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> Science Fiction > Enujaptas Fluch
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Science Fiction
Buch Leseprobe Enujaptas Fluch, Celeste Ealain
Celeste Ealain

Enujaptas Fluch


Gestrandet auf dem vernetzten Planeten ...

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2004
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Prolog


 


Es begann, wie es endete – mit einem Schrei ...


 


„Fabienne ... du musst ruhig bleiben! Es ist alles so, wie es sein soll!” Nj-eyo versuchte sie wieder zu Boden zu drücken, doch sie war im Begriff sich aufzubäumen. Utangk sprang von einem benachbarten Ast und kam zu Hilfe. Beide zwangen sie zu Boden, um sie für alle Fälle zu stabilisieren. Als sie sich ihren Brustkorb näher ansah, musste sie mit blankem Horror feststellen, dass die netzartigen violetten Adern über ihre offenen Wunden in ihren Körper eindrangen. Der schrille Schrei, der sich schlagartig seinen Weg durch den Dschungel bahnte und die Angst und das Entsetzen widerspiegelte, war ... ihr eigener.


 


 


Schrei in der Dunkelheit


 


In den unendlichen Weiten des Universums war Nokimis auf dem Weg nach Earth 3. In seinem Inneren beherbergte das Raumschiff 180 Personen, davon dreißig mit militärischer Ausbildung. Sie alle befanden sich in der Tiefschlafphase, um die sieben Lichtjahre Entfernung zu überbrücken, die sie von der Erde trennten. In der Stille glitt das Schiff dahin, während sich in seinem Steuerraum Probleme abzeichneten, die in keinem Notfallplan Erwähnung fanden.


***


 


Vage hörte er das schrille Pfeifen, das sich pulsierend seit längerer Zeit äußerte. Doch bis zum jetzigen Moment konnte er sich selbst und seine Umgebung noch nicht vollständig wahrnehmen. Als er seine Gedanken ordnete und das erste Mal seit Monaten wieder die Augen öffnete, wurde ihm schlagartig übel. Obwohl Hamlock dies nun schon zum fünften Mal durchmachte, konnte er sich einfach nicht an diesen Zustand gewöhnen. Er schaffte es gerade noch, die transparente Schutzklappe seiner Schlafkabine mit einem unsicheren Knopfdruck zu öffnen, bevor er kopfüber von der Liege fiel. Nur seine Hände konnten ihn gerade noch vor einem direkten Sturz auf sein Gesicht schützen. Dann ging es los: der Schüttelfrost, das Würgen, das Gefühl der Atemnot. Er schnappte rasch nach dem Behälter neben sich, um zu entleeren, was nicht da war. Sein Magen hatte seit sechs Monaten keine Nahrung zu sich genommen, was den Würgereiz jedoch nicht im Geringsten reduzierte. Der Behälter stand pro forma da ... wie jedes Mal.


Hamlock wischte sich mit dem Handrücken die Schweißperlen vom Gesicht und fragte sich, ob er so furchtbar aussah, wie er sich fühlte. Mit gerade einmal sechsunddreißig Jahren kam er sich wie ein Mittfünfziger auf Entzug vor. Er versuchte, sich langsam aufzurichten, um seine Muskeln nicht zu erschrecken oder seinen Kreislauf zu überfordern. Zwar wurden in der Tiefschlafphase regelmäßig Elektroimpulse durch seinen Körper geschossen, um den Muskelabbau zu verhindern, trotzdem musste sein Gehirn erst wieder alle Verbindungen zu seinem Körper herstellen. Er stabilisierte sich auf seiner Liege und blickte um sich. Das pfeifende Geräusch war ein Frühwarnsystem, an das sein Biorhythmus in der Tiefschlafkabine gekoppelt war. Irgendetwas hatte den Computer dazu veranlasst, ihn frühzeitig aufzuwecken. Aber was?


