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Science Fiction
Buch Leseprobe Erbe des Imperiums, Cliff Allister
Cliff Allister

Erbe des Imperiums



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Kendora, Zentralplanet des Kendorianischen Imperiums


Der Gedanke, dass er noch heute Nacht sterben würde, erschien ihm fast surreal. Er verspürte merkwürdigerweise keinerlei Angst; nur ein Gefühl ungläubigen Erstaunens, frustrierender Ohnmacht und gewaltiger Verärgerung.


Mit auf dem Rücken verschränkten Armen stand er vor dem großen Panoramafenster seines Arbeitszimmers im kaiserlichen Palast und blickte auf den tief verschneiten imperialen Park. Die beiden Vollmonde standen dicht nebeneinander knapp über den kahlen, schneebedeckten Wipfeln der Bäume am wolkenlosen Nachthimmel. Der riesige, weiter entfernte Eismond Alkira und der kleinere, auf einer engeren Bahn kreisende Wüstenmond Erxes schufen mit ihrem blauen und roten Licht bizarre farbige Schattenspiele im jungfräulichen Schnee. Durch eine Laune der Natur erschienen sie von der Planetenoberfläche exakt gleich groß. In wenigen Stunden würde es zur seltenen, vollständigen Überdeckung Alkiras durch den kleineren Mond kommen. Er fragte sich, welches der beiden Ereignisse wohl früher eintreten würde - sein Tod oder die aufgrund der unterschiedlichen Umlaufbahnen nur alle 283 Jahre auftretende 'Blutnacht', wenn Alkiras blaues Leuchten erlosch, und alles nur noch in den blutroten Schimmer des Wüstenmondes getaucht war. Es ist eine passende Nacht zum Sterben, dachte er.


Zwischen den Bäumen konnte er im rot und blau glitzernden Schnee die Spuren eines Tarek ausmachen. Das kleine, pelzige Tier hatte in der eisigen Winternacht nach Wurzeln gesucht, die es ausgraben und in seinen Bau bringen konnte. Tareks eigneten sich auch als niedliche Haustiere. Putzig, pflegeleicht, stubenrein und nach kurzer Zeit überaus anhänglich. Er hatte seinem Sohn einen Tarek schenken wollen, sobald er alt genug war, die Verantwortung für ein Haustier zu übernehmen. Neben der Freude, die solch ein kleiner Spielgefährte brachte, wäre dies auch für seine Erziehung zur Übernahme von Verantwortung eine sinnvolle Maßnahme gewesen.


