. Wie Barrow schon andeutete, verging die Zeit für uns ganz gewöhnlich. In dieser Situation haben wir uns vermutlich jahrzehntelang dem Orbit des Schwarzen Loches genähert. Also dem ständig schwankenden Einfluss der Gravitation ausgesetzt. Für uns war die Zeit normal, jedoch verlief sie langsamer als im Zeitgefüge von geringerer Gravitation wie hier in unserem Sonnensystem oder auf der Erde. Versteht ihr?“ Bone sah an den entsetzten Gesichtern, dass die Meisten es begriffen hatten. Dann fuhr er unmissverständlich fort, hoffte aber innerlich, dass er Unrecht hatte. Den unstillbaren Hunger in seinem Bauch spürte er kaum noch. Die hoffnungslose Situation hatte seinen Magen ohnehin verkümmern lassen. „Da wir nicht der maximalen Gravitation ausgesetzt waren, konnten wir noch entkommen und der Zeitunterschied ist nicht so enorm wie bei Arkov. Im Vergleich zu ihm hatten wir Glück im Unglück. Wir waren weiter weg, spürten nichts von der gefährlichen Auswirkung. Nur verbrachten wir dort leider viele Jahre.“ Van Heusen faltete die Hände hinter seinen Nacken und schüttelte den Kopf, als wolle er kein Wort glauben. „Reden wir hier gerade von Zeitreisen? Wir sitzen in einer beschissenen Zeitmaschine, ohne es zu wissen?“ Barrow nahm einen Schluck Wasser aus einer Flasche, um wieder das Wort zu ergreifen. Ein Kloß steckte tief in seinem Hals. „Ja, könnte man so sagen. Nicht das Schiff hat das getan, sondern die Gravitation. Im Innern der Singularität potenziert sich die Zeitkrümmung ins Unermessliche. Arkov hat am Ende in einer Sekunde vielleicht mehrere Jahrtausende oder Jahrmillionen erlebt. Deswegen lebt er aus unserer Sicht sogar jetzt noch. Unser großer Abstand hatte weit geringere Auswirkungen. Entscheidend ist jedoch, dass wir sehr lange Zeit im Orbit gefangen waren. Selbst wenn in jeder unserer Sekunden auf dem Schiff nur fünf Sekunden auf der Erde vergangen sind, können Sie sich die Auswirkung ausmalen. Vielleicht waren es aber auch Minuten.“ „Merde!“ Mehr brachte Braun nicht über seine Lippen. Erschlagen von der Wucht der Nachricht ließ er sich in den nächstbesten Stuhl fallen. Sekunden dort, Minuten hier. „Wie viele Jahre sind denn vergangen? Lässt sich das ausrechnen?“ Susannah quälte die Ungewissheit, als ob das zuletzt Gesagte nicht schon längst reichen würde. „Chad?“ „Ich weiß es nicht. Die Krümmung war nicht messbar. Es gibt keine Anhaltspunkte. Es könnten Jahrhunderte oder tausend Jahre vergangen sein. Ich weiß es nicht.“ „Ich glaub das nicht“, sprach Vandermeer leise vor sich hin und schüttelte ungläubig den Kopf. „Verfluchte Scheiße!“ „Seht euch doch um! Dann wisst ihr, dass es wahr ist.“ „Gibt es eine Möglichkeit, es genau zu berechnen? Die Sterne stimmen doch noch oder vielleicht über die Plattentek-tonik der Kontinente. Das muss doch noch vorhanden sein. Wir müssen nur die Basisdaten heranziehen und vergleichen. Wenn wir die Ausdehnung messen, müssten wir ungefähr die Zeit errechnen können. Einige Zentimeter pro Jahr und dann …“ Susannah versuchte erneut, die Umrisse der Kontinente unter dem Eis auszumachen. Steven hielt Susannah an der Hand fest und zog sie zu sich heran. „Wozu willst du das unbedingt wissen? Lass es! Es ist nicht zu ändern. Hilf den anderen, es zu verarbeiten!“ „Ich muss es wissen, Steven“, sprach sie übernervös und ebenso verstört. „Was ist mit mir? Ich muss es selbst verarbeiten.“ „Sie brauchen dich! Fast alle stehen unter Schock.“ „So wie ich. Ich muss einfach! Woran soll ich sonst noch glauben? Lass mich einfach!“ „Okay. Wie du willst.“ Steven ließ ihre Hand los und sah ihr nach, wie sie zur zweiten freien Sensorenphalanx hastete. Mit eisernem Willen hämmerte sie zielsicher auf die Tasten dem nächsten Schockergebnis entgegen. Auch Barrow ließ diese Ungewissheit nicht in Ruhe und ging ihr zur Hand. „Ich versuch es über die Sternenkonstellation.