***


 


Das fehlte ihm gerade noch. Als er im Kontrollraum mit der Überwachung und Bestätigung der neuen Koordinaten beschäftigt war, musste er im Augenwinkel auf dem Monitor zum Tiefschlaflabor 3 feststellen, dass Bewegungen im Raum zu vernehmen waren. Zügig trat er an den Bildschirm heran, der alle Kabinen mit je sechs bis zehn Passagieren überwachte. Ein Bildausschnitt pulsierte rot, was unerwartete Ereignisse kennzeichnete. Er holte das verkleinerte Bild, mittels Antippen der Oberfläche heran und betrachtete den gezoomten Raumausschnitt näher. Verdammt! Wie war das möglich? Eine Tiefschlafkabine stand sperrangelweit offen und eine männliche Person stützte sich auf die Liege. Major Charnsten riss die Augen weit auf. Er musste schnell Plan B einleiten, denn wenn ihn sein Sehvermögen nicht täuschte, sah er Lieutenant Colonel Hamlock höchstpersönlich, der gerade dabei war, sich zu regenerieren. Er würde anschließend sicherlich checken, warum das Frühwarnsystem angeschlagen hatte.


***


 


Mit wackligen Knien schritt Hamlock zum Spind direkt neben seiner geöffneten Kabine. Auf dem schwarzen Bedienfeld gab er seinen Sicherheitscode ein, der das Fach automatisch entriegelte und ihm den Zugriff auf eine Garnitur seiner Uniform sowie auf ein abgespecktes Steuerpult zum Hauptcomputer freigab. Da das Alarmsystem gelb blinkte, wusste Hamlock, dass es sich hier um keine dringende Situation handelte, und kleidete sich zunächst an, während er die Einträge des Logbuches durchsah. Er hasste den Kittel, der für die Schlafphase vorgesehen war. Er erinnerte ihn an alte Arztserien und diente auch nur zur leichteren Überwachung seiner physischen Werte. Daher genoss er förmlich das Gefühl der reinen Baumwolle auf seiner Haut, welches sein Unterhemd ihm beim Überziehen verlieh. Aber was war das? Die Aufzeichnungen zeigten ihm das Annähern eines Meteoritenschwarms an. Hamlock klickte auf die Flugkoordinaten, denn die geplante Route sah eigentlich keine Überquerung von Meteoritenlaufbahnen oder Ähnlichem vor. Natürlich konnte bei einer Risikoplanung nicht jede Eventualität mit berücksichtigt werden. Doch da es sich hier bereits um die zweite Besiedlung eines Planeten handelte und die Menschheit nun auf jahrzehntelange Erfahrungen in der Raumfahrt zurückblicken konnte, erschien ihm der Vorfall doch höchst merkwürdig. Als er sich die aktuelle Lage des Schiffs in Richtung des galaktischen Südpols ansah und die Route von der Erde mit seinem Finger auf dem Monitor verfolgte, musste er kurz laut schlucken. Nokimis war nicht mehr auf Kurs. Sie hatte sich zwölf Grad von der ursprünglichen Route verschoben und steuerte genau auf ein Wurmloch zu! Wie konnte das passieren? Hamlock war sowohl durch seine militärische als auch seine Flugausbildung für die gelbe Warnstufe vorgesehen, doch dieser Fall wäre eher etwas für den Kapitän des Schiffs gewesen. Aber nun musste er selbst eingreifen, denn es würde zu lange dauern, ihn ebenfalls aufzuwecken.


Als Hamlock gerade im Begriff war, sich auf den Fersen umzudrehen, um im Laufschritt zur Kommandozentrale zu gelangen, mit dem Ziel den Autopiloten zu korrigieren, wurde sein Vorhaben unterbunden. Er wurde von hinten gepackt und fand sich in dem gekonnten Würgegriff eines Ellbogens wieder.