Er hatte viele Pläne gehabt. Für seine Familie, sich selbst und natürlich für das Imperium. Die ersten vier Jahre nach seiner Wahl zum Imperator waren wie ein berauschender Traum verflogen. Er war beliebt, fand eine wunderschöne Frau, regierte das Reich ohne größere Schwierigkeiten, wurde vor sechs Monaten Vater eines gesunden Sohnes – und dann fiel alles auseinander. Es kamen Gerüchte auf, dass sich eine Oppositionsgruppe um den unterlegenen Kandidaten für das Amt des Imperators aus dem Haus Vokossian gebildet hatte. Er machte sich zu diesem Zeitpunkt keine großen Sorgen. Der Kronrat hatte ihn mit überwältigender Mehrheit gewählt, er verfügte über die Unterstützung von mindestens zwei Drittel der 27 Häuser, Karban von Vokossian hatte nach der Wahlniederlage seine Unterstützung zugesagt und wurde in den Rang eines Admirals befördert. Vokossian erhielt das Kommando über die Grenzsicherungsflotte und es hatte in der Folge nie einen Grund gegeben, seine Loyalität infrage zu stellen. Dann kamen die Gerüchte auf. Vokossian zweifele an seiner charakterlichen Eignung als Imperator. Er nahm das nicht weiter ernst. Vor drei Monaten dann der Anschlag auf ihn und seine Familie. Nur durch ein Wunder überlebten er und sein Sohn. Der Attentäter hatte die im Straßenbelag verborgene Desintegratorbombe eine zehntel Sekunde zu spät gezündet. Das scharf umrissene, kugelförmige Desintegrationsfeld durchtrennte seinen Antigrav-Gleiter glatt in der Mitte. Vom hinteren Teil blieb nur atomarer Staub. Lediglich der Zufall, dass er an diesem Tag mit seinem Sohn auf dem Schoß ausnahmsweise vorn neben dem Fahrer saß, rettete ihnen beiden das Leben. Von Eleria, seiner Frau, und Donestor von Thran, seinem Schwager und einem der größten Genies, die das Imperium je hervorgebracht hatte, blieb nichts übrig, dass man hätte betrauern können. Beim Gedanken an das Attentat stiegen Tränen in die Augen des Imperators. Der Tod seiner geliebten Frau berührte ihn stärker, als sein eigenes, unvermeidliches Ende. Es gab keine Beweise, dass Vokossian hinter dem Anschlag steckte, und er konnte und wollte immer noch nicht glauben, dass sich eine Verschwörung gegen ihn zusammenbraute. Vokossian schien zu schwach, schien über zu wenige Unterstützer zu verfügen und hatte bisher keinen Anlass geboten, an ihm zu zweifeln. Dann kam der öffentliche Aufruf, sich gegen ihn zu erheben. Vokossian erschien in vollem Ornat mit all seinen Orden und Auszeichnungen an der Admiralsuniform in sämtlichen Holowürfeln des Reiches und beschuldigte ihn, eine Erbmonarchie einführen, den Kronrat zu entmachten und sich zum Diktator aufschwingen zu wollen. Als Zeuge und zum Beweis stand sein eigener Bruder neben Vokossian vor den Kameras und belastete in schwer. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder, der es nie verwinden konnte, dass er nicht der Erstgeborene, und somit nicht der Erbe des Hauses Hillnar war, hatte sich mit Vokossian verbündet. Der Imperator fragte sich, was man ihm für seinen Verrat wohl versprochen hatte. Der Narr! Vokossian wird ihn nur so lange am Leben lassen, wie er für ihn von Nutzen ist, grübelte er. Sein zweiter Bruder, ein zwölf Jahre jüngerer Nachkömmling, stand hingegen fest zu ihm. Wenigstens ist mir noch ein Familienmitglied geblieben, sagte er sich. Vokossian erklärte das Ausscheiden seines Verbandes aus der imperialen Flotte und forderte andere auf, sich ihm 'Zur Rettung des Imperiums' anzuschließen.


Danach ging es Schlag auf Schlag. Von Vokossian bezahlte und gesteuerte Aufstände brachen auf zum Haus Hillnar gehörenden Planeten aus. Erste Zweifel bei anderen Häusern. Noch mehr 'Enthüllungen' über seine angeblichen Pläne, das Reich in eine Diktatur verwandeln zu wollen. Die ersten Flottenverbände, geführt von Kommandeuren, deren Häuser traditionell dem Haus Vokossian nahe standen, setzten sich ab und sicherten Karban von Vokossian ihre Unterstützung zu. All dies wäre noch nicht das Ende gewesen. Noch immer wusste er eine knappe Mehrheit der Häuser und Stimmen im Kronrat hinter sich. Noch standen die Kommandeure der Flotte mehrheitlich auf seiner Seite. Die Anschuldigungen waren einfach zu extrem und zu unglaubwürdig, auch wenn sein eigener Bruder mit hinter ihnen stand. Aber die Zweifel wuchsen weiter und es kam zu ersten Auseinandersetzungen zwischen der imperialen Flotte und den abtrünnigen Verbänden. Während er noch verzweifelt versuchte, einen offenen Bürgerkrieg abzuwenden, kam es zur Schlacht im Carella-Sektor, die das wahre Ausmaß des Verrats deutlich machte.