“ Ziellos blickte Steven durch die Sektion und beobachtete die Reaktionen der übrigen Mitglieder. Caren hatte während der letzten halben Stunde keinen Laut von sich gegeben. Tröstend nahm Bone sie in seine Arme und tat alles, um ihren offensichtlichen Schockzustand zu stabilisieren. So sehr sich Steven für das neu gewonnene Glück für Bone und Caren freute, durchfuhr ihn plötzlich ein erdrückendes Gefühl von Schuld, als trüge er allein die gesamte Verantwor-tung für das Schicksal aller an Bord befindlichen Menschen. Innerlich wie äußerlich schien seine Fassade von Stärke zu bröckeln. Kontrolle war eine Illusion. Fragen durchbohrten sein Gewissen, wieso er es zugelassen hatte, dass er Freunde und Familie bei diesem Himmelfahrtskommando mitgenommen hatte. Colonel Braun sah indessen auf die kalten Überreste der Erde. „Jetzt ergibt der Anblick einen Sinn“, murmelte er nachdenklich und versuchte, die unübersehbaren Spuren der Vernichtung in ein neues Weltbild zu pressen. Vielleicht versuchte er aber auch, die vernichtende Strategie des vergangenen Krieges zu verstehen, die zu diesem jämmerlichen Ende der alten Welt geführt hatte. Während Steven seine Blicke wieder auf Susannahs Bemühungen richtete, das ungefähre Jahr zu berechnen, erregte eine laute Diskussion seine Aufmerksamkeit. Einen Moment überlegte er innerlich, ob er der sinnlosen Konversation Gewicht schenken sollte, doch dann fokussierte er sein Gehör auf die lauten Stimmen der Marines. „… gibt es nicht!“, verneinte Wullf vollkommen sicher. „Warum nicht? Woher willst du das wissen? Bist du Physiker?“, bohrte Weißberg nach, der zwanghaft nach einem Ausweg suchte. „Warum soll es das nicht geben? Das Universum ist voll von Gegensätzen. Zu allem gibt es Gegenpole. Materie, Antimaterie, Dunkle Materie ist völlig unerforscht, Protonen und Elektronen. Singularitäten, Null-Gravitation. Warum soll es nicht auch negative Gravitation geben?“ „Vergiss es! Ich hab noch nie davon gehört“, erwiderte Wullf erschöpft. „Wo sollen wir danach suchen? Selbst wenn es das gäbe, würde es uns auch nicht helfen.“ Weißberg rannte wie von einer Hornisse gestochen auf und ab. Steven verstand langsam die Idee des eigensinnigen Marines, der mehr als die anderen seinen messerscharfen Verstand zu nutzen wusste. Seine Theorie schien Steven äußerst verlockend zu sein. Vielleicht würde es allen etwas Hoffnung spenden. „Wenn uns ein Schwarzes Loch mit maximaler Gravitation in die Zukunft bringen konnte, warum soll uns dann nicht negative Gravitation in die Vergangenheit bringen?“ „Ja warum nicht?“, dachte Steven leise mit und begann die Theorie scharf zu überdenken. Doch Wullf kam ihm bereits lautstark und überzeugend zuvor. „Das ist Unsinn! Zeit funktioniert nur in einer Richtung. Denk doch mal nach! Das Schwarze Loch verlangsamt die Zeit, während sie außerhalb schneller läuft. Negative Gravitation, sollte es sie geben, könnte vielleicht umgekehrt verlaufen. Die Zeit würde dort beschleunigt werden, während sie außerhalb langsam vergeht. Das ändert jedoch nichts an der Richtung der Zeit. Ob sie nun langsamer, normal oder schneller vergeht. Es funktioniert nicht in die Vergangenheit. Sorry, aber das ist eine Einbahnstraße.“ Weißberg nickte und schwieg einen Moment lang, ehe er sich weiter auf der Suche nach Hinweisen in der Datenbank umsah. „Es muss eine Möglichkeit geben, um hier wegzukommen.“ „Beruhig dich, Mann! Wir finden einen Weg.“ Wullf schien sich gegenüber dem Rest der Besatzung am meisten Fassung zu bewahren. Er dachte stillschweigend nach und strahlte innerliche Ruhe aus, als hätte er sich bereits mit der Situation abgefunden. Gleichzeitig wirkte er dennoch nicht so verloren, wie es Weißberg offen auslebte. Ermutigend klopfte Wullf seinem bleichen Kamerad auf die Schulter, um ihn aufzubauen. Steven lächelte kurz. Es war ein gutes Zeichen, eine Geste voller Hoffnung. Trotz der ausweglosen Lage schien das Team zumindest teilweise zu funktionieren. Steven wusste jetzt, dass er möglichst schnell handeln musste und wandte sich Colonel Braun zu. „Colonel? Es wird Zeit aufzubrechen. Sammeln Sie Ihre Männer für einen Ausflug! Wir treffen uns in einer Stunde im Hangar. Treffen Sie alle Vorbereitungen!“ „In Ordnung. Wir werden bereit sein.“ Eilig überarbeitete Steven einige Namen auf einem Pad und überreichte es Braun. „Hier, eine kleine Liste der Personen, die ich gern dabei hätte. Wir fliegen zu sechst.“ Flüchtig überflog Braun die Liste und bemerkte, dass es mehr als nur eine Aufstellung der Crew für die Arche war. Die Liste beinhaltete explizite Namen derer, die nicht zur Erde fliegen sollten. „Sind Sie ganz sicher, Commander?“, fragte Braun. „Absolut! Ich will ihn nicht dabei haben?“ „Wie Sie meinen.“ „Geben Sie ihm eine sinnvolle Aufgabe an Bord.“ Steven drehte sich um und ging zu Susannah. „Komm! Wir haben eine Stunde!“


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