 „Na, mein Freundchen. Mir scheint, du bist früher munter, als dir gut tut!”, zischte eine vertraute Stimme ihm ins Ohr. Hamlock umklammerte den Unterarm seines Peinigers und versuchte, sich mehr Luft zu verschaffen. Doch seine Kräfte waren noch nicht ganz zurückgekehrt. Als militärisch ausgebildeter Lieutenant musste er auf ein anderes Repertoire an Verteidigungsmethoden umsteigen. Mit voller Wucht trieb er seinen Ellbogen in die Magengegend seines Kontrahenten und zeitgleich trat er ihm auf einen Fuß, sich wohl bewusst, dass dies bei möglichen Kampfschuhen mit integrierter Schutzkappe vergebens sein konnte. Doch zumindest hatte er sich kurz Luft verschaffen können: „Verdammt, ... was ... soll ... das?”


 


     Sie vernahm Stimmen. Wie ein Echo in einem leeren Raum, erst leise und dann, wie der Schall, immer lauter. Es war dunkel oder lag es daran, dass ihre Augenlider geschlossen waren? Sie war sich nicht sicher. Ein ungutes Gefühl kroch in ihr hoch, ein Gefühl der Enge, der Beklommenheit. Sie realisierte eine warme, weiche Unterlage unter sich. Wo war sie? Sie hatte Schluckbeschwerden, da ihr Hals so trocken war, als hätte sie unendlich lange nicht mehr geschluckt ... und da waren sie wieder – diese Stimmen.


 


     Der Griff schloss sich blitzschnell wieder um seine Kehle. Nach der Größe des Angreifers und der Muskelmasse, die auf dem zupackenden Arm hervorquoll, zu urteilen, musste es sich um ein militärisches Mitglied der Besatzung handeln. Hamlock setzte zurück und konzentrierte seine gesamte Kraft auf einen Hieb seines Hinterkopfes in das Gesicht seines Angreifers. Dieser ließ instinktiv los und rieb sich seine hoffentlich blutende Nase. Hamlock wirbelte herum und traute seinen Augen nicht, als er sich in Angriffsposition stellte … es war Major Trevor Charnsten, der ihm gegenüberstand ­– sein direkt untergeordneter Leiter der Spezialeinheiten dieser Mission. Daher war ihm also die Stimme so bekannt.


„Charnsten, was soll das werden? All die Jahre, die wir zusammengearbeitet ...!”


 


     Major Trevor Charnsten sah in seine Handflächen, die mit Blut verschmiert waren, und Wut stieg in ihm hoch. Er war etwas größer als Hamlock und wog mit Gewissheit um die zwanzig Kilo mehr als dieser. Verdammt noch mal, mit seinen mitte Dreißig war er praktisch ein Kind, und ausgerechnet er wurde ihm vorgezogen? Ausgerechnet dieses Häufchen Elend? Hasserfüllt sprang er auf seinen Vorgesetzten und versuchte, ihn erneut unter Kontrolle zu bekommen. All seine Bemühungen, und nur dafür, um schlussendlich übergangen zu werden? Deswegen hatte er sich nicht aus der Militärakademie in Sandhurst/England in die Spezialeinheit der Armee gequält. Immerhin wurde er für seinen Einsatz in China zum jüngsten 2nd Lieutenant aller Zeiten ernannt, was ihn jedoch nicht über den Verlust seines rechten Beines hinwegtrösten konnte. Er musste fortan mit einem bionischen Ersatzteil leben. Mit dreiundvierzig Jahren durfte es doch nicht zu viel verlangt sein, seinen rechtmäßigen Posten zu beanspruchen. Vor allem, da er bereits bei der Besiedelung von Earth 2 eine tragende Rolle gespielt hatte und wo war Hamlock da gewesen? Kein Hahn krähte nach dem Neuling!


„Du hast etwas, was dir nicht zusteht! Etwas, was man dir nur in den Arsch geschoben hat. Wofür du keine Leistungen vorweisen kannst!”, schrie Trevor, als er Hamlock durch das gesamte Tiefschlaflabor schob und gegen die nächste solide Wand donnerte.


„Ich weiß nicht, was du meinst, Trevor?!”, erwiderte dieser schockiert.


„Ach, tu nicht so, du Pussi! Du weißt so gut wie ich, dass du nur zum Lieutenant Colonel berufen wurdest, weil dein lieber Daddy im Gremium was zu sagen hat – nichts weiter!”