Am Himmel waren fast keine Sterne sichtbar, da das helle Licht der beiden Monde sie überstrahlte. In weniger als einer Stunde würde dort ein spektakuläres, tödliches Feuerwerk zu sehen sein. Seit mehreren Stunden tobte am Rand des Systems die letzte Schlacht, und das Licht der explodierenden Raumschiffe und nuklearen Explosionen würde bald den Planeten erreichen. Der Kampf war verloren. Vor wenigen Minuten hatte er vom kommandierenden General der imperialen Heimatflotte die Nachricht erhalten, dass die ersten Einheiten des Feindes durchgebrochen waren. Danach war auch er verstummt. Das Licht würde den Planeten einige Stunden vor den Invasionstruppen erreichen, da ein überlichtschneller Flug innerhalb des Systems mit extremen Risiken verbunden war. Die vielfältigen Gravitationssenken der Himmelskörper machten eine genaue Kursberechnung unmöglich. Ein Flottenverband würde völlig in Unordnung geraten, Schiffe liefen Gefahr, zu kollidieren, und man musste nicht zuletzt damit rechnen, zu nahe an einem Planeten aus dem Hyperraum zu fallen. Mit meist tödlichen Folgen. Zudem bestand für die Truppen des verräterischen Admirals keinerlei Anlass mehr für ein überstürztes Handeln. Sie hatten gewonnen. Spätestens seit der Schlacht im Carella-Sektor, als der größte Teil der imperialen Flotte ausgelöscht wurde, konnte es keine Hoffnung mehr geben. Vokossian hatte inzwischen die Unterstützung fast der Hälfte der Häuser erhalten. Obwohl er die Gründe für den Verrat dieser Häuser nachvollziehen konnte, verstand er nicht, dass sie die Zukunft des Imperiums dem Machtwillen eines einzigen Mannes opferten. Nachdem sich Vokossian zu seinem Entsetzen und seiner Überraschung mit den gefürchteten Piraten verbündet hatte, waren dessen Flotten zahlenmäßig überlegen.


Ausgerechnet die Piraten, dachte der Imperator. Viele Jahrhunderte haben wir diese Plage bekämpft und konnten sie doch nie völlig ausrotten. Unser Imperium ist einfach zu groß, das All zu unermesslich und die Verstecke zu zahlreich. Die Gesetzlosen waren schon von Anbeginn ein unversöhnlicher Feind des Imperiums und es schien völlig unerklärlich, wie Vokossian sie als Verbündete hatte gewinnen können. General Kefnars Schiffe der taktischen Ausbildungsflotte konnten wegen eines Hypersturms, in den sie unterwegs gerieten, nicht rechtzeitig zur Unterstützung der imperialen Streitmacht erscheinen. Die Schlacht ging endgültig verloren, als drei der fünf riesigen Schlachtschiffe auf Vokossians Seite wechselten, und gemeinsam einen der dem Imperator verbliebenen Giganten vernichteten. Ausgerechnet das Schlachtschiff HILLNARS EHRE, der Stolz seines Hauses, ging mit Hunderten von Frauen und Männern im atomaren Feuer unter. General Kefnar hätte mit seinen Schiffen vielleicht etwas bewirken können, aber der General war seinen beiden Kreuzern und fünfundsiebzig Korvetten seitdem spurlos verschwunden. Ob der Hypersturm sie vernichtet hatte oder sie sich an einem unbekannten Ort versteckt hielten, oder ob er inzwischen gar zu Vokossian übergelaufen war - niemand wusste es.


Was heute Nacht geschah, war nur das unvermeidliche Finale. Er würde der planetaren Verteidigung auf den Orbitalplattformen befehlen, das Feuer nicht zu eröffnen. Es erschien sinnlos und würde nur noch weitere Hunderte von Opfern unter den Besatzungen fordern. Er konnte nur hoffen, dass Vokossians Truppen die Plattformen nicht aus schierer Vernichtungslust einfach zerstörten.