 


     Hamlock sah in die eiskalten Augen seines Kontrahenten, dessen Antlitz an einen Horrorstreifen erinnerte. Die stahlblauen Augen, der irre Ausdruck, kombiniert mit seiner blutverschmierten Nase hätten eine gute Basis für Albträume abgegeben. Hamlock hielt Charnsten an seinen Gelenken fest und drehte seinen gesamten Körper nach links, was ihn aus der fixierten Situation löste, und trat ihm gegen das rechte Knie. Das war, wie sich sogleich herausstellte, für ihn schmerzlicher als für den Major selbst. Dieser grinste ihn nur hämisch an und nahm ihm den sicheren Stand mit einem geschwungenen Tritt seiner bionischen Prothese. Hamlock fing sich mit beiden Handflächen am Boden auf und rollte zur Seite, bevor das synthetische Bein ihm den Garaus machen konnte. Doch Charnsten war eindeutig schneller, und hievte ihn an seiner Jacke wieder hoch, um ihn an sich heranzuziehen: „Deine glorreichen Zeiten sind ab sofort vorbei! Denn was wird wohl in deinen Akten stehen, wenn man herausfindet, dass du die Koordinaten bewusst manipuliert hast, um die Bevölkerung von Earth 3 zu verzögern?”


„Du verdammtes Arschloch! Wie in Gottes Namen willst du mich mit so einer Schwachsinnsidee in Verbindung bringen?!” Als Hamlock ihn dann triumphierend anlachte, ging eine Sicherung bei Charnsten durch. Er schlug ihm mit der Faust direkt ins Gesicht.


„Tja, mein lieber Lieutenant, jemand wird Unterlagen in deinem Besitz finden, die der Widerstandsbewegung `Blue Terror’ zu zuschreiben sind ... Wie soll ich es nun positiv ausdrücken – du wirst nicht mehr zu dem Vorwurf Stellung nehmen können. Ich lass mir von dir nicht meinen rechtmäßigen Platz wegnehmen!” Plötzlich gab es einen dumpfen Knall und eine Druckwelle katapultierte Hamlock und ihn durch die Luft ...


 


      Der laute Knall war es, der Fabienne letztendlich aus der Dunkelheit riss. Sie erkannte nun, dass es kein Albtraum war, der ihre Platzangst in ihrem eigenen Körper verursacht hatte. Ein lauter Alarm startete und tauchte das Tiefschlaflabor in ein bedrohliches Rot. Mit aufgerissenen Augen blickte sie um sich, um sich Klarheit zu verschaffen. Warum war bloß alles so rot? Sie konnte außerhalb der Kabine nichts erkennen, obwohl sie großteils transparent war. Die Sirene war so laut, dass sie glaubte, ihre Trommelfelle würden platzen. Die Notbeleuchtung flackerte im Akkord zum Alarm und Flüssigkeit drang in ihre Kabine. Fabienne wurde panisch und führte ihre Hände an ihr Gesicht, die die warme Flüssigkeit auffingen. Beim Blick auf ihre zitternden Finger konnte sie nur eine dunkle Brühe wahrnehmen und Panik kroch in ihr hoch. Als sie intuitiv nach oben blickte, musste sie feststellen, dass der Austritt nicht mechanischen Ursprungs war ... Sie blickte in die toten Augen des leitenden Offiziers der Besiedelungsmission – Johnson Hamlock. Sein starrer Blick durchbohrte sie förmlich und enthielt den stummen Vorwurf, dass sie nicht eingeschritten war – doch wobei? Sein Kopf war direkt in ihre Kabine gedonnert. Doch die Bruchstelle ließ gerade mal seinem Gesicht Zugang zu ihrem Schlafbereich, der, wie sie nun feststellte, mit etlichen Scherben übersäht war. Als sich gerade weitere Tropfen auf seiner blassen Nase sammelten und ihr ins Gesicht tropften, musste sie dem Impuls freien Lauf geben und schrie ihre Verzweiflung in die ungekannte Zukunft.



 



 


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