»Du kannst noch immer den Planeten verlassen.«


    Der Imperator drehte sich zu dem Sprecher um.


    »Das haben wir schon mehrere Male besprochen und Du weißt, dass ich das nicht kann. Ich habe bei meiner Amtsübernahme einen Eid geschworen und werde ihn nicht brechen! Das Imperium unter Einsatz meines Lebens zu schützen und zu verteidigen. Ich kann Vokossian nicht erlauben, mir auch noch dies zu nehmen. Ich werde nicht davonlaufen!«


Nur wenige Schritte vor ihm stand ein jüngerer Mann in der Uniform des medizinischen Korps der Raumstreitkräfte.


»Das ist Irrsinn! Denk´ an deinen Sohn. Er ist erst sechs Monate alt. Soll er auch noch ohne Vater aufwachsen, nachdem er schon seine Mutter verloren hat?«


»Er wird Dich haben! Seinen Onkel. Und die Erinnerung daran, dass man in unserer Familie seine Gelübde ernst nimmt. Dass wir ein ehrenhaftes Haus sind und kein Abschaum wie das Haus Vokossian.«


Der jüngere Mann blickte den Imperator schweigend an. Es war bereits alles gesagt und diskutiert worden. Mehrfach. Der Imperator zog einen Ring von seinem Finger.


    »Nimm!«, sagte er. »Das Schiff wird Dich als Kommandanten akzeptieren, wenn Du ihn trägst. Es ist ansonsten etwas ... äh ... eigensinnig, wie Du weißt. Die KI der ELERIA hat ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und dient freiwillig ausschließlich dem Imperator. Mein Sohn wurde bereits an Bord gebracht. Die ELERIA kann noch entkommen. Sie ist schneller als jedes andere Schiff der Flotte und so schwer bewaffnet wie ein Schlachtschiff. Dieser Prototyp ist zudem einmalig und darf Vokossian keinesfalls in die Hände fallen.«


Sein Gegenüber nickte. »Donestors Meisterwerk, benannt nach seiner geliebten Schwester. Sein Geschenk an Dich zur Geburt eures Sohnes. Ein unglaubliches Schiff, und vor allem eines, von dem Vokossian nichts weiß und dessen Eigenschaften er nicht kennt. Ich habe schon eine Vorstellung, wohin wir mit ihr fliehen können, wo Dein Sohn aufwachsen kann und wo die Häscher des Verräters ihn nicht...«


    »Stopp!«, unterbrach ihn der Imperator. »Wenn ich es nicht weiß, kann ich es nicht ausplaudern. Sie werden ihn um jeden Preis finden wollen. Er ist mein Sohn und somit zukünftig eine potenzielle Gefahr für Vokossian. Geh´ jetzt. Sag´ ihm, dass ich ihn geliebt habe. Wenn die Zeit reif ist, erzähle ihm wer seine Eltern waren und was geschehen ist. Bereite ihn vor. Und vor allem: Beschütze ihn!«


Der junge Mann trat vor und umarmte den Imperator.


    »Tarand, ich ...«


    »Schon gut. Wir wussten seit Tagen, dass dieser Moment kommen würde. Mein Platz ist hier. Ich kann nicht davonlaufen und die vielen Menschen auf dem Planeten alleine ihrem Schicksal überlassen. Welch ein Imperator wäre ich dann, kleiner Bruder?«


Mit Tränen in den Augen lächelte der jüngere Mann dem Imperator zu, wandte sich ab und verließ den Raum. Zischend schloss sich die pneumatische Tür hinter ihm. Der Imperator drehte sich um und ging zu seinem riesigen Schreibtisch. Aus seinem implantierten Memo-Chip rief er die Verbindungsparameter zur Orbitalverteidigung auf und gab diese über ein Sprachkommando in die Kommunikationskonsole ein. Seine Privatsekretärin hatte er schon vor Stunden nach Hause geschickt, um dem zu erwartenden Ende zu entgehen.


Über dem Schreibtisch formte sich das Hologramm der Orbitalstreitkräfte des Zentralplaneten, welches nach wenigen Augenblicken durch das Abbild eines bedrückt wirkenden Mannes mittleren Alters ersetzt wurde.


»Imperator, ich melde sämtliche Stationen vollständig einsatzbereit! Wir werden dem Verräter einen Empfang bereiten, den er nie vergessen wird.«


Der Imperator lächelte schwach. »General Malkum, ich weiß ihre Treue und Einsatzbereitschaft zu schätzen, aber sie wissen so gut wie ich, dass dies eine sinnlose Geste wäre. Vokossians Flotte wird die Stationen ohne große Mühe aus dem Orbit blasen. Dies würde nur noch mehr sinnlose Opfer fordern ...«


    »Aber, Imperator ...«


    »Nein, General! Ich werde nicht noch mehr Männer und Frauen für einen Kampf opfern, der bereits jetzt verloren ist! Ich befehle ihnen hiermit, sämtliche Orbitalplattformen unverzüglich vollständig zu räumen. Der Feind wird in wenigen Stunden hier sein. Die Zeit reicht dafür also aus. Für sie, General Malkum, habe ich jedoch einen wichtigen Auftrag – wenn sie bereit sind, ihn anzunehmen. Mir ist ihr kleines Hobby wohl bekannt. Es entspricht zwar nicht genau den Flottenvorschriften – aber, trifft es zu, dass sie nicht mit einem offiziellen Shuttle zu ihrem Befehlsstand geflogen sind, sondern mit ihrem kleinen 'Spielzeug'


    »Imperator, äh, ja ... also ... es war ...«


    »Keine Bange, General!«, lächelte Imperator Tarand von Hillnar.


    »Es liegt mir fern, sie deswegen zu tadeln. Tatsächlich kommt mir ihre Vorliebe für kleine, schnelle Raumjachten sehr gelegen. Ich möchte, dass sie sich einen oder zwei freiwillige Begleiter suchen, deren Loyalität außer Zweifel steht, und sofort, nachdem sie den Räumungsbefehl gegeben haben, mit ihrer Jacht aufbrechen. Suchen sie General Kefnar und seine Flotte. Bringen sie in Erfahrung, ob er lebt, wo er steckt, was er treibt, und was seine Pläne sind. Finden sie heraus, ob er übergelaufen ist oder nicht. Sollte er weiterhin auf unserer Seite stehen, nehmen sie Kontakt auf und übergeben ihm meinen letzten Befehl: Versteckt die Flotte! Unternehmt nichts. Wartet auf weitere Anweisungen. Vokossian wird sich nicht ewig halten können. Der Tag wird kommen, an dem loyale Frauen und Männer gebraucht werden – und ihre Schiffe! Es kann lange dauern, Jahre vielleicht, aber gebt die Hoffnung nicht auf! Die taktische Ausbildungsflotte muss zur Keimzelle des Widerstandes werden. Ihre Jacht ist schnell, klein und deshalb nicht leicht zu orten. Sie können damit problemlos aus dem System entkommen. Zudem ist es eine Privatjacht, und man wird sie nicht auf Anhieb mit einem imperialen General in Verbindung bringen. Trennen sie sich von ihrer Uniform, und allem, was sie als Militär verraten könnte. Ab jetzt sind sie nur ein reicher Privatmann, der mit seiner Luxusjacht dem Kampf entfliehen konnte und ziellos umherstreift. Sind sie bereit, dem Imperium und mir diesen letzten Dienst zu erweisen?«


General Malkum, einer der jüngsten Generäle der Flotte, schluckte.


    »Imperator, es fällt mir schwer meinen Posten und meine Truppen ohne Gegenwehr aufzugeben, aber natürlich haben sie recht. Wir hätten keine realistische Chance gegen die anrückenden Feindverbände. Deshalb danke ich ihnen im Namen aller Männer und Frauen der Orbitalstationen für unser Leben. Und ich danke ihnen für das Vertrauen, dass sie mir entgegenbringen. Selbstverständlich nehme ich den Auftrag an und werde alles in meinen Kräften stehende tun, um die Saat für den Widerstand zu legen. Ich werde General Kefnar finden und seine Situation beurteilen. Sollte er noch treu zum Imperium stehen, werden wir gemeinsam dafür sorgen, dass der rechtmäßige Imperator eines Tages über Männer, Frauen und Schiffe verfügen kann, um das Gesetz und das Reich wieder herzustellen. Und sollte es Jahre dauern, wir werden bereit sein! Darf ich fragen, wie und woran wir erkennen werden, ob uns zur gegebenen Zeit ein rechtmäßiger Befehl erreicht?«


    »Nun, General, sicherlich werde nicht ich derjenige sein, der diesen Befehl überbringen wird. Machen wir uns nichts vor; mein Weg ist heute zu Ende. Sie kennen meinen Ring, den Siegelring des Imperators. Er ist nicht zu fälschen, da er am Tag der Amtsübernahme mit meiner DNA-Signatur untrennbar gekoppelt wurde. Auch wenn ich es nicht sein werde, der ihnen eines Tages diesen Ring vorzeigen wird, der Träger dieses Ringes wird in meinem Namen sprechen. Mein verbliebener Bruder trägt ihn derzeit und wird ihn an meinen Sohn weitergeben, falls es ihm nicht gelingt, Vokossian ein Ende zu bereiten. Wie gesagt: Es kann Jahre dauern, bevor es glückt, Vokossian zu stürzen, aber es wird geschehen. Leben sie wohl, General, und vielen Dank!«


    »Leben sie wohl, Imperator! Wir werden warten. Und wir werden bereit sein!«


Der Imperator unterbrach die Verbindung. Er schickte eine Aufzeichnung des Gespräches über einen gesicherten Datalink an den Memo-Chip seines Bruders. Mellor von Hillnar würde wissen, was zu tun war. Er war noch jung, hatte gerade die medizinische Fakultät der Militärakademie mit Auszeichnung abgeschlossen, und er war immer der schlaueste der drei Brüder gewesen. Dann erhob er sich und ging zurück zum Panoramafenster. Wieder schaute er hinaus auf den Park und wartete. Die Spuren des Tarek waren von einer inzwischen aufgekommen, leichten Brise verweht worden.


Im unberührten Schnee des Parks öffnete sich langsam eine riesige Iris. Wie ein gewaltiges, sich zögernd öffnendes schwarzes Auge inmitten eines weißen Augapfels blickte es in den Nachthimmel. Völlig geräuschlos erhob sich aus seiner Mitte ein Schiff. Ein weißer Zylinder von achtzig Meter Länge und dreißig Meter Durchmesser, vorn gerundet, rechts und links zwei kleinere Zylinder von etwa halber Länge und Durchmesser in der Mitte angeflanscht und oben ein nochmals kleinerer Zylinder in den gleichen Proportionen aufgesetzt. Wenn man nahe genug gewesen wäre, hätte man durch das Panoramafenster in der vorderen Rundung des oberen Zylinders eine einsame Gestalt hinter den Flugkonsolen sehen können. Vom kaiserlichen Palast aus sah man nur ein kleines weißes Schiff, welches von seinen Antigrav-Generatoren langsam emporgehoben wurde, bis es sich in einigen Hundert Meter Höhe aufrichtete, die Strahltriebwerke am Heck einsetzten und das Schiff auf einem gleißenden Feuerstrahl mit atemberaubender Geschwindigkeit im Nachthimmel verschwand.


Während Imperator Tarand von Hillnar noch dem langsam verglühenden Schweif des Antriebs nachblickte, erblühten die ersten Explosionen am Himmel und Erxes begann, Alkira allmählich zu verdecken.


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